Nachtrag, 3. Mai 2010: Inzwischen ist die Auseinandersetzung zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Ich verweise noch auf eine Zusammenfassung nach einer Woche Diskussion und meine Stellungnahme zu einem als Kompromiss bezeichneten Vorschlag des Präsidenten vom letzten Donnerstag. Auch dieser Vorschlag wurde vor der Mitgliederversammlung noch zurückgezogen. Wie es schließlich ausgegangen ist, könnt ihr hier lesen. Dort findet sich auch eine Darstellung, wie andere Landesschachverbände mit dieser Frage umgehen. Und hier ein ein kleiner Ausblick auf die Schöne-Neue-Anti-Doping-Welt, wie wir sie auf Bundesebene haben — und auf Landesebene gerade noch verhindern konnten.
Liebe Schachfreunde!
Das Präsidium des Landesschachverbandes hat mehrheitlich beschlossen, der Mitgliederversammlung am 2. Mai 2010 in Güstrow eine Änderung der Satzung und die Verabschiedung einer Anti-Doping-Ordnung vorzuschlagen. Erlaubt mir bitte, dazu kurz meine Meinung zu schildern.
1. Es gibt kein Dopingproblem im Schach!
Es gibt meines Erachtens kein Dopingproblem im Schach. Ich spiele seit über 30 Jahren Schach und ich habe noch nie davon gehört, dass jemand versucht hätte, durch Einnahme von Substanzen oder durch bestimmte Verfahren wie Blutmanipulationen seine Leistung im Schach zu verbessern. Es gibt keine einzige ernstzunehmende Studie, in der festgestellt wird, dass so etwas überhaupt möglich wäre. Es gibt deshalb auch keinen eigenen Katalog von verbotenen Stoffen oder Methoden für das Schach – weil niemand wüsste, was er in einen solchen Katalog hineinschreiben sollte. Schachspieler sollen wie Radfahrer oder Gewichtheber behandelt werden.
2. Die Anti-Doping-Ordnung ist unverhältnismäßig!
Schach in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Amateursport. Es ist gerade das Schöne an unserem Spiel, dass es von allen Menschen gespielt werden kann, egal ob alt oder jung, Frau oder Mann, arm oder reich. Die Anti-Doping-Ordnung soll für jeden gelten, der im Zuständigkeitsbereich des Landesschachverbandes Schach spielt, also im Ligabetrieb, im Pokal oder bei Meisterschaften. Die Anti-Doping-Ordnung unterwirft jeden Schachspieler einem Kontrollregime. Er muss sich informieren, welche Stoffe und Methoden verboten sind – auf einer Internetseite in englischer Sprache! Wenn ihm der Arzt solche Stoffe verschreiben will, weil er vielleicht an einer Herzerkrankung oder einer psychischen Krankheit leidet, muss er sich das genehmigen lassen, bevor er das Medikament einnimmt. Er muss sich auf Urin und Blut kontrollieren lassen, wenn das die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) oder der Deutsche Schachbund (DSB) anordnen. Das gilt auch im Training. Wollen wir das? Nur weil wir Schach spielen wollen?
3. Die Anti-Doping-Ordnung ist ein Eingriff in die Verbandsdemokratie!
Die geplante Anti-Doping-Ordnung des Landesschachverbandes soll einfach alle Regelungen übernehmen, die der Deutsche Schachbund, die NADA und die World Anti-Doping Agency (WADA) verabschiedet haben und noch verabschieden werden. Die Mitglieder des Landesschachverbandes haben dann keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr darauf, was als Doping gilt, wie kontrolliert und wie bestraft wird. Der Vollzug der Anti-Doping-Ordnung wird dem DSB übertragen. Über Änderungen der Anti-Doping-Ordnung des Landesschachverbandes darf die Mitgliederversammlung nicht mehr bestimmen, als einzige Ordnung im Landesschachverband entscheidet darüber allein mit einfacher Mehrheit das Präsidium. Das Landesschiedsgericht wird in diesem Bereich keine Zuständigkeiten haben.
4. Die Anti-Doping-Ordnung wird neue Schachspieler abschrecken und alte vertreiben!
Für Verstöße gegen die Ordnung sind Sanktionen vorgesehen. Wer sich zum Beispiel einer Kontrolle verweigert oder unerlaubt Medikamente nimmt, die auf der Dopingliste stehen oder wer (strafrechtlich nicht verbotene Drogen) wie Marihuana konsumiert, kann gesperrt und mit einer Geldstrafe von mindestens 100 Euro belegt werden. Wer Kaderspieler ist, muss dafür unterschreiben, bei Minderjährigen müssen die Eltern unterschreiben. Wird das das Schach attraktiver machen? Ich kann für mich nur erklären, dass ich nicht unter Aufsicht eines Kontrolleurs in einen Plastebecher pullern werde. Ich werde auch meine Erkrankungen nicht bekanntgeben. Wenn das von mir verlangt wird, ist meine Schachlaufbahn zu Ende.
5. Die Anti-Doping-Ordnung kann teuer werden!
Der Landesschachverband hat keinen Einfluss darauf, ob und wie kontrolliert wird. Die NADA finanziert sich natürlich aus den Kontrollen. Die Kosten von Dopingkontrollen belaufen sich auf einen dreistelligen Betrag pro Person und sollen vom Landesschachverband getragen werden. Wenn es der NADA also mal einfallen sollte, einen Landesligakampf zu kontrollieren, ist der Haushalt unseres Verbands gesprengt. Niemand kann verbindlich garantieren, dass das nicht passieren wird – oder wozu brauchen wir sonst eine Anti-Doping-Ordnung?
6. Warum dann eigentlich diese Ordnung?
Die Befürworter der Anti-Doping-Ordnung sagen natürlich selbst, dass wir diese Ordnung nicht brauchen. Niemand glaubt ja ernsthaft an ein Dopingproblem im Schach. Argumentiert wird nur damit, dass uns sonst die öffentliche Sportförderung verlorengeht. Es geht nur ums Geld. Ich sage darauf: Erstmal möchte ich ein Papier sehen, in dem ein Geldgeber des Landesschachverbandes oder der Vereine verlangt, dass wir eine Anti-Doping-Ordnung haben. Dann möchte ich wissen, um welche Beträge es sich handelt. Und dann erst kann man entscheiden, ob man die geschilderten Nachteile durch die Anti-Doping-Ordnung in Kauf nehmen möchte. Ganz deutlich: Ich halte es für Opportunismus und Heuchelei, eine Ordnung zu verabschieden, die man gar nicht anwenden möchte. Dann würde ich lieber auf das Geld verzichten. Das Ehrenamt an der Basis ist sowieso nicht bezahlbar.
7. Wir sind nicht allein!
Das Schach in Mecklenburg-Vorpommern wird auch ohne Anti-Doping-Ordnung weitergehen. Bayern und Hessen werden keine solche Ordnung verabschieden, Berlin hat die Frage vertagt. Uns wird deswegen schon niemand aus dem DSB werfen.
Die vorgeschlagene Anti-Doping-Ordnung setzt eine Satzungsänderung voraus, für die eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Der Greifswalder Schachverein wird gegen die Satzungsänderung und gegen die Anti-Doping-Ordnung stimmen.
Danke für eure Aufmerksamkeit!
Stefan Kalhorn
Stellvertretender Vorsitzender des Greifswalder Schachvereins
Vorsitzender des Schiedsgerichts des Landesschachverbandes
Greifswald, den 20.4.2010
20. April 2010 - 17:18
Gut gebrüllt, Löwe! Besonders wichtig: Punkt 7. Das war mir neu. Kein Wunder, dass der DSB das nicht kommuniziert.
Aber ob`s was nutzen wird? Ich fürchte, dass die Masse mit dem Strom schwimmen wird!
20. April 2010 - 22:44
Vielen Dank für den Brief! Ich kann mich dem Inhalt nur aus ganzem Herzen anschließen.
Als ich mir neulich den Entwurf der Anti-Doping-Ordnung ansah, kam mir übrigens der Punkt 2.2 Absatz a) besonders absurd vor. Er lautet:
[Der Landesschachverband MV erkennt an:] die Pflicht eines jeden Athleten und Athletenbetreuers zur Kenntnis der jeweils gültigen Liste der verbotenen Substanzen und Methoden der WADA, veröffentlich[t] auf http://www.wada-ama.org [...].
Der Beschluss einer solchen Verpflichtung, von der IMHO völlig klar ist, dass ihr deutlich weniger als ein Prozent aller Mitglieder nachkommen werden, muss doch eigentlich als Witz gemeint sein, oder?
Die genannte Netzseite ist übrigens nicht nur englischsprachig, sondern zusätzlich auch recht unübersichtlich. Ich jedenfalls habe einige Zeit gebraucht, bis ich die Liste aufgestöbert habe. (Und nein, man sollte nicht versuchen, unter “Other Languages” die Sprache “Deutsch” auszuwählen: Die Google-Übersetzung verursacht Übelkeit und die aufgeführten Links sind nicht auf dem neuesten Stand oder führen gar gänzlich ins Leere.) Leider bin ich mit der Lektüre der Liste noch nicht weit gekommen, weil ich doch einige Fachtermini nachschlagen muss.
20. April 2010 - 22:44
Aus meiner Sicht wird das Thema viel zu heiß diskutiert, aber das habe ich ja schon mehrfach gesagt. Zu einigen der angeführten Punkte kann ich aber vielleicht auch was Inhaltliches beitragen.
zu 6. Der Landesschachverband MV hat eine einzige nennenswerte externe Geldquelle: Die Förderung vom Landessportbund. Diese wiederum besteht bis auf einige Projektörderungen weitestgehend aus der Breitensportförderung. Ich habe mal auf der Web-Seite des LSB (vielleicht zu oberflächlich) recherchiert, was sich da zum Thema Doping befindet. In der Breitensportförderrichtlinie ist nichts, in der Satzung ist nichts und in den in der Satzung angeführten weiteren Ordnungen auch nicht. Es gibt lediglich ein Dokument zu Antidoping-Maßnahmen, das sich dem Thema widmet. Hiernach müssen die Landesfachverbände zumindest einen Anti-Doping-Beauftragten benennen und es wird klar benannt, dass die Zielgruppe der Leistungssport ist.
Fazit: Dass der LSV MV ohne Anti-Doping-Ordnung keine Förderung mehr erhalten wird, ergibt sich aus den Dokumenten für mich nicht. Niemand kann aber verbindlich garantieren, dass dies für alle Zukunft gilt. Wenn es keine Förderung mehr geben würde, wäre dies aber ein grundsätzlich lösbares Problem. Einnahmen rauf, Ausgaben runter. Hohe Mitgliedsbeiträge schrecken in MV bestimmt niemanden ab.
Etwas anders sieht es für den DSB aus, siehe z.B. hier.
zu 5. qualitativ ist das Argument nicht wertvoller als die in Punkt 6 kritisierte Argumentation. Auf jeden Fall ist der Haushalt nicht gesprengt, wenn einmal Kontrollen kommen sollten. Und wenn man dann noch mit Wahrscheinlichkeitsrechnung arbeitet …
zu 4. Es gibt keine einzige ernstzunehmende Studie, in der festgestellt wird, dass der Anti-Doping-Kampf zu Mitgliederrückgängen in den Sportverbänden führt ;-). Ich würde davon ausgehen, dass es für die wenigsten, die mit einem Sport beginnen wollen, relevant ist, ob es hier Anti-Doping-Regelungen gibt. Mein Sohn spielt auf jeden Fall jetzt Fußball im Verein.
zu 7. Bisher habe ich nur Gerüchte gehört, dass Hessen und Bayern die Anti-Doping-Ordnungen abgelehnt haben. Aus deren Web-Seiten kann ich nur entnehmen, das Bayern das Thema wie Berlin vertagt hat und Hessen (hört, hört) gemeinsam mit der Uni Mainz eine Studie zum Thema machen will.
Ansonsten kann ich natürlich auch nur jeden Verein aufordern, sich eine eigene Meinung zu machen, nicht mit dem Strom mitzuschwimmen und entsprechend abzustimmen. Das wäre dann ein gutes Beispiel für Verbandsdemokratie.
Klaus-Peter Köpcke
Schatzmeister des LSV MV
21. April 2010 - 00:54
zu KPK Punkt 5.
Das ist doch der springende Punkt. Die beiden Argumente sind qualitativ als etwa gleichwertig anzusehen, auch wenn die Wahrscheinlichkeiten, Mittel gestrichen zu bekommen, etwas höher sein mögen, als extreme Kosten für Dopingtests.
In meinen Augen ist dieses Argument (evtl. Streichung von Fördergeldern) das EINZIG “vernünftige” Argument. Und genau hier muss jeder Verein abwägen, ob er für etwas Geld sein Hobby zur Lachnummer macht. (Ja, genau das werden wir in den Augen der Bewegungssportler sein, wenn wir uns freudestrahlend auf Epo und Anabolika untersuchen lassen!)
Die Frage ist doch die: Wenn man – nur aus Prinzip – etwas Sinnloses tut, dann ist das Prinzip falsch und muss nicht zum “Gesetz” (sprich Dopingordnung) erhoben werden.
Zwar glaube auch ich nicht, dass ich in der Bezirksliga mal den Pipibecher füllen muss, doch will ich nicht einfach “hoffen, das es mich nicht trifft”, sondern klar sagen: ICH WILL KEINE DOPINGORDUNG IM SCHACH.
Genau wie Stefan unter Punkt 4 auch von mir die klare Ansage: Ich werde nicht für einen Dopingtest im Schach zur Verfügung stehen. Im Zweifelsfall muss ich eben meine Ligaspiele aufgeben und kann nur noch Open spielen.
21. April 2010 - 07:09
A) Die einen Betonköpfe sitzen dem Vernehmen nach in der WADA, die sich seit einigen Jahren strikt weigert, die ursprünglich angedachten (und, wenn ich mich richtig erinnere, z.T. auch erstellten) Sportart-spezifischen Verbotslisten einzuführen.
B) Die anderen Betonköpfe sitzen in den Innenministerien, die darauf beharren, dass alle Sportarten an den beschlossenen Anti-Doping-Maßnahmen teilnehmen, egal wie unsinnig das im Einzelfall sein mag.
C) Die Leidtragenden, wenn man sich dem Unsinn verweigert, könnten vor allem die Vereine sein. Für den DSB und die Landesverbände geht es “nur” um Fördergelder z.B. für Kadertraining. Für die Vereine steht der Status als anerkannter Sportverein auf dem Spiel, und damit die kommunale Förderung. In meiner Stadt ist es z.B. die kostenlose Nutzung von Sportstätten – darunter fällt, weil wir ein Sportverein sind, auch unser Spiellokal und ein Schulraum fürs Jugendtraining.
21. April 2010 - 07:59
@KPK: Um Missverständnissen vorzubeugen, dort, wo es ein Dopingproblem gibt, soll ruhig gegen Doping vorgegangen werden. Ein Schachverband sollte aber mE keine Gesundheitspolizei sein.
@CHH: Rein rechtlich gibt es natürlich keinen Status als anerkannter Sportverein. Juristisch beantwortet § 52 der Abgabenordnung die Frage mE zutreffend: Schach gilt als Sport, ist es also nicht. Tatsächlich kann es schon anders sein und wenn Schach aus der kommunalen Förderung fallen würde, wäre das schlimm, hängt aber von den handelnden Personen auf dieser Ebene ab, wie ich finde.
Ich will die Frage der Konsequenzen einer Anti-Anti-Doping-Politik gar nicht kleinreden. Nur müssten zunächst die Konsequenzen auf dem Tisch liegen, bevor eine Entscheidung getroffenen wird.
21. April 2010 - 08:40
Wenn ich den Kommentar unseres Schatzmeisters lese, dann frage ich mich Folgendes: Wenn die Förderung durch den Landessportbund die einzig nennenswerte externe Geldquelle des LSV ist und wenn im Präsidium befürchtet wird, dass diese Geldquelle wegfallen könnte, sofern des LSV keine Anti-Doping-Ordung beschließt: Warum fragt das Präsidium nicht einfach diesbezüglich direkt beim Landessportbund an (und veröffentlicht die Anfrage und die Antwort)? Das wäre doch ein nahe liegender Gedanke, oder?
Die Idee, sozusagen “sicherheitshalber” oder “auf Vorrat” eine Anti-Doping-Ordnung zu beschließen, mag zwar zum Zeitgeist passen (es werden ja auch gerne sicherheitshalber andere Dinge auf Vorrat gesammelt), kann mich einfach nicht überzeugen.
21. April 2010 - 09:42
Im Wesentlichen trifft die Aussage von CHH zu.
Man sollte schnellstens den agierenden Personen in NADA/WADA und Innenministerium klar machen, was für einen weltfremden Sch… sie hier den Sportverbänden aufdrücken und welch seltsame Kapriolen (Deutschem Billardmeister wird Titel aberkannt und er wird gesperrt wegen eines Mittels, das den Nachweis eines anderen Mittels erschwert, welches zwar auf der Liste steht, aber dem Billardspieler keinen Vorteil verschaffen dürfte) das Ganze mit sich bringt.
Eine andere Frage ist, ob die Landesverbände sich dem DSB entsolidarisieren sollten, denn dieser hat ja schon lt. dem Spiegelbericht finanzielle Einbußen erlitten. Wir können ja gerne mal den Schatzmeister des DSB fragen, was das ausmacht.
Man zwingt hier die Verbände in eine Prostitution, die diese nun ihren Mitgliedern verkaufen muss. Die Leistung der Sportpolitik ist in diesem Falle mehr als beschämend.
21. April 2010 - 09:51
P.S. Noch zwei Artikel hierzu von CB und die österreichische Stilblüte.
21. April 2010 - 09:58
P.P.S.
Die erste Zahl, die ich diesbezüglich gelesen habe, ist diese hier:
Ich kann nicht genau beurteilen, ob das ein Warnschuss ist und damit die gesamten 17500 Euro Sportfürderung auf dem Spiel stehen. Ob man diesen Aufwand und den Rattenschwanz, den das nach sich ziehen kann, für 2800 Euro in Kauf nehmen sollte, beurteile jeder selbst.
21. April 2010 - 10:59
Liebe Schachfreunde,
Die Einschätzung, dass es im Schach kein Dopingproblem gibt ist richtig. Wir haben keine Dopingsysteme wie im Radsport oder in der Leichtathletik. Sicherlich versuchen einige Schachfreund mit Hilfe von kleinen Mitteln, die Konzentrationsphasen zu verlängern. Die meisten Schachfunktionäre halten die Dopingbestimmungen für Schach auch überzogen.
Das große Problem jedoch besteht darin, dass der Deutsche Schachbund seit 1950 Mitglied im Deutschen Sportbund (jetzt DOSB) ist und alle seine Regeln und Verpflichtungen anerkennt. Das gleiche gilt auch für den Landesschachverband M-V, der Mitglied im Landessportbund M-V ist. Das Bundesinnenministerium und der DOSB haben zum 01.01.2009 gemeinsam beschlossen, dass alle Sportfachverbände sich dem Anti-Dopingkampf verpflichten müssen. Tut ein Fachverband dieses nicht, wird diesem die zustehende Sportförderung des Bundesinnenministeriums entzogen bzw. gestrichen. Diese Sanktionsmöglichkeit ist 2008 im Deutschen Bundestag beschlossen worden. Der DSB hatte nun die Wahl: Entweder sich dem NADA und WADA Code zu unterwerfen und gleichzeitig einen Vertrag mit den Anti-Doping Behörden zu schließen, oder gänzlich ab 2010 von der Sportförderung des Bundesinnenministeriums ausgeschlossen zu werden. Dabei sei bemerkt, dass die Sportförderung an den DSB ca. 1/6 des Gesamthaushaltes ausmacht. Der DOSB hat seine Landesverbände aufgefordert, die Umsetzung der Dopingbestimmungen auch in seinen Fachverbänden durchzusetzen. Wir als Verband haben im Jahr 2009 die freundliche Aufforderung des Landessportbundes M-V bekommen, die geschlossenen Vereinbarungen zwischen DSB und NADA anzuerkennen und uns gleichzeitig diesen Bestimmungen in Form von Satzungsänderungen zu unterwerfen (Fristsetzung: 31.12.2010). Wir haben natürlich als Verband die Möglichkeit, uns gegen diese Verträge zu stellen. Sollten aber bedenken, dass bei uns die Fördersummen zwar vom LSB M-V genehmigt und zugeteilt werden, jedoch der Aussteller der Gelder das Innenministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern ist. Und auch hier ist eindeutig festgelegt, wenn ein Verband sich den Bestimmungen nicht unterwirft, sind die Fördermittel zu streichen. Unser Etat wird mit einer Grundförderung von ca. 2.100,00 € jährlich bezuschusst. Außerdem erhalten wir für Projekte wie z.B. Schulschachcup, Kaderlehrgänge und C-Trainer Lehrgänge erhebliche finanzielle Zuwendungen. Der Verband kann diese Ausfälle nur mit Erhöhungen von Startgeldern und Mitgliedsbeiträgen kompensieren.
Ich persönlich bin auch kein Fan von Dopingdiskussionen im Schach, jedoch begreifen wir uns als Sport und sind Mitglied im Landessportbund bzw. die Vereine in den Kreissportbünden. Wer gegen die Übernahme von Dopingbestimmungen ist, sollte jedoch dann auch so fair sein und die Mitgliedschaft im Sportbund hinterfragen bzw. neue Finanzierungsquellen vorlegen. Wir haben leider keine andere Wahl, als uns diesen Bestimmungen anzuschließen. Dieses Denken wird sich auch in den Verbänden Berlin, Hessen und Bayern durchsetzen, wenn die Fristen der jeweiligen Sportbünde verstrichen sind und erste Sanktionen ausgesprochen werden.
Der Anti-Doping Kampf ist für alle Sportbereiche zuständig und bindend. Er ist nicht nur Angelegenheit des Profisportes, sondern auch im Wettkampfsport. Somit muss die Anti-Doping Ordnung auch alle gemeldeten Schachspieler des Landesschachverbandes Mecklenburg-Vorpommern e.V. einbinden.
Zwar wird das Schach innerhalb der NADA gleich behandelt wie alle anderen Sportarten, jedoch haben wir im Bereich Dopingkontrollen Sondervereinbarungen treffen können. Diese besagen, dass Dopingkontrollen nur auf Deutscher Leistungsebene stattfinden. Genau gesagt, auf Deutschen Meisterschaften, Deutschen Jugendmeisterschaften U18, dem Leistungskader, der Nationalmannschaft und der 1. Bundesliga ab 2011.Trainingskontrollen und Kontrollen in den einzelnen Landesverbänden sind nach dem geschlossenen und gültigen Vertrag nicht durchzuführen!
Mit der Anti-Doping Ordnung geben wir einige Kompetenzen und Entscheidungsgewalten an den DSB ab. Diese Tatsache hat einen finanziellen Hintergrund. Dopingkontrollen bei Deutschen Meisterschaften müssen bezahlt werden. Ursprünglich hätte man die Kosten auf die einzelnen Verbände umgelegt. Jedoch haben sich der DSB und die Landesverbände geeinigt, dass alle Dopingkontrollen und ihre finanziellen Auswirkungen durch den DSB getragen werden. Auch Dopingverfahren und der Vollzug kosten Geld, was nur der DSB leisten kann.
Als kurze Zusammenfassung kann ich nochmals unterstreichen, dass wir diese Ordnung und die Satzungsänderungen benötigen. Wenn wir uns als Sportart begreifen und die Vorteile genießen, müssen wir auch die Pflichten mittragen. Der Anti-Doping Kampf ist nun einmal eine Pflicht aller Sportarten – auch für das Schach.
Niklas Rickmann
Präsident des LSV M-V
21. April 2010 - 11:17
Ahh, da sind ein paar belastbare Aussagen, auf deren Grundlage man schon informierter über mögliche finanziellen Risiken diskutieren kann. Vielen Dank dafür!
21. April 2010 - 11:48
Nach dem hier gelesenen kann man die Sportförderung im Schach durch die öffentliche Hand deutschlandweit auf einen niedrigen sechsstelligen Betrag taxieren. Sicherlich ein guter Grund, sich dieser Prostitution zu unterwerfen.
Andererseits ist es eine typisch deutsche Angewohnheit, offensichtlich sinnlose Dinge zu tun, nur weil es in irgendwelchen Vorschriften oder Regularien so steht. Die Frage ist: Wer bietet Schäubles (unter ihm kam es zur Sanktionierung von Verbänden) Dopingzuhältern die Stirn?
21. April 2010 - 12:13
Losso, übertreib’ mal nicht. “Prostitution” und “Zuhälterei” sind keine angemessene Wortwahl. Mir fallen da eher Begrifflichkeiten wie “Kadavergehorsam”, “Sesselpuper” und “Funktionärsunwesen” ein.
Klar ist aber für mich: Die Einlassung des Präsidenten ist eine bedingungslose Unterwerfung unter angeblich existierende Sachzwänge, die in extremo betrachtet möglicherweise sogar verbandsschädigend ist. (Ich gehe bei dieser provokativ zugespitzten These davon aus, dass der satzungsgemäße Zweck des LV M-V die Förderung des Schachsports ist und stelle in den Raum, dass die Übernahme der absurden Anti-Doping-Bestimmungen diesem Satzungszweck zuwiderläuft.)
Ich erkläre aber hiermit zweierlei:
1. Ich war (vielleicht) ein Dopingsünder! (Ich habe mal für drei bis vier Wochen ein Medikament genommen, dass als Beigabe eine Diuretikum enthielt. Das steht als Maskierungsmittel auf der Dopingliste. Strenggenommen habe ich allerdings dennoch kein Doping begangen, weil das im Herbst 2008 war und die Bestimmungen des DSB erst ab 01.01.09 galten wenn ich richtig informiert bin. ) Natürlich hatte das Zeug keine leistungsfördernde Wirkung – eher im Gegenteil – aber das hat ja auch nie jemand behauptet.
2. Ich werde niemals in ein Röhrchen pinkeln, weil irgendein Dopingkontrolleur das von mir fordert und auch keine Erklärungen unterschreiben, in denen ich dieser Prozedur zustimme! (Sollte ich deswegen an bestimmten Wettbewerben des DSB trotz sportlicher Qualifikation nicht teilnehmen können [Was bezgl. 1.BL und Deutscher EM nicht zu erwarten ist, aber bei Blitz oder Schnellschach zumindest denkbar, wobei hier wohl - warum eigentlich - keine Kontrollen stattfinden sollen.], werde ich prüfen müssen, ob das mittels ordentlicher Gerichtsbarkeit angreifbar ist.
Michael Buscher
PS: Vorsicht noch, Ihr Kaffee- und Cola-Junkies – Koffein steht glaube ich auf der Beobachtungsliste der WADA.
21. April 2010 - 12:16
Lieber Niklas,
erstmal Dank und Respekt, dass du an dieser Diskussion teilnimmst. Öffentlichkeit kann mE nur gut sein. Nur einige Anmerkungen:
1. Um die Förderung des DSB geht es mir nicht. Dort mag es Leistungssport geben, in M-V gibt es nur Amateure.
2. Mir ist klar, dass ich eine Minderheitsposition vertrete, aber ich halte die Einordnung des Schachs in den Sport für falsch. Genausogut könnte man Mühle oder Vier gewinnt als Sport bezeichnen. Auch das sind Spiele mit vollständiger Information. Schach und Spiele überhaupt sind Ausdruck menschlicher Kultur. Vielleicht sind sie auch charakterfördernd. Die Förderung von Kinderschach sollte in den Bildungsbereich eingegliedert werden, die Förderung des Spitzenschachs ist mE Privatsache. Diese Beitragsgelder könnte man einsparen.
3. Die Sondervereinbarungen mit der NADA würde ich gern mal sehen, insbesondere, was die zeitliche Geltung betrifft. Und was hat eine Vereinbarung des DSB mit der NADA über DSB-Wettkämpfe mit dem LSV zu tun? Wer hat dem DSB Vollmacht gegeben, darüber zu verhandeln und Verträge zu schließen. Im Übrigen darf die NADA von sich aus kontrollieren (bitte belehrt mich, wenn das falsch ist). Warum brauchen wir eine Dopingordnung, wenn sich alle darüber einig sind, dass kein einziger Wettkampf unter der Regie des LSV kontrolliert werden soll?
4. Der Entwurf der Ordnung und des Kadervertrags strotzen nur so von blumigen Formulierungen über die Sinnhaftigkeit des Anti-Doping-Kampfes. Wird das auch vorgeschrieben, oder würde es dann nicht reichen, sich auf den rechtlichen Akt der Unterwerfung zu beschränken?
5. Warum die Entmachtung der Mitgliederversammlung bei Änderungen der Dopingordnung? Wenn es wirklich mal eilig sein sollte, könnte man doch eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen!
6. Zahlt der LSV auch Mitgliedsbeiträge an den Landessportbund? Wenn ja, in welcher Höhe?
Letztlich wehre ich mich dagegen, jeden Unsinn gegen Geld mitzumachen. Was wäre, wenn die Sportverbände als nächstes vorschreiben, bei Mannschafts-Wettkämpfen mit einheitlichen Trikots anzutreten? — was im Fußball ja durchaus sinnvoll ist. Machen wir das auch?
Und es ist nicht nur Unsinn, sondern es greift massiv in die Rechtssphäre aller Mitglieder ein. Um es zu wiederholen, wer zukünftig seine Asthmamittel, das Ritalin seiner ADHS-kranken Kinder etc. (über die Pflichten der Trainer haben wir noch gar nicht gesprochen!) nicht genehmigen lässt, kann vom Spielbetrieb ausgeschlossen werden und muss eventuell zwischen 100 und 5.000 EUR Strafe zahlen. Ist eben Sport.
Warum stellen sich die Schachverbände nicht auf die Hinterbeine und verlangen eine eigene Doping-Liste für das Schach? Weil diese Liste leer wäre?
