Ich habe zu Hause das Schachspielen gelernt. Mein Vater und mein Bruder zeigten mir die Züge. Meine Eltern hatten ein Holzbrett, das man zuklappen konnte. Darinnen waren spröde Plastefiguren. Die Kronen der Könige waren bald abgebrochen, ein weißer Läufer musste geklebt werden. Die Filzplättchen, auf denen die Figuren standen, hatte ich schnell abgerissen, so dass jeder Zug ein lautes Klacken verursachte. In den Kasten waren mit schwungvoller kyrillischer Schrift ausladende Grüße geschrieben. Das Schachspiel war ein Geschenk von russischen Bekannten aus Riga. Ich habe bestimmt mehrere Tausend Partien mit diesem Schachspiel gespielt. Gelernt habe ich Schach mit dem einzigen Schachbuch im Hause – Maiselis und Judowitsch: Lehrbuch des Schachspiels. Jetzt fällt es fast auseinander. Es dauerte ziemlich lange, bis ich besser als mein Vater wurde. Neulich habe ich diese Notation gefunden. Damals war ich 11 Jahre alt.

Leberecht Kalhorn – Stefan Kalhorn
Barth, 16.05.1982
B06 Pirc-Verteidigung

1.e4 g6 2.h3 d6 3.g4 Lg7 4.Lg2 Sf6 5.Sf3 c6 6.Sc3 Sbd7 7.d4 0–0 8.0–0 Dc7 9.d5 c5 10.Lf4 a6 11.e5 dxe5 12.Lg3 b5 13.Te1 Se8 14.a3 Lb7 15.De2 Td8 16.Tad1 (D)

Dd6 17.Lxe5 Sxe5 18.Sxe5 Lxe5 19.Dxe5 Dxe5 20.Txe5 Td7 21.a4 Sd6 22.axb5 axb5 23.Se4 Sxe4 24.Lxe4 e6 25.d6 Lxe4 26.Txe4 Tfd8 27.Te5 Txd6 28.Txd6 Txd6 29.Txc5 Td5 30.Txd5 exd5 31.b3 Kf8 32.Kf1 Ke7 33.Ke2 Kd6 34.Kd3 Kc5 35.c3 b4 36.cxb4+ Kxb4 37.Kd4 Kxb3 38.Kxd5 Kc3 39.Ke4 Kc4 40.f4 f6 41.h4 Kc5 42.h5 Kd6 43.hxg6 hxg6 44.f5 g5 ½-½

Natürlich ist die Partie voller Fehler. Im Nachhinein wundere ich mich, woher der Antrieb kam, mit dem Schach weiterzumachen, trotzdem ich so wenig davon verstand. Doch obwohl … ich spiele ja immer noch.