Schachblätter

Ein paar Bemerkungen zum Fall Natsidis

Das Prä­si­di­um des Deut­schen Schach­bun­des hat in sei­ner Sit­zung vom 30. Juli 2011 fol­gen­de Ent­schei­dun­gen gegen Chris­toph Nats­idis getroffen:

Die vom Bun­des­tur­nier­di­rek­tor Ralph Alt gegen Chris­toph Nats­idis aus­ge­spro­che­ne zwei­jäh­ri­ge Sper­re vom 06.07.2011 bis ein­schließ­lich zum 05.07.2013 wird voll umfäng­lich aner­kannt und damit zugleich vom DSB rechts­wirk­sam verhängt.

Die auf der 82. DEM von Chris­toph Nats­idis erziel­ten Ergeb­nis­se wer­den annul­liert. Alle von ihm gespiel­ten Par­tien wer­den für ihn als ver­lo­ren und für sei­nen jewei­li­gen Geg­ner als gewon­nen gewer­tet. Die DWZ-Aus­wer­tung wird ent­spre­chend vorgenommen.

Chris­toph Nats­idis wird im gesam­ten Zeit­raum der gegen ihn ver­häng­ten Sper­re nicht in der DWZ-Daten­bank geführt. Par­tien, an denen Chris­toph Nats­idis im Zeit­raum sei­ner Sper­re betei­ligt ist, wer­den nicht aus­ge­wer­tet. Mit Ablauf der Sper­re wird die Wer­tungs­zahl von Chris­toph Nats­idis reaktiviert.

Dazu eini­ge Bemerkungen:

1. Zunächst fällt die Unsi­cher­heit hin­sicht­lich der Zustän­dig­keit auf. Wer darf Sank­tio­nen eigent­lich ver­hän­gen? War­um die­se selt­sa­me Dop­pe­lung – der Tur­nier­di­rek­tor ent­schei­det über eine Sank­ti­on und das Prä­si­di­um »anerkennt« die­se und »verhängt [sie] damit zugleich rechtswirksam«?

Auf den ers­ten Blick ist der Fall klar gere­gelt. Der Bun­des­tur­nier­di­rek­tor darf Spiel­sper­ren bis zu zwei Jah­ren ver­hän­gen (Zif­fer A‑11.1.3 Buch­sta­be b der Tur­nier­ord­nung des DSB). Das hat er getan und dabei hät­te es dann eigent­lich auch blei­ben kön­nen. Auf den zwei­ten Blick ist die Sache nicht mehr so klar. Die Tur­nier­ord­nung steht in die­sem Punkt näm­lich in Wider­spruch zur Sat­zung des Deut­schen Schach­bun­des. In § 61 der Sat­zung des DSB heißt es:

Die den Spiel­be­trieb regeln­den Ord­nun­gen des Bun­des und der DSJ kön­nen bei Ver­stö­ßen fol­gen­de Maß­nah­men vorsehen:
(…)
3. für das zustän­di­ge Mit­glied des Prä­si­di­ums oder des Vor­stands der DSJ über Nr. 1 und 2 hinaus:
(…)
b) Spiel­sper­ren für die Dau­er von bis zu zwei Jahren

Mit ande­ren Wor­ten. Die Sat­zung des DSB als höher­ran­gi­ges Recht lässt in der Tur­nier­ord­nung nur Rege­lun­gen zu, die die Aus­spra­che von Spiel­sper­ren einem Prä­si­di­ums­mit­glied vor­be­hal­ten. Der Bun­des­tur­nier­di­rek­tor ist aber kein Prä­si­di­ums­mit­glied. Die Tur­nier­ord­nung ver­stößt inso­weit gegen die Sat­zung und ist unwirk­sam. Der Bun­des­tur­nier­di­rek­tor durf­te eine Spiel­sper­re nicht ver­hän­gen. Das Prä­si­di­um kann das (§ 26 Absatz 1 Num­mer 9 und § 55 Absatz 2 Num­mer 5 der Sat­zung des DSB).

2. Die Wer­tung der bei der Deut­schen Meis­ter­schaft von Chris­toph Nad­si­tis gespiel­ten Par­tien als ver­lo­ren ist von der Tur­nier­ord­nung gedeckt, liegt aller­dings wohl nicht in der Zustän­dig­keit des Prä­si­di­ums. Das Prä­si­di­um darf in mei­nen Augen nur über die in § 55 Absatz 2 der Sat­zung des DSB genann­ten Sank­tio­nen ent­schei­den, die Wer­tung von Par­tien als ver­lo­ren gehört nicht dazu. Auf Ver­lust der Par­tie erken­nen darf nach § 61 Num­mer 1 Buch­sta­be f der Sat­zung des DSB und Zif­fer A‑11.1.1 Buch­sta­be f der Tur­nier­ord­nung nur der Schieds­rich­ter, ersatz­wei­se der Turnierleiter.

3. Die ange­ord­ne­te DWZ-Aus­wer­tung der von Chris­toph Nats­idis bei der Deut­schen Meis­ter­schaft gespiel­ten Par­tien in der Form, dass sei­ne Par­tien als ver­lo­ren gewer­tet wer­den, wider­spricht ganz klar der Wer­tungs­ord­nung des Deut­schen Schach­bun­des. Dar­in ist fest­ge­legt (Zif­fer 3.2.5.):

Nur am Brett erziel­te Par­tie­er­geb­nis­se dür­fen aus­ge­wer­tet wer­den, also kei­ne kampf­los ent­stan­de­nen Resul­ta­te. Nach­träg­lich von einer Rechts­in­stanz zuge­spro­che­ne Ergeb­nis­se blei­ben dann unbe­rück­sich­tigt und die ursprüng­lich erspiel­ten Resul­ta­te blei­ben bestehen, wenn die Par­tien ord­nungs­ge­mäß am Brett been­det wurden.

Mei­nes Wis­sens wur­den alle Par­tien von Chris­toph Nats­idis ord­nungs­ge­mäß am Brett been­det, ein­schließ­lich der letz­ten Run­de, in der zunächst ein Remis ver­ein­bart wor­den war. Sinn­voll scheint mir allein eine Wer­tung der Par­tien als kampf­los ver­lo­ren, also eine Nicht­aus­wer­tung bei der DWZ.