21. April 2010 - 13:00
“Kadavergehorsam”
Der ist gut, MiBu.
Ansonsten empfinde ich das Unterwerfungsverhältnis ähnlich der von mir gewählten Worte. Die Kernfrage ist mE:
Ist man bereit, um des schnöden Mammons willen offensichtlich sinnlose Regeln zu akzeptieren.
21. April 2010 - 13:27
Liebe Schachfreunde,
wir alle wissen, dass Schach mehr ist, als nur ein Sport. Schach ist ein Kulturgut. Ich denke, dass diese Einschätzung mittlerweile im Deutschen Schach schon Grundkonsens ist. Alle Verträge zwischen NADA und Sportfachverbänden laufen immer 10 Jahre. Folgende wichtigen Regelungen sind im Vertrag getroffen worden:
1. Zielgruppe:
alle organisierten Schachspieler in Deutschland, d.h. DSB und die Mitgliedsverbände (also auch der LSV M-V)
2. Kontrollen:
Nur bei folgenden Meisterschaften wie DEM Männer, DEM Frauen, DEM U18 werden Kontrollen angesetzt. Andere Meisterschaften sind ausgenommen. Die NADA darf jedoch keine Kontrollen außerhalb der vertraglichen Vereinbarungen durchführen wie z.B. bei unserer LEM usw.
3. Trainingskontrollen:
nur bei einem begründeten Verdacht bei Personen möglich, die im A und B Kader sind. Andere Trainingskontrollen sind möglich.
4. Durchsetzung:
Der DSB ist vertraglich verpflichtet zusammen mit den Landessportbünden, die Durchsetzung der Dopingbestimmungen und die Übernahme der Dopingbestimmungen bis 31.12.2010 zu gewährleisten bzw. abzusichern
5. Sondervereinbarungen:
Kaderspieler und Teilnehmer an DEM (inkl. DEM U18) sowie Teilnehmer an EM, WM und weiteren internationalen Meisterschaften müssen mit dem DSB eine Sondervereinbarung gegen Doping schließen.
6. Unterverbände:
Die Unterverbände des DSB können den Dopingkampf selbst organisieren oder aber die Kompetenz an den DSB abgeben.
Bis jetzt haben sich alle Verbände gegen eigene Dopingbekämpfungen ausgesprochen und delegieren dieses an den DSB. Der Kosten aber auch der zeitliche Faktor spielt eine Rolle für diese Entscheidung. Da wir als Verband den Dopingkampf nicht selbst machen wollen, bleibt also nur die andere Variante übrig. In jedem Fall müssen wir unsere Satzung anpassen und eine eigene Anti-Doping Ordnung besitzen. Es reicht aufgrund der Vertragsbestimmungen zwischen NADA und DSB nicht aus, sich nur dem Rechtsakt zu unterwerfen.
Im Falle der Anti-Doping Ordnung wird in der Tat die Mitgliederversammlung entmachtet. Ich kann jedoch mit dem Kompromiss leben, dass die Änderungen der Ordnung durch eine Mitgliederversammlung genehmigt werden müssen.
Zur Information: der Landesschachverband zahlt keine Beiträge an den DSB. Die Vereine des LSV M-V entrichten ihre Beiträge an den Landessportbund.
21. April 2010 - 13:33
Bitte verzeiht mir, dass ich Begriffe wie “Kadavergehorsam”, “Sesselpuper” oder “Prostitution” nicht kommentieren möchte.
21. April 2010 - 13:47
Schon geschehen ;o)
Ich kann Deine Position durchaus nachvollziehen, Niklas. Die Verfehlungen liegen an anderer Stelle und auch der DSB hat im Wesentlichen seine Hausaufgaben gemacht, indem er immerhin Sondervereinbarungen durchgesetzt hat. Wenn diese zehn Jahre gültig sind und danach einseitig von der NADA aufgekündigt werden sollten, kann sich der DSB immer noch überlegen, ob er das noch mitmachen möchte.
Aber:
Der Prozess, unter Androhung von Entziehung von Geldmitteln, für den Schachsport ungeeignete Regeln zu installieren, ist und bleibt beschämend.
Daher sollte es weiterhin Bemühungen geben, sinnvolle Regelungen zu schaffen. Und wenn man dann herausfindet, dass die Liste der leistungsfördernden Substanzen im Schach leer ist, sollte das auch eine NADA akzeptieren.
21. April 2010 - 14:06
Die Beiträge an den Landessportbund belaufen sich auf jährlich 5 EUR pro Mitglied (Jugendliche 2 EUR und Kinder 1 EUR). das wäre dann die Summe, die die Schachvereine sparen würden, wenn Schach aus der Sportförderung fällt. Mir fehlen leider die Zahlen, um das gegenzurechnen.
Und noch ein kleines Rätsel. Woher stammt folgendes Zitat?
21. April 2010 - 14:33
Bitte beachte, dass wir bei einem Austritt aus dem Sportbund nicht nur die Verbandszuwendungen verlieren, sondern auch Zuwendungen der Städte an die C-Trainer und B-Trainer. Diese sind nämlich an die Mitgliedschaft im Sportbund gekoppelt. Außerdem müsste eine neue Versicherung für sämtliche Wettkämpfe abgeschlossen werden. Derzeit sind alle gemeldeten Schachspieler über die Sportversicherung des LSB versichert.
Woher das Zitat kommt, weiß ich leider nicht.
21. April 2010 - 14:45
Ich werde an einer angeordneten Dopingkontrolle nicht teilnehmen. Falls das meinem Verein Probleme bereitet, bitte ich darum, nicht mehr für den Ligabetrieb aufgestellt zu werden.
Im übrigen hoffe ich, dass am 2. Mai 2010 im Sinne von Schachfreund Kalhorn entschieden werden wird.
21. April 2010 - 14:53
Fundstück von der Deutschen Schachjugend(!).
Hier kann man endlich lesen, was beim Schach helfen soll:
P.S.: “Außerdem müsste eine neue Versicherung für sämtliche Wettkämpfe abgeschlossen werden.”
Wozu überhaupt? Versichern Go- oder Pokerspieler ihre Wettkämpfe auch?
21. April 2010 - 16:21
@losso: Das will ich doch hoffen. (Ob das Preisgeld beim Pokerturnier im Adlon gegen Beraubung versichert war weiß ich nicht, aber das ist ja wohl nicht gemeint…)
Wenn Verein A gegen Verein B spielt (Schach, Fußball, Go, was auch immer) und ein Spieler von B kommt im Vereinsheim von A zu Schaden, wäre es schon äußerst wünschenswert, wenn Verein A dafür eine Haftpflichtdeckung hätte – jedenfalls würde ich als Mitglied von A darauf bestehen. Das ist aktuell im Bereich Schach sicher der Fall, weil die entsprechenden Abgaben geleistet werden (hieß mal Sportgroschen, aber der Ausdruck ist in mehrfacher Hinsicht veraltet). Andererseits ist es auch jedem Verein möglich, sich eine Vereinshaftpflicht zu besorgen, um das abzudecken, wenn es die Sportversicherung nicht mehr geben sollte. Wenn ein Verein seine Bretter und Uhren oder gar ein Vereinsheim versichern will, muss er das auch selber tun.
@Herr Rickmann: Das ist genau die Art Argumentation, die ich nicht ausstehen kann. “Dann müsste man, geht aber nicht, war schon immer anders, haben wir noch nie anders gemacht, wo kommen wir denn dahin” etc. etc. Dagegen läuft man ständig, wenn man in Vereinsstrukturen etwas ändern will mit dem Ergebnis, dass Leute mit Willen zur Veränderung vor die Pumpe laufen und nur die Lordsiegelbewahrer (Ich hoffe, das gefällt Ihnen besser als das von mir provokativ gewählte “Sesselpuper”) bereit sind, sich in diese Posten wählen zu lassen, um den status quo zu bewahren.
@Stefan: Das Rätselzitat kommt mir bekannt vor – Quelle DSB-website, der Bundesrechtsberater?
21. April 2010 - 18:14
Zitat der Deutschen Schachsenioren
Es scheint so, also würde dieser Textbaustein überall benutzt.
21. April 2010 - 19:08
Gerade gefunden bei Spiegel-Online über den Deutschen Dart-Verband:
Ich würde die Rolle der Anerkennung als Sport nicht unterschätzen, wie das oben genannte Beispiel zeigt. Zur Klarstellung: ich halte das Vorgehen in Sachen Doping trotzdem für Unsinn.
21. April 2010 - 20:15
Bei Studenten funktionierts und bei Schachspielern nicht?
21. April 2010 - 21:02
Doch, doch: Gerade in der Bezirksliga besorgen sich die Schachfreunde haufenweise für horrende Summen illegal Medikamente, um ihre Kenntnisse im Turmendspiel zu verbessern.
Ich habe auch schon selbst gegen Leute gespielt, die mit Kaffee, Cola oder Traubenzucker gegen die Müdigkeit angekämpft haben. Manche essen sogar heimlich Schokolade.
PS: Wenn jemand nun Ritalin verschrieben bekommen hat, hat derjenige nicht trotzdem (ungewollt) einen Wettbewerbsvorteil beim Schach? Müsste der nicht in einer eigenen Liga für gedopte Schachfreunde spielen? So eine Art umgekehrte Paralympics?
21. April 2010 - 21:10
Wenn sich dieser Unsinn durchsetzt, habe ich die längste Zeit Schach gespielt.
21. April 2010 - 21:23
Es geht nicht um die Bezirksliga, sondern um die Leute, für die Schach ihr Leben ist und die ihr Selbstwertgefühl durch den Erfolg im Schach definieren.. Die greifen zu sämtlichen möglichen Hilfsmitteln, egal ob Compter oder Pillen. Die Wirksamkeit der Pillen ist ja nachgewiesen.
Vielleicht sollte man das mal unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Außerdem ist es für die Leute, die die Pillen verschrieben bekommen, nicht unbedingt von Vorteil.
21. April 2010 - 22:01
Mir ist bei einigen Beiträgen aufgefallen, dass sich viele über die Damen und Herren in der Politik, BMI und NADA ärgern. Die Anti-Doping Bestimmungen bzw. die Sanktionen gegen Verbände, die sich dem nicht anschließen, kommen ursprünglich aus dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Hat jemand von den Gegnern des Anti-Doping Kampfes im Schach mal sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gewendet? Nein?! Warum nicht? Reden ist das eine, handeln das andere.
@MiBu
Und noch eine Sache: Wer den Verband von heute mit dem Verband von 2007 vergleicht wird sehen, dass es kaum Dinge gab, wo der Status quo gewahrt wurde. Ich habe immer alle Schachfreunde aufgefordert, ihre Ideen in den Verband zu tragen. Leider kam immer wenig Echo zurück. Schachfreund MiBu ist gerne eingeladen, Verantwortung im Verband zu übernehmen. Es ist einfach, immer von “man” zu sprechen!
Sorry, aber das musste einfach mal raus.
21. April 2010 - 22:13
“Die Wirksamkeit der Pillen ist ja nachgewiesen.” Wo? Wann? Wie? Von wem? In welcher Studie? Wer hat die beauftragt? Welche Wirkung haben die Pillen? Welcher Wirkstoff ist enthalten? Handelt es sich um eine Doppelblindstudie unter Laborbedingungen, bei denen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit (ELO) nachgewiesen wurden? Wo kann man das nachlesen? [Usw. usw.]
Soweit mir bekannt ist, will Dr. Balló bzw. die Uni Mainz erst eine solche Studie durchführen, die aber noch in der Genehmigungsphase ist. [Dr. Balló ist Mediziner und Präsident des Hessischen Schachverbandes.]
21. April 2010 - 22:19
Lieber Jens! Nein, die Wirksamkeit der Pillen ist hinsichtlich einer Leistungsverbesserung beim Schach nicht nachgewiesen. Und es ist einfach unseriös zu behaupten, dass es Schachspieler gibt, die zu solchen Mitteln greifen. Schon mal einen getroffen? Und selbst wenn: Warum muss ich mich einem Dopingregime unterwerfen, nur weil jemand meint, seine Gesundheit wegen Schach schädigen zu müssen? So unnütz und gefährlich solche Stoffe auch sind, der Landesschachverband ist nicht der Vormund seiner Mitglieder!
Lieber Niklas! Erstens ist es die vornehmliche Aufgabe der gewählten Vertreter des Landesschachverbandes, sich um vernünftige Regelungen im Schach zu bemühen. An welche Stellen hast du dich denn gewendet, um eine unsinnige Dopingordnung zu verhindern? Zweitens wurden unter anderem auf diesem Blog eine Menge Ideen zum Schach in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert (neben Doping z.B. Karenzzeit, bedenkzeit und Brettfreilassen, um mal ein paar wichtige Themen zu nennen). Drittens weiß ich von einigen Kommentatoren persönlich, dass sie ehrenamtlich für das Schach arbeiten. Ich verwahre mich dagegen, hier pauschal “Nichtstun und Meckern” zu unterstellen, weil sich jemand gegen eine Ordnung wehrt, die du selbst in der Sache für überflüssig hältst.
21. April 2010 - 22:31
@NR: Im LV M-V werde ich sicher keine verantwortliche Position übernehmen, da ich dem LV NRW angehöre. Die Bemerkung war zudem nicht speziell auf die mir nicht näher bekannte Struktur in M-V gemünzt, sondern eher genereller Natur. Was Verantwortung angeht: Ich war in diversen Vereinen Turnierleiter und/oder Mannschaftsführer (das erste Mal mit 12 Jahren), bin heute Vorsitzender im Verwaltungsbeirat der WEG, Spielleiter und Kassenwart im Skatclub sowie Kassenwart des Fördervereins der KiTa, Familienvater und vollzeit berufstätig. Ich lasse mich nicht in die Ecke der (in der Tat wenig sympathischen) Figuren stellen, die immer über alles meckern, aber selber nichts besser machen wollen!
Ws die Ausführungen zum Petitionsausschuss sollen, entzieht sich meiner Kenntnis. Es wäre Aufgabe der Verbandsfunktionäre auf DSB-Ebene gewesen, hier eine Ausnahmeregelung zu erwirken, anstatt “Jawohl Herr Direktor!” zu sagen (auch wenn der Direktor hier korrekt Minister heißt.
21. April 2010 - 22:44
ich habe einige Sachen zum Thema Doping versucht anzustoßen, die man in Protokollen des DSB eindeutig sehen kann. Vielleicht wäre noch mehr möglich gewesen, aber ich bin kein hauptamtlicher Präsident. Wer hier Behauptungen aufstellt, der Verband und ich haben nichts unternommen, liegt falsch und hat sich vorher nicht mit Fakten auseinandergesetzt. Ich respektiere die Gegenmeinungen und die Diskussion, daher auch meine Beiträge hier und auf der LSV Seite. Ich finde, das Austauschen der Argumente ebenfalls für gelungen und notwending.
Ich möchte keinem etwas unterstellen bzw. verärgern, das ist nicht meine Absicht! Aber die Frage mit dem Petitionsausschuss ist schon berechtigt und müsst Ihr Euch auch gefallen lassen.
21. April 2010 - 23:05
@MiBu:
Soweit mir bekannt ist, ist Dr. Balló gar kein Doktor, sondern schlicht Harald E. Balló.
Er selbst tritt auch nirgendwo als “Dr. Balló” auf.
Merke:
Nicht jeder Arzt hat promoviert.
Siehe Siegbert Tarrasch.
22. April 2010 - 09:19
I stand corrected! Sein Kollege aus der Gemeinschaftspraxis in Offenbach hat promoviert, er (H.E.B.) selber nicht. Also entziehe ich ihm den versehentlich versehenen Dr.-Titel wieder. (Auch meine Hausärztin ist titellos, der Umstand war mir also grundsätzlich geläufig.)
22. April 2010 - 09:31
Und wofür steht das “E.”?
22. April 2010 - 09:33
@Niklas: Ich sehe gerade deinen Neujahrsgruß 2009, das liest sich nicht gerade wie eine Sträuben gegen die Anti-Doping-Politik des DSB…
22. April 2010 - 13:16
Die Wirksamkeit der Pillen beim Schach ist noch nicht nachgewiesen. Aber bei Studenten. “Und es ist einfach unseriös zu behaupten, dass es Schachspieler gibt, die zu solchen Mitteln greifen.” Nein sie würden auch so etwas nie tun, auch keine Computer einsetzen.
Wir diskutieren über die Anti-Doping Ordnung, aber wenn wir z.B. einen Trainerschein machen sind Weitsprung, Laufen usw. auch mit drin. Warum sagt dann keiner, nein, das mach ich nicht, denn als Schachspieler(Sportler) sitze ich wärend der gesamten Partie.
Warum muss das Handy ausgeschaltet werden? Keiner würde auf die Idee kommen, es zu benutzen.
Ironie nicht extra gekennzeichnet.
Das bei der Anti-Doping-Politik des DSB nicht alles richtig gemacht wird, ist doch klar.
Dass leistungsfödernde Mittel eines Fußballers nicht unbedingt bei einem Schachspieler helfen, ist auch mir bekannt.
22. April 2010 - 13:17
@all
Leute, “streiten” (besser diskutieren/argumentieren) ist gut und wichtig, aber werdet bitte nicht persönlich.
Ich selbst finde es gut, das NR sich der Diskussion stellt, ich wünschte mir, dass dies alle Funktionäre in allen wichtigen Fragen tun würden. (Ich denke da an Themen wie Bedenkzeiten mit Inkrement oder Karenzzeit.) NR hat eine andere Position als ich. Dies sei ihm gegönnt. Wir sollten hier einfach unsere Argumente austauschen – und das Hauptargument von NR ist eben das liebe Geld.
@Jens
“Die Wirksamkeit der Pillen ist ja nachgewiesen.”
Aha, und wo genau? Dein Link sagt nichts weiter, als “Maria ist clever und Christoph ist immer gut drauf – dank der Pillen.” Ich hoffe für dich, falls du mal Medikamente nehmen musst, dass diese die Zulassung nicht wegen solcher Statements bekommen haben. ;-)
Im Ernst, in einer Fernsehsendung über dieses Thema wurde glaube ich darüber berichtet, dass es – trotz des Hypes an Unis – kaum wissenschaftliche Untersuchungen darüber gibt. Interessanterweise hatte diese Sendung eine wissenschaftliche Studie recherchiert und gerade die sagte aus, dass es eben keinen signifikanten Vorteil gibt. (Ich weiß nicht mehr, ob es um Modafinil oder Ritalin ging.)
@NR (Beitrag vom 21. April 2010 – 13:27)
Kannst du hier den Link zu diesem Vertrag auf unserer ofiziellen Schachbundseite posten? Ich habe das nicht gefunden, würde ihn aber gerne lesen. Wenn nicht, warum nicht? Ich denke, dass dieses Thema wohl alle Schachspieler angeht.
Noch ein weiteres Argument. Die Schachbundesliga will Dopingkontrollen (zumindest vorerst) nicht einführen. Sollten wir die Dopingordnung beschließen, haben wir ab nächste Saison den paradoxen (oder besser perversen?) Zustand, dass Amateure sehr wohl kontrolliert werden (können), die Profis aber nicht.
22. April 2010 - 13:47
Lieber Jens, wir stimmen überein, wenn es ein ernsthaftes Problem gibt, muss man reagieren. Ich sehe aber nicht, dass es ein Dopingproblem im Schach gibt. Es gibt keine Untersuchungen über solche Effekte und es gibt keine empirische Evidenz.
Dein Vergleich mit einer Schachengine hinkt gewaltig:
1. Computerhilfe verbessert unsere Spielstärke.
2. Es gab Betrugsversuche mit Computerprogrammen.
Der DSB will eine Dopingordnung doch nicht, weil er Doping bekämpfen will (dann müsste er auch Kontrollen wollen). Er will eine Dopingordnung wegen der Sportförderung und wegen der fixen Idee, Schach olympisch zu machen.
Dann soll man doch sagen, dass es nur ums Geld geht. Und ich meine, dass man auch für Geld nicht alles machen sollte.
22. April 2010 - 13:53
@Stefan
Da gebe ich dir Recht
22. April 2010 - 13:55
@Nordlicht_70: Die Schlussfolgerung ist richtig. Die Herren beim DSB haben offenbar sehr richtig erkannt, dass es für die Schach-BL wohl nicht förderlich wäre, wenn nach der Partie sich jemand als Dopingkotrolleur ausweist und Anand höflich, aber bestimmt zum nächstgelegenen Urinal bittet. Ich wiederum folgere daraus, dass die Anti-Doping-Ordnung des DSB rein formal angelegt ist (”Wir müssen das machen, um in DOSB bleiben zu können.” etc.) und nur zum Herzeigen taugen soll.
Ich schlage daher vor, dass der DSB (und alle LV) in der Satzung Doping gemäß der gerade aktuellen WADA-Liste verbietet und die Ausführungsbestimmung dazu verfasst wird mit dem Tenor “Kontrollen finden nicht statt.” Schließlich ist Pocket Fritz auch verboten, aber ich werde dennoch nicht nach Elektro-Doping-Mitteln gescant.
22. April 2010 - 14:09
@Nordlicht_70:
Du schreibst in Deinem Kommentar: “Noch ein weiteres Argument. Die Schachbundesliga will Dopingkontrollen (zumindest vorerst) nicht einführen.”
Das ist sachlich falsch.
§ 8 d) der Satzung des Schachbundesliga e.V. regelt: “Die Mitglieder sind verpflichtet, das Dopingverbot zu beachten und entsprechend den vom DSB erlassenen Bestimmungen durchzusetzen.”
Ob in der Schachbundesliga Doping-Kontrollen durchgeführt werden hängt letztlich davon ab, ob die NADA welche durchführt. Beschlüsse der Schachbundesliga kann es dazu nicht geben – der DSB erlässt insoweit alle Regeln, die unmittelbar gelten – und gibt es auch nicht. Der Schachbundesliga e.V. wird lediglich regelmäßig vom DSB über die jeweilige Beschlusslage und die Entwicklungen bei der NADA informiert.
Aktuell ist so, dass die NADA derzeit keine Kontrollen in der Schachbundesliga durchführt. Eine Änderung ist insoweit nach meinem derzeitigen Kenntnisstand auch nicht geplant.
22. April 2010 - 19:45
Liebe Schachfreunde,
inzwischen ist die Diskussion über das Thema Doping nach zweijähriger Auszeit erneut ziemlich hochgekocht. Ich begrüße es absolut, dass eine Kommunikation über das Thema stattfindet, doch komme ich nicht umhin es zu bedauern, dass diese aktuell weniger miteinander, sondern vielmehr übereinander stattfindet und in Beleidigungen wie „Sesselpuper” oder „Prostitution” gipfelt.
Als Landesschachverband haben wir vor zwei Jahren den Versuch unternommen, zu diesem Thema Aufklärungsarbeit zu betreiben: So hielt ich vor zwei Jahren einen Vortrag auf der Mitgliederversammlung, verfasste ein Positionspapier des Landesschachverbandes und habe häufige Fragen aufgeworfen, versucht diese adäquat zu beantworten (diese und weitere Dokumente sind hier einsehbar) und gleichzeitig darum gebeten, weitere Fragen an mich zu wenden, damit diese Liste kontinuierlich weitergeführt werden kann. Die Bilanz nach zwei Jahren lautet: nicht eine einzige Anfrage, nicht zum Vertrag zwischen dem DSB und der NADA, zu den Kriterien des Landessportbundes zum Thema Doping, noch zu den Kosten einer Dopingprobe o.ä. – ausgenommen davon sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Deutschen Einzelmeisterschaft der Jugend, die in den Altersklassen u18w und u18 konkret einer möglichen Dopingkontrolle gegenüberstanden. Gern gehe ich daher auf die nun aufgeworfenen Fragestellungen ein, muss aber dazu anmerken, dass ich von Beruf her weder Mediziner, Psychologe noch Jurist bin.
Die Frage nach wissenschaftlichen Studien kann ich leider nur unzureichend beantworten und keinen Stapel präsentieren. Als ein Beispiel sei die Arbeit “Die Wirkung von Psychopharmaka bei Gesunden” von Albrecht Wienke u.a. genannt, doch sollte bei der Problematik der Studien gleichzeitig beachtet werden, dass diese häufig von Pharmaunternehmen in Auftrag gegeben werden, es also eher notwendig erscheint, Metastudien zu Rate zu ziehen. Wissenschaftliche Beitrage lassen sich dahingegen sowohl unter springerlink.de oder auch unter scholar.google.de zum Beispiel zu der Kategorie “Ritalin Konzentrationssteigerung” zu finden. Anmerken möchte ich dazu allerdings noch, dass Artikel von Journalisten angesehener deutscher Zeitungen nicht in jedem Fall als unwissenschaftliche abgestempelt werden sollten, denn gehe ich davon aus, dass Nichtpsychologen eine kritische Auseinandersetzung mit einer psychologischen Studie nicht unbedingt leicht von der Hand geht. Ähnliches kann man allein an der Trierer Schulschachstudie erkennen, die als „der Beweis” angesehen wird, obwohl selbst die Autorin diese in ihrer Zusammenfassung als nicht valide und reliabel ansieht, sondern die Ergebnisse aufgrund einer Faktoren, die hier nicht ausgeführt werden sollen, lediglich Vermutungen zulassen.
Weiterhin möchte ich die Probleme der Prohibited List 2010 in der englischen Sprache erleichtern, indem darauf verwiesen sei, dass diese hier (pdf) ebenfalls in deutscher Sprache zugänglich ist.
Gleichzeitig möchte ich jegliche Szenarien des „In-den-Becher-Pullerns” von Bezirksklasse- bis Oberliga-Spielern ins Reich der Fiktion verbannen, denn beim Thema Doping sprechen wir von Leistungs- und von Freizeit- und Breitensport. Daher gebe ich euch Recht, dass es effizienter wäre, Kosten für Dopingproben in unseren Spielklassen einzusparen und ggf. auf den Einsatz von Schiedsrichtern umzuverteilen.
Gleichzeitig möchte ich mich dagegen verwahren, die Politik und den Deutschen Schachbund samt seinen Funktionären in einer Art und Weise anzugreifen, wie es in den letzten Tagen geschehen ist. Der angeblich deutschen Regelungswut findet häufig seinen Ursprung in der typisch deutschen Ausnutzung von Regelungslücken, wessen man sich bewusst wird, wenn man selbst als Funktionär tätig ist. Die Anti-Doping-Bestimmungen des Bundestages gehen nämlich nicht auf die Langeweile der Bundestagsabgeordneten, sondern vielmehr auf den öffentlichen Druck nach einer Vielzahl von Dopingfällen im deutschen und internationalen Sport zurück (denken wir nur an die vorletzten Olympischen Spiele oder die Tour de France der Jahre 2006 bis 2008). Zum anderen betreiben der DOSB, die Landessportbünde, der DSB und die DSJ eine umfangreiche Aufklärungsarbeit. So hätte zum Beispiel ein Blick auf die Homepage des DSB in den Bereich “Schach und Doping” einige falsche Behauptungen des “Offenen Briefes” vermeiden können. Zum einen wird dort ausgeführt, welche Veranstaltungen und Betreuer getestet werden können (mit dem expliziten Zusatz, dass alle weiteren Veranstaltungen von Dopingkontrollen ausgeschlossen sind, so auch die Landesliga von Mecklenburg-Vorpommern) und der Hinweis gegeben, dass es keine Trainingskontrollen im Schach geben wird (Status quo des Vertrages zwischen DSB und NADA, dessen zeitliche Gültigkeit zehn Jahre umfasst, wie es Niklas Rickmann ausgeführt hat). Präziser werden möchte ich zudem, was die Kosten für Dopingproben betrifft. Als Schiedsrichter auf der letzten DEM der Jugend in Willingen, habe ich die Information erhalten, dass die Kosten nicht pro Person, sondern pro Tag (in diesem Fall waren es sechs junge Frauen und Männer) angefallen und einen unteren dreistelligen Betrag ausgemacht haben. Alle weiteren Kosten, die eine solche Probe kostet, werden meines Wissens von der NADA getragen.
Als erstes Argument, dass für eine Anti-Doping-Ordnung des Landesschachverbandes Mecklenburg-Vorpommern spricht, möchte ich Regelungen nennen, die erforderlich sind, sollte der Fall eintreten, dass ein Spieler unseres Bundeslandes bei einer nationalen oder internationalen Meisterschaften – denn auch solche Schachsportler gibt es in unserem Bundesland – positiv getestet wird. Darf dieser Spieler am regulären Spielbetrieb teilnehmen, gilt eine mögliche Sperre generell oder nur für Qualifikationsturniere zu überregionalen Meisterschaften. Dies bedeutet, dass wir als Verband nicht umhinkommen, uns mit dem Thema Doping zu beschäftigen, sobald Dopingkontrollen auf nationaler Ebene durchgeführt werden.
Als zweites möchte ich noch einmal eine generelle Diskussion zum Thema Doping eingehen, denn natürlich spielt das Thema Finanzen bei dieser Angelegenheit eine Rolle, aber aus meiner Sicht bei weitem nicht die einzige. Als vielleicht eine der wenigen Personen im Landesschachverband halte ich die Diskussion über Doping im Schach nicht für völligen Mumpitz. Dies ist auch unabhängig davon, ob wir ein Dopingproblem im Schach haben, deren Gegenteil ich zwar annehme, es aber ebenfalls nicht durch entsprechende Studien belegen kann.
