Ich fühlte mich an meine Zeiten bei Waterkant Saal zurückversetzt, als ich Hannes‘ Bericht über das Auswärtsspiel bei Ludwigslust las:

Drei von uns waren umsonst aufgestanden, nämlich Christian, Slawo und Vladimir.

Ich kenne das Gefühl. Am Sonntagmorgen um sechs Uhr aufstehen, zum Kampf fahren und feststellen, dass der Gegner das Brett freigelassen hat. Es gibt keine bessere Methode, um sich den Sonntag zu verderben. Bei Saal ging es meistens darum, die Spitzenbretter Völschow und Kalhorn ins Leere laufen zu lassen („Da holen wir sowieso nichts.“) — wir hatten eine ziemlich große Spielstärke-Streuung in der Mannschaft. Bei Ludwigslust ging es offensichtlich darum, die 2. Mannschaft möglichst stark zu machen. In meinen Augen ist das doppelte Wettbewerbsverzerrung — in der 1. Landesliga und in der 2. Landesliga. Das gleiche Spiel gab es übrigens auch in der ersten Runde, da trat Lundwigslust I mit fünf Leuten bei Uni Rostock an, während die 2. Mannschaft zu acht bei Einheit Schwerin spielte. Doch damals hatten die drei betroffenen Rostocker wenigstens die Möglichkeit, nach einer Stunde nach Hause zu gehen.

Die Turnierordnung erlaubt ein solches Verhalten. Für jedes freigelassene Brett sind 15 EUR an den Landesschachverband zu zahlen. Die Fahrtkosten für das zweite Auto wird uns wohl niemand ersetzen.