Die Hauptbeschäftigung eines Schachrentners besteht darin, anderen Leuten beim Schachspielen zuzusehen. Vor einiger Zeit habe ich Streaming entdeckt (dazu später vielleicht mehr), mein Lieblingsstreamer ist der Norweger Jon Ludvig Hammer. Sehr unterhaltsam.

Hier spielte er eine Trainingspartie (15 min + 2 sec) gegen den schwedischen Spitzenmann Nils Grandelius und wir konnten ihm dabei zugucken, wie er mehrere Minuten darüber jammerte, dass Nils die schöne weiße Stellung mit dem überraschenden 22…f7-f5 völlig demoliert hatte. Der Chat forderte das offensichtliche Damenopfer und irgendwann hatte sich JLH wieder gefangen und spielte 23.exf6! (23.Sf2 Lxe5 ist hoffnungslos) 23…Dxg3 24.fxg7 Tg8 25.Tae1!

Weiß hat nur einen Springer für die Dame, aber plötzlich hat Schwarz Probleme zu lösen. Grandelius fing an zu grübeln und spielte schließlich
25…Ke7?
Hammer war sich nach der Partie sicher, dass er das Endspiel nach 25…0–0‑0 26.Txe6 Txg7 27.Se4 nicht verloren hätte. 25…Kd7 und 25…Dd6 führten zu einer schwarzen Gewinnstellung. Jetzt fand er
26.Sxh6!
Mit offensichtlicher Drohung.
26…Kd7!
Einziger Zug. Alles andere verliert.
27.Se4 (27.Sxg8=) 27…Dh4 28.Sf6+ Kd6 29.Shxg8 Lxg8?

Jetzt rächte sich die eingangs verlorene Bedenkzeit. 30.Sg4! mit der Idee 31.Tf8 hätte sogar gewonnen. Stattdessen
30.Te4 Dh6
und Zeitüberschreitung. 

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