Dafür ist es allerdings notwendig festzuhalten, dass sich Doping nicht auf das Argument der Leistungssteigerung bezieht, denn dieses ist für den entsprechenden Einzelfall juristisch nicht nachweisbar (keiner weiß, ob Floyd Landis wegen seines um ein Vielfaches erhöhten Testosteronwertes vor einigen Jahren allen davon und sich ins Gelbe Trikot fuhr, oder aufgrund einer besonderen Energieleistung,…). Vielmehr geht es zum einen um die Möglichkeit der Leistungssteigerung, dazu aber auch um das Risiko gesundheitlicher Schädigungen und um gesellschaftliche Ächtung in Bezug auf Sport, von z. B. Drogen wie Marihuana. Nur wenn man alle diese drei Bereiche beachtet, kann man meiner Meinung nach der Diskussion um Doping gerecht werden. Aus diesem Grund lässt sich meiner Meinung nach ganz einfach nachvollziehen, warum es für alle Sportarten nur eine Prohibited List gibt, denn Anabolika ist sowohl für den Menschen, der Gewichtheber als auch für den, der Schachspieler ist, gesundheitsgefährdend. Gleiches gilt für Betablocker, Ritalin und viele weitere Mittel. Verhindert werden soll, dass Menschen Substanzen zu sich nehmen, die sie nicht benötigen und dies sollte weder auf der Ebene des Leistungs- und besonders nicht auf der Ebene des Freizeit- und Breitensports erlaubt sein – sowohl aus Gründen der sportlichen Fairness als auch der Gesundheit der jeweiligen Persönlichkeit. Wenn wir also dem Schachsport (eine Analogie entsteht übrigens, wenn man Schach als ein Spiel ansieht, denn auch dieses funktioniert nur, wenn sich alle an die Regeln halten) nachgehen wollen, kann Doping nicht toleriert werden, unabhängig davon, ob es Kontrollen gibt oder nicht. Dopingkontrollen finden meiner Meinung doch allein aus dem Grund statt, weil sich die Verlockung um ein Vielfaches erhöht, wenn es um nationale und internationale Titel sowie finanzielle Unterstützung in Sportfördergruppen bei der Bundeswehr oder auf Sportgymnasien geht. Sowohl im Spitzensport als auch auf Bezirksligaebene gibt es aber einen Sportethos, eine Moral der Fairness. So gilt für alle unsere Spielklassen, von der 1. Bundesliga bis in die Bezirksklasse, dass Ergebnisabsprachen verboten sind und das, obwohl es in den Ligen unseres Bundeslandes von keinem Schiedsrichter kontrolliert wird. Wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter – verboten bleibt es trotzdem und wie man dies mit seiner Moral in Einklang bringt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Anti-Doping-Bestreben sollten aus meiner Sicht nur in zweiter Instanz pekuniären Überlegungen folgen, sondern vielmehr dem Bestreben nach einem sauberen und fairen Sport. Begreifen wir Schachspieler uns als Sportler begreifen, ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, die WADA, NADA, den DOSB und DSB zu unterstützen. Das hat nichts mit Prostitution zu tun, sondern mit Solidarität und der Einsicht, dass im Sport und damit auch im Schach nichts größer geschrieben werden darf, als Fairness.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Onasch
22. April 2010 - 21:36
Mir ging es nie darum, jemanden zu beleidigen, sondern darum, die Unterwerfung der Landesverbände zu beschreiben. Wenn sich jemand beleidigt gefühlt hat, bitte ich diesen jemand hiermit um Verzeihung.
Bezeichnend ist doch dies:
“Zum einen wird dort ausgeführt, welche Veranstaltungen und Betreuer getestet werden können (mit dem expliziten Zusatz, dass alle weiteren Veranstaltungen von Dopingkontrollen ausgeschlossen sind, so auch die Landesliga von Mecklenburg-Vorpommern) und der Hinweis gegeben, dass es keine Trainingskontrollen im Schach geben wird.”
Das heißt: Die Anti-Dopingordnung ist ein reiner Papiertiger, der in MV nicht zur Anwendung kommt, da nicht getestet werden wird. Dann ist aber die Frage, warum es dieser Ordnung überhaupt bedarf, um so lauter zu stellen, oder?
Ich habe gehört, dass es in MV ein Seilbahngesetz gibt, da von der EU vorgeschrieben. Ein Fall, der einige Parallelen aufweist.
22. April 2010 - 22:09
Mit dem Unterschied, dass das Seilbahngesetz nicht massiv in die Persönlichkeitsrechte aller organisierten Schachspieler in Mecklenburg-Vorpommern eingreift…
Es geht ja nicht nur um Kontrollen, es geht darum, dass jeder mit bestimmten Krankheiten seinen Medikamentenschrank offenbaren muss.
Wir beginnen uns natürlich zu wiederholen, aber trotzdem:
@Paul:
1. Ich habe keine zweijährige Auszeit feststellen können. Du kannst ja mal durchschauen, was in den letzten zwei Jahren auf verschiedenen Schachblogs, in verschiedenen Schachforen und in den Schachzeitungen zu diesem Thema verfasst worden ist. Auf der LSV-Seite war es ziemlich ruhig, das stimmt. Vielleicht, weil man da (naturgemäß) als Leser nichts schreiben kann.
2. Wenn du mit psychologischen Beiträgen argumentierst, geht das leider an der Sache vorbei. Wir sprechen hier über Psychopharmakologie. Zeig mir eine Studie über die Auswirkungen von (laut Dopingordnung verbotenen) Psychopharmaka auf das Schach und dann kann man überlegen, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand von solchen Mitteln tatsächlich Gebrauch macht. Und dann kann man abwägen, ob der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte aller Schachspieler gerechtfertigt ist.
3. Glaubst du, ich hätte nicht auf die DSB-Seite geschaut? Der Bundesrechtsberater (oder jemand anderes aus der DSB-Spitze) hat neulich auf rank zero auch damit argumentiert, dass es “bis auf weiteres” keine Dopingkontrollen außerhalb der genannten Fälle geben werde. Auf Nachfrage mehrerer Leser, wie er das garantieren könne, blieb er stumm. Und diesen Vertrag mit der NADA hat auch noch niemand gesehen. Du vielleicht? Unterliegt der der Geheimhaltung? Warum? Ich bin Jurist, wir sollen hier eine Dopingordnung aufgrund von Versprechungen verabschieden. Ich würde gern Fakten sehen.
4. Als ich recherchiert habe (im März), lag die deutsche Übersetzung der NADA-Liste nicht vor. Oder ich habe sie nicht gefunden.
5. Du sprichst es ja deutlich aus, der Schachverband soll seinen Mitgliedern eine gesunde Lebensweise vorschreiben dürfen. Ich halte das für eine Anmaßung.
22. April 2010 - 22:38
Hallo Stefan,
zu einem Punkt möchte ich noch einmal den Ball zurückwerfen und die Frage stellen, ob denn eine Studie existiert, dass Psychopharmaka keine Wirksamkeit bei Schachspielern haben. Als Jurist benutzt man ja auch häufig Präzedenzfälle und Analogien, warum nicht auch in diesem Fall? Warum reicht es nicht aus, Studien vorzulegen, die aufzeigen, wie sich Psychopharmaka auf gesunde Menschen bei Konzentrations- und Denkprozessen auswirken? Wenden Schachspieler diese Prozesse nicht auch an?
Das es zudem keine Anmaßung ist, Menschen eine Dopingordnung “vorzuschreiben” halte ich nicht für eine Anmaßung, denn diverse Dopingfälle zeigen, dass einige Menschen dies nicht tun, was neben der Gesundheit weiterhin die sportliche Fairness massiv beeinträchtigt. Ein bekannter Philosoph bezeichnete dies einmal als “homo homini lupus”. Dass eine solche Anti-Doping-Ordnung ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen darstellt steht außer Frage, doch müssen wir uns auch die Verhältnismäßigkeit anschauen.
22. April 2010 - 23:06
Nur um einmal ein Beispiel herauszugreifen, wie hier von Präsidiumsmitgliedern argumentiert wird – in den obigen Ausführungen des Präsidenten Niklas Rickmann liest man als Begründung:
In der gerade vom Präsidenten Niklas Rickmann zum Beschluss der Mitgliedeversammlung vorgelegten Anti-Doping-Ordnung liest man (Materialien z.B.auf der LSV-Seite):
Bezeichnungen wie “Sesselpuper” sind hierfür völlig unangebracht. Man darf wohl ausschließen, dass hier Vergesslichkeit waltet.
22. April 2010 - 23:21
DIE VERNUNFT DES MENSCHEN TROTZ EINGRIFFS IN SEINE PERSÖNLICHKEITSRECHTE
Mehrfach positiv getestet
Olympiasieger Merritt gesperrt
Die Leichtathletik vermeldet einen weiteren prominenten Dopingfall: US-Star LaShawn Merritt wird nach drei positiven Tests innerhalb weniger Monate gesperrt, zumindest vorläufig.
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt aus den USA ist wegen der Einnahme eines anabolen Steroids suspendiert worden. Der 23-Jährige wurde zwischen Oktober 2009 und Januar 2010 bei insgesamt drei Tests positiv getestet, die vorübergehende Sperre hat er akzeptiert.
22. April 2010 - 23:22
Dieser aktuelle Beitrag geht seit wenigen Minuten durch die Medien.
22. April 2010 - 23:25
Spielt LaShawn Merrit auch Schach ?
22. April 2010 - 23:43
Nein, aber er ist Sportler und die herrschende Meinung bezeichnet Schachspieler auch als solche.
22. April 2010 - 23:44
1. Es gibt keine unabhängige Studie. Es ist völlig sinnlos nach einer zu suchen, die die Wirksamkeit oder nicht Wirksamkeit von irgendwelchen chemischen oder biologischen Stoffen in welcher Form auch immer beweist.
2. Ich finde, man muss hier mal zwei Dinge gewaltig unterscheiden.
Auf der einen Seite gibt es den 60 jährigen Hobbyspieler, der Spaß am Spiel hat und in Gesellschaft sein will.
Und auf der Anderen gibt es Top GMs die um gewaltige Preisgelder spielen.
Hier könnte man eine Dopingkontrolle als verhältnismäßig ansehen, aber bitte nicht in den Ligen des Landes.
Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt.
22. April 2010 - 23:57
Warum hier von Olypiasiegern der Leichtathlektik und Teilnehmern der Tour de France gesprochen wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Das hat nichts mit dem Thema Doping im Schach zu tun, weil der Vergleich völlig hinkt.
Wenn man kein Turmendspiel beherrscht, nützt auch kein Steroid etwas.
23. April 2010 - 00:50
Und was hat dieser aktuelle Fall in der Leichtathlethik mit dem Schach zu tun?Soll dies der ultimative Beweis sein der dem Schachsport eine Dopingordnung aufnötigt?
23. April 2010 - 01:17
Wenn man vor einer Schachpartie allerdings außergewöhnlich aufgeregt ist, vielleicht ein Beruhigungsmittel oder ein Tütchen Marihuana. Auch gegenteiliges ließe sich durch entsprechende Substanzen bewirken.
Was die Beispiele betrifft, gibt es noch keine aus dem Schachsport, Kontrollen werden ja auch erst seit kurzer Zeit in geringem Umfang durchgeführt. Ernst Bedau, vielen hier sicher als Frontmann des DSB im Anti-Doping-Kampagne bekannt und gleichzeitig hauptberuflich Jurist), sprach einmal von Cannabis-Problemen in den 1. Ligen Österreichs und der Schweiz. Nichts genaueres weiß man nicht.
Da ich es mit den anderen Sportarten nicht lassen kann: Man mag es nicht glauben, bei unseren hier bereits erwähnten Freunden des Schießsports gab es bei Olympia in Peking einen Dopingfall. War es Anabolika, Blutdoping, EPO? Nein! Der verbotene Betablocker Propranolol (warum das denn, das bringt doch gar nichts). Und man höre und staune: “Zudem führt der Deutsche Schützenbund (DSB) zusätzliche Wettkampfkontrollen durch. Die etwa 400 Proben im Jahr kosten den Verband etwa 100.000 Euro”. Vielleicht sollten wir uns mit den Schützen tatsächlich zusammensetzen…
23. April 2010 - 01:22
@ tritonus: Wenn man die Überschrift meines Beitrags mitliest, dann geht es nicht um einen ultimativen Beweis und auch nicht um den Schachsport, sondern um die Frage, ob Anti-Doping-Bestimmungen den Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Leistungssportlern gerechtfertigen.
23. April 2010 - 08:16
@rank zero: Die Passagen sind in der Tat etwas mehrdeutig, ich habe Niklas aber so verstanden, dass der DSB ursprünglich die Kontrollen auf der DSB-Ebene auf die Landesverbände abwälzen wollte — was jetzt nicht geschehen ist.
Kontrollen auf der LSV-Ebene sollen nach dem Entwurf der Ordnung dagegen auch vom LSV bezahlt werden. Aber solche Kontrollen soll es ja nach dem geschilderten Vertrag nicht geben.
@Paul: Ich bin ein bisschen erstaunt über deine Vergleiche: Natürlich bringen Betablocker beim Schießen etwas. Beim Schießen geht es um eine ruhige Hand, also Absenken der Muskelspannung durch Blutdrucksenkung. Das ist doch gerade der Punkt: Schach ist kein Bewegungssport. Es ist völlig gleich, ob jemand eine ruhige Hand hat, es ist auch egal, ob er Beinmuskeln wie ein Hürdensprinter hat oder sein Blut vermehrt Sauerstoff transportieren kann. Aber das alles wird für Schachspieler verboten. Jeder, der Blutdrucksenker nimmt und das werden hier nicht wenige sein, weil man Schach bis ins hohe Alter betreiben kann, soll sich darum kümmern müssen, ob das legal ist oder es sich gar genehmigen lassen, bevor (!) er sie nimmt?
Ich habe keine Kenntnisse darüber, wie Cannabis wirkt, mir persönlich wäre es jedoch egal, ob mein Gegner vor der Partie oder vor drei Wochen (auch das ist verboten, der Stoff ist sehr lange nachweisbar) einen Joint geraucht hat. Hauptsache, während der Partie wird nicht geraucht (und nicht getrunken, wie es ja gelegentlich bei LSV-Meisterschaften vorkommen soll).
Ob Psychopharmaka keine Wirkung auf die Leistungsfähigkeit im Schach haben. wird man beantworten können, wenn es eine ernstzunehmende wissenschaftliche Befassung mit der Frage gegeben hat, ob sie eine solche Wirkung haben. Die Fragestellung negativ zu formulieren, bringt mE keinen Erkenntnisgewinn.
Zuletzt: Wir sind uns wahrscheinlich darüber einig, dass es Betrug im Schach gegeben hat und wahrscheinlich noch gibt: Den Einsatz von Schachprogrammen während der Partie. Wenn jemand ein Programm auf seinem Handy hat und damit auf der Toilette mal eine kritische taktische Stellung durchrechnen lässt, kann er seine Spielstärke verbessern. Und machen wir etwas dagegen? Handyverbot, klar, aber man kann das Handy ja auch ein- und ausschalten. Wie wäre es mit dem Einsatz von Metalldetektoren? Taschenkontrollen? Nein, wir machen es nicht. Weil es unverhältnismäßig wäre. Weil ein Schachverband keine Polizei ist.
PS für Paul: Ich hatte noch einige Fragen zu dem Vertrag gestellt. Es wäre schön, wenn du sie noch beantworten könntest. Danke!
23. April 2010 - 08:43
@ Stefan: Danke für den Kommentar, aber es geht hier nicht um Mehrdeutigkeit , sondern nur um das, was explizit in der Ordnung steht und beschlossen werden soll. Da ist § 11 eindeutig. Der LSV gibt die Hoheit komplett ab und ist bereit, alles zu bezahlen.
Hinweise auf irgendwelche Nebenabreden oder einen Vertrag, der nicht vorgelegt ist und im übrigen ohne Einfluss der Mitglieder jederzeit geändert werden könnte, sind in diesem Zusammenhang nichtig.
Der DSB wälzt im übrigen ohnehin alle Zusatzkosten auf die Mitglieder ab. Der Präsident hat nicht klar gemacht, worin der Vorteil eines Deals besteht, in dem jetzt zuerst der DSB zahlt und es sich danach von den Mitgliedern zurück holt. Formal wäre es ohnehin klar: Wenn der DSB von den Fördermitteln profitieren will und deshalb bei einer DSB-Veranstaltung testet, muss er das natürlich auch selbst bezahlen. Und wenn die Fördergelder nicht einmal dazu ausreichen, wäre die Frage ohnehin erledigt – dann fällt nämlich das ganze finanzielle Argument weg. Die Drohung “dass der DSB ursprünglich die Kontrollen auf der DSB-Ebene auf die Landesverbände abwälzen wollte” ist keine. Natürlich hätten das die Landesvertreter schon aufgrund ihrer Sorgfaltspflicht ihren Verbänden gegenüber dem DSB klarmachen müssen.
Aus den vorliegenden mündlichen Berichten über die Verhandlungen mit dem DSB ergibt sich jedenfalls für mich, dass hier schriftlich detailliert Rechenschaft abgelegt werden müsste. Auf Basis der derzeitigen Informationen wäre eine Entlastung des Präsidiums für mich ausgeschlossen.
23. April 2010 - 08:45
Hallo liebe Schachfreunde,
ich bin ein reiner Hobbyspieler im Verein und kenne keine Antidopingregeln oder eine Lister verbotener Substanzen!
Leider stelle ich für mich fest, wie eine Menge sehr intelligenter Menschen verunsichert ist und sogar daran denkt, den geliebten Sport aufzugeben. Und ich glaube, genau darin liegt das Problem! Was muss ich als ganz normaler Vereinsspieler in M-V künftig tun, nicht nur um nicht erwischt zu werden (denn Kontrollen soll es im Spielbetrieb in M-V ja wohl nicht geben), sondern auch ein reines Gewissen zu haben.
Ich bin dafür, dass Schach sich wie andere Sportarten den Antidopingregeln des Sports unterzieht. Schach ist ein Konzentrationssport wie das schon benannte Schießen.
Ich sehe darin eine Chance, dass Schach aus seinem Nischendasein herauskommt. Was wäre eine “echte” olympische Medaille für einen Schachspieler; ja auch im medialen Fokus. Von den derzeit ausgetragenen Schacholympiaden nehmen doch nur Schachspieler Notiz.
Und noch etwas zu den Wachmachern: Wenn der Spielbetrieb in diesem Land nicht schon um 9 Uhr morgens, sondern um 10 Uhr oder 11 Uhr ausgetragen würde oder gar am Samstag nachmittag, dann bräuchte die keiner! M-V ist ein Flächenland und oft sind weite Wege bis zum gegnerischen Spiellokal, manchmal auf verschneiten Straßen zurückzulegen. Und dies somit in Dunkelheit. Das brächte also mehr Sicherheit und auch mehr Wohlbefinden!
LG
Roberto Gareis
23. April 2010 - 09:19
Wenn die Mannschaftskämpfe im Winterhalbjahr am Samstagnachmittag ausgetragen werden, müsste die Rückfahrt auch im Dunkeln erfolgen.
Wer Blutduck senkende Mittel einnimmt, ist ein jetzt ein Dopingsünder, habe ich das richtig verstanden?! Oder müsste zumindest dieses sein gesundheitliches Problem dem Schiedsrichter offenbaren?! Oder wie jetzt?
23. April 2010 - 09:30
Nur noch drei Anmerkungen von mir, dann werfe ich wegen offen zu Schau getragener Unbelehrbarkeit der Herren NR und PO das Handtuch:
1. Der von mir eingeführte inkriminierte und kritisierte Begriff “Sesselpuper” ist (zumindest im Rheinland) keine Beleidigung, sondern eine ironische Bezeichnung für jemanden, der immer haarscharf an der Realität vorbei agiert, weil er die nicht wirklich kennt. Die Beiträge der beiden Herren zeigen (soweit ich das aus einigen hundert km Luftlinie Entfernung überhaupt bewerten darf), dass ich da vielleicht gar nicht so falsch gelegen habe. Jedenfalls scheint es mir so zu sein, dass die Mehrzahl der “einfachen Mitglieder” eine andere Meinung und Einstellung zu dem Thema hat, als die Führung des LV. [Dabei dürfte es sich um keine Besonderheit des LV M-V handeln, sondern eher exemplarisch auch für andere LV stehen. Ausnahme ist ggfs. Hessen, weil der dortige Präsident Balló - ohne Dr. -, wie ich aus einer Mitteilung an mich entnehme, überzeugt ist, dass es kein wirksames Doping im Schach gibt.]
2. Wenn PO hier einen gerade aktuellen Dopingfall aus einem Bewegungssport heranzieht um damit zu belegen, wie wichtig doch der Kampf gegen Doping auch für Schachsportler ist, dann greife ich wieder in die Kiste der Pfui-Wörter und bezeichne ihn als Volksverdummer. Schach ist m.E. mit Billard zu vergleichen, die nach meiner Kenntnis auch kein Dopingproblem haben, sondern nur einen “Dopingfall”, weil der Billardverband auch die Anti-Dopingregeln umgesetzt hat und ein deutscher Meister so seinen Titel verlor – was dem Verband nachher selber peinlich war. (Billard und Darts werden bei Eurosport häufig übertragen, müssen also Sportarten sein. Ja dann sind wir es natürlich auch.)
3. Schon vor Jahren hat einen Selbstversuch zu dem (beim Schießsport mit Recht und medizinischer Begründung verbotenen) Betablockern von Dr. Pfleger gegeben. Er hat gegen Spasskij nach Einname eines solchen Medikamentes gespielt und furchtbar auf die Mütze bekommen. Er schildert selber, dass seine Aufmerksamkeit für den beginnenden Königsangriff seines Gegners völlig unterentwickelt war unter der dämpfenden Wirkung der Substanz. Es sei ihm aber noch sie so leicht gefallen, eine Niederlage zu akzeptieren. [Alte Lästermäuler behaupten allerdings, er hätte ohne Einnahme des Betablockers genau die gleichen Haue bezogen.]
23. April 2010 - 10:48
Bravo, Michael
23. April 2010 - 11:27
Ich muss hier Paul Onasch noch einmal in Schutz nehmen – ich denke nicht, dass er primär Volksverdummer ist, sondern eher Opfer. Jedenfalls lesen sich seine Argumente wie die auswendig gelernten Parolen, die beispielsweise auf den Jugendsprecherseminaren von Jörg Schulz & Co. den Kindern eingehämmert werden. Mit 15-16 sind die Jugendlichen nicht unbedingt gereift genug, um so etwas abzuwehren oder zu reflektieren, schon gar nicht in der Korpsatmosphäre der DSJ-Funktionäre, wo es zählt, dazuzugehören. Später geben sie einfach stolz das Gelernte weiter und denken gar nicht weiter über die schiefen Vergleiche nach, die ihnen mal so beigebracht wurden.
Es ist ja kein Zufall, dass überall auf den Webseiten teilweise wortidentische komische Begründungen stehen.
Dazu wären zumindest ein paar Fragen noch einmal konkret zu beantworten:
Wann und in welcher Form ist dem Landesverband eine Mustervorlage der Satzungsänderung und der Dopingordnung vom DSB (m.W. damals noch aus der Bedau-Feder) zugegangen mit der Aufforderung, diese von oben umzusetzen?
Was hat das Präsident unternommen, um dies danach im Landesverband zu diskutieren?
Wie verhält sich der aktuelle Antrag inhaltlich zu der Vorlage von oben?
Und danach können wir mal drüber reden, ob die Schachspieler im Land ihre demokratischen Rechte ignoriert haben, weil sie sich nicht an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages gewandt haben. Mein Demokratieverständnis sieht anders aus.
23. April 2010 - 11:44
Ich will jetzt keine große Metadiskussion starten, aber den Beteiligten einen Mangel an Reflektionsfähigkeit zu unterstellen, halte ich für keinen besonders guten Stil.
Am derzeit besten Schachspieler der Welt gemessen sollte man allerdings schleunigst überprüfen, was für Inhaltsstoffe sich in Orangenbrause/-saft befinden, die leistungssteigernd wirken. Und natürlich: sind diese gesundheitsgefährdend?
(Kleiner Tipp: Zucker ist schlecht für die Zähne…)
23. April 2010 - 14:12
Liebe Schachfreunde,
unter den gegenwärtigen Bedingungen hege ich kein weiteres Interesse, mich von Schachfreunden aus dem Rheinland, Olaf Teschke und indirekt auch einem weiteren Präsidiumsmitglied beleidigen zu lassen – dies sollte man nicht missachten, denn der liebe Richard, der es als “bravo” empfindet, dass ich als “Volksverdummer” bezeichnet werde, sitzt ebenfalls im Präsidium und das dieses zu eigenständiger Reflexion in der Lage ist, zeigt sich allein darin, dass Richard auf jeder Präsidiumssitzung wohlwollend seine persönliche Meinung zum Thema Doping kundtun darf und nicht beleidigt, sondern mit ihm diskutiert wird. Ich habe kein gesteigertes Interesse daran, mir von Schachfreunde Teschke den Vorwurf gefallen zu lassen, des eigenständigen Denkens nicht fähig zu sein und mich auf Jugendsprecherseminaren – auf denen ich noch nicht ein einziges Mal anwesend war und die bereits seit Jahren nicht mehr von Jörg Schulz geleitet werden, wenn überhaupt jemals (soviel zum Thema Realitätsnähe) – von Mitgliedern der DSJ indoktriniert lassen zu haben. Diese Art der Kommunikation werde ich daher ablehnen, weil es für mich einen Mangel an gegenseitigem Respekt darstellt, den diese Herren dann bitte auch nicht von mir erwarten möchten, indem sie auf ernstgemeinte Antworten warten! Aus diesem Grund habe ich auch keine Interesse daran, den Ball zurückzuwerfen, denn bevor man anderen Menschen mangelnde Reflexion vorwirft, sollte man mit der Selbstreflexion beginnen und sich hinterfragen, wie viele Schritte man selbst in den letzten Tagen vorangeschritten ist, oder ob man andauernd die gleichen Fragen aufwirft, die direkt und indirekt mehrmals beantwortet wurden!
Gleichzeitig möchte ich aber nicht, dass die Anfrage von Roberto darunter leiden muss und werde auf diese eingehen und freue mich, dass diese Verunsicherung an uns herangetreten wird.
Aus meiner Sicht stellt sich die Sache so dar: Für alle Schachspieler sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Doping nicht zum Sport gehört, was durch entsprechende Anti-Doping-Ordnungen und Bestrebungen lediglich manifestiert wird. Insofern muss jeder Sportler mit sich selbst vereinbaren, ob er dopt oder Medikamente zu sich nimmt, die er aus gewissen gesundheitlichen Gründen benötigt. Brauche ich also ein Medikament zur Senkung des Blutdrucks, brauche ich mir über Doping keine Gedanken zu machen. Nicht anders läuft es im Leistungsbereich ab, nur dass dieser dadurch ergänzt wird, dass Dopingkontrollen durchgeführt werden. Damit die Kontrolle aber wissen, dass der Leistungssportler dieses Medikament aus gesundheitlichen Gründen genötigt, muss sich dieser von seinem Arzt und der NADA (das ist der zweite und wichtigste Schritt) ein Attest ausstellen lassen. Summa summarum: Im Breiten- und Freizeitsport ist jede Person Sportler und Kontrolleur zusammen und braucht weder ein Anti-Doping-Verfahren noch ein schlechtes Gewissen befürchten, wenn er ein Medikament benutzt, welches er benötigt. Beim Leistungssport werden diese Funktionen noch einmal gesplittet, da hinlänglich bekannt ist, was Menschen tun, wenn sie den Erfolg und das große Geld vor Augen haben und diese über die eigene Moral siegen.
Es ändert sich also für den Breitenspieler in Mecklenburg-Vorpommern nichts – die Regeln, die aus ethischen Gründen für jeden gelten, werden einfach nur kodifiziert.
23. April 2010 - 14:42
Hat sich eigentlich schonmal jemand gefragt, warum Dinge, die in 99% der Fälle eh illegal sind, für Sportler extra noch einmal kodifiziert werden müssen? Oder gibt es legal beschaffbare Dopingmittel auf der Nada-Liste?
23. April 2010 - 15:19
Doch noch eine Bemerkung @losso: Auf der Dopingliste stehen eben nicht nur Kokain, Speed und ähnliche illegale Drogen oder anabole Steroide, sondern auch Medikamente wie (u.a.) Betablocker, Codein oder Diuretika. So kann man aufgrund etwa Bluthochdrucks ohne weiteres zum Doper werden. Die Einnahme bestimmter Mittel ist nämlich zulässig, wenn man das anmeldet. [Ist auch der Grund dafür, warum wohl jeder ernsthafte Schwimmer einen Doc hat, der ihm Belastungsasthma bestätigt!]
23. April 2010 - 15:24
Hallo Leute,
wenn ich mir verschiedene Kommentare durchlese, muss ich ehrlich sagen, dass ich enttäuscht bin über die Art und Weise, wie von Einzelnen diskutiert wird. Dass es verschiedene Meinungen gibt, ist klar. Keiner hat im Verlauf der Diskussion seiner grundsätzlichen Standpunkt geändert, aber nur 2 sind unbelehrbar und werden auch mehr oder weniger deutlich beleidigt. Dass muss nicht sein.
Ansonsten ist die Sache doch einfach: Die Mehrheit darf am 02.05. entscheiden, was passiert. Wenn man die Diskussionsbeiträge hier zusammenzählt, gibt es 3x ja, 1 Enthaltung (meine) und viele Gegenstimmen. Die Anti-Doping-Ordnung ist abgelehnt, ist halt so. Wenn es nicht wie erwartet kommt, müsste dies aber auch ohne weitere Beleidigungen hingenommen werden. Wenn jemand daraufhin mit dem Schach aufhören will, würde ich es für ziemlich irrational halten. Ihr solltet mir aber rechtzeitig Bescheid sagen, sonst stehe ich nächstes Jahr alleine da.
