Vor der Theorie-Sektion noch eine weitere spektakuläre Partie mit dem Breyer-Gambit. Etwas neuer und auch etwas kürzer. Auf der weißen Seite ein alter Freund unorthodoxer Eröffnungen, der vom Hamburger Großmeister sehr solide ausgekontert wird.

Welling 2376
Gustafsson 2535
C33 Königsgambit
Dresden, 30.07.2001

1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Df3 Sc6 4.Se2
Ein Versuch, die Hauptvariante nach 4.c3 zu umgehen.
4…d5 5.exd5 Sb4
Legt den Finger in die weiße Wunde – den Punkt c2. ECO gibt 5…Se5 6.De4 Ld6 7.Sxf4 Sf6 8.Da4+ Ld7 9.Db3 0–0 10.d4 Sg6 11.Se2 Te8 12.Sbc3 Se4 (Fazekas-Gligoric 1957) mit schwarzem Vorteil an.
6.Sxf4
Sehr scharf. 6.Sa3 Sxd5 (6…Dxd5 7.Sxf4 Dxf3 8.gxf3 Lf5) 7.Sxf4 Sxf4 8.Dxf4 Ld6 schlägt John Emms vor, „wahrscheinlich mit schwarzem Vorteil.“ Tatsächlich steht Schwarz etwas freier, bei genauem Spiel dürfte Weiß aber das Gleichgewicht wahren können.
6…Sf6
Gustafsson nimmt den Turm nicht. Nach 6…Sxc2+ 7.Kd1 Sxa1 entstehen wilde Varianten, nur einige Beispiele: 8.Lb5+ Ld7 9.Se6 Sehr effektvoll, aber wahrscheinlich nicht ausreichend. (9.Te1+ Se7 10.Se6 Dc8 11.Tf1 f6 (11…f5 12.Lxd7+ Dxd7 13.b3 und Weiß bleibt mit einer Minusqualität übrig.) 12.Dh5+ g6 13.Lxd7+ Dxd7 14.Df3 f5 15.b3 Kf7 16.Lb2 Sxd5 17.Lxh8 Dxe6 18.Te1 Dd7 19.Lxa1 und nach langer Abwicklung Mehrbauer für Schwarz) 9…Df6 10.Lxd7+ Kxd7 11.Sxf8+ Txf8 Weiß kann zwar noch den Springer a1 abholen, bleibt aber langfristig im Nachteil.
7.Sc3
Überreizt die Stellung endgültig. Es war die letzte Gelegenheit für 7.Sa3 De7+ (7…Sbxd5 8.Sxd5 Sxd5 9.Le2 Ausgleich) 8.Le2 Lg4 9.d6 Dxe2+ 10.Kxe2 Lxf3+ 11.Kxf3 Lxd6 und Schwarz steht bequemer.
7…De7+
Schwarz sieht bereits das Ende. Welling spekulierte vielleicht auf das Damenopfer 7…Sxc2+ 8.Kd1 Lg4 9.Dxg4 Sxg4 10.Kxc2 Ld6, wenngleich die beiden Leichtfiguren keinen ausreichenden Ersatz für die Dame bieten.
8.Kf2
8.Kd1 Lg4
8…Sg4+

wellinggustafsson.jpg

Und schon Aufgabe! Nicht zu früh, 9.Kg3 trifft auf 9…De1+, 9.Kg1 verliert nach 9…Dc5+.

Eine imposante Kurzpartie, vor allem, wenn man davon ausgehen muss, dass Schwarz alles am Brett finden musste, während Weiß sicher vorbereitet war.
0–1

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Edit: Kommentar von Ian Rogers