Woher kommts, daß sogar im sittlich wie architektonisch unterhöhlten Paris die Weiber eine Heloise, eine Attala, eine Valerie, worin nur Liebe des Herzens spielt und flammt, so begierig wie Liebebriefe lasen? Weiber, sogar alte, und Jünglinge verschlingen solche Werke; indes ältere Männer sich lieber von Werken entgegengesetzter Art verschlingen lassen. Warum verwundern Männer und Weiber sich über eine weibliche Niederlage, aber nicht über eine männliche? Der letzten scheint demnach der Reiz der Überraschung abzugehen? – Ferner: wie im streng gespielten Schach der, welcher den ersten Zug tut, oder im Kriege der, welcher angreift, gewinnt, so müssen wohl die Weiber, als der angefallene Teil, erliegen. Aber wer greift uns an als wir uns selber? Und wer ist schuldiger, die Schlange auf dem Baum, oder Eva unter dem Baum? – Und wie klein und vergänglich ist der Preis, um welchen wir oft das ganze Glück eines weiblichen Lebens verkaufen, so wie etwa Xerxes Griechenland mit Krieg überzog, weil er gern attische Feigen käuen wollte.

Jean Paul: Levana oder Erziehlehre (1807)