@ Losso: Wenn es nur um illegale Substanzen ginge, hätte Stefan den Brief wahrscheinlich nicht geschrieben
23. April 2010 - 15:46
> Wenn es nur um illegale Substanzen ginge, hätte Stefan den Brief wahrscheinlich
> nicht geschrieben
1. Es geht mE nicht um die Substanzen, sondern um die Dopingproben.
2. Welche nichtverschreibungspflichtigen(!), legalen Substanzen sollen das denn sein?
23. April 2010 - 15:55
Ort:
Iglu in einer Siedlung im ewigen Eis Grönlands; die Temperaturen liegen bei -30 Grad Celsius
Personen:
Nellie (eine Inuitfrau)
Nanuk (Nellies Ehemann)
Nanuk: Wir sollten Mausefallen aufstellen.
Nellie: Wieso das denn?
Nanuk: Damit wir auf die Mäuseplage vorbereitet sind.
Nellie: Aber ich habe hier noch nie eine Maus gesehen. Du?
Nanuk: Nein, aber wenn welche kommen, sollten wir darauf vorbereitet sein.
Nellie: Wo sollte denn eine Maus herkommen?
Nanuk: Das weiß ich nicht.
Nellie: Und meinst du, sie könnte hier überhaupt überleben.
Nanuk: Wohl kaum.
Nellie: Wozu brauchen wir dann Mausefallen.
Nanuk: Der Bürgermeister hat das angeordnet.
Nellie: Weiß der, wo die Mäuse herkommen sollen?
Nanuk: Nein, aber er meint, es könnte ja sein, dass sie irgendwann hier sind.
Nellie: Und wer bezahlt die Mausefallen?
Nanuk: Wir.
Nellie: Wir stellen uns Mausefallen ins Iglu, weil der Bürgermeister das anordnet, um auf eine Gefahr vorbereitet zu sein, die es nicht gibt und wahrscheinlich nie geben wird?
Nanuk: Richtig.
Nellie verlässt kopfschüttelnd das Iglu.
23. April 2010 - 19:50
Eskimos haben gar keine Bürgermeister!
Franz Beckenbauer: “Doping im Fußball bringt nichts. Durch Pillen nehmen kann man den Ball nicht besser stoppen und auch keine Tore schießen”
Schachspieler: “Durch Pillen nehmen kann man seine Turmendspielkenntnisse nicht verbessern.”
@ losso: Laut Olaf reicht sogar schon Nasenspray. Ansonsten sind wir uns natürlich einig, dass man in Deutschland zu verschreibungspflichtigen Medikamenten ohne Rezept keinen Zugang hat
23. April 2010 - 21:10
Ich finde eigentlich Diskussionsform und -niveau gar nicht sooo schlecht. (Jedenfalls in Anbetracht dessen, dass es sich um eine Online-Diskussion handelt. Da fallen schon mal ein paar offene Worte, die man vermutlich besser nicht auf die Goldwaage legen sollte.) Für eine der weisesten Lehren in diesem Zusammenhang halte ich übrigens “Be liberal in what you read, but conservative in what you post”.
Auch wenn niemand seinen Standpunkt geändert hat, sind doch IMHO einige Kernpunkte der Diskussion recht deutlich geworden. Da ich die Diskussion aus Zeitgründen nur oberflächlich verfolgt habe, maße ich mir nicht an, diese Kernpunkte zusammenfassen zu wollen. Aber auf jeden Fall gehört die Frage dazu, welche Kosten (im weitesten Sinne) man bereit ist, in Kauf zu nehmen, um nicht Gefahr zu laufen, Fördermittel zu verlieren.
Interessant finde ich auch den Einwurf von Roberto Gareis, dass es nämlich “Otto Normal-Schachspieler” selbst bei gutem Willen kaum möglich sein dürfte, sich entsprechend der vorgeschlagenen Anti-Doping-Regelungen zu verhalten.
Ich persönlich habe die (vermutlich blöde) Eigenart, mich gerne regelgerecht zu verhalten. Das würde ich hinsichtlich der vorgeschlagenen Anti-Doping-Ordnung nicht mehr tun (können). Schon das ist für mich Grund genug, sie abzulehnen.
Und noch ein Einwurf: Da ich im Laufe meines Studiums etwas ökonomisch geprägt wurde, drängt sich mir der Eindruck auf, dass die ganze Idee des Anti-Doping-Kampfes im Schach eine große Ressourcenverschwendung ist. (Ich will damit natürlich nicht sagen, dass das der wichtigste Gesichtspunkt ist — insbesondere die Frage nach dem Eingriff in Persönlichkeitsrechte erscheint mir noch zentraler.) Wenn man bedenkt, wieviel Zeit diverse Personen allein in McPom bereits mit der Beschäftigung mit diesem Thema zugebracht haben, und wenn man zusätzlich bedenkt, wieviel Zeit es die Spielerinnen und Betreuer kosten würde, sich “normgerecht” zu verhalten, und wenn man dann liest, dass weit gehend dahingehend Einigkeit herrscht, dass es kein Doping-Problem im (mecklenburg-vorpommerschen) Schach gibt, sondern dass es primär um die Fördermittel geht — dann sollten sich sämtliche Nackenhaare eines (gesamtwirtschaftlich) denkenden Menschen kräuseln.
23. April 2010 - 21:18
Nun muss ich doch wortbrüchig werden, weil mir KPK ein wenig die Worte im Munde bzw. in der Tastatur rumgedreht und zudem meinen Stil moniert hat:
Meine Meinungsäußerungen sind meist polemisch zugespitzt. Das ist mir völlig klar, aber Übertreiben veranschaulicht eben. Ich habe die Befürworter der Anti-Doping-Maßnahmen als “unbelehrbar” bezeichnet, verkenne aber nicht, dass die Gegner genau so unbelehrbar sind und Ihren Standpunkt nicht aufgeben wollen und werden. Da stört es mich nur weniger, weil zufälligerweise deren Standpunkt mit meinem identisch ist. Also zur Klarstellung (oder weiteren Verwirrung): ALLE Schreiberlinge hier sind unbelehrbar, aber NR und PO halt doch noch etwas mehr als die anderen…
Ich würde auch einen deutlich sachlicheren Stil an den Tag legen, wenn die Befürworter sachliche Argumente auf den Tisch legen würden. Stattdessen wird die vom DSB vorgegebene Leier “Vorsicht, Mittelzuwendungen der öffentlichen Hand sind in Gefahr!” wiederholt, das Gespenst (Achtung: Übertreibung!) von sich auf dem Bahnhof heimlich ihr Dope besorgenden Chesskids an die Wand gemalt (Jedenfalls erinnere ich mich, so etwas in der Art bei Bedau aufgeschnappt zu haben) und dazu ein aktueller Dopingfall eines 400-m-Renners nicht näher bekannter schachlicher Qualifikation bemüht. Das ist IMHO Volksverdummung und ich lasse mir von niemandem in die Parade fahren und das als “Beleidigung” (ab-)qualifizieren, um so einer sachlichen Analyse solcher Scheinargumente zu entgehen. [Wer deswegen will, kann mein Konterfei aus Schach 4/10 kopieren, an die Wand tackern und mit Dartpfeilen bewerfen. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Die wenigsten werden mich persönlich kennen, aber wer jetzt die Vorstellung eines lauten und polternden, wenig diplomatischen Egomanen hat, liegt gar nicht so falsch. Damit habe ich mir bisher gelegentlich auch Ärger eingebrockt, aber das war mir immer lieber als mich zu verbiegen oder sichtbare Missstände nicht zu thematisieren. Oder wie es Simon & Garfunkel formulierten: "I'd rather be a hammer than a nail (...) be a sparrow than a snail (...)"]
Ich frage mich natürlich auch, warum eigentlich die Diskussion hier auf diesem Blog (Das ist nicht gegen Dich oder das Blog gerichtet, Stefan, bitte nicht missverstehen.) ausgetragen wird. Das richtige Forum wäre dafür natürlich das Forum des DSB, auf dem sich jedes Mitglied eines des DSB angeschlossenen Vereins registrieren und seine Meinung kundtun kann. Eine echte Graswurzelentscheidung wäre dann auch noch, wenn der DSB-webmaster dann eine Umfrage einstellen würde, wie die Mitglieder zu dieser Frage stehen und das Ergebnis wiederum die Entscheidung des DSB zu dieser Frage präjudizieren würde. Leider hat der DSB kein solches Forum – was ich für bezeichnend halte, was die Strukturen des DSB anbelangt. (Schließlich geht es hier und jetzt ja “nur” noch darum, ob einer der 17 LV “gleichgeschaltet” wird.) Wenn ich mich richtig erinnere, wurde bei den (wenigen) Äußerungen von Herrn Deventer und evtl. anderen (weiß ich nicht mehr genau) bei rankzero in erster Linie das Geldargument für die Anti-Doping-Politik bemüht. Also liegen, wie ein Politiker das formulieren würde, “Sachzwänge vor, die unsere Entscheidung alternativlos machen”. Das ist typisch für ein unausgesprochenes Denkverbot, und bei dergleichen Sprech stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Es gibt beim DSB mit Sicherheit Einsparpotential, das höher als evtl. verloren gehende Zuwendungen ./. dafür aufzuwendende Kosten ist. DAS ist beim hier in Rede stehenden LV möglicherweise nicht der Fall, das kann ich nicht beurteilen. (Nur scheint mir die Argumentation der Befürworter hier auffällig ähnlich zu der der Befürworter beim DSB.) Mit anderen Worten: Der DSB hat in der Diskussion mit dem Innenministerum Bund auf ganzer Linie versagt. (Besonders befremdlich fand ich seinerzeit das “beredte Schweigen” des Robert v.W. Hätte dieser Mann Rückgrat wie sein Vater, der Altbundespräsident, hätte es diese Entwicklung im DSB nicht gegeben.) Angesichts der im Vergleich mit anderen Sportarten doch recht geringen Mittelzuwendungen (Ist die Zahl von 17.500 EUR belastbar?) wäre aus meiner Sicht ein Sonderweg für die Bewegungslegastheniker mit den Holzpuppen sicher verhandelbar gewesen, hätte aber Anstrengung und Gegen-den-Strom-Schwimmen bedeutet. Wollte Grußonkel Robert wohl nicht, also hat der DSB den anderen Weg gewählt und den NADA-WADA-…-Mumpitz oktroyiert. Ausbaden müssen es jetzt wie es scheint die LVe und ggfs. die Vereine oder Spieler wie etwa Thomas Luther, der sich dem Schwachsinn nicht unterwerfen wollte und daher bei der DEM nicht spielen durfte. [Bekanntlich hat der Mann ein körperliches Handicap, aber das Rückgrat scheint glücklicherweise intakt zu sein.]
Ein Punkt noch, zu dem ich mich nicht geäußert habe: Hier war von NR zu lesen, die Mitglieder hätten sich an den Petitionsausschuss des Bundestages wenden können, aber das haben sie offenbar nicht gewollt oder nur geredet usw. Soll ich im Verein Unterschriften sammeln und nach Berlin schicken, weil mir die Übernahme der Anti-Doping-Regeln des DOSB durch den DSB nicht zusagt und über den Ausschuss zu Fall bringen? Soll ich damit den für das Kulturgut Schach nicht nur sinnvollen, sondern fast zwingenden Sonderweg erreichen, den anzustreben die Führungsebene des DSB versäumt hat? Welche Aussicht hat eine solche Petition wohl? Herr Rickmann, auch Sie kriegen nun von mir den Kraftausdruck “Volksverdummer” an die Jacke geheftet. Wenn Ihnen das nicht gefällt, können Sie mein Konterei usw. (s.o.)
23. April 2010 - 21:29
@ KPK: Ich habe diesen Kommentar von Olaf nicht gelesen, er stimmt aber auch nicht in seiner Gesamtheit, da es Nasensprays gibt, die man ohne Bedenken verwenden kann (pdf — Nasensprays auf Seite 12).
23. April 2010 - 21:40
@ MiBu: Um noch einmal deutlich zu werden: Was Sie hier betreiben hat nichts mit Rückgrat zu tun, sondern mit purer Peinlichkeit, damit dies einmal gesagt ist! Wer sich im Jahre 2010 nationalsozialistischer Termini bedienen muss, den kann ich nur zu seinem Mangel an Reflexionsfähigkeit und Anstand bedauern. Traurig ist es aus meiner Sicht zudem, dass ihre Beleidigungen und Taktlosigkeiten weiterhin auf diesem Blog geduldet werden, denn dies hat nichts, aber auch überhaupt nichts mehr mit dem Recht zu tun, seine persönliche Meinung darzustellen – damit dies einmal in aller Deutlichkeit gesagt worden ist!
23. April 2010 - 21:53
Ha, wir sind soweit.
Oder zählt “nationalsozialistische Termini” noch nicht?
23. April 2010 - 21:59
@KPK Du weist richtig auf die Verbandsdemokratie hin. Ich schätze Demokratie außerordentlich. Die Mitgliederversammlung hat zu entscheiden und jeder muss dann für sich klären, ob und welche Konsequenzen das für ihn hat. Aber zu einer Demokratie gehört für mich nicht nur die Abstimmung, sondern auch der Austausch von Argumenten. Es freut mich, dass ich dazu beitragen konnte. Und zu einer Demokratie gehört Transparenz der Entscheidungsgrundlagen. Da fände ich es sehr hilfreich, mal den Vertrag zwischen DSB und NADA zu sehen. Meine diesbezüglichen Fragen an Niklas und Paul sind bis jetzt aber leider gänzlich ohne Antwort geblieben.
@Paul Ich darf dich mal zitieren:
Dann zitiere ich mal den Entwurf der Anti-Doping-Ordnung:
Ist es dann nicht so, dass sich jeder organisierte Schachspieler in M-V eine Ausnahmegenehmigung holen muss, wenn er aus medizinischen Gründen einen verbotenen Stoff einnehmen muss? Wenn das so ist, dann nehme ich mal zur Kenntnis, dass der designierte Anti-Doping-Beauftragte des LSV hier dahingehend belehrt, die Anti-Doping-Ordnung nicht zu beachten.
Zum Schluss möchte ich nochmal betonen, dass es mir nicht um persönliche Angriffe, sondern um eine Diskussion der Sache geht. Aber ich betreibe das mit einer gewissen Vehemenz, weil ich gern vernünftige Regeln habe, die einzuhalten sind und weil diese uns von oben aufgezwungene Diskussion in meinen Augen Ausdruck dafür ist, dass sich das Schach hierzulande in die verkehrte Richtung entwickelt.
PS: Hier und in den Präsidien von LSV und DSB ist niemand ein Nazi und hier wird auch niemand als Nazi bezeichnet, “gleichgeschaltet” stand 1. distanzierend in Anführungszeichen und ist 2. im allgemeinen Sprachgebrauch kein nationalsozialistischer Begriff. Deshalb keine Moderation von mir. Es gibt auf diesem Blog inzwischen über 3.700 Kommmentare und ich glaube, ich musste bisher zwei Kommentare löschen. Rau, aber herzlich soll es zugehen.
23. April 2010 - 22:09
Ich poste hier erneut Fragen, die von rankzero weiter oben schon aufgeworfen wurden. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde ihnen keine Antwort zuteil, da der begleitende Ton als unpassend empfunden wurde. Die Antworten interessieren mich als Mitglied des LSV MV dennoch sehr. Verfehlungen im Tonfall oder das Abgleiten auf die persönliche Ebene muss ich mir in dieser Diskussion nicht anrechnen lassen und hoffe daher, dass die Fragen mit Antworten bedacht werden
mit bestem Dank im voraus
Carsten Herrmann
23. April 2010 - 22:20
Sehr schön, dann hat mein Kommentar ja emotionale Betroffenheit ausgelöst…
Im übrigen “muss” ich mich nicht Termini aus der NS-Zeit bedienen. Ich habe lange geschwankt, ob ich den bewussten Terminus wirklich nehmen soll, habe dann aber pro entschieden und die “” gesetzt. Was ich damit unterstreichen wollte, war das Prinzip, das hier eine bestimmte Grundausrichtung durch die gesamte Organisation von oben nach unten durchgezogen werden soll, und dafür haben die Braunhemden damals einen sprachlichen Ausdruck geprägt, der nicht zu optimieren ist. Ihr Urteil, das sei unanständig, peinlich und belege mangelnde Reflexionsfähigkeit habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, behalte aber meine abweichende Einschätzung bei. (Selbstbild und Fremdbild können nun mal auseinanderfallen.)
Bei Beleidigung und Taktlosigkeit muss ich differenziert antworten: Taktlos kann gut sein, ich falle schon mal mit der Tür ins Haus. “Beleidigung” ist hingegen ein strafbewehrtes Vergehen, dessen ich mich nicht schuldig gemacht zu haben glaube. Ich habe nur bestimmte Verhaltensweisen mit einem Werturteil versehen, das allerdings negativ ausgefallen ist. Ich verweise darauf, dass mein Klarname und meine E-mail-Adresse ohne Weiteres zu ermitteln sind, auch meine Wohnadresse lässt sch mit wenig Aufwand in Erfahrung bringen. Einem Strafantrag nach §185 StGB steht also rein technisch wenig entgegen. [Übrigens kann ein Volksverdummer durchaus ein intelligenter Mensch sein, während Sie mir hier vorhalten, ich sei beschränkt. Was ist denn da ehrenrühriger?]
Das Verlangen nach Moderationseingriffen finde ich persönlich erstaunlich. Einmal (nein, zweimal) hart angegangen worden und schon wird beim Schiri der Feldverweis verlangt? Ohje… Wie kann ein so junger Mensch sich schon so “alt” verhalten? Und seien Sie froh, dass ich keine ausführliche Erörterung über die Wichtigkeit der Frage “Sind alle Nasensprays Dopingmittel?” folgen lasse. Ich lasse lediglich die Anmerkung fallen, dass die Eröffnung von Nebenkriegsschauplätzen (Ohweia, schon wieder ein Unwort!) zur Ablenkung von der Hauptsache mir ebenfalls recht unsympathisch ist.
23. April 2010 - 22:33
@ Stefan: Eingangs möchte ich betonen, und das ausdrücklich, dass die Äußerungen “Volksverdummer” und insbesondere “gleichschalten” (ich bitte dich, dir diese – unverschämte – Beleidigung aller Opfer der nationalsozialistischen Gleichschaltung einmal auf der Zunge zergehen zu lassen!) mit einer sachlichen Diskussion nichts, aber auch wirklich überhaupt nichts zu suchen haben und es lässt mich stark daran überlegen, ob ich weiterhin an einem Blog meine Meinung äußern möchte, in dem Äußerungen dieser Person nicht nur akzeptiert, sondern gar als “bravo” kommentiert werden!
Hast du denn auch einmal in den Artikel 5 des NADA-Codes geschaut, den du gerade zitierst?
Teil 1 – Trainingskontrollen (Irrelevant, da es keine Trainingskontrollen geben wird!)
“5.1.1 Die NADA ist zuständig für die Organisation und Durchführung von Trainingskontrollen bei Athleten des Testpools der NADA und sonstiger dem Anwendungsbereich des NADC unterfallender Athleten.”
Teil 2 – Wettkampfkontrollen
“5.1.2 Für die Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen Innerhalb
des Wettkampfs ist die den Wettkampf veranstaltende Anti-Doping-Organisation zuständig, soweit die Zuständigkeit nicht der NADA übertragen wurde.”
Wettkampfkontrollen finden also in Absprache mit den veranstaltenden Anti-Doping-Organisationen statt und da dies nach 1.3 der Anti-Doping-Ordnung des LSV M-V der DSB ist (”Der LSV M-V überträgt den Vollzug dieser Ordnung auf den Deutschen
Schachbund (DSB).”), benötigen medizinische Ausnahmegenehmigungen lediglich die Kaderspieler des DSB und Teilnehmer der DEM Männer sowie Frauen, der u18w sowie u18.
Gegenfrage zum Vertrag und zur Glaubwürdigkeit von Herrn Bedau: Wo fanden denn in 2009 Dopingkontrollen statt? Das wird hier doch sicher jemand recherchiert haben. Ich weiß es von der DEM der Männer und der DEM u18 sowie u18w.
Zum Abschluss noch etwas Formelles und von einer Kommentierung sehe ich einmal ab: Ich bin das direkte Gegenteil des designierten Anti-Doping-Referenten des LSV, sondern werde diese Funktion nach zweijähriger (!) Amtszeit in der nächsten Woche an Georg Lansky übertragen.
23. April 2010 - 22:35
Du hast recht, Stefan, Transparenz ist wichtig. Diesbezüglich kann man dem LSV MV aus meiner Sicht vielleicht vorwerfen, den entsprechenden Menüpunkt auf der Homepage nicht genügend beworben zu haben (Paul wies schon darauf hin). Diverse Fragen hätten vielleicht schon früher gestellt und beantwortet werden können. Ansonsten weiß ich nicht, wann du deine Fragen an Niklas und Paul gestellt hast, diese Diskussion geht hier aber erst seit 3 Tagen und ein bisschen Antwortzeit sollte man auch im Online-Zeitalter gewähren. Ich selbst beantworte auch nicht jede Mail sofort. Und jetzt mache ich erst mal Wochenende.
23. April 2010 - 22:52
@ CBartolomaeus:
Wie unheimlich, du kannst wohl meine Gedanken lesen. Keine halbe Stunde vor deinem Post wollte ich auch schon Godwin`s Gesetz erwähnen.
@ alle anderen:
Sorry, dass das hier kein für die Diskussion konstruktiver Beitrag ist.
23. April 2010 - 22:53
Vielen Dank für den Hinweis, dass Anführungsstriche die Etymologie eines Wortes verändern. Für mich stellen sie trotzdem keine meliorisierende Konnotation dar. Ich stelle mir gerade die Frage, und die anwesenden Juristen werden mir dies sicher beantworten können, ob in Anführungszeichen dargestellte Symbole vor einem Strafantrag nach § 86 a StGB schützen?
23. April 2010 - 23:26
“Gleichschaltung” ist keine Beleidigung, weder mit noch ohne Anführungsstriche.
23. April 2010 - 23:30
“Gleichschaltung” stellt einen Vergleich mit der Einrichtung der nationalsozialistischen Diktatur dar und soll keine Beleidigung sein – da lässt sich ja nur noch Thomas Doll zitieren.
24. April 2010 - 00:04
Das war bestimmt kein Strafgesetzbuchkommentator.
24. April 2010 - 01:00
@ Prendimi: Karsten, sehr gern versuche ich auch diese Fragen zu beantworten, muss aber auch gestehen, dass ich nicht die entsprechenden Unterlagen habe – sondern Niklas – und es daher nur aus der Erinnerung her wiedergebe.
“Wann und in welcher Form ist dem Landesverband eine Mustervorlage der Satzungsänderung und der Dopingordnung vom DSB (…) zugegangen mit der Aufforderung, diese von oben umzusetzen?”
Die geplante Satzungsänderung des DSB ist uns etwa Anfang des Jahres 2008 zugegangen, wobei es Diskussionen auf DSB-Ebene mit den Ländern bereits vorher gab. Der konkrete Entwurf gehörte dann zu den Materialien für den DSB-Kongress vor zwei Jahren in Zeulenroda, bei dem die Anti-Doping-Ordnung verabschiedet wurde.
“Was hat das Präsident unternommen, um dies danach im Landesverband zu diskutieren?”
Bereits vor dem DSB-Kongress haben wir damit begonnen, Aufklärungsarbeit zu betreiben, die folgendermaßen aussah: Nach anfänglichen Diskussionen mit einigen Mitgliedern habe ich auf der Mitgliederversammlung 2008 einen Vortrag über “Doping und Schach” mit einer anschließenden Diskussionsrunde gehalten, die nicht so ausging, wie es viele Teilnehmer dieser Diskussion hier erwarten – Ralf kann darüber berichten. Anfang des Jahres 2009 hat sich das Präsidium auf seiner Klausurtagung nach langen und kontroversen Diskussionen zu dem Thema positioniert und das Resultat wurde von mir in einem Positionspapier festgehalten sowie ein Schreiben mit Fragen und Antworten zum Thema Doping verfasst. Beide Dokumente gingen sowohl allen Vereinen des LSV per E-Mail zu und sie wurden auf dem neu eingerichteten Menüpunkt “Antidopingkampf” auf unserer Homepage eingestellt. In der anfänglichen Folgezeit haben einige Schachfreunde und auch ich Zeitschriftenartikel und Beiträge auf der Homepage veröffentlicht. Man sieht aber bei einem jetzigen Blick, dass bis auf einen Artikel von Dirk Poldauf, den Jens Motullo einstellen ließ, seit April 2009 kein Diskussionbeitrag verfasst wurde. Gleichzeitig bestand im Forum des LSV, welches bis ins letzte Jahr hinein existierte, die Möglichkeit, das Thema Doping zu diskutieren. Ebenso wurden mit Ausnahme der Teilnehmer der DEM u18 und u18w, die im Vorfeld von uns und der DSJ aufgeklärt wurden, keine Anfragen an meine Person gestellt. Der Wille zur Diskussion war also vorhanden und zeigt sich meines Erachtens auch darin, dass sich Niklas und ich an dieser “Diskussionsrunde” beteiligen. Unser Versuch war vorhanden und wir haben versucht, die Dinge zu tun, die für die entsprechende Aufklärung notwendig waren. Leider sind wir auch keine ausgesprochenen Anti-Doping-Experten, mussten – und müssen uns noch immer – selbst in die Dinge einarbeiten, was u. a. dazu führte, dass ich ein entsprechendes Seminar des LSB mit Vertretern der NADA und WADA besuchte. Niklas und ich haben den Versuch unternommen, administrative, medizinische und juristische Fragen zu klären und an euch weiterzuleiten.
“Wie verhält sich der aktuelle Antrag inhaltlich zu der Vorlage von oben?”
Was den aktuellen Antrag der Anti-Doping-Ordnung an die Mitgliederversammlung betrifft, setzt dieser meiner Kenntnis nach die Richtlinien des DSB und des Landessportbundes (die jeweils konkret mit uns zusammenarbeitenden Institutionen) um.
24. April 2010 - 01:58
Vielen Dank für die ausführliche Antwort Paul, wenn du mir demnächst noch das C im Vornamen lässt, werde ich noch besser einschlafen können ;)
24. April 2010 - 09:17
Hi Paul,
da ich ja jetzt in die Reihe der “Paul-Beleidiger” aufgerückt bin, muß ich wohl noch einmal etwas ausführlicher Stellung nehmen. Ich bin (zur Zeit noch) Mitglied des Präsidiums der LSV MV und bin und war von Anfang an ein Gegner der Anti-Doping-Ordnung. Meine Begründung deckt sich im Wesentlichen mit dem Offenen Brief von Stefan: Grundsätzlich bin ich gegen Doping, wie es z.B. bei den Radfahrern und Leichtathleten betrieben wird. Aber beim Schach gibt es kein Doping und kein Dopingproblem. Auf die Nichtexistenz der immer wieder vermuteten wissenschaftlichen Studien wurde ja schon hingewiesen. Kein Dopingproblem, keine Dopingkontrollen, keine Antidopingordnung.
Falls sich das einmal im Schach ändern sollte, bin ich gerne bereit, über die Einführung einer Antidopingordnung zu diskutieren.
Die ganze Diskussion wie sie hier läuft, wird immer mit der Notwendigkeit der Förderung über die Sporttöpfe begründet. Das ist auch ein diskussionswürdiger Grund und ich bin dagegen, daß die ADO aus diesem Grund eingeführt wird. Mir ist mein freier Wille mehr wert, als 17,– Euro im Jahr (mal 17 tausend auf 1000 Mitglieder gerechtet). Das kann natürlich jeder andere Mensch anders sehen.
Warum Du Paul (und auch Du Niklas) diese ADO so vorantreibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Glaubt Ihr wirklich, was Ihr postet ? Oder geht es um eine Karriere in der DSJ und im DSB (oder in der Politik ganz allgemein). Ich verstehe Euch nicht. Ich verstehe aber Michael Buscher. Daher “Bravo”.
Persönlich glaube ich nicht, daß Du, Paul, ein Volksverdummer bist. Aber warum Du so vehement für die ADO eintrittst, verstehe ich eben auch nicht…
Also, Paul, sei nicht beleidigt, sondern versuche die AD-Diskussion weiter sachlich zu führen.
Viele Grüße aus dem Cyberspace, Richard
PS: “Gleichgeschaltet” beschreibt meiner Meinung nach sehr gut den Vorgang, daß auf Bundesebene etwas beschlossen wird und die Landesverbände das dann “umsetzen müssen”. Die Sache mit dem Seilbahngesetz war ja sogar dreistufig (EU, BRD, MV). Vielleicht müssen ja auch demächst die Vereine noch eine Anti-Doping-Ordnung verabschieden ?
Dass der Begriff in der NS-Zeit ebenfalls verwendet wurde, ist natürlich problematisch, aber welches wäre ein besserer Begriff ?
24. April 2010 - 10:17
Richard:
MiBu:
Nunja, alternativlos ist der Begriff sicherlich nicht: die deutsche Sprache ist dermaßen reich an Worten, dass man für etwas, dass von oberster Stelle beschlossen wird und dann von unteren Stellen umgesetzt werden muss, Begriffe wie aufgedrängt, aufgezwungen, diktiert, aufgenötigt, auferlegt, oder (mein Favorit) oktroyiert verwenden kann.
24. April 2010 - 11:01
Bezüglich der Aufklärungsarbeit und des Informationsflusses kann man mE dem LSV keinen Vorwurf machen. Auf den Landesmeisterschaften wird dieses Thema behandelt und der Eintrag auf der LSV-Seite ist auch schon lange da.
Ich fände es besser, wenn man so ein Thema im Rahmen von Fair-Play als untergeordnete Kategorie behandeln würde.
Wichtigere Themen wären mE:
Keine Hilfsmittel am Brett, kein Reinreden in Partien, kein Vorsagen oder Vorsagen-Lassen von Zügen, Handy ausschalten, kein Pocketfritz und vor allem das Thema Alkoholkonsum und Schach.
