Er holte wie in alten Zeiten das verschrammte Wachstuchschachbrett und die Figuren im abgeschundenen Kästchen, nahm einen weißen Bauern in eine Hand, einen schwarzen in die andere, überkreuzte dann die Fäuste, Johannes schlug wie früher fast automatisch drauf: — Stell auf. Zwei alte Freunde beim Schach. Dreißig Jahre alte Witze werden gerissen, Johannes wußte, daß Konrad die lange Rochade bevorzugte und damit noch selten zu Stuhle gekommen war, andererseits hatte er das Kieseritzki-Gambit nie richtig studiert: Also gewaltiges Gewürge am Brett, sogar Lachen.

Wolf Klaußner: Lebensläufe (2000)