4. Für den Aus­schluss des Spie­lers aus der DWZ-Aus­wer­tung gibt es kei­ne Rechts­grund­la­ge, weder in der Sat­zung noch in der Tur­nier­ord­nung des Deut­schen Schach­bun­des. Hier darf nicht über­se­hen wer­den, dass der Deut­sche Schach­bund einen Spie­ler nur für sei­nen eige­nen Spiel­be­trieb sper­ren kann, also im Wesent­li­chen für Deut­sche Meis­ter­schaf­ten, den Deut­schen Pokal und die 2. Bun­des­li­ga (Aus­nah­men gel­ten im Bereich der Anti-Doping-Regeln). Chris­toph Nats­idis darf wei­ter­hin an Ver­an­stal­tun­gen der Lan­des­ver­bän­de und Ver­ei­ne teil­neh­men. Offi­zi­el­le Tur­nie­re im Bereich des Deut­schen Schach­bun­des müs­sen sogar aus­ge­wer­tet wer­den (Zif­fer 6.2.1. der Wer­tungs­ord­nung). Hier wird das Wer­tungs­sys­tem regel­wid­rig dazu benutzt, einen Spie­ler fak­tisch auch von Wett­kämp­fen fern­zu­hal­ten, die der Deut­sche Schach­bund nicht regeln darf. Das Wer­tungs­sys­tem ist kein Sank­ti­ons­sys­tem (Zif­fer 4.1. der Wertungsordnung):

Die Aus­ge­stal­tung des Wer­tungs­sys­tems hat zum Ziel, die Spiel­stär­ke der Schach­spie­ler mög­lichst genau in den DWZ abzubilden.

War­um soll­te jemand, der Chris­toph Nats­idis in der Sach­sen­li­ga oder auf einem Open schlägt, dafür kei­ne DWZ-Punk­te bekommen?

5. Um kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se ent­ste­hen zu las­sen: Natür­lich ist es rich­tig, ein sol­ches Fehl­ver­hal­ten zu sank­tio­nie­ren. Das Prä­si­di­um soll­te dabei nur dar­auf ach­ten, selbst sein eige­nes Regel­werk ein­zu­hal­ten. Erst recht, wenn das schon in dem ande­ren Fall nicht geklappt hat.

Kategorien: Marginalien

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43 Kommentare

  1. ad 3.
    Ich den­ke, dass in der Wer­tungs­ord­nung eher auf Män­gel wie zum Bei­spiel eine erst nach­träg­lich fest­ge­stell­te feh­len­de Spiel­be­rech­ti­gung abge­stellt wird: ist die Par­tie selbst nach den FIDE-Regeln gespielt (»ordnungsgemäß«), soll die­ses Ergeb­nis für die Aus­wer­tung trotz nach­träg­li­cher Annul­lie­rung gel­ten. Im Fall Nats­idis liegt dage­gen ein nach Arti­kel 13.4 geahn­de­ter Regel­ver­stoß vor, der im Hin­blick auf die Aus­wer­tung mei­ner Mei­nung nach so zu wür­di­gen ist wie z.B. das Par­tie­er­geb­nis nach Handyklingeln.
    ad 4.
    Mei­nes Wis­sens besteht zwi­schen Deut­schem Schach­bund e.V. und Schach­bun­des­li­ga e.V. die Rege­lung, dass Spiel­sper­ren gegen­sei­tig aner­kannt wer­den, so dass Nats­idis auch für die 1. Bun­des­li­ga gesperrt ist. Im Säch­si­schen Schach­ver­band ist eben­falls ein Ver­fah­ren gegen Nats­idis anhängig.
    ad 5.
    Bleibt abzu­war­ten, ob Nats­idis Rechts­mit­tel einlegt.

  2. Hi,

    das Pro­blem an der Geschich­te ist, daß Du ver­mut­lich Recht hast, aber daß es kei­ne Sau interessiert.

    Scha­de eigentlich…

  3. Ach ja, noch etwas:
    Wenn nach­träg­lich alle sei­ne Par­tien für sei­nen jewei­li­gen Geg­ner als gewon­nen gewer­tet wer­den, ändert sich dann auch die Schluss­rang­fol­ge des Tur­niers, bleibt Khen­kin Deut­scher Meis­ter, ändert sich die Rei­hen­fol­ge der wei­te­ren Plät­ze, wer­den die Geld­prei­se neu verteilt?

  4. Stefan

    10. August 2011 — 22:09

    @Werner Ber­ger:

    Arti­kel 13.4 der FIDE-Regeln ermäch­tigt den Schieds­rich­ter, nicht das Prä­si­di­um des Schach­ver­ban­des, in ange­brach­ten Fäl­len auf Par­tie­ver­lust zu erken­nen. Soweit ich weiß, ist das nur für die letz­te Par­tie geschehen.

  5. Vol­le Zustim­mung – außer bei Punkt 4. Bei den ande­ren Punk­ten stimmt mein »Gerechtigkeitsempfinden« mit dei­nen Aus­füh­run­gen über­ein. Wenn man sich eine TO gibt, die so und nicht anders lau­tet, muss man sich dar­an halten.
    Punkt 4 sehe ich etwas anders. Der DSB sagt, wir wol­len mit dem Spie­ler die nächs­ten 2 Jah­re nichts zu tun haben – in mei­nen Augen mit Recht. Hat ein sol­cher Spie­ler tat­säch­lich Anspruch dar­auf, dass der DSB wei­ter­hin als »Dienstleister« für ihn auf­tre­ten MUSS? Ich sehe das nicht so klar.
    Ins­be­son­de­re Punkt 3 fin­de ich auch sehr unglück­lich gelöst. Die DWZ soll ein Maß für die Spiel­stär­ke eines Spie­lers sein. Wie man nun plötz­lich Ergeb­nis­se in die DWZ gie­ßen kann, die so nie erspielt wor­den sind, ver­ste­he ich nicht.