24. April 2010 - 11:40
@LowScore:
ein Substantiv bitte: Diktat scheint mir ein bißchen zu hart zu sein, Oktroyation kenne ich nicht, habe ich wahrscheinlich gerade erfunden, Aufdrängung ?, Aufzwang ?, Nötigung ? – hm, das wäre ja ein Straftatbestand.
Naja, vielleicht fällt ja jemand noch ein schönes Substantiv ein…
Mit Gleichschaltung ist ja auch der Prozess gemeint, wie von oben nach unten so nach und nach alle umfallen. Also vom Beginn des Dikats bis zu dem Moment, wo alle eine Antidopingordnung haben…
24. April 2010 - 11:49
@Stefan
Kannst Du bitte die beiden Newlines aus Paragraph 1 und 3 rauseditieren in meinem letzten Post ? Sieht häßlich aus…
24. April 2010 - 13:14
Die Substantivierung von Verben (ich dachte zunächst anhand des Beitrags von Richard, es ginge um das Verb “gleichgeschaltet”) ist nicht immer die eleganteste Lösung, aber durchaus möglich:
die Aufdrängung, die Aufzwingung, das Diktat, die Aufnötigung, die Auferlegung, oder eben auch die Oktroyierung der Anti-Doping-Gesetze.
@topic: Ich bin sehr gespannt auf den Ausgang der Abstimmung in M-V. Aber das Schachspielen im Verein geht so oder so weiter…
24. April 2010 - 14:10
Straftatbestände hat hier bestimmt niemand erfüllt, eine Meinungsäußerung darf auch zugespitzt sein und Gleichschaltung ist kein strafrechtlich relevanter Begriff. Diese Diskussion finde ich nicht sehr ergiebig.
Ich möchte nochmal juristisch werden und auf Paul zurückkommen. Ich kann mich natürlich irren und ich lasse mich auch gern berichtigen. Aber zunächst muss mal festgestellt werden, was juristisch gelten soll. Und dazu halte ich mich an die vorliegenden Texte. Der Vertrag mit der NADA ist mir nicht bekannt und Niklas kann ja daraus zitieren, ohne den Vertrag vorzulegen.
Paul schreibt:
Dagegen Ziffer 2.1 Buchstabe d der geplanten Anti-Doping-Ordnung:
Paul schreibt:
Das verstehe ich nicht. Warum müssen nur diejenigen ihre Genehmigungspflicht hinsichtlich von Medikamenten erfüllen, die an Wettkämpfen teilnehmen, die kontrolliert werden? Das sehe ich anders:
Die Anti-Doping-Ordnung ist auf alle anwendbar, die Schach im Zuständigkeitsbereich des LSV M-V ausüben (Ziffer 2.1 Buchstabe c der Ordnung). Ziffer 5.1 der Ordnung regelt die verbotenen Stoffe (alle Stoffe, die zum Zeitpunkt des Verstoßes auf der Liste der WADA stehen) und Ziffer 5.2 der Ordnung regelt die medizinischen Ausnahmegenehmigungen, dafür sollen Artikel 5 des NADA-Codes sowie der “Internationale Standard für medizinische Ausnahmegenehmigungen” gelten. Natürlich habe ich Artikel 5 des NADA-Codes (pdf) gelesen (Wofür hältst du mich eigentlich, Paul?)! Artikel 5 des NADA-Codes regelt die Dopingkontrollen, nicht die Ausnahmegenehmigungen. Die medizinischen Ausnahmegenehmigungen sind in Artikel 4 Ziffer 4.4 des NADA-Codes geregelt. Okay, vielleicht ist Ziffer 5.2 des Präsidiumsentwurfs für eine Anti-Doping-Ordnung auch nur unsauber formuliert. Das ist ja auch ein Problem bei Gesetzen, die dynamisch auf andere Regelwerke verweisen, Normklarheit ist dabei schwer zu erreichen.
Paul, du beschreibst einen Unterschied in der Behandlung zwischen “Leistungssportlern” und “Breitensportlern” im Schach, den ich rechtlich bisher nicht entdecken kann. Sollte deine Argumentation wirklich so lauten: “Nur Kaderspieler bei Meisterschaften auf Bundesebene können kontrolliert werden, alle anderen müssen sich um die Anti-Doping-Ordnung nicht kümmern”, halte ich das für problematisch. Dann würde eine Dopingordnung des DSB ja vollkommen ausreichen, da nur dessen Wettkämpfe betroffen sind.
Zuletzt tut es mir leid, dass ich deine Funktion falsch bezeichnet habe. Auf der LSV-Seite bist du als Vorsitzender der Schachjugend bezeichnet, aber richtig, hier steht es (pdf). Damals meintest du übrigens auch noch, dass es im Schach kein Dopingproblem gebe ;-)
24. April 2010 - 19:15
Hallo zusammen,
noch ein paar Bemerkungen zur aktuellen Diskussion:
In der Anti Doping Debatte gibt es kein Weiß oder Schwarz, also keine Wahrhaftigkeit. Hier ist mehrmals gebeten worden, aus dem Vertrag zu zitieren bzw diesen vorzulegen. Dieses werde ich im Internet nicht tun, sondern bei Bedarf auf der Mitgliederversammlung des Landesschachverbandes am 2. Mai 2010 in Güstrow. Wer in den Vertrag Einsicht haben möchte, kann dieses beim DSB beantragen. Außerdem gab es Zitate in diversen Schachzeitungen.
Die Entscheidung zur Anti-Doping Diskussion und zur Satzungsänderung wird auf der Mitgliederversammlung nächste Woche getroffen. Für die Ordnung wird eine einfache Mehrheit erforderlich sein, bei den Satzungsänderungen eine 2/3 Mehrheit. Sollten die Anti-Dopingbestimmungen durchfallen oder beschlossen werden, wird das Schach in Mecklenburg-Vorpommern so oder so weitergehen. Wenn keine 2/3 Mehrheit zustande kommt, wird sich der dann neu zu wählende Präsident allerdings Gedanken zur einer neuen Strategie des Verbandes machen müssen.
Ich hoffe, dass nach der Entscheidung am kommenden Sonntag, die Abstimmung durch die Mitgliederversammlung respektiert wird. In anderen Verbänden des DSB waren auch keine massenhaften Austritte oder Unruhen zu verzeichnen.
Ich wünsche ein sonniges Wochenende.
25. April 2010 - 07:55
hallo
Ich beziehe mich im Folgenden stets auf den offenen Brief:
zu 1. Es gibt kein Dopingproblem im Schach
Unbestreitbar ist, dass es Mittelchen gibt, welche die Leistung am Brett künstlich erhöhen können, indem sie Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit steigern und Müdigkeit vermindern. (Und ich rede hier nicht von Kaffe oder Traubenzucker sondern leistungsfähigeren Mitteln wie Marihuana oder Ritalin)
Wenn es solche Mittel gibt, so gibt es auch ein Dopingproblem und es gilt dann natürlich auch, diese im Schachsport nicht zur Anwendung kommen zu lassen.
Wenn es bisher keinen nachgewiesenen Fall gibt, KÖNNTE dies damit zusammen hängen, dass bisher einfach nicht getestet wurde. Ich möchte fast drauf wetten, dass es in einer Leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren genügend Fälle gibt.
zu 2. Die Anti-Doping-Ordnung ist unverhältnismäßig
Gibt es keinen Leistungsorientierten Bereich des Schachsports in M.-V.?
Gibt es keinen Landeskader?
Gibt es keine Landesmeisterschaften?
Überall auf der Welt werden Dopingkontrollen lediglich im Leistungsbereich durchgeführt. Wenn es in M.-V. keinen Leistungsbereich gibt, na dann kann man natürlich getrost auf eine Anti-Doping-Ordnung verzichten.
zu 3. Die Anti-Doping-Ordnung ist ein Eingriff in die Verbandsdemokratie
Wiso sollen die Länder Einfluss darauf haben, welche Mittel als Doping gelten und welche nicht? Seid doch froh, dass euch diese Entscheidung von erfahrenen und fähigeren Organisationen abgenommen wird.
Wenn es natürlich an Vertrauen zum DSB und der NADA mangelt, kann ich dieses Argument nachvollziehen, aber wenn man dem übergeordneten Verband und der NADA im Bezug auf die Feststellung und Festlegung verbotener Mittel nicht trauen kann … wem dann?
zu 4. Die Anti-Doping-Ordnung wird neue Schachspieler abschrecken und alte vertreiben!
Das Argument mit der Geldstrafe ist schlicht und einfach (und hier fällt es mir schwer sachlich zu bleiben!) gelo… ähm, falsch!
Die Anti-Doping-Ordnung des DSB sieht ausdrücklich KEINE finanziellen Strafen vor! (siehe 10.12 der Anti-Doping-Ordnung des DSB)
Und noch einmal sei angemerkt, dass der Amateur sich keine sorgen machen muss getestet zu werden.
Ich sehe nicht, wieso neue Schachspieler abgeschreckt und alte vertrieben werden sollten.
Vielleicht weil wie einen “sauberen” Sport betreiben wollen?
zu 5. Die Anti-Doping-Ordnung kann teuer werden!
Auch hier muss ich wieder dazu gratulieren, sich nicht korrekt informiert zu haben.
Sehr wohl hat man Einfluss darauf, WO und WIE VIEL getestet wird.
Nur einen Klick von der Startseite des DSB entfernt steht, dass momentan NUR Deutsche Meisterschaften M/W/U18M und U18W getestet werden, und zwar Stichprobenartig jeweils 3 Teilnehmer.
Sollte nun zukünftig auch auf Landesebene getestet werden, so wird sich hier wohl eine ähnliche Festlegung finden lassen.
Weiterhinhat es in dem angeführten Punkt des offenen Briefes den Anschein, als würde JEDER Teilnehmer eines betroffenen Turniers getestet werden, was mal eben den Jahresetat sprengen würde.
Wieder eine glatte Fehlinformation!
Es werden je eine halbe Handvoll Leute aus vorher festgelegten Turnieren getestet.
Wenn das den Haushalt eines LANDESverbandes sprengt, dann ist dieser Verband tatsächlich ziemlich arm dran.
Und wenn festgelegt ist, dass nur die Landesmeisterschaften getestet werden (so wie auf Bundesebene festgelegt ist, dass nur deutsche Meisterschaften getestet werden), so wird auch nur da getestet und nicht in irgendwelchen Landesligen.
zu 6. Warum dann eigentlich diese Ordnung?
Ein Punkt, der sich direkt auf den in 5. künstlich erzeugten Widerspruch bezieht, und daher eigentlich gar nicht mehr beachtet werden muss.
Natürlich soll getestet werden, aber eben nur auf vorher festgelegten Turnieren.
Aber es kommt ja ein neuer Punkt: die gefährdete Sportförderung!
Ich darf zugeben, dass ich selber nicht weiß, ob irgendwo verankert ist, dass Fördergelder vom Land oder wem auch immer nur an Sportarten fließen, wenn man Anti-Doping-Bestimmungen einhält. Aber sinnig fänd ich das schon.
Fakt ist jedoch, DAS Förderungen vom Land bzw Landessportbund an die Verbände und sogar an einzelne Vereine fließen. Und ich wage zu vermuten, dass diese Gelder höher sind als die Dopingtests von einem Dutzend Spielern.
Aber nichtsdestotrotz möchte auch ich diese Papiere gerne sehen, in der die Kopplung vom vorhandensein einer Anti-Doping-Ordnung und Fördergeldern geschrieben steht.
Aber ich bin nicht so vermessen anzunehmen, dass bloß weil ich noch keine gesehen habe, es solche auch nicht gibt.
Und zum Heucheleipunkt:
Es gibt keine Heuchelei, weil selbstverständlich vorgesehen ist, die Ordnung auch anzuwenden, und zwar wie bereits geschildert auf ausgesuchten Turnieren, und zwar im LEISTUNGBEREICH.
zu 7. Wir sind nicht allein
Wenig überraschend, denn immer wenn es große neue Regelungen gibt, gibt es auch große gegensätzliche Lager. Ein Argument gegen die Anti-Doping-Ordnung ist dies jedoch nicht.
Zusammenfassend:
In gleich mehreren wichtigen Punkten ist der Verfasser dieses offenen Briefes uninformiert und verbreitet schlicht uns einfach Falschheiten.
Wie so oft wird suggestiert, dass nun jeder Schachspieler “in Gefahr” gerät, getestet zu werden. Und da wir ja keinen Einfluss darauf haben, welche Mittel verboten sind, wird unterschwellig rübergebracht, dass man “in Gefahr” gerät gesperrt zu werden, wenn man Cola, Kaffee und Traubenzucker zu sich nimmt.
Da frage ich mich, wie es andere Sportler immer wieder schaffen, sogar in aller öffentlichkeit isotonische oder gar koffeinhaltige Getränke zu sich zu nehmen!
Ich empfehle jedem, sich auf der Seite des DSB unter “Schach & Doping” über die S(ch)achlage zu Informieren.
Da wird schon mit jeder Menge Fehlinformationen aus diesem offenen Brief von vorn herein aufgeräumt.
Z.B. wird darüber inforniert
- auf welchen Turnieren genau überhaupt getestet wird (momentan: Deutsche Meisterschaften m/w/U18m/U18w)
- wie viele Teilnehmer jeweils getestet werden (Stichproben: jeweils 3 Teilnehmer)
- welche Kategorie von Dopingmittel für den Schachspieler “von Bedeutung” sind (Stimmulanzien)
Gruß
DKopp
25. April 2010 - 08:40
Da habe ich das Diskussionsniveau vorgestern noch gelobt — und nun das!? Ich möchte meinem Vorposter empfehlen, sich die Mühe zu machen und die Diskussion der letzten fünf Tage zur Kenntnis zu nehmen. Hilfreich dürfte es wohl auch sein, einen Blick auf die zur Diskussion stehende Anti-Doping-Ordnung des LSV M-V zu werfen.
25. April 2010 - 08:46
Lieber DKopp!
Die Diskussion hier hatte zwischendurch schon höheres Niveau. Wenn du mir die Verbreitung von Unwahrheiten vorwirfst, muss ich darauf reagieren. Ich orientiere mich auch an den sieben Punkten:
1. Hier kommen wieder nur reine Vermutungen. Die Beweislast für eine ernsthafte Manipulationsgefahr im Schach liegt aber nicht bei mir, sondern bei denen, die eine Anti-Doping-Ordnung wollen.
2. Zum Thema Leistungsbereich habe ich ja schon geschrieben, dass ich nicht sehen kann, dass der Nicht-Leistungsbereich von der Anti-Doping-Ordnung ausgenommen wäre. Warum dort Kontrollen rechtlich ausgeschlossen sind, will niemand nachweisen (der Vertrag mit der NADA ist bisher nicht veröffentlicht). Und im Übrigen gilt die geplante Anti-Doping-Ordnung unabhängig davon, ob Kontrollen durchgeführt werden. Vergleiche hinken immer, aber die Straßenverkehrsordnung gilt auch dann, wenn kein Polizist vor Ort ist.
3. Verbandsdemokratie bedeutet, dass alle wesentlichen Entscheidungen von der am unmittelbarsten demokratisch legitimierten Stelle getroffen werden — das ist die Verbandsversammlung der Vertreter der Vereine. Die weitere Entwicklung der Anti-Doping-Regelwerke ist dieser aber entzogen, weil nach Verabschiedung nur noch das Präsidium entscheidet. Außerdem ist eine Bezugnahme auf alle künftigen Regelungen von NADA und DSB enthalten, wenn diese zum Beispiel entscheiden, dass Kaffee wieder auf die Dopingliste kommt, können die Vereine in M-V dagegen nichts machen (wenn sie die Anti-Doping-Ordnung nicht insgesamt aufheben wollen, das können sie immer). Gleiches gilt für die Landesschiedsgericht, auch das darf über eine Landesordnung nicht entscheiden.
4. Bitte erst informieren, ehe du mir falsche Angaben vorhältst: Die geplante Anti-Doping-Ordnung von M-V sieht Geldstrafen von 100-5000 Euro vor (Ziffer 10.2 Buchstabe h).
5. Ich wiederhole mich: Bis jetzt kann ich nirgendwo rechtlich verbindlich geregelt sehen, dass es bei Wettkämpfen des LSV keine Dopingtests geben wird. Der Vertrag zwischen DSB und NADA liegt mir nicht vor, außerdem weiß ich nicht, mit welcher Rechtsmacht der DSB für Wettkämpfe des LSV Vereinbarungen treffen könnte. Und nochmal: Das Regelungssystem gilt für alle Schachspieler in M-V, unabhängig davon, ob sie getestet werden oder nicht.
6. Nochmals: Heuchelei deshalb, weil man eine Ordnung für den Amateurbereich verabschieden will und im gleichen Atemzug sagt: Ihr müsst euch nicht drum kümmern, es wird ja nicht kontrolliert.
7. Wir sind nicht allein. Das wollte ich auch anderen Vereinen in M-V mitteilen. Inzwischen habe ich erfahren, dass auch andere Vereine gegen die Satzungsänderung und die Ordnung stimmen wollen.
25. April 2010 - 09:58
Nach kleiner Abwesenheit bitte ich um Entschuldigung, wenn ich etwas übersehen haben sollte, auf das ich noch eingehen müsste.
1. Bitte seht mir die Abschweifung Anfangs des letzten Kommentars nach. Sie war einer zielgerichteten Diskussion nicht unbedingt förderlich. Es steht allerdings explizit drin, “lesen sich wie”: Natürlich ist die Folge eine Spekulation darüber, wie es kommt, dass von einer bestimmten homogenen Gruppe fast gleichlautende Phrasen zu lesen sind. Inwieweit das reflektiert ist oder nicht, möge jeder anhand der Beiträge selbst entscheiden. Bitte schreibt die Bemerkung einfach meinem hilflosen Entsetzen darüber zu, was hier so falsch gelaufen ist, dass viele junge Leute bereit sind, für ein paar Euro z.B. hunderten chronisch Kranken, unter denen sicher auch einige persönlich Bekannte aus ihren Vereinen sind, einen Spießrutenlauf von Medikamentenanmeldungen zuzumuten (oder sie im Weigerungsfall zu kriminalisieren).
2. Ich fasse die Antwort auf meine Verfahrensfrage so auf, dass trotz zahlreicher kontroverser Meinungen im Verband die Vorlage des DSB praktisch 1:1 zur Abstimmung gebracht wird. Wenn Diskussionen und Argumente keinen Einfluss auf die Vorlagen haben, kann man wohl nicht von einem demokratischen Verfahren sprechen.
Hinsichtlich des LSV-Links zwei technische Bemerkungen: Zum einen müssen die Beiträge erst an den Webmaster geschickt und vom Präsidenten genehmigt werden. Das schafft eine natürliche Hürde. Das Forum hingegen wurde bekanntlich oft gehackt, deshalb ist es inzwischen auch abgeschaltet.
Vor allem aber ist diesen Diskussionen die Grundlage vorenthalten worden: Die zu diesem Zeitpunkt schon dem Präsdium vorliegende Musterordnung steht nämlich NICHT dort, obwohl sie nach Aussage des Präsidenten ja Grundlage der Planungen war. Es fehlte also schlicht der Gegenstand der Diskussion.
Jetzt erst, nach mehr als einem Jahr, ist dies den Vereinen zugegangen. Jetzt haben wir die Diskussion. Das sie erst jetzt kommt, liegt klar in der Verantwortung derjenigen, die die Blaupause des DSB solange zurückgehalten haben und ihrer Informationspflicht den Mitgliedern m.E. gegenüber unzureichend nachgekommen sind.
3. Die eingeschränkten Kontrollen: Es wird immer damit argumentiert, dass sie derzeit ja nur bei wenigen Wettkämpfen stattfinden. Noch einmal: Es geht auch darum, wie man kontrollieren soll, dass sie in der Zukunft nicht willkürlich ausweitbar sind, wenn man die Zusständigkeit komplett abgibt (und genau darüber stimmen wir ab). Offenbar sieht der Vertrag die Möglichkeit der Ausweitung vor, z.B. Zitat Metzing: „Bei einem ersten positiven Befund würden wir über dieses Maß aber auch hinausgehen.“
4. Beim rechtlichen Aspekt geht es aber auf Landesebene gar nicht prmär um die Kontrollen, sondern die pauschale Kriminalisierung. Fallbeispiel:
Bei der Seniorenmeisterschaft nimmt ein älterer Herr gesundheitsbedingt ein Medikament mit Wirkstoffen aus der Liste. Sein Gegner zeigt ihn daraufhin beim Schiedsrichter an. Nach dem Buchstaben der Dopingordnung hat dieser sich doch wohl schuldig gemacht, wenn er keine Ausnahmegenehmigung vorweisen kann? Ganz ohne Test.
Apropos Strafe: Der Entwurf des LSV sieht explizit vor
5.Leistungssport:
Ich bin unbedingt dafür, dass wir einmal abschließend klären, dass im LSV MV sachlich kein Leistungssport exisitiert und auch nicht gefördert werden sollte.
Ich finde, dass ich hier selbst ein gutes Beispiel bin: Ebenso wie Prof. Dr. Robert Jaster verstehe ich mich als reiner Amateurspieler. Wenn ich die aktuellen Ranglisten richtig lese, sind wir die beiden stärksten Spieler im Land, die hier geboren wurden und mindestens den größten Teil ihrer Karriere über Vereinen in MV angehört haben.
Obwohl ich schon zur Gründung dem LSV angehörte (damals noch im Nachwuchsbereich), habe ich niemals irgendeine Förderung erhalten, und diese auch nicht vermisst. Mit meiner Entwicklung seither bin ich sehr zufrieden und denke, dass irgendwelche Leistungssportprogramme hier nur geschadet hätten. Falls der LSV während 20 Jahren irgendwo anders Geld für Leistungssport ausgegeben hat, scheint es zumindest nicht so investiert worden zu sein, dass jemand Prof. Jaster oder mich hätte überholen können.
7. Auch unabhängig von dieser Klärung: Wenn nach Aussage diverser Präsidiumsmitglieder nur der Leistungssport Zielgruppe der Dopingordnung ist, warum steht das dann nicht drin?
Wir könnten uns ja auf folgenden Kompromiss einigen:
a) Der LSV MV streicht den Leistungssport auch formell aus seinen Zielen und Aktivitäten und erklärt, dass es im Verband nur Amateure gibt.
b) Die Ordnung wird explizit nur für Leistungssportler beschlossen.
c) Für Mitglieder, die sich evtl.künftig für Leistungssport Schach entscheiden, wird eine Liste eingerichtet, in die sie sich aufnehmen lassen können und die dann unter die NADA-Zuständigkeit fällt.
25. April 2010 - 13:41
Die folgende E-Mail ging gerade an den Deutschen Schachbund:
25. April 2010 - 18:16
Nachdem ich mich einen Tag nicht mehr in die Diskussion habe einschalten können, werde ich auf einige Beiträge noch einmal etwas schreiben:
@ Olaf: Ersteinmal finde ich es ja sehr lustig, dass du den Leistungssportbereich im LSV vom Geburtsort abhängig machst. Was ist denn mit den 26 Personen, Robert Jaster einmal ausgeklammert, die vor die in der DWZ-Liste von M-V stehen? Fallen diese nicht in den Geltungsbereich des Landesschachverbandes? Zudem frage ich mich, wie du es bewertest, wenn ein Spieler wie Gordon Zimmermann, den du als Vereinsmitglied sicher gut kennst, dem Leistungskader des DSB angehört, wie es vor einigen Jahren einmal der Fall war? Zudem sollte hier eine Unterscheidung zwischen Leistungs- und Spitzensport getroffen werden, der aus meiner Sicht wesentlich ist. Auch die Spieler von Hansa Rostock betreiben Leistungssport, aber wohl in letzter Zeit nur wenig Spitzensport.
@ Stefan: So langsam habe ich das Gefühl, dass mir die Worte im Mund umgedreht werden, denn wann habe ich behauptet, dass die Doping-Ordnung nur für den Leistungsbereich zutrifft? Das glatte Gegenteil habe ich behauptet, denn einzig die Durchführung von Dopingkontrollen und damit auch die Nachweispflicht von der Nutzung bestimmter Wirkstoffe besteht für diesen Bereich, was auch in § 5 des NADA-Codes als “Testpoool” der NADA. In diesen Testpool gehören aber nicht die Spieler der Landesliga, sondern einzig diese, die an Meisterschaften teilnehmen, auf denen getestet wird.
Zudem habe ich nie behauptet, dass es ein Dopingproblem in Schach gibt, weder vor zwei Jahren, noch in dieser aktuellen Diskussion. Ich habe lediglich gesagt, dass die Möglichkeit besteht, Substanzen zu sich zu nehmen, welche u. a. die Konzentrationsfähigkeit steigern. Gleiches schreibt auch DKopp und es ist aus meiner Sicht weiterhin richtig, wenn er ausführt, dass solche Fälle bisher nicht bekannt sind, da es nahezu keine Tests gab. Es erscheint doch absurd zu glauben, dass dies einige Studenten tun, Schachspieler aber nicht, welche eine ähnliche Anforderung zu erfüllen haben.
Zur Verbandsdemokratie muss ich ebenfalls noch einmal meine Kritik loswerden, denn ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass einigen von euch nicht an einer sachlichen Diskussion gelegen ist. Aus meiner Sicht ist es auch kritikwürdig, dass einzig das Präsidium über Änderungen der ADO entscheiden kann. Doch warum sprichst du dies immer wieder an, obwohl Niklas dir einen sehr sinnvollen Kompromiss vorgeschlagen hat, auf den hier noch nicht ein einziges Mal eingegangen worden ist, wenn ich mich recht erinnere. Es tut mir leid, aber dies lässt mich wirklich am Sinn dieser Diskussion zweifeln! Insofern erscheint mir die Kritik von DKopp auch nicht veraltet, denn viel weiter ist die Diskussion noch nicht gelangt.
Zum Argument, dass im Falle einer Kodifizierung von Koffein auf der Prohibited List, in welchem Fall sich der LSV auflehnen soll, möchte ich nichts weiter sagen, denn es ist einfach zu absurd und die einzige Alternative zur Akzeptanz ist wohl der Austritt aus der Sportgemeinschaft.
@ Olaf: Dein Seniorenbeispiel ist sehr schön und lässt einen natürlich im ersten Moment stutzen – aber nur im ersten. Ich wiederhole mich hier zunehmend, aber ich mache es zur besseren Deutlichkeit noch einmal: Keine Person im LSV M-V darf Substanzen zu sich nehmen, die auf der Prohibited List steht, (ACHTUNG) es sei denn, es gibt dafür einen gesundheitlichen Grund, der die Einnahme eines Medikamentes mit einem solchen Wirkstoff notwendig erscheinen lässt und darüber entscheidet ein Arzt. Eine medizinische Sondergenehmigung benötigen allerdings nur die Spielerinnen und Spieler, die zum Testpool der NADA gehören. So rennen unsere Teilnehmerin und unser Teilnehmer der DEM u18w und u18 auch nicht bei jedem Turnier mit einer entsprechenden Sondergenehmigung herum, sondern lediglich bei der DEM, weil dort vor Ort nachgewiesen werden muss, dass sie das Medikament aus gesundheitlichen Gründen einnehmen. Wo steht denn, dass ein Teilnehmer der Landesmeisterschaft der Senioren vor Ort nachweisen muss, dass er Betablocker zu sich nehmen muss? Nirgends, weil der Schiedsrichter nämlich überhaupt nicht dazu befähigt ist zu entscheiden, ob ein Spieler gedopt hat oder nicht. Dies fällt in den Zuständigkeitsbereich der NADA.
Es bleibt also für den Breitensport bei einer einfachen Kodifikation des Sportsethos Fairplay. Und diese Kodifikation gibt es nur, weil es in der Vergangenheit in anderen Sportarten Dopingfälle gab und die Sportgemeinschaft zusammen mit der Politik sich dazu entschied, etwas dagegen zu tun. Dass nicht immer alle Sportarten damit einverstanden sind, weil sie in einer anderen Art und Weise (ich schreibe extra nicht, in keiner) davon betroffen sind, ist selbstverständlich, aber dies ist eben auch Demokratie, dass man sich in einem solchen Fall also dem Mehrheitswillen fügt oder aus der Gemeinschaft ausscheidet. Um für Stefan einen weiteren hinkenden Vergleich aus der StVO heranzuziehen: Die Geschwindigkeitsbeschränkung von 130 km/h an vielen Stellen einer Autobahn gilt auch für einen Trabant, der vielleicht maximal 110 km/h fährt! Wir haben ja auch nicht eine StVO für Trabis, für Golfs und für Porsches.
25. April 2010 - 20:45
Hallo
Ja, es ist frech von mir, wenn ich einem hochrangigen Landesverbandsvertreter derart wie oben auf die Füße trete.
Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass ich mich hier nicht beteilige um “stunk” zu machen. Ich bin in der Tat an einer sachlichen Diskussion zu diesem Thema interessiert. Ich bin nun etwas unglücklich eingestiegen.
Ich halte mich bei dieser Art von Auseinandersetzungen dann gerne an Göthe der sinngemäß sagt, dass viele Streitereien eher aus Unwissen, Miss- und Unverständnis entstehen, als aus Böswilligkeit.
Und dieses Unwissen, Miss- und Unverständnis kann natürlich auch von mir ausgehen.
Daher zunächst meine Antwort zu Punkt 4. in dem ich mich am krassesten zu dem Vorwurf der “Falschinformation” hinreißen ließ:
Mein Unwissen:
Ich kenne den Wortlaut der zu beschließenden Anti-Doping.Ordnung in M.-V. nicht (diese war für mich bis jetzt auch nicht auffindbar), wohl aber den des DSB.
Mein Missverständnis:
Ich habe (und ich denke, dass ist nicht ganz unverständlich) angenommen, das man sich bei einem Anschluss an die Anti-Doping-Ordnung des DSB auch analog an die Inhalte zur Anti-Doping-Ordnung des DSB orientiert.
