Die Zeitschrift Schach aus Berlin ist sicherlich eines der wenigen Beispiele, in denen ein ostdeutsches Produkt gesamtdeutscher „Marktführer“ geworden ist. Für meinen Geschmack bringt Arkadij Naiditsch im Fragebogen von Schach 12/05 en passant das Problem der Zeitung auf den Punkt, wenn er schreibt:

Meines Erachtens wird zu viel über die Weltmeisterschaft geschrieben. Es wäre schön, wenn auch das „kleine“ Schach mehr an die Öffentlichkeit dringen könnte. Ich denke, für viele Hobby-Schachspieler wäre es interessant, nicht nur über Top-Großmeister zu lesen, sondern auch über andere und ihre Gedanken über das Schachspiel.

Und in der Tat blickt die Nummer 12 auch ein wenig jenseits des Mainstream. Raj Tischbierek berichtet über die Eröffnung des Lasker-Museums und Michael Negele rezensiert gleich vier schachhistorische Bücher. Dabei hebt er vor allem die Neuauflage von Nimzowitschs „Mein System“ (Rattmann Ludwigshafen, 2005) hervor. Innerhalb der Berichterstattung über die Bundesliga

stellt Dirk Poldauf die Frage, „ob es noch unter die Rubrik Schach falle, wenn zwei Großmeister auf Teufel komm’ raus eine tote Remisstellung (Diagramm: Movsesian – Kindermann) weiterzocken und nicht mehr schachliche Fähigkeiten, sondern reine Hebelverhältnisse beim Blitzen entscheiden“ würden. In diesem Falle führte das Weiterspielen immerhin schon zwanzig Züge später zum vollen Punkt und zum Unentschieden in der Gesamtwertung des Mannschaftskampfes. Ich weiß nicht, wie ich mich in einer solchen Lage bei einem Rückstand von 3-4 verhalten würde. Auch ohne Siegprämie.