  6. Da sich der Spie­ler zu Las­ten der ande­ren Teil­neh­mer einen Ver­mö­gens­vor­teil (Preis­geld) ver­schaf­fen woll­te, liegt hier sicher­lich sogar der Straf­tat­be­stand des Betru­ges vor.
    Man soll­te also auch straf­recht­li­che Schrit­te gegen die­sen Men­schen einleiten!

  7. Stefan

    11. August 2011 — 08:24

    @Nordlicht: Ich fin­de die­sen Punkt dage­gen beson­ders kri­tisch. Der Deut­sche Schach­bund ist eben kein »Dienstleister«, son­dern eine gemein­nüt­zi­ge und demo­kra­tisch ver­fass­te Mit­glieds­or­ga­ni­sa­ti­on. Ein­zel­mit­glie­der der Ver­ei­ne, die ihrer­seits einem Lan­des­ver­band ange­hö­ren, sind mit­tel­ba­re Mit­glie­der des Deut­schen Schach­bun­des (§ 5 Absatz 2 der Sat­zung). Als Mit­glied des Schach­bun­des habe ich das Recht, dass sich die­ser mir gegen­über ent­spre­chend sei­ner Sat­zung und Ord­nun­gen ver­hält. Man hat ja auch Pflich­ten gegen­über dem Ver­band, unter ande­rem führt der Mit­glieds­ver­ein Bei­trags­an­tei­le ab, die am Ende beim DSB lan­den. Für den Aus­schluss vom DWZ-Sys­tem als Sank­ti­on gibt es aber schlicht kei­ne Rechts­grund­la­ge (ich bit­te um Beleh­rung, falls ich sie über­se­hen habe). Mei­nes Erach­tens ist das Wer­tungs­sys­tem auch nicht der rich­ti­ge Ort für Sank­tio­nen, weil es eben einen ande­ren Zweck ver­folgt – die Spiel­stär­ke der Spie­ler abzubilden.

    Das Prä­si­di­um will doch mit die­ser Ent­schei­dung errei­chen, dass Chris­toph Nats­idis zwei Jah­re lang über­haupt nicht mehr spielt. Das kann man ja rich­tig fin­den, liegt aber eben nur zu einem klei­nen Teil in der Zustän­dig­keit des DSB, son­dern in ers­ter Linie in der Ver­ant­wor­tung von Mit­glieds­ver­ein, Lan­des­schach­ver­band und der Turnierveranstalter.

  8. Hin­sicht­lich der Zustän­dig­keit gebe ich Dir völ­lig Recht – gefor­dert sind Lan­des­ver­band, Mit­glieds­ver­ein und vor allem die Turnierveranstalter.

    Den Wer­tungs­aus­schluss wür­de ich den­noch als gerecht­fer­tigt anse­hen – nicht als Sank­ti­on (als »Zahlloser« wäre Nats­idis theo­re­tisch ja sogar zu mehr Rating­prei­sen berech­tigt, man könn­te das also auch als Vor­teil sehen), son­dern eben auf­grund der genann­ten Zielstellung 

    Die Aus­ge­stal­tung des Wer­tungs­sys­tems hat zum Ziel, die Spiel­stär­ke der Schach­spie­ler mög­lichst genau in den DWZ abzubilden. 

    Nach den Erfah­run­gen der DEM bestehen aber hin­rei­chen­de Zwei­fel, ob die Zah­len von Nats­idis sei­ne Spiel­stär­ke abbil­den. Das kann man nur auf­lö­sen, wenn man ihn aus dem Sys­tem herausnimmt. 

    Als Neben­ef­fekt wür­de man natür­lich die Anrei­ze für Ver­an­stal­ter ver­stär­ken, eine Teil­nah­me von ihm kri­tisch zu prüfen.

  9. Stefan

    11. August 2011 — 11:41

    Das lässt sich hören, aber ich möch­te lie­ber einem Ver­band ange­hö­ren, der sich rechts­för­mig ver­hält, anstatt »vernünftige« Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Wenn es ein Bedürf­nis dafür gibt, jeman­den auf­grund eines Ver­dachts (oder steht fest, dass Chris­toph Nats­idis auch schon vor der DEM ver­bo­te­ne Hilfs­mit­tel benutzt hat?) aus dem Wer­tungs­sys­tem zu neh­men (oder ihn her­un­ter­zu­stu­fen), muss man nach mei­nem Ver­ständ­nis Rege­lun­gen dafür schaf­fen, anstatt es »einfach so« zu machen.

    Eigent­lich woll­te ich die­sen Arti­kel lie­ber unkom­men­tiert las­sen, aber jetzt passt es doch gut als Bei­spiel für die All­machts­phan­ta­sien eines belieb­ten Schach­funk­tio­närs:

    Und bei der Auf­stel­lung der Regeln steht das Inter­es­se der All­ge­mein­heit, hier der Schach­ge­mein­de, ein­deu­tig höher als ein paar »Persönlichkeitsrechte« eines Ein­zel­nen. Natür­lich muss der Schieds­rich­ter das Recht habe, die Taschen eines Spie­lers im Ver­dachts­fall zu durch­su­chen. Wer das nicht akzep­tie­ren will, der kann ja wegbleiben.

    Die Anfüh­rungs­zei­chen ste­hen übri­gens so im Ori­gi­nal. Also: Hosen run­ter!

  10. Ja, es ist schon erstaun­lich, dass die Leu­te in den Ver­bän­den seit Jah­ren bestrebt waren, den Mit­glie­dern das Spie­len durch rie­si­ge Rechts­kon­struk­tio­nen für Null­to­le­ranz, Doping etc. zu ver­mie­sen, aber kei­ne Rah­men­be­din­gun­gen für die wirk­li­chen Pro­ble­me geschaf­fen haben (dabei bestand ja spä­tes­tens seit All­wer­mann Anlass).

    André S. ist m.W. übri­gens kein Schach­funk­tio­när, auch wenn er als Sprach­rohr für eine ver­brei­te­te bestimm­te Hal­tung im Ver­band die­nen mag.