Mein Unverständnis:
Wieso möchte man eine Anti-Doping-Ordnung mit anderem, bzw. nicht analogen Inhalt zu der des DSB, z.B. bezüglich der Strafen beschließen?
Steht es euch nicht frei, dies zu tun?
Aber dennoch:
1.:
Bloß weil bisher kein ausgeklügeltes Dopingsystem wie in anderen Sportarten gibt, heißt das nicht, dass es kein Dopingproblem gibt.
Die Möglichkeiten des Dopings bestehen, und damit besteht auch das Problem.
Bei der Darstellung, dass diejenigen, die die Anti-Doping-Ordnung wollen, erst mal zeigen müssen, dass es ein “aktives” (soll heißen, es wird bereits gedopt) Dopingproblem gibt, beißt sich die Katze selber in den Schwanz:
Wie soll das denn bitte gezeigt werden, wenn nicht getestet wird?
Einfach zu behaupten “Es gibt kein Dopingproblem” halte ich nach wie vor für eine Fehlinformation, weil es wahr ist, dass es Mittel gibt, welche Denk- Konzentrations- und Merkfähigkeit zu steigern vermögen.
Die Anreize und Möglichkeiten des Dopings sind da.
Das IST ein Problem.
Vielleicht bin ich ein Schwarzseher, aber in der heutigen Zeit traue ich es nicht allen überambitionierten jungen Menschen zu, der Verführung der Ritalineinnahme zur Leistungsverbesserung widerstehen zu können.
2.:
Anscheinend hat es der DSB irgendwie geschafft, die Tests auf ein Turnier (deutsche Einzelmeisterschaften) zu beschränken.
Hier wieder mein Unverständnis auf das sich meine Argumentation beruft:
Wieso sollte so eine Regelung sollte nicht auch auf Landesebene möglich sein?
Nochmal zum Thema Leistungssport:
Mein Unwissen:
Mir ist nicht bekannt, dass im “Nicht-Leistungssport-Bereich” (durch diesem Begriff ersetze ich den Begriff “Amateurbereich”) auf Doping getestet wird, aber man möge mich eines besseren belehren.
Wieso sollte man ausgerechnet im Schach damit anfangen, wenn es nirgendwo anders der Fall ist?
Es wird Argumentiert, dass man sich als “Amateur” sieht, und deswegen nicht getestet werden will.
Jedoch sind die zu erbringenden Leistungen auf Landeseinzelmeisterschaften bereits im Bereich des Leistungssport einzuordnen weil die hier zu erbringenden Leistungen immerhin Spitzeneistungen des Landes sind. Somit ist es unerheblich ob ein Profi oder Amateur spielt, es ist ein Wettkampf auf Leistungssportniveau. Und spätestens in diesem Bereich hat kein Dopingsünder mehr etwas verloren. (Natürlich haben Dopingsünder auch auf unteren Ebenen nichts verloren, aber irgendwo muss man ja Anfangen und Utopie von Realität trennen)
Und ich wage zu vermuten, dass auch “Rank Zero” nicht von einem Ritalingedopten überspielt werden möchte, der ansonsten keine Chance gegen ihn hätte.
Aber villeicht irre ich mich mit dieser Vermutung auch.
Auch ein Landeskader fällt meiner Ansicht nach eindeutig in die Sparte “Leistungssport”, denn schließlich ist es das ersteund erklärte Ziel eines solchen Kaders Leistungsspitzen hervorzubringen.
Mein Unwissen:
Ich bin davon ausgegangen, dass M.-V. über einen Landeskader verfügt (hielt ich irgendwie für selbstverständlich)
Da ich jedoch nun keine Informationen über einen solchen finden kann, vermute ich, dass dem nicht so ist.
Damit komme auch ich zu dem Schluss, dass es in M.-V. keine vom Landesverband organisierte Leistungsförderung für Schachsportler gibt (was ich jedoch bedauerlich finde).
Unter diesem Gesichtspunkt kann man sich dann natürlich fragen, warum man eine Anti-Doping.Ordnung brauchen sollte, denn wo kein Leistungssport ist, benötigt man in der Tat keine solche Ordnung, dem stimme ich zu.
Bleibt jedoch immer noch der Fall der Landeseinzelmeisterschaften.
Ich halte es für ein berechtigtes Interesse aller Schachspieler, dass diese Meisterschaften “sauber” ausgespielt werden.
Ich für meinen Teil kann in keine Köpfe reingucken und erkenne weder am Aussehen, Verhalten oder am Sympathiewert einer Person, ob sie Mittelchen schluckt oder nicht.
Ich pinkle jederzeit in einen Becher, um hier ein Stück Sicherheit zu erhalten.
(Aber es ist schon richtig: ich bin jenseits der Spielstärke um jemals in Gefahr zu geraten, dass ich so etwas müsste; da fällt es mir ja leicht das zu behaupten)
3.:
Ich sehe es nur als legitim an, dass eine Dopingliste “Zentral” angelegt wird (ja, sogar werden MUSS!) und nicht jeder Verband für die GLEICHE Sportart eine eigene Dopingliste oder Ausnahmen/Zusätze bestimmen kann. Das kann doch ansonsten gar nicht funktionieren.
Mein Unverständnis:
Wieso sollte ein Landesverband Einfluss auf die international gültige Dopingliste bekommen oder von Ihr abweichen dürfen?
Dann hat man in diesem Punkt eben keine Verbandsdemokratie. Ist auch vollkommen unnötig, weil die Dopingliste mit dem Schachsport AN SICH gar nichts zu tun hat. Es handelt sich viel mehr um einen allgemein über dem Sport stehenden Kodex. Man beschwert sich hier, keinen Einfluss auf etwas zu haben, wofür man gar nicht zuständig ist.
5. Es kann ja auch nirgends stehen, dass Wettkämpfe des LSV nicht getestet werden, weil sie SOLLEN ja getestet werden (können). Ansonsten hätte man ja wieder den von mir angeprangerten im offenen Brief konstruierten Widerspruch der da lautet “Wieso sollen wir uns anschließen, wenn eh nicht getestet werden soll?”
Aber die Turniere auf denen getestet wird, scheinen ja vorher festlegbar zu sein.(Wieder mit dem Zeigefinger auf den DSB, der es ja schließlich auch so gemacht hat, zumindest nach den verfügbaren Informationen auf der Website des DSB)
Wieder mein Unverständnis:
Wieso sollte ein Landesverband nicht in der Lage sein (wie der DSB) festzulegen, auf welchen Turnieren wie viele Sportler getestet werden?
6.
Mein Unwissen:
Wer sagt denn, dass auf Landesebene nicht getestet werden soll?
Ich gehe schon davon aus, dass auch auf Landesebene getestet werden soll, eben im Leistungsbereich.
Und dieser ist mit dem Vorhandensein der Landesmeisterschaft auch vorhanden, egal ob ihn nun Profis oder Amateure austragen.
Zur Heuchelei:
Selbst wenn es so WÄRE, dass man nichts hätte, wo getestet werden könnte/würde:
Man heuchelt keineswegs, denn man signalisiert damit die BEREITSCHAFT. Das ist ein Qualitätsmerkmal!
Wenn man nichts zum Testen hat, dann hat man halt nichts, das kann einem keiner vorwerfen und daran ist nichts geheuchelt. Aber man ist bereit, wenn man doch mal was zum Testen haben sollte.
Schließlich:
Ich möchte keine Streitereien anfangen und niemanden als Person angehen.
Durch Unkenntnis meinerseits, die ich obig denke ich ausreichend angemerkt habe, sind einige vorschnelle Äußerungen gefallen. An diesen Stellen habe ich Einsicht gezeigt, aber auch meine daraus resutierenden neuen Fragen aufgeworfen.
Und trotzdem: Ich finde die Argumentation des offenen Briefes an vielen Stellen nicht schlüssig und teilweise fehlerhaft oder sogar unwahr.
Dies sage ich, ohne den Verfasser als Person zu verdammen, sondern rein auf dieses Thema bezogen.
Gruß
DKopp
25. April 2010 - 21:46
@DKopp: Es ist ja schön, dass du jederzeit in einen Becher pinkelst, aber möchtest du das auch machen, während der Kontolleur dabei zuguckt? Und zwar von vorn? So ist es nämlich vorgeschrieben.
Ich werde mal auf Pauls Kommentar antworten, vielleicht ergibt sich daraus auch etwas zu deiner Argumentation.
Paul, ich will hier niemandem die Worte im Munde umdrehen. Aber als erstes muss geklärt werden, was rechtlich gilt. Und das mache ich nicht anhand irgendwelcher Verlautbarungen (”XY hat gesagt, dass nicht getestet wird”), sondern anhand der Rechtsnormen (Gesetze, Satzungen, Ordnungen, ggf. modifiziert durch Verträge). Ich habe mehrfach versucht, auf dieser Ebene zu argumentieren (und meine rechtliche Auslegung kann falsch sein) und ich erwarte einfach von einem Präsidiumsmitglied, das die Vorlage unterstützt und Anti-Doping-Beauftragter ist, dass er es auch tut.
Also:
1. Die Anti-Doping-Ordnung (ich nenne sie nachfolgend nur noch “Ordnung”) ist Wettkampfregel für alle Wettkämpfe im LSV M-V und findet auf alle Athleten Anwendung, die Schach im Zuständigkeitsbereich des LSV M-V ausüben und nicht in den Zuständigkeitsbereich des DSB fallen (Ziffer 2.1 Buchstabe b und c der Ordnung). Also wird sie angewendet auf jeden, der an Ligen und Meisterschaften des LSV teilnimmt. Richtig?
2. Der LSV erkennt an, dass jeder Athlet verpflichtet ist, die jeweils gültige Verbotsliste der WADA zur Kenntnis zu nehmen (Ziffer 2.2 Buchstabe a der Ordnung). Richtig?
3. Doping ist jeder Verstoß gegen Artikel 2 des NADA-Codes (Ziffer 4 der Ordnung). Richtig?
4. Doping ist also im Wesentlichen, einen verbotenen Stoff oder dessen Zerfallsprodukte im Körper zu haben oder eine Dopingkontrolle zu verweigern oder solche Stoffe im Wettkampf oder außerhalb des Wettkampfs zu besitzen, ohne eine medizinische Ausnahmegenehmigung zu haben (Artikel 2 des NADA-Codes). Meldepflichten gelten nur für Pool-Athleten, von denen wir hier nicht sprechen. Richtig?
5. Für medizinische Ausnahmegenehmigungen gelten die Regelungen des Artikels 5 des NADA-Codes sowie der “Internationale Standard für medizinische Ausnahmegenehmigungen. Nach diesen Bestimmungen können auf Antrag eines Athleten aus medizinishen Gründen Ausnahmen bezogen auf verbotene Wirkstoffe erteilt werden (Ziffer 5.2 der Ordnung). Richtig?
6. Der Verweis auf Artikel 5 des NADA-Codes für medizinische Ausnahmegenehmigungen geht ins Leere. Artikel 5 des NADA-Codes regelt diese gar nicht, sondern regelt die Dopingkontrollen. Richtig?
7. Die medizinischen Ausnahmegenehmigungen sind in Artikel 4 Ziffer 4.4 des Nada-Codes geregelt. Dort ist bestimmt, dass das Vorhandensein einer verbotenen Substanz im Körper eines Athleten unter Vorliegen einer entsprechenden Medizinischen Ausnahmegenehmigung keinen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen gemäß Artikel 2 darstellt. Wenn ich also eine verbotene Substanz einnehme und eine medizinische Ausnahmegenehmigung habe, dann dope ich nicht. Richtig? Und wenn ich dafür keine Ausnahmegenehmigung habe, dann liegt im Umkehrschluss Doping vor. Richtig?
8. Dieser Standard steht hier (pdf). Der Standard enthält in Ziffer 5.11 Ausnahmen von Genehmigungsverfahren. Bei Kindern unter 12 Jahren reicht für die Einnahme von Methylphenidat (Ritalin) eine ärztliche Verschreibung. Bei Erwachsenen über 50 Jahren reicht eine ärztliche Verschreibung von Beta-Blockern und Diuretika und Insulin für die erforderliche Behandlung eines Diabetes mellitus sowie für die systemische Gabe von Glukokortikoiden oder die Verabreichung von Tamoxifen im Rahmen einer Behandlung von Brustkrebs. Die Verschreibung ist beim Wettkampf in Kopie mitzuführen. Andere Ausnahmen vom Genehmigungsverfahren bestehen nicht. Richtig?
Jetzt wüsste ich gern, warum in Mecklenburg-Vorpommern keine Genehmigungspflicht für verbotene Substanzen bestehen soll.
Jetzt möchte ich noch auf Olafs Einwand zurückkommen und vielleicht liegt dort auch eine sehr einfache und vernünftige Lösung dieser leidigen Frage. Ich bin ein bisschen über den Begriff des “Athleten” in Ziffer 2.1 der Anti-Doping-Ordnung gestolpert, vielleicht, weil ich mich nicht als Athlet fühle und auch nicht so aussehe ;-)
Was ist ein Athlet im Sinne der Ordnung? Siehe da, der Anhang 1 zum NADA-Code enthält eine Definition:
Gehen wir das mal der Reihe nach durch:
a) Der Landesschachverband organisiert weder internationale noch nationale Sportveranstaltungen.
b) Der NADA-Code wird also nur anwendbar, weil sich der Landesschachverband ihm unterwerfen will. Die NADA verlangt das nämlich gar nicht. Siehe den amtlichen Kommentar der NADA zum Athletenbegriff auf Seite 44 des NADA-Codes:
Der letzte Satz ist natürlich Lyrik, aber der Kern ist klar: Der NADA-Code richtet sich an Spitzenathleten (die Frage, ob Schach überhaupt Sport ist, lasse ich mal weg). Er betrifft die nationale Spitze (Nationalmannschaft, Deutsche Meisterschaften). Die Ausdehnung auf den Breitensport steht im Ermessen der jeweiligen Organisation. Und genau das soll hier geschehen.
25. April 2010 - 22:49
Zum Thema “Leistungssport”: Ich persönlich glaube nicht, dass sich mehr als drei bis fünf Schachspieler in McPom finden, die so tapfer wären zu behaupten, sie betrieben Leistungssport. (Ich muss allerdings
zugeben, dass ich nicht weiß, wie Leistungssport üblicherweise definiert wird.) Weiter oben steht übrigens diesbezüglich ein hübscher Satz von Paul Onasch:
Daraus kann ich nicht anders als schlussfolgern: Es gibt in McPom keinen Leistungsport im Bereich des Schachs. Ich habe jedenfalls noch nie was vom “großen Geld” gehört.
Insofern könnte ich gut damit leben, wenn eine (neu zu entwerfende)
Anti-Doping-Ordnung explizit für den Bereich des Leistungssports geschaffen würde — und gleichzeitig (nach vernünftigen Kriterien) definiert würde, was genau als Leistungssport zählt. Wenn Stefan mit seinen Ausführungen richtig liegt, würde das auch nicht dem NADA-Code widersprechen, so dass keine Streichung von Fördermitteln drohen
dürfte.
25. April 2010 - 23:01
@ Stefan: Ersteinmal danke ich dir für deine super Recherche – und das meine ich absolut ernst! Ich finde es super, dass du dir die gesamten Ordnungen der NADA angeschaut hast und ich halte es für gut, über diese in dieser angemessenen Art und Weise zu sprechen.
Die Ausführungen des NADC lassen einen tatsächlichen stutzen und stützen im ersten Augenblick nicht meine These. Meine jetzigen Ausführungen sind ein paar Zirkelschlüssen: In Art. 2.1 des Standards für medizinische Ausnahmegenehmigungen steht, dass diese “unverzüglich, spätestens jedoch einundzwanzig (21) Werktage im Voraus (z. B. vor einer Wettkampfveranstaltung oder bei im Training Verbotenen Substanzen und Verbotenen Methoden vor deren Gebrauch) zu stellen” sind. Da gleichzeitig der “DSB [...] die Beweislast für das Vorliegen eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen” (Art. 3.1 ADO des DSB) trägt, muss dieser Doping “durch jegliche verlässliche Mittel, einschließlich Geständnis” (Art. 3.2 ADO des DSB) nachweisen. Jetzt stelle ich mir die Frage, wie dies außer durch den Nachweis mittels einer Kontrolle geschehen soll?
Wenn man sich einmal den Anwendungsbereich der ADO des DSB anschaut, dann wird es tatsächlich auf den ersten Blick etwas schwammig, denn:
Daraus lässt sich meiner Meinung nach das von mir bereits Geäußerte Modell der Trennung von Athlet und Kontrolleur im Spitzensport und der Vereinigung beim Breitensport ableiten, denn der DSB appelliert an jede Schachspielerin und jeden Schachspieler – auf allen Ebenen und damit auch im LSV M-V – die Verpflichtung FÜR SICH als verbindlich anzusehen. Ich verstehe dies so, dass der NADC in seiner Gesamtheit nur für die Personen gilt, welche einen individuellen Vertrag unterzeichnet haben und somit auch getestet werden können. Gleichzeitig werde ich aber noch einmal bei der NADA nachfragen.
Gleichzeitig muss ich einen Fehler von mir richtigstellen, den ich von meinen Vorschreibern übernommen und dann auch ausgeführt, dabei aber mit den Termini durcheinander gekommen bin. Wie du, Stefan, richtig dargestellt hast (Zitat aus dem NADC) sind von Dopingkontrollen Spitzenspieler, nicht Leistungsspieler betroffen.
Was die Umsetzung der ADO betrifft, ist die NADA eben nicht das einzige Organ, dass einen Einfluss darauf hat, sondern ebenso direkt und indirekt das BMI (Bundesministerium für Inneres), der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund), der DSB (Deutscher Schachbund), das LMI (Landesministerium für Inneres) und der LSB (Landessportbund).
Gleichzeitig geht es immer noch um die Kodifikation und wie es in der ADO des DSB steht, darum, dass jede Person den NADC für sich einhält.
Zudem steht immer noch die Frage im Raum, wie wir im Land mit Spielerinnen und Spielern verfahren, die offiziell des Dopings überführt wurden.
25. April 2010 - 23:33
Hier noch einmal ein Teil aus dem Kommentar der ADO des DSB:
26. April 2010 - 00:16
Ahoi!
Sport(politik-)journalist Jens Weinreich beschäftigt sich ebenfalls mit der Umsetzung des Wada-Dopingcodes. Er weist darauf hin, dass der Schachverband derjenige Verband ist, der im letzten Jahr den größten Teil seiner Förderung zurückzahlen musste.
Nudel
26. April 2010 - 00:18
Ahoi 2!
Hier werden konkrete Zahlen genannt. Der Deutsche Schachbund muss für das Jahr 2008 2.800 Euro an das Sportministerium zurückzahlen.
Viel Spaß beim Schmökern!
26. April 2010 - 06:05
@Nudel: Das steht schon (viel) weiter oben. Und war nicht der größte Teil, sondern der größte Anteil (16 Prozent).
26. April 2010 - 08:16
Lieber Paul, mit Verlaub, ich glaube, dass deine rechtliche Auslegung nicht zutreffend sind. Juristisch gesehen ist das schon einigermaßen harter Stoff, diese Verschachtelung von mehreren Regelungswerken (LSV-Ordnung, DSB-Ordnung, NADA-Code, WADA-Code, Standard für Ausnahmegenehmigungen). Die Frage ist aber, was die LSV-Ordnung für Schachspieler in M-V rechtlich bedeutet und deshalb muss die Auslegung bei der LSV-Ordnung, die verabschiedet werden soll, ausgehen und nicht irgendwo in der Mitte.
Eigentlich müsste das Verfahren doch anders sein. Das Präsidium müsste doch erstmal klären, was es will:
- Was soll in die Verbotsliste?
- Für wen soll die Verbotsliste gelten?
- Für wen sollen die Regeln über medizinische Ausnahmegenehmigungen gelten?
- Für wen soll ein ärztliches Attest reichen?
- Soll es auch Trainingskontrollen geben dürfen?
- Wer soll der Meldepflicht unterliegen (Pool)?
- Bei welchen LSV-Wettkämpfen sollen Kontrollen möglich sein?
- Welche Sanktionen soll es geben?
Und dann macht man einen Entwurf, der diese Vorgaben umsetzt und bedient sich dafür nötigenfalls juristischer Hilfe. Stattdessen wird hier ein Entwurf des DSB nach unten weitergereicht (mit einem verschärften Sanktionskatalog immerhin: auch Geldstrafen!), von dem das Präsidium des LSV scheinbar noch nicht einmal genaue Vorstellungen hat, was darin rechtlich verbindlich geregelt ist.
Ich bleibe dabei: Das ist kein guter Stil, das ist vorauseilender Gehorsam. Und das ist etwas, was ich übrigens unserem Nachwuchs nicht vorleben will.
PS: Paul, ich gebe dir recht, was die Fälle betrifft, in denen Schachspieler aus M-V bei Wettkämpfen des DSB positiv getestet werden. Dafür sieht die Anti-Doping-Ordnung des DSB nur eine Sperrmöglichkeit für DSB-Veranstaltungen vor. Eine Entscheidung darüber, ob der Betreffende auch für LSV-Wettkämpfe gesperrt wird, wäre nur aufgrund einer LSV-Ordnung möglich (Meine politische Antwort darauf ist: Darüber sollten wir wenigstens selbst entscheiden dürfen und dies nicht den Gremien des DSB überlassen). Der DSB als Dachverband hat eben keine Hoheit über LSV-Wettkämpfe. — Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich gern mal den Vertrag des DSB mit der NADA sehen möchte, ich habe Zweifel, ob dort überhaupt Wettkämpfe und Trainings auf Landesebene geregelt sind bzw. geregelt werden dürfen.
26. April 2010 - 09:40
Wie ich soeben sehe, wird der von mir mal eingeführte Begriff “Kadavergehorsam” leicht abgeschwächt zu “vorauseilendem Gehorsam” – was sprachlich evtl. subtiler ist, semantisch doch wohl ziemlich genau dasselbe ausdrückt.
Und wo wir gerade bei Sprachkorrekturen bzw. -verfeinerungen sind: Der ebenfalls von mir in die Diskussion geworfenen Begriff “Gleichschaltung” hat ja sehr stark emotionale Reaktionen wie etwa die völlig überzogene Feststellung, ich hätte damit die Opfer des NS-Regimes verhöhnt und/oder einen Straftatbestand verwirklicht, provoziert. Nehme ich nun noch Richards Beitrag zur Hand (” Warum Du Paul (und auch Du Niklas) diese ADO so vorantreibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Glaubt Ihr wirklich, was Ihr postet ? Oder geht es um eine Karriere in der DSJ und im DSB (oder in der Politik ganz allgemein). Ich verstehe Euch nicht.” [Selbst ich hätte es nicht ohne Weiteres gewagt, mir nicht näher bekannten Personen Karrieregei-, nein, Ambitionen zu unterstellen.]), die Ausführungen von rankzero über die Indoktrination durch Jörg Schulz [Sind von PO bestritten worden. Ergänzen sollte ich, dass ich den DSJ-Vorsitzenden für einen Altlinken halte.] und die jedermann mittels Suchmaschine zugänglichen Informationen über Berufsziel, Optik etc. des scheidenden Anti-Doping-Beauftragten lassen mich vermuten, es mit einem Anhänger oder gar Mitglied einer Partei des linken Spektrums (Bei Berücksichtigung der teils verschwurbelten Rhetorik würde ich sagen: Linkspartei) zu tun zu haben.
Ich verbessere mich daher: Hier geht es nicht um “Gleichschaltung”. Hier geht es um “LINIENTREUE”!
26. April 2010 - 10:28
@MiBu:
“des scheidenden Anti-Doping-Beauftragten lassen mich vermuten, es mit einem Anhänger oder gar Mitglied einer Partei des linken Spektrums (Bei Berücksichtigung der teils verschwurbelten Rhetorik würde ich sagen: Linkspartei) zu tun zu haben.
Ich verbessere mich daher: Hier geht es nicht um “Gleichschaltung”. Hier geht es um “LINIENTREUE”!”
Ganz offen, MiBu: ich empfinde es als armselig, aufgrund von Äußerlichkeiten und Berufswünschen solche Aussagen zu tätigen. Das ist unheimlich schlechter Stil, zumal Du inhaltlich im letzten Artikel nichts beiträgst und so etwas die Diskussion überhaupt nicht weiterbringt.
26. April 2010 - 10:37
@Stefan und PO:
Verstehe ich das jetzt richtig?
Die NADA verlangt gar nicht die Ausweitung der Bestimmungen auf die Länder?
Wenn dem so ist, entfällt natürlich auch das Argument, man könne aus dem LSB fliegen und Zuschüsse, Gemeinnützigkeit etc. verlieren.
Ich kann allerdings das Argument verstehen, dass man eine ADO benötigt für alle Qualifikationsturniere für nationale Meisterschaften, für die Dopingvorschriften mit Proben gelten. Allerdings würde dann auch ein Zweizeiler reichen á la: Der LSVMV behält sich vor, national aufgrund Dopings gesperrte Spieler auch für eigene Turniere zu sperren.
Das wäre dann auch eine Lösung, die nicht so unverhältnismäßig wäre wie der jetzige Vorschlag.
26. April 2010 - 10:58
@MiBu: Ich glaube eigentlich, dass politische Überzeugungen, Berufswünsche und Frisuren hier keine Rolle spielen sollten. Außerdem: Die Dopingpolitik des DSB als als altlinker Versuch, ein Überwachungssystem zu installieren? Ich hatte des DSB bisher eigentlich für eine ordnungspolitisch eher konservative Einrichtung gehalten.
@Losso: Ja, ich verstehe den NADA-Code so, dass er zwingend nur auf Spitzensport im genannten Sinne (Nationalmannschaft, nationale Meisterschaften) anzuwenden ist, sobald sich ein Sportverband diesem Code unterworfen hat (sonst natürlich gar nicht). Jede Weiterung erfolgt freiwillig.
Über Sportförderung und Mitgliedschaft in Sportorganisationen entscheidet nicht die NADA, sondern entscheiden die Subventionsgeber (öffentliche Hand) und die Sportorganisationen selbst. Es kommt also darauf an, ob die ein Anti-Doping-System bis in den Kinderbereich hinein haben wollen (und ob wir uns dem verweigern).
M.E. braucht man für Qualifikationsturniere zu nationalen Meisterschaften keine Dopingordnung. Die LEM ist rechtlich kein Spitzensport.
26. April 2010 - 11:12
@Stefan:
“M.E. braucht man für Qualifikationsturniere zu nationalen Meisterschaften keine Dopingordnung. Die LEM ist rechtlich kein Spitzensport.”
Das stimmt schon, aber das Argument, dass die Teilnahme eines für die Deutsche Meisterschaft gesperrten Spielers an der LEM zu Wettbewerbsverzerrung führt/führen kann, ist mE nicht so einfach von der Schippe zu wuppen.
Von daher ist doch eine solche Regel, wie ich sie vorschlug, ein guter Kompromiss.
Man könnte sogar im von mir vorgeschlagenen Passus:
“Der LSVMV behält sich vor, national aufgrund Dopings gesperrte Spieler auch für eigene Turniere zu sperren.”
ändern in:
“Der LSVMV behält sich vor, auf höheren als Landesebene gesperrte Spieler auch für eigene Turniere zu sperren.”
Der Bezug auf Doping ist hier nämlich gar nicht notwendig.
Damit würde ich und würdest wohl auch Du leben können, oder? Die Verhältnismäßigkeit wäre dann mE hergestellt. Dann sollte das Thema auf Wiedervorlage gesetzt werden und sobald es wissenschaftliche Erkenntnisse zu unerlaubten Hilfssubstanzen im Zusammenhang mit Schach oder zumindest Denksportarten gibt, sollte dann ggf. eine Ächtung erfolgen.
26. April 2010 - 12:40
Ich teile das mal in mehrere Punkte auf.
1. Die politische Einschätzung von MiBu ist natürlich sehr zugespitzt – vielleicht hat er ja unter den Versammlungsmaterialien den Entwurf des zu beschließenden “Leitbilds” des LSV MV (pdf) gefunden und daraus extreme Schlüsse gezogen. Ich persönlich finde es auch höchst fragwürdig, dass ein derartig verschwurbeltes, von politischen Phrasen durchzogenes Dokument ohne Diskussion der Mitglieder zur Abstimmung gestellt wird. (wieder einmal kann ich das darunter liegende Demokratieverständnis nicht nachvollziehen).
Inhaltlich stellt sich für mich zunächst die Frage, ob wir so etwas wirklich benötigen. Wir wollen in unserer Freizeit Schach spielen. Punkt.
Zweitens fällt die Schlagseite auf: So gibt es beispielsweise ein explizite Bekenntnis zum Spitzen- und Leistungssport
aber nicht zum Breitensport. Das geht völlig an der Realität in MV vorbei.
Dann wimmelt es von Schlagworten wie “Gender Mainstreaming” – das bedeutet übrigens NICHT, wie der Folgetext suggeriert, “die gleichwertige Teilhabe von Frauen und Männern”. Unabhängig stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, Delegierte über Begriffe abstimmen zu lassen, die die meisten von ihnen vermutlich nicht definieren können.
Ganz finster ist die Passage zum Stichwort “Doping”:
Offensichtlich kann hier mit Bezug auf Schach nur “geistige” Manipulation gemeint sein, und der/die Verfasser können nicht einmal seelisch von geistig unterscheiden – die gesammelten Irrtümer sollen aber als offizielle Zielsetzung dem Landesverband von oben aufgedrückt werden. Wenn MiBu da finstere Gedanken kommen, kann man schon verstehen.
Ich würde hier lediglich allgemein darum bitten – was eigentlich selbstverständlich ist – dass die Verantwortlichen im LSV jegliche Verquickung ihrer sachlichen Tätigkeit mit politischen Karrieren vermeiden und, falls Interessenkonflikte sichtbar werden, sie selbstverständlich von einem Amt zurücktreten, das sie nicht parteipolitisch neutral ausüben können.
