Es wird nicht verwundern, dass meine Sympathien beim Kandidatenfinale Topalov-Kamsky beim amerikanischen Comeback-Kid liegen. Immerhin hat er wenigstens eine Qualifikation für diesen Wettkampf gespielt. Wobei man natürlich zugeben muss, dass Topalov in seiner jetzigen Verfassung sportlich ein würdiger Herausforderer Anands wäre. Aber bis heute lief der Wettkampf nicht schlecht für Kamsky, mit Schwarz hält das Grünfeld-Indisch und mit Weiß durfte er in der 4. Partie demonstrieren, dass er Topalov in Sachen Spielverständnis und Technik nicht unterlegen ist. Heute wich Topalov auf 1.e4 aus und Kamsky überraschte mit Französisch. Nach dem 35. Zug von Weiß stand diese Stellung auf dem Brett.

topalovkamsky

Schwarz hatte dem weißen Druck gegen den isolierten d-Bauern gut standgehalten und musste jetzt einfach nur geduldig sein. Stattdessen kam rasch
35…Sb4??
Verständlich, dass Kamsky die Stellung endgültig ausgleichen will, aber ein unglaublicher Patzer. Die spacige Computervariante 35…f5 36.Dxf5 Se7 37.Te6 Dxg3+ 38.fxg3 Txc2+ 39.Df2 Txf2+ 40.Kxf2 muss kein Mensch sehen, aber Schwarz war weiter auf passives Abwarten angewiesen. Topalov zog sehr schnell
36.Sxb4
und in der Videoübertragung war ein bedauernswerter Kamsky zu sehen, der sichtlich um Fassung rang. Schach kann ein sehr tragisches Spiel sein.
36…axb4 37.Txd4! Df8
37…Dxd4 38.Txc7 Tf8 war sicherlich zäher, aber langfristig bestimmt ebenfalls verloren. Weiß stellt seinen Turm nach a4 und holt den b-Bauern auch noch ab. Jetzt ging Topalov nach
38.Txd8 Dxd8 39.Txc7 Dxc7 40.Da8+ Kh7 41.De4+ Kg8 42.Dxb4
in ein Damenendspiel mit zwei Mehrbauern über. Schwarz hatte kein Dauerschach.

Ich glaube nicht, dass sich Kamsky von diesem Schock in den letzten drei Partien noch erholen wird.