  11. Dan­ke für die Berich­ti­gung! Ich bit­te, mei­nen Feh­ler zu entschuldigen.

  12. Lei­der gilt oft­mals, dass Recht ist, was sich beu­gen lässt.

  13. Das stand im Aus­gangs­ar­ti­kel: »Natürlich ist es rich­tig, ein sol­ches Fehl­ver­hal­ten zu sanktionieren.« Aber wie soll­te bei die­sen Recht­la­gen eine rechts­kon­for­me Bestra­fung aus­se­hen? Denn das hier: »Sinnvoll scheint mir allein eine Wer­tung der Par­tien als kampf­los ver­lo­ren, also eine Nicht­aus­wer­tung bei der DWZ«, das ist ja dann im Ergeb­nis »Alles zurück auf Anfang!«

  14. Stefan

    11. August 2011 — 18:10

    @ElNino: Das »allein« bezog sich nur auf die Fra­ge, wie die bei der DEM gespiel­ten Par­tien aus­zu­wer­ten sind. Die Aus­wer­tung ist übri­gens inzwi­schen mit 0/9 erfolgt, FM Natsis­dis hat eine Per­for­mance von 1759 (minus 71 DWZ-Punkte).

    Eine Sper­re auf DSB-Ebe­ne durf­te das Prä­si­di­um mei­nes Erach­tens ver­hän­gen, aller­dings hät­te zugleich die Ent­schei­dung des Bun­des­tur­nier­di­rek­tors auf­ge­ho­ben wer­den müs­sen, da die­ser dafür kei­ne Zustän­dig­keit hat­te. Ich fin­de die­se aus­ge­spro­che­ne Stra­fe durch­aus ange­mes­sen, wobei ich natür­lich nicht weiß, wie sich der Spie­ler zu den ande­ren Par­tien bei der DEM erklärt hat und wie die Ent­schei­dung begrün­det wurde.

    Mit der Her­aus­nah­me aus dem DWZ-Sys­tem hat das Prä­si­di­um aller­dings eine für mich unhalt­ba­re wei­te­re Sank­ti­on verhängt. 

    Gespannt bin ich auch, ob es zu dem öffent­li­chen Pran­ger kommt:

    Der Deut­sche Schach­bund prüft die Ein­rich­tung einer zusätz­li­chen Kate­go­rie auf http://www.schachbund.de. In die­ser Kate­go­rie sol­len die vom DSB gegen Spie­ler und Spie­le­rin­nen aus­ge­spro­che­nen Sank­tio­nen u.a. zur Infor­ma­ti­on von Tur­nier­ver­an­stal­tern öffent­lich doku­men­tiert werden.

    Bei die­ser Prü­fung wer­den hof­fent­lich auch die sog. »Persönlichkeitsrechte« von Ama­teur­spie­lern eine Rol­le spielen.

  15. Kannst Du mal kurz und knapp einem Nicht­ju­ris­ten erklä­ren, was
    »Persönlichkeitsrechte« sind ? Ich darf nicht geschla­gen wer­den, ich
    darf mei­ner »Freiheit« nicht beraubt wer­den, ich darf … ?
    Oder was anderes ?

  16. Stefan

    11. August 2011 — 21:56

    Ja, unter anderem.
    Per­sön­lich­keits­rech­te sind vor allem im Grund­rechts­ka­ta­log des Grund­ge­set­zes fest­ge­schrie­ben. Sie bin­den in ers­ter Linie den Staat, sind aber auch (mit­tel­bar) im Pri­vat­rechts­ver­kehr zu beach­ten, erst recht bei einem gemein­nüt­zi­gen, also dem All­ge­mein­wohl beson­ders ver­pflich­te­ten Monopolverband.

    Ein wei­tes Feld…

  17. Das mag jetzt hin­ken: Hat­te die FIDE die Her­ren Kas­parov und Short zwi­schen 1994 und 1995 nicht auch mal aus dem ELO-Sys­tem »herausgenommen«?

  18. Ich bin immer wie­der irri­tiert über die Argu­men­ta­ti­on mit Per­sön­lich­keits­rech­ten in der Iner­net­schach­ge­mein­de. Es ist doch nun mal unab­ding­ba­rer Bestand­teil eines JEDEN Wett­kamp­fes, dass die Teil­neh­mer frei­wil­lig (!) und für sehr begrenz­te Zeit auf einen Teil ihrer Per­sön­lich­keits­rech­te ver­zich­ten. Was sol­len da erst Boxer sagen? Oder was soll man von einem Mann­schafts­sport­ler hal­ten, der unter Ver­weis auf sein Recht auf freie Beklei­dungs­wahl sich wei­gert, ein Tri­kot anzuziehen?

    Wir Schach­spie­ler ste­hen lei­der vor der Situa­ti­on, dass jeder von uns mit der moder­nen Tech­nik recht ein­fach und ziem­lich unbe­merkt betrü­gen kann. Dazu braucht es kei­ner aus­ge­feil­ten Tüf­tel­fer­tig­kei­ten (All­wer­mann), kei­ner Kom­pli­zen (Fel­ler) und noch nicht mal mehr den unbe­ding­ten Vor­satz. Gele­gen­heit ist da, und die Ver­su­chung ist dann für man­chen ein­fach zu groß.

    Hat erst­mal eine kri­ti­sche Mas­se das sub­jek­ti­ve Gefühl, der Ehr­li­che sei der Dum­me (»die betrü­gen doch eh alle«), dann steht das Tur­nier­schach und unse­re Open-Kul­tur vor dem Aus.
    Daher kann ich den Aus­füh­run­gen von And­re S. nur zustimmen.

  19. Natür­lich bin ich Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen, wenn ich mich im sozia­len Raum bewe­ge. Ich fin­de nur, dass die Ein­schrän­kun­gen etwas mit der Sache zu tun haben soll­ten. Nur zwei Beispiele:

    Das Wett­kampf­schach ist seit über 100 Jah­ren ohne Null-Karenz aus­ge­kom­men, ohne des­halb Scha­den zu neh­men. Reykja­vik 1972 hät­te nicht statt­ge­fun­den mit Null-Karenz. Anders als beim Ten­nis oder Boxen müs­sen eben nicht bei­de Spie­ler anwe­send sein, um das Spiel zu begin­nen. Auch nicht wäh­rend der Par­tie. Anders als beim Fuß­ball braucht man auch kei­ne Tri­kots zur Unter­schei­dung der Spie­ler. Bekom­men wir also als nächs­tes Beklei­dungs­vor­schrif­ten und eine Anwe­sen­heits­pflicht wäh­rend der Par­tie? Weil ja die Fuß­bal­ler auch Tri­kots tra­gen und das Spiel­feld nicht ver­las­sen dürfen?

