GQ
Sie sag­ten ein­mal, Schach sei der bru­tals­te Sport überhaupt.
KASPAROW
Ja, denn im Schach zu ver­lie­ren bedeu­tet, dass man see­lisch gede­mü­tigt wird. Es ernied­rigt einen mehr, als Box­hie­be zu kassieren.
GQ
Waren Sie als bes­ter Spie­ler auch der brutalste?
KASPAROW
Ich pfleg­te einen aggres­si­ven, dyna­mi­schen Stil.
GQ
Ist alles erlaubt, um zu gewinnen?
KASPAROW
Im Schach? Ja. Dort gibt es kei­ne Moral. Es ist nur ein Spiel, das kei­ne Aus­wir­kun­gen über das Brett hin­aus hat. Aber in der Poli­tik geht es um mensch­li­ches Leben. Dort kann nicht jedes Mit­tel recht sein. Man darf nur ethi­sche Ent­schei­dun­gen treffen.

Gar­ri Kas­parow in der April­aus­ga­be der Zeit­schrift „GQ“