26. April 2010 - 13:12
2. Besonderen Dank an Stefan für die Recherche; für mich erübrigen sich die meisten weiteren Kommentare von mir hinsichtlich der Überflüssigkeit der Ordnung. Nur um das Seniorenbeispiel abzuschließen: Nach Stefans Argumentation ergibt sich für mich definitiv, dass mit Beschluss der Ordnung es eben nicht so ist, dass nur die Leute aus dem Testpool auf die Ausnahmegenehmigung angewiesen sind.
sagt Stefan richtig. Pauls Frage
ist im geschilderten Fall einfach – Schiedsrichter kann unmittelbar Besitz oder Einnahme mit Augenzeugen verifizieren.
26. April 2010 - 13:25
Das liest sich ja wie eine Rücktrittsforderung.
26. April 2010 - 13:29
3. Zur Frage, wie verhalten wir uns gegenüber vom DSB gesperrten Spielern, mindestens eine Teilantwort:
a) Der einzige positive Dopingfall im Schach, den ich kenne, ist die verweigerte österreichische Probe. Ich denke, es spricht sachlich einiges dafür, in einem solchen Fall die Sanktionen auf Landesebene klein zu halten. Das spricht für eine fallbezogene Klärung.
b) Als daneben mögliche positive Dopingproben im Schach kann man erfolgreiche Tests auf aus Unkenntnis nicht angemeldete Medikamente erwarten. Wollen wir in diesen Fällen zusätzlich sanktionieren?
c) Möglich wäre auch ein positiver Test auf körpermanipulative Mittel wie Steroide, die ja den Hauptteil der Liste ausmachen. Hierzu habe ich vor ein paar Tagen ein längeres Stück auf meiner Seite geschrieben. Ich persönlich würde jedenfalls jemanden mit Anabolikaproblemen nicht aus dem Schachbetrieb ausgrenzen wollen, sondern hoffen, dass der mentale Wettbewerb hilft, davon runterzukommen. Ich interpretiere die aktuelle Berufungspolitik des DSB in den Nationalkader derart, dass sie das auch so sehen.
d) Zur Wettbewerbsverzerrung: Könnt ihr ja gerne etwas für die LEM reinschreiben. Derzeit verzerrt das Dopinpolitik schon ganz real die Meisterschaft in anderer Weise:
Seit zwei Jahren nehme ich nämlich nicht mehr an der LEM teil, weil ich im Qualifikationsfall nämlich NICHT die NADA-Vereinbarung unterschreiben würde (und deshalb wohl nicht zur DEM zugelassen würde). CB sieht das m.W. genauso. Um also den Wettbewerb nicht zu verzerren, fehlen Spitzenspieler des Landes bei der höchsten Meisterschaft. Dieser Effekt dürfte praktisch viel stärker sein alos theoretische Erwägungen, was man mit eventuell irgendwann gesperrten Spielern macht – da er aber nur Qualität, aber kein Geld kostet, wird er natürlich weiter ignoriert werden.
26. April 2010 - 13:44
@rz:
Zu 3a-c:
Mein Vorschlag
“Der LSVMV behält sich vor, auf höheren als Landesebene gesperrte Spieler auch für eigene Turniere zu sperren.”
ließe genau diese von Dir benannten Einzelentscheidungen zu.
Zu 3d:
So wenig ich für Dopingproben bei den deutschen Meisterschaften bin, muss man doch konstatieren, dass der DSB bei der DEM Hausrecht hat und daher seine Regularien für das Turnier selbst bestimmen kann. Dass Du aus diesem Grund auf Deine Teilnahme an der LEM verzichtest, trifft mE nicht den Tatbestand der Wettbewerbsverzerrung. Der Wettbewerb findet dann eben unverzerrt ohne Dich statt ;o)
26. April 2010 - 13:50
@ Nudel Stimmt schon, dass die Zahlen im Text weiter oben bereits genannt wurden; aber trotzdem Danke für den link: lesenswert!
26. April 2010 - 13:51
4. Ich weiß nicht, ob es klug ist, auf DKopp einzugehen, aber er hat ja mit
eine konkrete Unterstellung getätigt. Dazu
a) Bitte ich noch einmal alle darum, sich auf die Frage der vorgeschlagenen Ordnungen in MV zu beschränken und nicht Verwirrung durch Ausflüge und Behauptungen wie “Doping funktioniert auch geistig” zu stiften.
b) Ich würde jederzeit gegen jemanden antreten, der eine beliebige Dosis Ritalin genommen hat (solange ich meinen Kaffee trinken darf ;-) ). Dass jemand mich deshalb “überspielt”, obwohl er ohne Mittel “keine Chance” hätte, ist eine der dümmsten Behauptungen, die ich in diesem Zusammenhang gehört habe – der Unterschied zwischen “Überspielen” und “keine Chance” liegt m.W. in einer Bandbreite von mindestens 500 Elopunkten, und selbst die größten Nachbeter der Pharma-PR haben bisher nicht gewagt, solche Effekte zu behaupten.
c) Warum ich darüber hinaus sicher bin? Nun, ich habe in meinem Leben sehr vielen Matheprüfungen beigesessen, und darunter waren auch einige, von denen ich ziemlich sicher weiß, dass solche Mittel im Spiel waren (Studis können das Maul nicht halten; typischerweise waren es niemals Mathe-Studenten, sondern immer Lehramtsstudenten). In einem Fall habe ich sogar den Vergleich zwischen erster und gedopter Wiederholungsprüfung. Meine Einschätzung:
Unter Ritalineinfluß war das Auftreten deutlich selbstsicherer, es wurde wesentlich schneller auf Fragen reagiert und mehr gesprochen. Oberflächlich hätte man u.U. eine höhere Auffassungsgabe bescheinigt. Die Antworten gingen dafür häufiger am Thema vorbei, erschienen weniger überlegt, und gerade bei konkretem Nachfragen und tieferen Problemen (etwa der Erläuterung von Beweisen) war es total vorbei, und es erschöpfte sich in Ausflüchten.
Ich kann daher nicht ausschließen, dass diese Mittel etwa bei politik- oder geisteswissenschaftlichen Prüfungen einen positiven Effekt haben könnten, in der Mathematik war die substanzielle Leistung aber geringer als ungedopt. (Allerdings war die Enttäuschung am Ende größer, weil unter dem Eindruck der Mittel offenbar bis zum Schluss die Überzeugung vorherrschte, alles besser zu können und die Prüfung zu bestehen.) Damit würde ich erwarten, dass im Normalschach Ritalin eher eine negative Wirkung auf die Spielqualität hat. Im Blitz könnte es die Zockerqualitäten verbessern, aber das ist mir eigentlich egal – Blitz ist sowieso Glücksspiel, und das betreibe ich nicht. Da kenne ich auch einige Menge Leute, die alkoholisiert besser spielen als nüchtern.
26. April 2010 - 14:11
@Losso: Nur ganz schnell, bevor es untergeht: Dein Vorschlag ist bedenkenswert, steht aber nicht zur Abstimmung. Wenn der LSV aber Spieler sperren will, die vom DSB gesperrt worden sind, braucht er eine eigene Ordnung, die Verbotstatbestände normiert und eine Sperre als Sanktion vorsieht (”Keine Strafe ohne Gesetz” heißt das im Strafrecht). Der Tatbestand “wurde vom DSB gesperrt” reicht sicher nicht für eine Sperre.
Die Berufung auf das Hausrecht reicht im Übrigen ganz sicher nicht, um von den Teilnehmern der DEM eine Dopingprobe zu fordern. Um die juristische Diskussion hier überschaubar zu halten, habe ich das metajuristische Fass mit höherrangigem Recht (mittelbare Grundrechtswirkung in Sportverbänden, Ausschluss von Teilnehmern durch diskriminierende Geschäftsbedingungen von Monopolanbietern etc.) noch gar nicht aufgemacht. Fest scheint mir jedoch zu stehen, dass eine Dopingordnung ohne jeden sachlichen Anlass rechtlich nicht unproblematisch ist, erst recht im Amateurbereich.
26. April 2010 - 14:15
5. Zum Leistungssportaspekt:
a) Erst einmal spielen die Hanseaten professionell in einem auf nationaler Ebene strukturiertem Wettkampfsystem. Damit fallen sie für mich unter Spitzensport. Wenn Du die beiden Begriffe entgegen dem umgangssprachlichen Gebrauch auseinanderdividieren willst, musst Du hier zwei konsensfähige saubere Definitionen anbieten.
b) Ich weise hier noch einmal auf die von Stefan mehrfach angeführten Rechtslage hin, dass Schach kein Sport ist, sondern nur dem Sport gleichgestellt. Einige Definitionen des Begriffs “Leistungssport” (etwa wikipedia: “Allgemein wird Leistungssport nicht nur über die damit verbrachte Zeit (in der Regel tägliches Training), sondern auch die körperliche Anstrengung während des Trainings definiert.”)) werden vom Schach nicht erfüllt.
Dieses Problem wird von den Funktionären der Schachverbände typischerweise durchgehend ignoriert. Für sie sind “Leistungssportler” diejenigen, die sie in entsprechende Kader berufen. Offenbar ein unsinniges Kriterium, weil nicht objektiv und vergleichbar, und weil zudem das Eigeninteresse (Kaderformation zum Zwecke des Fördermittelbezugs) mitspielt. Meine Bewertung ist die schon getätigte: Wenn die Kaderspieler in MV trotz aller Fördermaßnahmen und eines Trainersystems dauerhaft schwächer sind als explizite Amateure, dann sind sie einfach keine Leistungssportler, sondern Etikettenschwindel. Inwieweit das Mittelentfremdung oder schlimmeres ist, entscheiden hoffentlich mal Rechnungshof oder Gerichte. Und auch wenn man Potjomkinsche Dörfer lange aufrecht erhalten kann, fällt einem so etwas irgendwann auf die Füße, etwa jetzt, wenn wir aufgrund des angeblich existierenden Leistungssports überzogene Ordnungen beschließen sollen.
c) Den Geburtsort kannst Du meinethalben sogar weglassen, wichtiges Kriterium ist eine längerfristige Zugehörigkeit zum Verband auch während der schachlichen Entwicklungsphase. Es geht schließlich beim Thema Training/Förderung/Ressourcenentwicklung auch ein Stück um Nachhaltigkeit, oder? Wenn ein Verein für ein, zwei Jahre einen Legionär anmietet (oft für Spielklassen wie 2. BL, die die LSV gar nicht interessieren), gehört der sicher formell zum Verband, dies sollte aber in unseren strategischen Entscheidung hinsichtlich der Ausrichtung keine Rolle spielen.
26. April 2010 - 14:21
Das liest sich wie eine Erinnerung an die Satzung:
26. April 2010 - 14:32
Das Maß ist voll und zu diesem Zeitpunkt stelle ich die “Kommunikation” auf dieser Seite ein. Auf eine Auseinandersetzung mit Menschen, die in ihren Diskussionsbeiträgen nicht über Niveaulosigkeiten hinausgelangen und empirischen Neunmalklugen, die während ihrer Mathematikprüfung auch noch den Einfluss von Ritalin untersuchen konnten, habe ich kein weiteres Interesse mehr.
Olaf, im Präsidium ist im Übrigen noch der Posten des Frauenschachreferenten frei und ich erinnere mich an einen “empirischen” Beitrag von dir vor einigen Jahren, in dem du exakt festgestellt hast, wann Mädchen ihren schachlichen Höhepunkt erreichen – es wäre Zeit für ein politisch unabhängiges Vorstandsmitglied, das mir vor allem erklären kann, in welcher Partei ich als Nichtmitglied den Aufstieg anstreben soll.
Bei Christian würde ich wegen der LEM-Teilnahme übrigens noch einmal nachfragen, denn mindestens seit 2004 hat er an keiner LEM mehr teilgenommen. Vielleicht wäre daher noch einmal eine sinnvolle Theorie angebracht, warum die Teilnehmerzahlen an der LEM auf einem sehr niedrigen Niveau sind.
Falls es noch weitere ernsthafte Fragen gibt, werde ich gern versuchen, diese persönlich per E-Mail oder Telefon zu beantworten. Stefan, auf deine Frage werde ich nach einer Antwort der NADA ebenfalls per E-Mail antworten.
26. April 2010 - 15:19
Das ist schade, Paul. Mir geht es ja auch um einen öffentlichen Austausch der Argumente. Und du schreibst nicht nur für die Kommentatoren, hier lesen auch eine ganze Reihe von Leuten still mit, die sich vielleicht auch Antworten auf ihre Fragen erhoffen.
Olafs Erlebnisse mit Ritalinbehandelten (nicht als Prüfling, sondern als Prüfer, da hast du ihn vielleicht falsch verstanden) haben ja immerhin mehr empirische Substanz als alle anderen Vermutungen, die hier dazu bisher zu lesen waren. Mit Olafs notorischer Abwertung von Geistes- und Sozialwissenschaften stimme ich bekanntermaßen gleichfalls nicht überein ;-) Aber wer austeilt, muss auch einstecken können. Und wer Verantwortung trägt, muss mit Kritik leben können, auch mit scharfer und pointierter Kritik.
Da gerade Diskussionen im Netz zur Schärfe neigen, der Aufruf an alle, bitte sachlich zu bleiben. So ein Blog ist eine wunderbare Möglichkeit, eine unabhängige öffentliche Diskussion zu führen. Dieses Spiel “hier ist alles so schmuddelig, da sag ich nichts”, ist mir zu einfach. Dafür ist das Thema zu wichtig.
PS: Zu MiBus politischen Thesen habe ich mich ja schon geäußert.
26. April 2010 - 15:45
“Der LSV M-V sieht seine Aufgabe in der Pflege und Förderung des Schachspiels. Er ist parteipolitisch neutral und vertritt die Grundsätze der Toleranz wie der Gleichberechtigung.”
@rank zero: ist der LSV das etwa nicht?
Die Definition zum Leistungssport ist schwierig und selbst der DOSB tut sich damit schwer. Jedoch sollte man beim Begriff “Etikettenschwindel” darauf achten, dass das Lebensalter eine Rolle spielt. Unser Landeskader ist ein reiner Jugendkader. Bei Kindern ist es am Anfang ganz normal, dass die schwächer sind als leistungsstarke “Amateure”. Das Trainingssystem und die Kaderstruktur ist von Anfang an umstritten gewesen – das ist bekannt und auch nachvollziehbar. Aber ich glaube, dass der Erfolg bei der DLM 2009 in Wismar durch diese Struktur gefördert wurde. Als Behauptung stelle ich sogar auf, dass durch die regelmäßigen Kaderlehrgänge das Wirgefühl der DLM Mannschaft gestärkt wurde und ein Baustein des Erfolges war.
Wir bekommen vom Land oder vom LSB keinerlei Fördermittel für den Leistungssport bzw. für den Kader – nur für Lehrgänge.
Übrigens: der NDR wird am Sonntag bei der Versammlung in Güstrow dabei sein. Also scheint nun auch das Massenmedium Fernsehen ein Interesse an der Diskussion zu haben.
26. April 2010 - 17:42
Weil explizit nachgefragt wurde: Tatsächlich ist es so, dass ich an der Teilnahme an einer DEM kein wesentliches Interesse (mehr) habe. Das hat auch mit den Anti-Doping-Maßnahmen zu tun.
Was meine Teilnahmen an der LEM betrifft (ich habe überhaupt nur zwei LEM mitgespielt), habe ich mir vor ein paar Jahren die Mühe gemacht, einen ausführlichen Diskussionsbeitrag im LSVMV-Forum zu posten. IIRC waren meine Hauptpunkte damals der aus meiner Sicht problematische Termin sowie der unattraktive Modus. Ebenfalls IIRC hat mein Beitrag aber kein besonders großes Interesse geweckt. Als unattraktiv habe ich die DEM damals sicher nicht bewertet.
26. April 2010 - 19:44
Offtopic:
Ich habe auch nie an der LEM MV teilgenommen, obwohl ich gerne hätte. Der Termin um die Ostertage ist für einen Familienmenschen aber komplett indiskutabel. In Niedersachsen wird die erste Januarwoche gewählt. Ein cleverer Schachzug.
@Stefan:
“Wenn der LSV aber Spieler sperren will, die vom DSB gesperrt worden sind, braucht er eine eigene Ordnung, die Verbotstatbestände normiert und eine Sperre als Sanktion vorsieht (”Keine Strafe ohne Gesetz” heißt das im Strafrecht). Der Tatbestand “wurde vom DSB gesperrt” reicht sicher nicht für eine Sperre.”
Auch das lässt sich wohl durch einen Nebensatz juristisch wasserdicht klären, oder?
“Hausrecht”
Ich meine hierbei nicht das Hausrecht im fomaljuristischen Sinne. Der Veranstalter (in diesem Fall der DSB) wird aber wohl keinem Kontrahierungszwang unterliegen, einem für die DEM qualifizierten Teilnehmer spielen lassen zu müssen, wenn dieser sich weigert, die Bedingungen des Turniers anzuerkennen.
26. April 2010 - 23:28
Zitat von DKopp:
“Vielleicht bin ich ein Schwarzseher, aber in der heutigen Zeit traue ich es nicht allen überambitionierten jungen Menschen zu, der Verführung der Ritalineinnahme zur Leistungsverbesserung widerstehen zu können.”
Diesen Satz muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Schade, dass wir mitlerweile soweit sind, dass man schon von Unsportlichkeit ausgeht, sobald ein jüngerer Mensch am Brett sitzt. Da kann man wirklich nicht mehr helfen. Am besten du rennst deinem Gegner noch auf’s Klo hinterher, könnte ja sein, dass er einen PC mit Rybka 3 dort aufgestellt hat. Und dann nimmt der Jugendliche noch ein paar Pillen oder raucht einen Joint, damit er den Zug von Rybka auf dem Rückweg zum Brett nicht vergisst.
In MV gibt es (noch) keinen Leistungssport. Da hat Herr Teschke leider völlig recht. Ohne starke Trainer und ohne Konkurenz kann auch hier auch nichts passieren. Hier kann der LSV und seine Funktionäre recht wenig machen. Da könnte sich ja die ältere Generation in Bewegung setzen und junge Leute fürs Schachspiel begeistern. An wenigen Stellen wird das ja schon gemacht. Allerdings reden wir da von einem Bruchteil im Vergleich zur Seniorendichte hier bei uns im Land.
Zum Thema GZ:
G. Z. hat wirklich eine starke DEM gespielt. Aber das war im Jahre 2005. Mitlerweile hat er in seiner Altersklasse auf Bundesebene gar nichts mehr zu melden. Ich kann nicht glauben, dass er in einem Leistungskader ist.
Zum Thema NR und PO:
Ich finde es unfair, wie man sich mitlerweile auf NR und PO einschießt. Sie haben ihre Meinung und diese sollte man auch akzeptieren. Ich finde es sehr gut, dass sie sich für das Schachspiel in MV engagieren. Ich denke gerade in unserem Bundesland ist es wichtig, dass man auch jüngere Menschen zum Zuge kommen lässt, ohne gleich an ihren Fähigkeiten zu zweifeln und sie quasi zum Rücktritt bewegen zu wollen. Mich überrascht es nicht wirklich, dass die Meinungen zunehmend zw. den jüngeren und älteren Funktionären des LSVMV stark divergieren, aber das liegt in der Natur der Sache. Beide Seiten haben nachvollziehbare Argumente. Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, wie er mit der Dopingfrage umgeht.
Ich bin der Meinung, dass mit so einer Verordnung der Schachsport ein großes Stück von seinem Charme verliert.
27. April 2010 - 07:43
BTW: Der Umstand, dass die Landeseinzelmeisterschaft im Schach hierzulande über alle Osterfeiertage ausgespielt wird, zeigt, dass der LSV Schach nicht als Sport versteht, anderenfalls würde man sich ja in Widerspruch zu § 6 Absatz 1 des Feiertagsgesetzes von Mecklenburg-Vorpommern setzen:
Oder sind Zuschauer am Karfreitag ausgeschlossen?
27. April 2010 - 09:04
@Stefan: Gemeinheit !
27. April 2010 - 09:27
Man sollte kritisch hinterfragen, ob ein Schachturnier wirklich eine “sportliche Veranstaltung” im Sinne des Feiertagsgesetzes ist. Was mag wohl Sinn und Zweck dieser Vorschrift sein? Lautes Gejohle auf einem Fußballplatz kann man durchaus als Störung der dem Karfreitag angemessenen pietätvollen Stille ansehen, aber ein beinahe lautloses Schachturnier?
Dass der LSV Schach nicht als Sport verstehe, lässt sich daraus m. E. nicht ableiten.
27. April 2010 - 09:58
Wenn ich mich an die paar LEM in Nakenstorf zurückerinnere die ich mitgespielt habe, dann waren das eher feuchtfröhliche Veranstaltungen, wo von pietätvollem Karfreitag nicht immer etwas zu merken war.
27. April 2010 - 10:34
@Niklas Rickmann
Ist bekannt, wann der NDR die Ausstrahlung des Beitrags plant?
27. April 2010 - 11:03
Falls die erforderlichen Mehrheiten verfehlt werden, gibt es diese Schlagzeilen:
“Schachverband lehnt Doping-Ordnung ab.
Aus Angst, ertappt zu werden?
Ist Schach kein sauberer Sport?
Welche Drogen nehmen Schachspieler?”
27. April 2010 - 11:13
@RP Schön recherchiert, geht aber am Thema vorbei. Ich rede von DopingKONTROLLEN.
Hierzu die Aussage von Herrn Ralph Alt:
“Ralph Alt, als Vertreter des DSB und Mitglied in der gemeinsamen Kommission, referierte über die Doping-Kontrollen im Bereich des DSB. Für die Schachbundesliga gilt weiterhin die Regel, dass Doping-Kontrollen nicht durchgeführt werden.”
(Zitat aus dem Bericht zur Außerordentliche Mitgliederversammlung des Schachbundesliga e.V. am 10./11.1.09)
Sollte dieses “heilige Versprechen” etwa nach einem Jahr schon nicht mehr stimmen? Wie soll ich dann mit den “heiligen Versprechen”, dass z.B. in der 2. BL, in der OL, bei der LEM “definitiv nie getestet wird” umgehen?
Wenn die Dopingordnung bei uns aus dem Satz bestehen würde: “Alle Schachspieler beachten die Dopingrichtlinien der NADA.” oder so, würden es wohl weniger Diskussionen darüber geben.
@all Ich wünschte mir, dass alle Funktionäre so diskussionsfreudig und offen für Kommunikation wären, wie Nr und PO. Ja, sie haben eine Meinung – die ich nicht teile. Trotzdem habe ich ein gutes Verhältnis zu ihnen, denn sie machen eine ganze Menge Arbeit – und zwar nicht nur für Leistungskader sondern auch für uns “Patzer”. Keiner ist fehlerlos – und einfach wehrlos diese Dopingordnung zu übernehmen, ist für mich ein Fehler.
Ich denke, wenn der “Profizoo” wegen Fördermittel so etwas machen will, sollen sie doch. Ich möchte aber keinesfalls, dass Spieler, für die Schach ein Hobby oder eine Hobbysportart ist, von diesen Regelungen betroffen sind. So wird es auch versprochen, aber die Dopingordnung sagt m. E. etwas anderes aus.
@KPK Ich gehe davon aus, dass alle weiterspielen. Nur wenn – entgegen aller Versprechungen – doch mal bei der OL ein Vertreter der NADA auftauchen sollte (ich halte das mit dieser Dopingordnung nicht für ausgeschlossen), dürften wohl einige Spieler wegen Verweigerung gesperrt werden. Ich halte das Szenario auch für ziemlich unwahrscheinlich.
(Und wieder das Argument: Die Spieler sollen so tun als ob sie sich dem Dopingkodex unterwerfen und werden – so der Deal – dafür auch nicht kontrolliert. Dann kann man das Ganze auch weglassen.)
27. April 2010 - 11:40
@Werner Berger: Nein, es gibt die Schlagzeile “Schachspieler in Mecklenburg-Vorpommern kehren zur Vernunft zurück”. Ich bin überzeugt davon, dass eine Ablehnung der Ordnung auch von den Mitgliedern anderer Verbände mit Interesse zur Kenntnis genommen werden würde. Es wäre doch schön, wenn mal jemand diesem Unsinn ein Ende machen würde.
27. April 2010 - 17:36
Warnhinweis: Das folgenden posting, bei dem ich noch ein paar lose Fäden aufnehme, enthält ein paar persönliche Anmerkungen, an denen der eine oder andere Anstoß nehmen könnte. Weiterlesen auf eigene Gefahr!
1. PO und NR haben sich hier öffentlich Pro-ADO ausgesprochen und ihren Standpunkt – den ich nicht teile – begründet und mussten sich dafür kritische Stimmen gefallen lassen. Ich lese aber auch, dass das Präsidium des LSV MV die Vorlage mehrheitlich beschlossen habe, von daher habe ich zu monieren, dass sich aus dem restlichen Vorstand soweit für mich ersichtlich eine ablehnende und eine neutrale Wortmeldung kam und sonst keine. Sind die anderen Pro-ADOs alle offline?
2. Ich habe “erreicht”, dass sich PO hier nicht mehr äußern möchte. Allerdings war das womöglich keine Einzelleistung, denn auf einen Beitrag von rz kam von dort die Titulierung “empirischer Neunmalkluger” sowie eine mir nicht näher geläufige olle Kamelle. (Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der durchaus interessanten Beobachtung des Prüfungsbeisitzers erfolgt leider nicht.) Das ist für mich wenig souverän reagiert. Kann die Doppelspitze dieses Beitrags gegen Geisteswissenschaftler und Lehramtsstudenten allein für diese heftige Reaktion verantwortlich sein? Ich glaube kaum. Von daher nehme ich an, dass der ein oder anderer Stressor schon vor meiner unaufgefordeten Einmischung existierte.
3. Auch SPD-Kommunalpolitiker dürfen sich in einem Sportverein oder -verband (Oder sportähnlichem; die Frage “Ist Schach Sport?” soll hier [noch] kein Thema sein.) engagieren, das ist klar. rz hat aber richtig angemerkt, dass in diesem Amt eine überparteiliche Haltung erforderlich ist, und ebenso richtig hat er gemutmaßt, dass ich an einem Leitbild Anstoß nehme, dass an allen Ecken (partei-)politisches Odeur hat. Der Ausgewogenheit wegen sollte ich noch klarstellen, dass es mir genauso gegen den Strich ginge, wenn im LV XY ein CDU-Politiker Präsi wäre und z.B. ein konservativ christliches oder zumindest theistisches Weltbild zur Beschlussvorlage machte.
4. Aus einem Beitrag von NR: “Wenn keine 2/3 Mehrheit zustande kommt, wird sich der dann neu zu wählende Präsident allerdings Gedanken zur einer neuen Strategie des Verbandes machen müssen.” Interpretiere ich das richtig, dass hier eine Sachfrage mit einem persönlichen Schicksal verknüpft wird nach dem Motto “Wenn die Versammlung nicht so stimmt wie ich das will, trete ich zurück bzw. nicht mehr an!”? Diese Art, “all-in” zu gehen, empfinde ich als leicht befremdlich. (Ich habe mit Absicht einen recht schwachen Ausdruck gewählt.)
5. Ich bin kein Jurist, sondern von Berufs wegen nur gelegentlicher Rechtsanwender. Aber selbst meine Kenntnisse reichen aus, um mich über die Vielzahl unbestimmter Rechtsbegriffe in der ADO zu wundern. Stefans Bedenken kann ich zu 100% nachvollziehen. Wären das die AGB eines Wirtschaftsunternehmens oder die AVB eines Versicherers, wäre ein nicht unerheblicher Teil der ADO IMHO schlichtweg unwirksam. Schon alleine aus diesem Grund müsste man entweder dagegen stimmen oder zumindest die Entscheidung aufschieben, um einen besseren, gerichtsfesteren Entwurf zu entwickeln.
6. Das war nun wirklich meine letzte Äußerung zu dieser Thematik, in der Personen benannt werden. Sollten noch Beiträge von mir kommen, dann rein sachfragenbezogene ohne jede Spitze und Namensnennung – versprochen!
7. Versuch eines sachlichen Beitrags: Bekanntlich heißt es in einer Rechtsnorm, die ich jetzt nicht angeben kann, “Schach gilt als Sport”. Konklusion: Er ist also keiner. Dann kann in einem Schachturnier am Karfreitag auch kein Verstoß gegen das Feiertagsgesetz begründet sein, weil das ja nur Sportveranstaltungen verbietet. Ist also manchmal gut, dass Schach eben kein Sport ist, sondern Kulturausübung – oder?
28. April 2010 - 00:48
Zwei Fragen ergeben sich aus diesem Zitat von mibu für mich:
1) Wo ist parteipolitisches Odeur im Leitbild enthalten? Ich kenne kein Papier der SPD, welches ein Leitbild empfiehlt bzw. erkenne im Leitbild kein Parteiprogramm oder Schlüsselwörter der aktuellen SPD Themen. Ich finde im Leitbild nichts z.B. von Mindestlohn, Bürgerversicherung, Atomausstieg, Kriegseinsätze usw.! Nachweise für diese These wären hilfreich.
2) Hat der Verband in den letzten drei Jahren darunter gelitten, dass ein SPD Kommunalpolitiker Präsident ist? Auch hier einmal den Nachweis erbringen, dass hier politisches Amt/Funktion mit den Aufgaben des LSV vermengt wurden.
Der Präsident wird für zwei Jahre gewählt. Punkt. Er hat seine Themen und Programme. Finden diese Ideen oder Vorstellungen keine Mehrheit, muss er sich Gedanken machen, ob er noch der richtige Mann an der Spitze eines Verbandes ist. Das ist legitim! Schließlich ist der Präsident auch ein Individuum, was persönliche Freiheiten und Rechte genießt. Noch eine kleine Randbemerkung: Wer aufmerksam die Unterlagen zur Mitgliederversammlung studiert hat, wird erkennen, dass bei den Satzungsänderungen nicht nur Doping Anträge enthalten sind. Diese sind bisher völlig untergegangen. Auch die TO spielte hier noch gar keine Rolle. Schade eigentlich.
