Wer die Schönheit von Schachpartien würdigen will, braucht aber Grundkenntnisse des Spiels. Musik ist da oft eingängiger – allerdings nicht die Zwölftonkunst Arnold Schönbergs. Auch Schönberg war schachbegeistert. Er erdachte sogar ein eigenes Spiel, das Koalitionsschach, dessen Brett und Figuren er selber herstellte. Er erweiterte das Spielfeld auf zehn mal zehn Felder, und als Reaktion auf die Kriegsführung im Ersten Weltkrieg schuf er drei neue Figuren: Das U-Boot, das die Gangart von Dame und Springer in sich vereint, das Maschinengewehr, eine Kombination aus Bauer und König, und den Flieger, der eine doppelte Springerbewegung ausführen kann. Außerdem gab es nicht mehr zwei Parteien, sondern vier, zwei Großmächte und zwei Kleinmächte, die zu Beginn des Spiels Koalitionen miteinander eingehen konnten. Beim großen Publikum kam Schönbergs Schach noch schlechter an als seine Zwölftönerei.

Johannes Fischer über die Ausstellung “Schach und Musik” der Emanuel-Lasker-Gesellschaft (DIE ZEIT, 30.07.2006)