    Es gibt mei­nes Erach­tens kein Doping­pro­blem im Schach. ich habe noch nie gehört, dass jemand dopen wür­de. Es gibt beim Rad­sport ein Doping­pro­blem, in der Leicht­ath­le­tik, im Gewicht­he­ben, dort unter­nimmt man etwas dage­gen und das ist auch völ­lig in Ord­nung. Ich fin­de es aber nicht in Ord­nung, dass Schach­spie­ler – Erwach­se­ne, Senio­ren, Kin­der – gezwun­gen wer­den sol­len, ihren Medi­ka­men­ten­be­darf offen­zu­le­gen und not­falls die Hosen her­un­ter­zu­las­sen. Juris­tisch gespro­chen: Es gibt kei­ne Not­wen­dig­keit für die­se Frei­heits­be­schrän­kung, sie ist unver­hält­nis­mä­ßig und zu unter­las­sen (BTW: Ich glau­be auch nicht, dass man orga­ni­sier­tes Schach mit so einem Quatsch attrak­ti­ver macht, im Gegenteil).

    Die Pro­gram­me sind ein Pro­blem, seit sie so spiel­stark gewor­den sind. Pocket Fritz ist defi­ni­tiv ein Pro­blem. Ich den­ke nicht auf Ama­teu­re­be­ne, aber dort, wo es um Nor­men und/oder dicke Preis­gel­der geht. Das Pro­blem lie­ße sich schon dadurch ent­schär­fen, dass das Regel­werk vor­sieht, dass Han­dys nicht nur aus­ge­schal­tet sind, son­dern auch beim Schieds­rich­ter abge­ge­ben wer­den müs­sen. Das wäre ein ers­ter Schritt, bevor man nach Durch­su­chung der Klei­dung ruft.

  20. Die Schieds­rich­ter wer­den sich bedan­ken. Alle Han­dys lie­gen auf dem Schieds­rich­ter­tisch, ein unge­schick­ter Stoß gegen das Tisch­bein, ein Han­dy fliegt her­un­ter, geht kaputt, und der Besit­zer ver­langt Schadensersatz.
    Wie machen das eigent­lich die Fuß­bal­ler, wo las­sen die ihre Han­dys wäh­rend des Spiels?

  21. In der Kabi­ne, und da sind sie versichert.

    Sind Schach­schieds­rich­ter nicht versichert?
    Durch den Schach­bund oder ihre jewei­li­ge Gliederung?
    Falls nicht, auf zur Sponsorenaquise!
    Ver­si­che­run­gen wer­ben ger­ne mit Schach, fin­di­ge Geschäfts­leu­te gibt es beim DSB, und die Scha­dens­sum­men wer­den auch nicht hoch sein.

  22. Au ja !

    Kabi­nen für die Schach­spie­ler, damit die sich vor der Partie
    umzie­hen kön­nen (Spon­so­ren­tri­kots !!!).

    Schö­ne neue Welt

  23. Dann wüss­te zumin­dest die Kanz­le­rin, wo sie die Schach-Natio­nal­mann­schaft tref­fen könnte ;-)…

    Aber etwas erns­ter: Abga­be­pflicht für Mobil­te­le­fo­ne ist zwar kon­se­quen­ter als die der­zei­ti­ge Rege­lung, löst aber das Pro­blem der Per­sön­lich­keits­rech­te nicht in der Pra­xis: Man will es sicher nicht durch Lei­bes­vi­si­ta­tio­nen durch­set­zen, oder? Ohne­hin gehen die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten inzwi­schen theo­re­tisch weit über Mobil­te­le­fo­ne hinaus.

    Ich wür­de im bes­ten Fall hof­fen, dass sich ange­sichts der zuneh­mend ver­ein­fach­ten Betrugs­mög­lich­kei­ten (die, wie rich­tig ange­führt, ohne mas­si­ve Ein­schrän­kung der Per­sön­lich­keits­rech­te oder extre­men tech­ni­schen Auf­wand kaum ver­hin­der­bar sind) eine sozia­les Struk­tur ent­wi­ckelt, die durch Grup­pen­wir­kung vor­baut: Etwa ein Wett­kampf­sys­tem, das nur Spie­ler ein­schließt, für deren Fair­ness zuvor zwei ande­re aus der Grup­pe gebürgt haben (was übri­gens nicht nur im Hin­blick auf Betrü­ge­rei­en, son­dern auch zur Ein­däm­mung ande­rer Unsport­lich­kei­ten wie Ãœber-die-Zeit-Heben, unschö­nes Ver­hal­ten am Brett sowie nach Niederlage/Sieg o.ä. genutzt wer­den könnte).

    Das wür­de natür­lich unver­meid­lich zu einer gewis­sen Frag­men­tie­rung des Schachs auf unte­ren Ebe­nen füh­ren (die Grup­pen wer­den auch nicht not­we­ni­ger­wei­se exakt den glei­chen Nor­men ver­pflich­tet sein), der Vor­teil wäre aber die Auto­no­mie – man wür­de dann ganz gras­wur­ze­lig selbst ent­schei­den, was wich­tig ist, und nicht Din­ge wie Null­ka­renz oder Doping­pro­ben von oben über­ge­hol­fen bekom­men. (Davon abge­se­hen: Auch jetzt spielt man oft genug gegen die glei­chen Geg­ner, und manch­mal zwangs­wei­se gegen Mann­schaf­ten, auf die alle ger­ne in der Liga ver­zich­ten wür­den – z.B. Rüdersdorf). 