28. April 2010 - 04:38
Bitte noch einmal um Nachsicht für die verzögerte Antwort, ich komme erst jetzt dazu.
1. Entschuldigung an Stefan, falls ich hier für den Abbruch der Diskussion hier verschuldet haben sollte, die sich aus meiner Sicht doch als sehr sinnvoll und informativ erwiesen hat. Insbesondere verdanken wir ihr viele Klarstellungen der Rechtslage.
2. Ich gehe davon aus, dass derzeit der LSV MV die Neutralitätsklausel erfüllt, wie auch, dass er anderweitig nicht die rechtlichen Rahmenbedingungen überschreitet. Wenn die vorgelegten Anträge durchgewunken werden sollten, habe ich aber dahingehend Sorgen.
3. Ebenso danke für den Vorschlag hinsichtlich des Frauenreferenten. Ich interpretiere das ein Stück weit als Hoffnung, dass nicht unbedingt die Vorlagen durchgezogen werden sollen und es eine Basis für Kompromisse (einige sind hier ja skizziert worden) gibt. Hinsichtlich des DSB haben wir ja offenbar keinen akuten Druck für derart weitgehende Änderungen – sowohl aufgrund der beschriebenen Sachlage als auch formal, weil ja etwa Berlin in diesem Jahr auch nichts beschlossen hat (wenn also das Innenministerium wegen Landesebene kürzen will, geschieht das ohnehin).
Hinsichtlich des Frauenschachs habe ich bekanntlich die Überzeugung, dass der separate Spielbetrieb der Entwicklung schadet und aufgehoben werden sollte. Ich könnte in diesem Sinne wirken, wenn das Konsens der Mitglieder ist (m.W. würde dies aber teilweise energische Proteste hervorrufen). Ansonsten liegt mir eher die konkrete Arbeit, wenn ich Zeit dafür habe – zuletzt habe ich ja vor vielen Jahren ab und zu mit Steffi etwas trainiert, und wenn ich mich richtig erinnere, hat sie damals im Land den Jugendtitel im Jungen-(genauer, im offenen) Bereich geholt (was bestimmt mehr Gerhards Verdienst war; ich weiß übrigens nicht, ob es damals dort einen Kader gab und wie viele A-,B- oder C-Trainer dort tätig waren). Ich wäre allerdings nicht auf die Idee gekommen, dass wir damals Leistungssport gemacht haben (oder Geld von Verbänden zu bekommen – die knappe Zeit ist ohnehin unbezahlbar) und habe es als wesentliche Aufgabe betrachtet zu vermitteln, dass Schach sinnvollerweise nur eine schöne Nebensache ist (alles andere wäre nämlich unverzeihlich).
4. Den Fernsehhinweis verstehe ich nicht. Was hat das mit der Sinnhaftigkeit der Dopingverordnungen zu tun? Ich erinnere mich, dass der NDR vor ein paar Jahren mal zu mir in die Wohnung gekommen ist, um mich wegen Schoschies zu interviewen (möchte ich nicht auch nicht noch mal haben). Möglicherweise interessiert sich das Massenmedium Fernsehen nur dann für das Schach, wenn wir uns restlos lächerlich machen.
5. Ein Ratschlag aus meinen Erfahrungen mit Ehrenämtern: Es erleichtert die Arbeit ungemein, wenn sich vorher alle einigen, dass niemand jemals mit Rücktritt droht (wir haben das etwa im Umweltbereich so gehalten, sehr erfolgreich). Man ist hier ohnehin auf Engagement und den guten Willen der einzelnen angewiesen, und wenn Erpressung im Raum steht, geht der gute Wille eben verloren. Jede Rücktrittsdrohung sollte daher umgehend angenommen werden. Sonst kann man keine sachliche Arbeit machen, sondern beschäftigt sich irgendwann nur noch mit persönlichen Befindlichkeiten oder Egoismen.
28. April 2010 - 14:18
Zu NR, weil es konkret gefordert wurde, ein hastig herausgesuchtes Zitat aus dem Leitbild:
Das ist natürlich NICHT die Forderung nach einer Bürgerversicherung oder dergleichen – was ich auch nie behauptet habe – hat aber (in meiner Rezeption) einfach eine gewisse Note. Ich versuche das bildhaft zu machen: Die alte Tante, die sich mit dem Parfum eingesprüht hat, ist nicht mehr im Raum. Aber ein gewisser Duft liegt noch in der Luft, der mir sagt, dass sie dagewesen ist – das meinte ich mit “Odeur”.
28. April 2010 - 15:33
Das Beispiel der “alten Tante” ist ja nicht schlecht, aber vielleicht sollte man lieber sagen, hier waren 5 oder mehr “alte Tanten” im Raum und eine Unterscheidung ist eher schwierig, welche hier genau so riecht. (Vielleicht haben mehrere Frauen einen ähnlichen Duft oder sogar das selbe Parfüm.)
Naja, was will ich damit sagen: das o. g. Zitat kann von fast jeder demokratischen Partei kommen … ist also allgemeingültig, als zu keiner bestimmten Strömung zuzurechnen ud daher parteipolitisch völlig neutral.
Fazit: schlechtes Beispiel … bitte neues ausdenken
28. April 2010 - 15:53
“Völker, hört die Signale…” Pardon, das stand NICHT drin.
28. April 2010 - 16:09
Leute, wenn wir nicht so ein ernstes Thema zu verhandeln hätten, würde ich mich ja gern dazu äußern, ob wir Gender Mainstreaming im LSV brauchen. Aber leider leider ist mir gar nicht nach Scherzen zumute.
28. April 2010 - 17:06
habe ich gefunden auf der Homepage des DSB.
28. April 2010 - 18:06
@Stefan:
Spannende News beim DSB. Bleibt abzuwarten bzw. zu hinterfragen, was dies für die Provinz im Nordosten der Republik bedeutet ;)
@MiBu:
Was stört dich genau an den Zitaten? Ich habe mich mal spontan auf die Suche nach “Bürgergesellschaft” gemacht:
Bürgergesellschaft
Wiki
CDU
SPD
FDP (liberale BG)
B90 – Die Grünen
Die Linke (evtl. überaltet)
Ich gebe gerne zu, dass ich nicht alle Artikel gelesen habe, gehe aber davon aus, dass es keine Partei gibt, die die Bürgergesellschaft ausschließt – sicherlich haben alle kleine andere Vorstellungen über die Ausprägung … ist aber bei uns Schachspielern ziemlich unwichtig ;)
28. April 2010 - 19:11
@Adju: Man könnte ja fast auf die Idee kommen, dass der DSB auf diese Diskussion hier reagiert ;-) Auf meine E-Mail reagieren sie jedenfalls nicht, aber vielleicht steht ein solcher Umgang mit ihren Mitgliedern und Beitragszahlern ja in ihrem Leitbild.
28. April 2010 - 20:13
Es gab eine Mail von Metzing heute Mittag (für Dich an die web.de-Adresse). Es wird darauf verwiesen, dass der Vertrag dem Präsidenten des LSV MV zugesandt wurde. Ich interpretiere das so, das keine besonderen Geheimhaltungspflichten bestehen und es Aufgabe des Präsidenten gewesen wäre, die Vereine im Vorfeld der Mitgliederversammlung angemessen rechtzeitig solche für die Entscheidungen relevanten Informationen zuzustellen.
28. April 2010 - 21:03
@Adju: Werde ich nicht erklären, da ich rein sachliche und unpolitische Beiträge in Aussicht gestellt habe und in gewisser Weise schon wortbrüchig geworden bin. Zudem glaube ich, dass meine Erklärungen kaum von Erfolg gekrönt wären in dem Sinne, dass jemand die selben Schluckbeschwerden dabei entwickelt wie ich, der sie vorher nicht hatte. Was ich aber sagen kann ist, dass es in erster Linie auch gar nicht ein konkreter Satz oder ein Ausdruck ist, an dem ich Anstoß nehme, sondern das Gesamtwerk von neun Seiten, das eine extensive Analyse jeder Sentenz m.E. gar nicht verdient hat. In einem aber hast Du natürlich recht: Schwafeln, Phrasen dreschen und relativ sinnfreie Schlagworte gebrauchen können auch die anderen Parteien gut, wie ich gerade wieder an so ziemlich jeder Straßenlaterne nachlesen kann – es ist Landtagswahlkampf in NRW. (Ich hoffe der Beitrag war ausgewogen genug, um als “fast unpolitisch” durchzugehen.)
Aber jetzt halte ich hier endgültig die Klappe zu dieser speziellen Thematik, denn: Das Leitbild mag gut oder schlecht, brauchbar oder unbrauchbar, notwendig oder überflüssig sein – ist vielleicht gar nicht so wichtig. Die Versammlung nimmt es an oder auch nicht – ist womöglich auch nicht so wichtig, da damit keinerlei praktische Folgen verbunden sein dürfte. Das Leitbild mit seinen Allgemeinplätzchen ist ein Symbol (oder vielleicht besser eine Duftmarke, wenn ich die Parfum-Metapher noch mal aufnehmen darf) und mehr nicht, denn es regelt weder Spielbetrieb (man sehe NRs Hinweis auf TO-Änderungen, die keine Beachtung in der Diskussion finden – da hat der Mann recht) noch sonst was. Zankapfel und Stolperstein ist das Leitbild letztlich eher nicht.
Ich wage aber noch eine Prognose zu dieser Fernseh-Geschichte: Es wird weder von dopenden Schächern, die ihre Vergehen nicht sanktionieren wollen, die Rede sein noch vom Sieg der Vernuft. Das Fernsehen lebt von Bildern, und die besten Bildern werden die mit den heftigsten Gemütsregungen sein. Die Fernsehmacher werden auf wutentbrannte Delegierte hoffen, die lautstark ihren Rücktritt erklären oder sich gegenseitig zum Totengräber des Schachs erklären etc. etc. In der Außenwirkung bleiben wir so oder so die Freaks mit dem etwas abseitigen Hobby.
28. April 2010 - 21:14
Wenn der NDR kommt, dann kann ich nur hoffen, dass es die Jungs von Extra 3 sind. ;-)
28. April 2010 - 21:24
@HL:
Ein sinnvoller Beitrag (z. B. im Nordmagazin) würde uns sicherlich mehr helfen. Wenn wir es wirlich zu Extra 3 schaffen, dann benötigen wir ne Menge Humor ;)
@MiBu:
Lese ich da bezüglich des politischen Ausdrucks des Leitbilds bei dir richtig, dass du es jetzt als parteipolitisch (eher) neutral ansiehst? Das ist schön … über den Sinn dieses gesamten Leitbilds lässt sich natürlich grundsätzlich streiten und so richtig kann ich mit den vielen Seiten (noch) nichts anfangen … mal sehen wie darüber am Sonntag entschieden wird.
@all:
Viel interessanter ist ja auch das eigentliche Thema ADO in diesem Beitrag. Bis Sonntag sind noch ein paar Tage Zeit und vielleicht lassen sich bis dahin noch einige offene Fragen klären …
28. April 2010 - 22:21
Dazu eine Aufschlüsselung:
Unter den Informationen vom Schatzmeister” beim DSB enden leider die belastbaren Jahresabschlüsse 2006.
Nehmen wir mangels Besserem den dort abgelegten Plan 2008, so belaufen sich die Gesamteinnahmen auf € 938.350. Als Sportfördermittel des Bundes tauchen dort noch € 25.000 auf, in Wirklichkeit waren es offenbar, geht man von der Berichterstattung zur Doping-Rückzahlung aus, nur € 17.500. Allerdings sind vermutlich auch die Gesamteinnahmen geringer, da der Mitgliederschwund fortschreitet. Jedenfalls machen die Sportfördermittel des Bundes ca. 2% des Gesamtetats aus.
Die Rückzahlung wegen nicht existierender Dopingordnung beläuft sich auf ca. 0,3%= 3 Promille des Gesamtetats.
Auf ca. 1/6 kommt man, falls man noch die für Mittel für
-Sportdirektor DSB, Bundestrainer, Bundesnachwuchstrainer
-Kostenübernahme Aushilfe Wirtschaftsdienst GmbH
-Zuschuss der Sportjugend fürDSJ-Geschäftsführer
-Kostenerstattung ECU für Sekretariat und Aushilfen
-Zuschüsse BMI für FIDE-Trainer-Akademie Berlin (FTA Berlin)
-Zuschüsse BMI für Personal- und Verwaltungskosten des ECU-Sekretariats
hinzurechnet. Allerdings spielten diese Posten für das Bundesministerium des Innern keine Rolle bei der Zugrundelegung der Rückzahlungen 2008 wegen fehlender Dopingordnung; die Bezeichnung “Sportförderung” für die Gesamtsumme darf man daher wohl als sachlich falsch bewerten, sie ist aufgrund des Gesagten nur den Haushaltspositionen 2320 und 2321 zuzuordnen.
Die Vertreter des Landesverbandes bei den DSB-Kongressen sollten genauere Zahlen besitzen (warum die Infos der DSB-Homepage so veraltet sind, weiß ich nicht). Besondere Bedeutung für die Vereine dürfte die Verwendung der Anfang 2009 vorfristig vom NRW-Verband überwiesenen Beiträge an den DSB haben. Hier wäre zu klären, ob diese haushaltstechnisch nur eine bedeutungslose Fristverlagerung oder aber einen Kredit darstellen, ohne den der DSB Zahlungsverpflichtungen bis zum Kongress 2009 nicht hätte leisten können. Im letzteren Fall wäre zu erörtern, ob für den LSV MV die DSB-Mitgliedschaft angesichts drohender Insolvenz weiter vertretbar ist. Da der Präsident des LSV MV vor dem Kongress über diesen Sachverhalt informiert wurde, gehe ich davon aus, dass er hier auf Nachfrage Klarheit schaffen kann.
28. April 2010 - 23:03
@rank zero
Die Vereine oder Mitgieder hätten auch die Möglichkeit gehabt, vor zwei oder einem Jahr die Diskussion zu führen. Wir haben auf der HP des Verbandes rechtzeitig informiert, was auf der Mitgliederversammlung 2010 beschlossen werden soll. Fragestellungen wurde thematisiert und aufbereitet. Warum taucht der Bedarf auf Vertragseinsicht erst jetzt auf? Der Vertrag ist seit zwei Jahren bekannt.
Der DSB hat keine Insolvenzverschleppung oder eine drohende Insolvenz durchlebt. Die Rechnungsprüfer haben dieses auf dem Kongress 2009 eindeutig geklärt. Fakt ist, dass die Finanzen des DSB teilweise sehr knapp waren. Die NRW Gelder waren kein Kredit, sondern eine Fristverlagerung von Beiträgen um einem Monat. Ich denke, dass die Vermutung somit sich erledigt hat.
@rank zero
Was würde uns ein Austritt aus dem DSB bringen? Keine DWZ Auswertungen, Teilnahmen an DEMs, 2. BL, Pokal, Jugendmeisterschaften, Senioren DLMs uvm., Will das wirklich einer ernsthaft diskutieren?
Der NDR wird für das Nordmagazin berichten. Ich nehme an, dass der Beitrag gleich am Abend des 2. Mai um 19:30 Uhr zu sehen sein wird. Die FAZ ist auch auf die Diskussion aufmerksam geworden und überlegt ebenfalls an der Mitgliederversammlung teilzunehmen.
29. April 2010 - 06:29
@Niklas: Ich verstehe deine Einlassung überhaupt nicht und ich habe auch wenig Verständnis dafür.
1. Der Entwurf der Anti-Doping-Ordnung ist nicht seit zwei Jahren bekannt (mir jedenfalls nicht), sondern erst seit ein paar Wochen. Er wurde mit der Einladung zur Mitgliederversammlung verschickt. Ist es nicht normal, dass man dann darüber diskutiert? Warum sollte ein Diskussion jetzt nicht mehr zulässig sein?
2. Der Vertrag des DSB mit der NADA ist auch nicht seit zwei Jahren bekannt. Genauer gesagt: Er ist bis heute nicht bekannt. Wurde er veröffentlicht? Hast du ihn schon mal gesehen? Wann denn das erste Mal? Ich habe ihn überhaupt noch nicht gesehen.
Und ich interpretiere dich so, dass das auch so bleiben soll.3. Wenn du die einschlägigen Schachblogs (unter anderem dieses hier) und Schachforen verfolgen würdest, würdest du merken, dass das Thema Doping dort seit Jahren eine herausragende Rolle spielt. Den Schuh ziehe ich mir nicht an. Wenn man allerdings nur die DSB-Seite liest, sieht es natürlich anders aus.
Nochmals: Der Vertrag ist zentral. Du argumentierst damit. Das finanzielle Risiko für den Landesschachverband ist ein wichtiges Entscheidungskriterium und hängt damit zusammen, ob und inwieweit Dopingkontrollen rechtlich ausgeschlossen sind. Solche Dokumente den Mitgliedern des LSV und den Delegierten der MV nicht oder zu spät zugänglich zu machen, sollte nicht die Art eines demokratisch verfassten Schachverbandes sein.
Also: Wann sehe ich den Vertrag?
29. April 2010 - 08:21
@NR: Danke. Zum DSB: Natürlich steht das Thema, ob eine Zukunft mit dem DSB möglich ist, auf der mittelfristigen Tagesordnung – nicht umsonst haben die Bayern ja schon detailliert darüber nachgedacht. Für den LSV MV stellt sich die Frage, wie weit man sich organisatorisch und finanziell in Geiselhaft begeben möchte. Organisatorisch zeigt die aktuelle Debatte den Schaden auf: Obwohl sachlich nicht begründet (s. Stefans Erläuterungen zum NADA-Code), sind Extremordnungen von oben an die Landesverbände durchgereicht worden. Das geht bis zu den (noch zu klärenden) Absprachen und Vorgaben zu Satzungsänderungen in den Ländern, die offensichtlich in der Kompetenz der Mitglieder liegen. Finanziell hat der DSB seine Glaubwürdigkeit verspielt: Obwohl der Mitgliederschwund seit Jahren absehbar und kontinuierlich verläuft, fehlen entsprechende Konsequenzen auf der Ausgabenseite. Statt dessen gibt es immer wieder Luftschlösser und gebrochene Zusagen (ich erinnere nur an den Olympiazuschlag), die nur durch Beitragserhöhungen kompensiert werden können. Natürlich betrifft uns das.
Inhaltlich bringt die Antwort die Sache auf den Punkt: Wir sind in MV interessiert an einem funktionierenden Wertzahlsystem im DSB und einem effektiven überregionalen Spielsystem. Mehr nicht. Unsere Vertreter sollten also darauf hinwirken, dass sich der Schachbund auf diese Aufgaben konzentriert (gegenwärtig wird die übergroße Menge der Ressourcen nicht in diesem Sinne verwendet). Wenn mittelfristig die Entwicklung nicht in diese Richtung verläuft, muss man auch darüber nachdenken, wie sinnvoll die Mitgliedschaft für uns ist. Und damit diese Diskussion nicht endlos läuft (sie ist inhaltlich sehr alt) muss man eben Termine setzen – sagen wir, vier Jahre, dann überprüft man, in welche Richtung sich der Verband in dieser Zeit entwickelt hat, und entscheidet (bis dahin kann man prüfen /strukturieren, ob DWZ und Spielsystem auch im Rahmen von Kooperationen außerhalb der Mitgliedschaft realisierbar sind; DWZ-Verwaltung etwa erfolgt verteilt, da muss man eben nur die Beiträge für DWZ-Referenten und die zentrale Datenbank klären).
Gerade in der Frage der Dopingordnungen sieht man, was passiert, wenn der DSB einen Blankoscheck hat (oder sich jedenfalls so verhält).
Wir können uns hier im Post aber auch die Frage DSB ausklammern (wäre mir im Sinne der Konzentration lieber) und einfach davon ausgehen, dass der Vorstand diverse Satzungsänderungen und eine neue Ordnung vorgelegt hat, deren Auswirkungen auf den Landesverband weitreichend sind. Man müsste dann eben nur darauf verzichten, sich immer darauf zurückzuziehen, dass ja wegen des DSB-Vertrags alles nicht so schlimm wird – eines Vertrags, dessen Gestaltung sich zumindest künftig außerhalb unseres Einflusses befindet.
29. April 2010 - 12:25
1. Die Berichte über die zunehmende Anzahl von Menschen, die Drogen einnehmen, um von außen oder an sich selbst gestellten Anforderungen zu genügen, erschrecken mich. Ich begrüße dazu geleistete Aufklärungsarbeit, auch von Schachvereinen oder -verbänden. Einer Zunahme selbstzerstörerischen Handelns muss nicht tatenlos zugesehen werden. Auch der LSV MV mag sich hierzu öffentlich erklären.
2. Ein leistungssteigernder Einfluss von Drogen auf das Wettkampfschach ist bisher nicht nachgewiesen. Natürlich gibt es gute Gründe für eine solche Vermutung. In dieser Diskussion wurde aber auch auf eine gegenteilige praktische Beobachtung im Zusammenhang mit der Einnahme von Betablockern vor einer Turnierpartie hingewiesen, ebenso auf Beobachtungen an Prüfungskandidaten für das Fach Mathematik unter dem Einfluss von Ritalin. Wir wissen es nicht. Unwissen ist eine gute Grundlage für wilde Spekulationen und lebhaften Austausch von Unterstellungen, nicht jedoch für sachlich begründete Enscheidungen.
Der hessische LSV hat daraus den richtigen Schluss gezogen, dass wissenschaftlicher Klärungsbedarf besteht. Ich würde mir wünschen, dass unser Verband in MV diese Enscheidung aus Hessen ausdrücklich begrüßt und die Entscheidung über ADO und entsprechende Satzngsänderung vertagt, bis die dortigen Ergebnisse vorliegen.
3. Ich vermag nicht zu beurteilen, wie es im Bereich der höhere Spielstärken ist. Was den Bereich meiner Spielstärke angeht, untere Hälfte Landesligamannschaft M-V, halte ich es für wesentlich einfacher, durch andere unfaire Methoden, wie Hinweise von Zuschauern, Blick ins Buch oder den Computer während der Partie zu betrügen als durch die Einnahme von Drogen.
Da die Kontrolle der WCs während der Partie, eine laufende technische Überwachung des Turniersaals auf elektronische Geräte oder ähnliches, von niemandem ernsthaft in Betracht gezogen wird, halte ich die Durchführung von Dopingkontrollen zumindest ab Landesliga abwärts für völlig unverhältnismäßig. Es sollten deshalb auch keine Regelungen eingeführt werden, die für die Zukunft die Einführung solcher Kontrollen ermöglichen.
Auf der anderen Seite besteht, je mehr es im Bereich höherer Spielstärken um Geld geht, auch der zukünfige Gewinn zahlungskräftigerer Sponsoren wäre ja kein unvernünftiges Ziel, ein nachvollziehbares Interesse sich hier den international üblichen Maßstäben der Dopingkontrolle zu unterwerfen. Den Inhalt dieser international üblichen Regeln wird der LSV MV kaum beeinflussen können.
Ich hielte es für sinnvoll, gründlich zu erwägen, wo die Grenze gezogen werden kann, um den besonderen Erfordernissen der Breite und der Spitze gerecht zu werden. Es sollte möglich sein, hier einen Kompromiss zu finden, der sachlich begründet und nach außen vertreten werden kann.
29. April 2010 - 17:09
Danke für den ausgewogenen Kommentar, Martin!
Genau so sehe ich das auch und füge hinzu, dass es eine Übergangsregelung geben sollte, wie ich sie schon vorschlug (a la: Der LSVMV behält sich vor, auf höherer Ebene ausgesprochene Sperren für die eigenen Turniere zu übernehmen).
Und dann eben Wiedervorlage 2014 (oh, das schrieb ich auch schon so ähnlich). Wäre es nicht schön, wenn sich bei der Polarisierung, die diese Diskussion bisweilen erfährt, ein gemäßigter Standpunkt durchsetzte? Manchmal sind die Kompromisse optimal, bei denen alle Beteiligten gleichermaßen unzufrieden nach Hause gehen.
29. April 2010 - 19:34
@Losso: Ich bin ja der Meinung, dass ich einen gemäßigten Standpunkt vertrete und die Befürworter der Anti-Doping-Ordnung einen radikalen Standpunkt. Ich halte es für normal, dass der Landesschachverband die Persönlichkeitsrechte (wir reden hier von Grundrechten!) seiner Mitglieder wahrt und schützt und nicht unnötig darin eingreift. Erst recht, wenn es um die Rechte von kranken Menschen und Kindern geht.
Kein Arbeitgeber darf nach Erkrankungen seiner Arbeitnehmer fragen (von engen Ausnahmen abgesehen, zum Beispiel Hauterkrankungen bei Laboranten u.ä.). Aber der Landesschachverband darf verlangen, dass ein Bezirksligaspieler seine Erkrankungen und Medikamente offenlegt? Ein Kind mit ADHS muss seine Ritalinverordnung bei jedem Schach-Wettkampf mitführen und auf Verlangen vorzeigen? Die Eltern müssen damit einverstanden sein? Die Eltern müssen damit einverstanden sein, dass ein Kontrolleur ihr Kind beim Urinieren beobachtet? Dazu nach eigenem Ermessen eine dritte Person zuziehen darf, auch gegen den Willen des Kindes? Die Jugendtrainer müssen darüber belehren? Hier geht jedes Maß verloren.
Ich bin mir einigermaßen sicher, dass die ADO in ihrer jetzigen Form gegen höherrangiges Recht verstößt. Nicht umsonst schließt der DSB (der sie vollziehen soll) für Streitigkeiten darüber den ordentlichen Rechtsweg aus. Warum eigentlich?
Es ist nicht so, dass ich nicht kompromissbereit wäre. Ich könnte damit leben, wenn die ADO den Athletenbegriff im Sinne des NADA-Codes definieren würde, also auf Nationalspieler und Teilnehmer an Deutschen Meisterschaften beschränken. Dieser Personenkreis unterliegt ja ohnehin der DSB-Gesetzgebung. Einen Kompromissvorschlag des Präsidiums habe ich noch nicht gehört.
29. April 2010 - 21:57
der Kompromissvorschlag klingt sinnvoll, auch an anderer Stelle hast du eine gemäßigte Position vertreten, die man aufgreifen kann. Das Präsidium kann allerdings (noch) keinen eigenen Kompromissvorschlag anbieten, dazu müsste man so etwas erst mal besprechen. Alleingänge einzelner Personen wären da nicht so gut, insofern ist dies nur meine persönliche Meinung
30. April 2010 - 00:05
Der Kompromissvorschlag des LSV
E-Mail vom 29.04.2010 um 15:17 Uhr an alle Vereine des LSV M-V
Nachdem Niklas und ich mit dem LSB und dem DSB gesprochen haben, besteht für uns diese Möglichkeit, die aus meiner ganz persönlichen Sicht aufgrund der begrenzten Zeit, die uns zur Verfügung stand, nicht endgültig ausgereift, aber ersteinmal ausreichend ist. Ich hoffe, dass dies im Interesse der Schachfreunde unseres Landes ist.
30. April 2010 - 10:17
Aktualisierung: Niklas hat mir inzwischen per Mail den Vertrag zwischen der NADA und dem DSB übermittelt, der ihm offenbar per Post (!) geschickt worden war. Letzteres wusste ich nicht. Ich nehme deshalb den Vorwurf zurück, dass mir dieser Vertrag vorenthalten werden sollte und entschuldige mich dafür.
Bis jetzt weiß ich nicht, ob ich aus dem Vertrag zitieren darf. Zu der neuen Entwicklung schreibe ich noch heute einen neuen Eintrag, sobald ich die Unterlagen gesichtet habe. Nach allem, was ich bis jetzt gelesen habe, fürchte ich aber, dass sich in der Sache nichts geändert hat.
30. April 2010 - 10:34
Folgendes ist vielleicht noch von Interesse: Vor kurzem fand der Kongress 2010 des LV NRW statt. Bei der Suche nach dem Protokoll dieser Versammlung fand ich nur das vom Kongress 2009 und musste feststellen, dass die entsprechende Satzungsänderung zum Thema Anti-Doping damals schon vollzogen worden war [war mir bis dato nicht bewusst]. (Widerspruch war aus dem Verband des neuen Vizepräsidenten DSB wohl auch nicht zu erwarten.) Allerdings muss man auch sagen, dass die Änderung in NRW mehr deklaratorischer Natur ist. Näheres ist hier (pdf) nachzulesen (letzte Seite). Eine eigene ADO scheint man sich verkniffen zu haben.
30. April 2010 - 11:09
Vor allem hat man die ADO des DSB nicht für den LSV NRW für anwendbar erklärt — wie es hier geschehen soll. Der Satz in NRW ist reine Programmlyrik ohne jede rechtliche Bedeutung. Wenn das alles ist, was in NRW verabschiedet worden ist, gibt es auf Landesebene kein Anti-Doping-Regelwerk. Überhaupt fällt auf, dass die anderen Landesverbände sehr zögerlich agieren, wenn es darum geht, ihre lokale ADO zu veröffentlichen…
1. Mai 2010 - 08:40
Zur aktuellen Entwicklung und zu dem jetzt vorgelegten Vertrag habe ich in diesem Artikel etwas geschrieben.
1. Mai 2010 - 11:26
Zur Lage in den anderen Landesschachverbänden ist hier eine Aufstellung, die jedenfalls deutlich macht, dass die strikte Politik von Niklas und Paul im Vergleich der Landesverbände eher die Ausnahme ist.
1. Mai 2010 - 11:28
Hier ist eine vorläufige Bilanz unserer Diskussion.