Fair Play (6)

Lichess hat eine vollständige Datenbank aller auf dem Server gespielten Partien. Wie oft stand wohl die obige Stellung (1.g3 d5 2.Lg2 Lh3?!) auf dem Brett? Stand jetzt: 11.894 Mal. 2…Lh3 ist der achthäufigste Zug. 2…g6 und 2…Lg4 sind plausible Züge, werden aber seltener gespielt.

Die Bilanz ist übrigens gar nicht schlecht, Schwarz holt 47% Siege mit diesem Zug, Weiß aber sogar 49%, wenn er 3.Sxh3 oder 3.Lxh3 findet. Ich stehe bei 100%, es war sogar eine Blitzpartie.

Die Lösung ist natürlich Premove. Erfahrene bzw. vorsichtige Bulletspieler vermeiden deshalb die vorzeitige Eingabe von 2.Lg2 (Edit: richtig: ihres dritten Zuges, siehe Kommentar). Ist es unfair, es bei den anderen auszunutzen?

8 Gedanken zu „Fair Play (6)“

  1. In der verlinkten Partie war die Zugfolge 1.Sf3, 2.g3, so dass in der Tat Lg2 (allerdings erst im 3. Zug) der Verlustzug war (und ich finde, wer Bullet spielt oder unnötig premovet, der hat es auch nicht besser verdient…).

  2. Ich denke auch, dass dieser Trick eher gegen sehr starke Gegner sinnvoll ist, wenn die Gewinnerwartung ohnehin gegen Null tendiert.

    1.e4 b6 2.La6?! bringt auf Lichess deutlich über 50%.

    Bei 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Lh6?! lohnt sich das Risiko dagegen eher nicht, Schwarz könnte auch mit 3…d5 in Grünfeld-Indisch einlenken. Die Gewinnquote sinkt da unter 50%.

  3. Shit happens. Was mir aufgefallen ist, ist weniger riskant für den, der billig einen Punkt einfahren will: Bei 3+0 (darunter spiele ich mit Rücksicht auf mein Alter nicht) kommt nicht selten nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 der Versuch 5.Sxc6. Sollte Schwarz es schaffen, den Springer zu schlagen, hat Weiß zumindest keine Minusfigur wie nach Lh3/Lh6…!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.