    Ein wei­te­rer posi­ti­ver Effekt wäre natür­lich, dass damit die über­kom­men­den Ver­bands­struk­tu­ren suk­zes­si­ve auf­ge­löst wür­den und Spie­ler und Ver­ei­ne die Opti­on gewin­nen wür­den, den Mono­pol­ver­band den­je­ni­gen zu über­las­sen, die sich dar­in wohl­füh­len oder davon zu pro­fi­tie­ren mei­nen: Mit­fi­nan­zie­ren und mit­dul­den müss­te man ihn nicht mehr.

  24. Ganz kurz nur zu 4. Auf wel­cher Basis siehst Du einen Kon­tra­hie­rungs­zwang des DSB? Genau­er: Was genau soll­te den DSB dazu zwin­gen, die Par­tien von CN auszuwerten?

  25. Stefan

    13. August 2011 — 23:04

    @Losso: Was für ein Kon­tra­hie­rungs­zwang? Ich habe doch als Mit­glied kei­nen Ver­trag mit dem DSB, son­dern aus mei­ner Mit­glied­schaft einen Anspruch dar­auf, dass mich der Ver­band ent­spre­chend sei­ner Sat­zung und Ord­nun­gen behan­delt. Ãœb­ri­gens auch, wenn ich nicht Chris­toph Nats­idis bin, son­dern gegen ihn spie­le. Die Wer­tungs­ord­nung bestimmt, was aus­ge­wer­tet wird (Zif­fer 6.2):

    Die Aus­wer­tung offi­zi­el­ler Tur­nie­re im Bereich des DSB ist obli­ga­to­risch. Die mög­lichst fort­lau­fen­de Aus­wer­tung von Ver­eins­tur­nie­ren ist drin­gend erwünscht.
    Ãœber die Aus­wer­tung von offe­nen und Ein­la­dungs­tur­nie­ren ent­schei­den die Veranstalter.

    Um dei­ne Fra­ge also zu beant­wor­ten: Nach mei­ner Auf­fas­sung sind die Orga­ne des Deut­schen Schach­bunds ver­pflich­tet, sich ent­spre­chend der Sat­zung und der Wer­tungs­ord­nung zu verhalten.

  26. »Ich wür­de im bes­ten Fall hof­fen, dass sich ange­sichts der zuneh­mend ver­ein­fach­ten Betrugs­mög­lich­kei­ten … eine sozia­les Struk­tur ent­wi­ckel­t« usw.: ich hof­fe mal ganz schwer, dass die­se Struk­tur schon da ist, denn ansons­ten wer­den die »Bösewichter« bald in der Ãœber­hand sein…

  27. @ElNino : Das hat nichts mit Ȇberhand« zu tun: Bei der gegen­wär­ti­gen Struk­tur der Ver­bän­de, ihrer Ord­nun­gen und recht­li­chen Reak­tio­nen genü­gen schon rela­tiv weni­ge Betrü­ger, um das Sys­tem nega­tiv eska­lie­ren zu las­sen – bis eben hin zum Ruf nach schärfs­ten Kon­trol­len, die ent­we­der wie beschrie­ben mit den Per­sön­lich­keits­rech­ten kol­li­die­ren, tech­nisch sehr auf­wän­dig sind oder schlicht die anstän­di­ge Mehr­heit vergraulen. 

    Sozia­le Kon­trol­le wür­de vor­se­hen, dass das schach­li­che Umfeld (im Sin­ne etwa einer Bürg­schaft) sich mit­ver­ant­wor­tet – z.B. im Fal­le Nats­idis, dass der Säch­si­sche Schach­bund, über den er sich qua­li­fi­ziert hat, für eine bestimm­te Zeit kei­ne Ver­tre­ter ent­sen­den darf, oder dass der Betrugs­fall auch eine gewis­se nega­ti­ve Bewer­tung des Ver­eins oder häu­fig von ihm zuvor fre­quen­tier­ter Tur­nie­re (bei N. z.B. auf­fäl­lig sein Dresd­ner Spe­zi­al­tur­nier (»American-Amateur-Cup«), Ungarn, Par­du­bice) nach sich zieht.

  28. Sip­pen­haft gilt seit der Auf­klä­rung als in Euro­pa überwunden…

    In Deutsch­land wur­de sie von extrem rech­ter und lin­ker Sei­te im 20. Jhd. wiederbelebt…
    Naja, Deutsch­land is mora­lisch und rechts­ethisch n Sonderfall…

    Alt und Deven­ter sind Voll­ju­ris­ten, [… redak­tio­nell gekürzt, bit­te sach­lich blei­ben, danke]

    Lösung liegt mE in Bedenk­zeit­ver­kür­zung. Muss gar kein Blitz oder Schnell­schach sein. Bei zB einer Minu­te pro Zug ohne Akku­mu­lie­rungs­mög­lich­keit soll Nats­idis doch zum Klo ren­nen und Pocket Fritz anwerfen…

  29. Daher hat­te ich ja von Bürg­schaft gespro­chen. Der Begriff schließt ein, dass man auch für Vor­gän­ge ersatz­wei­se her­an­ge­zo­gen wird, die man nicht nach­weis­lich ver­ant­wor­tet, dem geht eine bewuss­te Ent­schei­dung vor­aus, die auch Anrei­ze zur Selbst­kon­trol­le bie­tet. Im Gegen­satz zur Sip­pen­haft, der man will­kür­lich aus­ge­setzt ist.

  30. Stefan

    15. August 2011 — 09:13

    Wie wäre es eigent­lich mit einem alter­na­ti­ven Schachverband?

  31. @rz: Und wie sieht in die Sank­ti­on für den Bür­gen aus, wenn sich der, für den gebürgt wur­de, doch nach­weis­lich als Chea­ter ent­puppt? Ãœber­haupt ste­he ich Kon­zep­tio­nen kri­tisch gegen­über, die auf die Inte­gri­tät aller Mit­wir­ken­den und dar­aus resul­tie­ren­der Selbst­rei­ni­gung des Sys­tems set­zen – ich glau­be nicht, dass sie funk­tio­nie­ren wer­den. Ich bin pes­si­mis­tisch genug anzu­neh­men, dass Lügen und Betrü­gen soweit im Men­schen ver­wur­zelt sind, dass es immer wel­che geben wird, die Moral oder der­glei­chen zuguns­ten ihres per­sön­li­chen Vor­teils über Bord wer­fen wer­den. (Und wenn ich an mei­ne Tur­nier­pra­xis von inzwi­schen über 1.000 Par­tien zurück­den­ke, gab es auch bei mir zwei [Jugend-]Sündenfälle.)

