Vom Brett- und Schachspil. Es ist bei den erleuchten und hohen Personen in Gothen und Schweden der Brauch, daß, wann sie ihre Töchter in ehrliche Ehe verheiraten wöllen, sie die Gemüter der jungen Gesellen, die umb sie werben, auff seltzame und wunderbarliche Art versuchen und erkundigen, insonderheyt aber in dem Brettspil oder Schachspil. Dann in disem Spil lasset sich gemeynlich Zorn, Lieb, Mutwil, Geitz, Faulkheyt, Zaghafftigkeyt und andere Untugende des Gemütes, deßgleichen auch das Glück, wie günstig oder ungünstig es dem Menschen sei, sehen. Derohalben haben sie auff solches acht und ob er eyn beuerisch Gemüt habe und sich unbescheydenlich vor der Zeit des Sigs berühme, ob er seinen Schaden und die Schmach mit Fürsichtigkeyt dulden oder mit Bescheydenheyt abwenden und fürkommen könne.

Olaus Magnus: Historia de gentibus septentrionalibus (1555)