Schach ist immer auch das Streben nach Schönheit, wobei man sicher schnell Einigkeit darüber erzielen kann, dass meine keine Einigkeit darüber erzielen kann, was Schönheit im Schach ist. Mancher wird ein Feuerwerk an Kombinationen als schön empfinden, andere eine staubtrockene stringente Positionspartie, wieder andere einen Kampf mit Wendepunkten. Christian Hesse widmet dem Thema ein ganzes Kapitel in seinem Buch „Expeditionen in die Schachwelt“ und referiert eine psychologische Studie von Margulies (1977), wonach es fünf Grundprinzipien schachlicher Schönheit gibt:

1) Verletzung üblicher Maximen der Zugfindung
2) Einsatz der schwächstmöglichen Figur
3) Verwendung des größeren Teils der Stärke
der eingesetzten Figur
4) Verwendung der kleinstmöglichen Zahl beteiligter Figuren
5) Vermeidung von Stereotypen.

Allerdings scheinen mir diese Maßstäbe eher für den Versuch geeignet, die Schönheit einer Kombination zu verobjektivieren, denn die Schönheit einer ganzen Partie.

Der Schachbundesliga e.V. sucht die schönste Partie der abgelaufenen Saison 2006/07 und hat dafür die folgenden zehn Partien nominiert:

David Navara – Sergey Erenburg
Vishy Anand – Bartek Macieja
Loek van Wely – Etienne Bacrot
Curt Hansen – Gerald Hertneck
Viktor Laznicka – Gabriel Sargissian
Alexander Motylev – Christopher Lutz
Michael Richter – Gerald Hertneck
Stephan Berndt – Jiri Stocek
Florian Handke – Alexander Graf
Viktor Laznicka – Luke McShane

Wer mitmachen will, kann die Partien dort oder unter nachfolgendem Link nachspielen. Ich wäre auf euer Urteil gespannt.

nominierte Partien nachspielen