    @Stefan: Ein Ver­band ohne Jörg S. und Kon­sor­ten? Das wäre in der Tat eine Ver­lo­ckung, aber das Pro­jekt ist doch ziem­lich ambi­tio­niert. Es reicht ja wohl kaum, wenn sich ein Häuf­lein Auf­rech­ter im Nord­os­ten zu einer Alter­na­tiv­or­ga formt.

  32. Stefan

    15. August 2011 — 10:19

    @MiBu: Ich bin auch des­halb zurück­hal­tend, wenn es dar­um geht, den ers­ten Stein zu werfen…

    Sicher kei­ne Kon­kur­renz­or­ga­ni­sa­ti­on, son­dern eher ein locke­rer Zusam­men­schluss von Inter­es­sier­ten, über das Netz und ohne nen­nens­wer­te Geld­kreis­läu­fe orga­ni­siert. Ein ein­fa­ches Wer­tungs­sys­tem und ein Rah­men, um Akti­ven vor Ort die Orga­ni­sa­ti­on von Ein­zel- oder Mann­schafts­wett­kämp­fen zu ermöglichen.

    Nur eine fixe Idee selbstredend…

  33. Einen alter­na­ti­ven Schach­ver­band kriegt man ja nicht mal gegen die FIDE auf die Bei­ne gestellt…

  34. Ich hal­te es auch für schwie­rig bis unrealistisch.

    Das Dum­me ist: Sobald irgend­ein Ver­band, Orga­ni­sa­ti­on oder gar Par­tei hin­rei­chend groß ist, dann zieht es »Konsorten« an wie die Flie­gen. So ist es schon mit vie­len Grüpp­chen gelau­fen, die zu Beginn idea­lis­tisch und inte­ger waren.

    Ich den­ke, gera­de in Deutsch­land ist das ganz beson­ders schlimm.

  35. @Tripelbauer: Sehe ich genau­so. Beim letz­ten gro­ßen Feld­ver­such die­ser Art war das wohl auch zu sehen: (off-topic: Gemeint ist hier die Wen­de, also der Bei­tritt, nein die Wie­der­ver­ei­ni­gung, ver­flixt! – schon die »korrekte« Bezeich­nung des Gesche­hens in der »damaligen« DDR macht gro­ße Pro­blem, weil sie gewollt oder unge­wollt eine Kon­no­ta­ti­on hat, wie man die Ereig­nis­se poli­tisch wer­tet.) Von den Bür­ger­recht­lern, die den Sturz des alten Regimes aus­ge­löst haben, war nach der Umset­zung des 2+4‑Vertrages nicht mehr viel zu hören oder zu sehen. Die Polen haben immer­hin mal Wale­sa zum Prä­si­den­ten gemacht, die Tsche­chen Havel, aber bei uns bekam statt Bär­bel Boh­ley eine wesent­lich ange­pass­te­re Ucker­mär­ke­rin ein hohes Amt.

  36. Eben.

    Der Mas­sen­mensch-Deut­sche ver­übt sei­ne Unta­ten, die Gro­ßen wie die Klei­nen, gern im Kol­lek­tiv und gestützt durch das Kol­lek­tiv. Allein fehlt ihm der Mut dazu, sowie auch die Legi­ti­ma­ti­on; im Kol­lek­tiv mutiert das dann zu heh­ren Zielen/Ideologien, die »verteidigt« wer­den müssen.

    Und dabei ist es rela­tiv egal, was für ein Sys­tem wir gera­de haben; dadurch unter­schei­det sich nur die Schwe­re – und diesbzgl. geht es uns jetzt noch gut.

    Als Indi­vi­dua­list – ungleich Mas­sen­mensch, der immer die and­ren braucht für sei­ne »Ziele« – hat­te es man in der Früh­zeit der BRD wohl (rela­tiv) am bes­ten. Inzwi­schen schwin­den die Räu­me mal wieder.

    Ganz sys­te­ma­tisch wird dafür auch dem Frei­en Markt die Kauf­kraft ent­zo­gen (und in aller­lei Sub­ven­tio­ni­tis- und Polit-Kanä­le umge­lei­tet), so dass man ohne Anbie­de­rung an die Macht­struk­tu­ren gar kei­ne Chan­ce mehr hat (sie­he nur z.B. Hick­ls eben­so sub­ven­ti­ons- wie erfolg­lo­se Zeitungsgründung).

    So. Ganz kon­kret wür­de ich gern mal wis­sen, wie vie­le »Quersubventionen« zum Bei­spiel in der päd­ago­gisch wert­vol­len »Jugendschach« indi­rekt drin­ste­cken. Womög­lich auch Gel­der des »Europäischen Sozialfonds«:

    Ein schö­nes »Netzwerk« mit Ulri­ke + Martina :)

  37. Jor­dan und Jor­dan ist klar, aber Schulz & Schulz?

    Mir scheint, die Funk­tio­nä­re der Lan­des­ver­bän­de sind bei der Aus­boo­tung der »Rochade« dar­auf bedacht, dem unter ande­rem von einem der Ihren gemach­ten Blätt­chen Abon­nen­ten zuzu­schan­zen. Bescheu­klapp­ter, gleich­för­mi­ger, unkri­ti­scher Funk­tio­närs­sprech im Zwangs­abo anstel­le unab­hän­gi­ger Bericht­erstat­tung über das glo­ba­le Welt­ge­sche­hen im Schach, im Hucke­pack ein »Man mache etwas fürs Jugend­trai­nin­g« als will­kom­me­nes Pla­ce­bo für des­in­te­re­si­er­te und über­for­der­te Jugend­trai­ner in den Vereinen.

