Fernschachspieler haben spezifische Probleme. Die Fernschachpost 1/2006 würdigt den norwegischen Fernschachweltmeister Ivar Bern und wirft die Frage auf,

ob Ivar Bern nun aber wirklich der 17. Weltmeister ist. Da diese Weltmeisterschaft per Postkarte ausgetragen wurde, ist die später gestartete 18. WM dank der schnelleren Zugübermittlung per E-Mail bereits beendet und wurde von Joop van Oosterom gewonnen. Ist Ivar Bern deshalb der 18. Weltmeister und wenn er der 17. ist, müsste er dann schon als Exweltmeister gelten, da mit Joop van Oosterum der 18. bereits feststeht?

Auch in anderer Hinsicht gibt es Unterschiede zum Nahschach. Ivar Bern ist Gitarrist der Rockband „The Swamp Babies„. Dem haben wir lediglich Wassili Smyslow entgegenzusetzen, der als hervorragender Bariton gilt und nach eigenen Angaben lieber Sänger als Schachspieler geworden wäre.

Höhepunkt des Heftes war für mich allerdings die vom Sieger eigenhändig kommentierte Partie Schwetlick – Hirsch (Länderkampf Deutschland – Österreich, 2003). Wir bringen hier nur die Notation. In dieser Stellung (D) folgte 22.Lxh6! gxh6 23.Dxh6+ Kg8 24.d4!! cxd4 25.Lf1 La6 26.Txa4 Lxf1 27.Txa8 Dxa8 (D) 28.Te4!! Scxe5 29.Sfxe5 Sxe5 30.Txe5 Dd8 31.Kxf1 dxc3 32.bxc3 Te8 33.Df4 Tf8 34.Kg1 Kh7 35.Dh6+ Kg8 36.Kh2 1-0

Fabelhaft schließlich auch, wie Wolfram Schön eine eigene Partie aus der 18. Weltmeisterschaft kommentiert. Er verzichtet nahezu komplett auf die Angabe von Varianten und konzentriert sich auf die Beschreibung der verborgen gebliebenen und zu Tage getretenen strategischen Ideen. Hier gibt es viel über die Stellungsbilder zu lernen, die in der Breyer-Variante der Spanischen Partie (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sb8) entstehen. Stoff genug auch für Nur-Nahschachspieler wie mich.