  38. @MiBu: Als Sank­ti­on sehe ich erst ein­mal nur die Mög­lich­keit eines (kür­ze­ren) Aus­schlus­ses aus den Netz­werk­tur­nie­ren. Im Ãœb­ri­gen ist völ­lig klar, dass es hier im Kon­kre­ten vie­le Pro­ble­me gibt – ich woll­te nur dar­auf hin­wei­sen, dass es der­zeit prak­tisch kei­ne Anrei­ze für eine Selbst­kon­trol­le im Ver­band gibt, und man des­halb allen Bestre­bun­gen »von oben« eher hilf­los aus­ge­setzt ist – das läuft dann immer dar­auf hin­aus: »Wollt ihr etwas gegen Betrug tun oder nicht?«

    Zur Fra­ge des alter­na­ti­ven Ver­ban­des ist ja erst ein­mal offen, was die­ser über­haupt leis­ten soll. Auf den meis­ten Tätig­keits­fel­dern (Spit­zen­schach, Nach­wuchs­för­de­rung, Rah­men­set­zung für fai­re, attrak­ti­ve Wett­kämp­fe) sehe ich die Ver­bän­de als z.T. kra­chend geschei­tert an (so sehr sie sich mit geschön­ten Erfolgs­sta­tis­ti­ken auch in die Tasche lügen mögen). Die Ent­wick­lung in Tech­nik und Infor­ma­ti­on ist inzwi­schen so weit über sie hin­weg­ge­gan­gen, dass Talen­te in Ent­wick­lungs­län­dern ohne funk­tio­nie­ren­den Ver­band (aber mit einem inte­gren, kom­pe­ten­ten Men­tor) bes­se­re Ent­wick­lungs­chan­cen haben dürf­ten als der deut­sche Nach­wuchs, der sich nur schwer den Müh­len der Orga­ni­sa­ti­on fern­hal­ten kann. Auch von der Tur­nier­struk­tur ist der Ver­band im Gro­ßen ein­fach inef­fek­tiv: Deut­sche Meis­ter­schaf­ten qua­li­fi­zie­ren zu nichts mehr und sind nur des­halb attrak­tiv, weil ein guter Bat­zen Bei­trags­geld für Prei­se ein­ge­schos­sen wird; der Mann­schafts­spiel­be­trieb wird durch die Rege­lungs­wut von oben bedroht, gleich­zei­tig gibt es immer mehr attrak­ti­ve Tur­nie­re völ­lig neben dem Ver­band. Die Fra­ge lief ja nur dar­auf hin­aus, wie man die­se Ent­wick­lun­gen geeig­ne­ter in den Struk­tu­ren abbil­den kann – also, wie man in locke­rer Ãœber­ein­kunft zu ver­nünf­ti­gen Rah­men­set­zun­gen kommt, ohne die ande­ren Lei­chen­tei­le des Schach­bunds mit­schlep­pen zu müs­sen. Ein alter­na­ti­ver Ver­band wäre, da stim­me ich zu, ent­we­der nicht lebens­fä­hig oder bald genau­so anfäl­lig für Korruption.

  39. Na dann unter­wan­dern wir halt den Ver­band von innen! Der Marsch durch die Insti­tu­tio­nen dürf­te 20–25 Jah­re brau­chen; das trifft sich gut: Gemäß DRV Bund darf ich am 01.05.2034 in Ren­te, der DSB-Kon­gress die­ses Jah­res dürf­te kurz danach statt­fin­den. Ich ste­he dann für den Pos­ten des Bun­des­tur­nier­di­rek­tors zur Ver­fü­gung. [Ich weiß, es ist ein biss­chen früh, den Hut in den Ring zu wer­fen; aber wie ich von einem erfah­re­nen Funk­tio­när aus dem Nord­os­ten gelernt habe, kann man sei­ne Ambi­tio­nen gar nicht früh genug arti­ku­lie­ren. Ich bin aber gezwun­gen, mei­ne Bereit­schaft zur Kan­di­da­tur inso­weit ein­zu­schrän­ken, dass natür­lich Herr Rick­mann dann NICHT Prä­si­dent sein darf.] Na, wer will noch ins Schat­ten­ka­bi­nett? (Leh­rer und Päd­ago­gen müs­sen lei­der drau­ßen blei­ben, Juris­ten unter­lie­gen einer Einzelfallprüfung…)

  40. Ãœber­zeu­gen­de Kar­rie­re­pla­nung! Aber eigent­lich woll­te ich dich für die Ehren­prä­si­dent­schaft des Alter­na­tiv-Ver­ban­des vorschlagen…

  41. Oh no, »keine Titel ohne Mit­tel« bit­te! Außer­dem geht mir das Prä­si­dia­le völ­lig ab – viel zu laut, pol­ternd, undi­plo­ma­tisch etc. Und Ehren­prä­si­dent ist ja noch schlim­mer, DEN Titel krie­gen doch nur abge­half­ter­te Schlacht­rös­ser a.D., oder? Zudem ist der Alter­na­tiv­ver­band doch offen­bar als »schöne Idee, prak­ti­sche Umset­zung aber unmög­li­ch« schon vor Grün­dung auf­ge­löst wor­den, soweit ich das sehen kann. 

    Pro­jekt­grup­pe »FAIRES SCHACH«, bit­te zurück zum Brainstorming!

  42. Der Bei­trag könn­te durch den »Fall Bind­ri­ch« an Aktua­li­tät gewin­nen, da nach die­ser Mit­tei­lung der uns allen bekann­te Mul­ti­funk­tio­när even­tu­ell eine Sper­re (auch) durch den DSB bean­tra­gen wird. Unter­steht ein Bun­des­li­ga­spie­ler gleich zwei Sport­ge­richts­bar­kei­ten – Schach­bun­des­li­ga e.V. und Deut­scher Schach­bund e.V. – oder nur einer? In Sat­zung und Tur­nier­ord­nung des Schach­bun­des­li­ga e.V. kann ich für eine gegen einen Spie­ler gerich­te­te Spiel­sper­re kei­ne Recht­grund­la­ge finden.

  43. Zumin­dest sieht § 25 Abs. 1 der Sat­zung des Schach­bun­des­li­ga e.V. vor, dass eine Sper­re durch DSB oder FIDE auch für die 1. Bun­des­li­ga gilt.

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