Massel

In der 8. Runde der Schacholympiade spielte die deutsche Mannschaft heute gegen das Team aus Weißrussland. Die Bretter 2 bis 4 hielten Remis, nur Arkadij Naiditsch war mit Schwarz gegen gegen Aleksej Aleksandrov in diese Verluststellung geraten. Doch nun: 59.Kf2?? 59.Th1 kümmert sich zunächst sorgfältig um den schwarzen Freibauern und war der Gewinnzug. 59…c2 (59…Sd4 scheitert an 60.Td1; 59…Ke7 60.Kf2 – vielleicht hatte der Weiße die Züge vertauscht? – 60…Sd4 61.Ke3 Sc6 62.Tc1 Sxe5 63.Txc3 Sxg4+ 64.Kd4 ist auf Dauer auch nicht zu halten.) 60.Tc1 Sd4 61.Kf2 Ke7 62.Ke3; nach 59.Tc2 Sd4 erweist sich der Springer dagegen als dem weißen Turm überlegen. 59…c2! 60.Th8+ Nichts geht mehr. 60.Th1 Sc5 61.Ke2 (61.Tc1 Sd3+) 61…Sb3 60…Kc7 61.Th7+ Kc6 62.Th1 Sc5 63.e6 Sd3+ 0-1

Comeback

Ausgerechnet der deutsche Arkadi Naiditsch musste in der 3. Runde der Schacholympiade am Spitzenbrett für das Comeback von Vladimir Kramnik herhalten. Kramnik hatte nach seinem schlechten Abschneiden bei der Russischen Meisterschaft im Dezember 2005 seine Teilnahme in Wijk aan Zee abgesagt und die Öffentlichkeit über seine Arthritis-Erkrankung informiert. Im Jahre 2006 hatte er noch keine Wettkampfpartie bestritten. Im Juli wird Kramnik in Dortmund spielen, im September soll in Elista das Vereinigungsmatch mit Topalov stattfinden und im November steht in Bonn ein Wettkampf mit Deep Fritz ins Haus. Die Deutschen zeigten sich jedenfalls schon mal als gute Gastgeber.

Kramnik 2729 – Naiditsch 2664
Turin, 23.05.2006
E04 Englisch

1.Sf3 Sf6 2.c4 c5 3.g3 d5 4.d4 cxd4 5.Lg2 e6 6.0–0 dxc4 7.Sxd4 Sd5 8.Da4+ Sd7 9.Dxc4 S7b6 10.Db3 Ld7 11.Sc3 Lc5 12.Sxd5 Sxd5 13.Sf5 0–0 (D) 14.Sxg7 Sf6 15.Lh6 De7 16.Df3 Lc6 17.Df4 Kh8 18.Lxc6 bxc6 19.Tac1 Ld6 20.Dh4 Sg8 21.Dxe7 Lxe7 22.Sxe6 Sxh6 23.Sxf8 Lxf8 24.Txc6 Td8 25.Tfc1 Kg7 26.T1c2 Sf5 27.e3 a5 28.Ta6 Td5 29.e4 Td1+ 30.Kg2 Sd4 31.Tc7 Sb5 32.Tb7 Sd6 33.Td7 1–0

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Zocken

Die Zeitschrift Schach aus Berlin ist sicherlich eines der wenigen Beispiele, in denen ein ostdeutsches Produkt gesamtdeutscher „Marktführer“ geworden ist. Für meinen Geschmack bringt Arkadij Naiditsch im Fragebogen von Schach 12/05 en passant das Problem der Zeitung auf den Punkt, wenn er schreibt:

Meines Erachtens wird zu viel über die Weltmeisterschaft geschrieben. Es wäre schön, wenn auch das „kleine“ Schach mehr an die Öffentlichkeit dringen könnte. Ich denke, für viele Hobby-Schachspieler wäre es interessant, nicht nur über Top-Großmeister zu lesen, sondern auch über andere und ihre Gedanken über das Schachspiel.

Und in der Tat blickt die Nummer 12 auch ein wenig jenseits des Mainstream. Raj Tischbierek berichtet über die Eröffnung des Lasker-Museums und Michael Negele rezensiert gleich vier schachhistorische Bücher. Dabei hebt er vor allem die Neuauflage von Nimzowitschs „Mein System“ (Rattmann Ludwigshafen, 2005) hervor. Innerhalb der Berichterstattung über die Bundesliga

stellt Dirk Poldauf die Frage, “ob es noch unter die Rubrik Schach falle, wenn zwei Großmeister auf Teufel komm’ raus eine tote Remisstellung (Diagramm: Movsesian – Kindermann) weiterzocken und nicht mehr schachliche Fähigkeiten, sondern reine Hebelverhältnisse beim Blitzen entscheiden” würden. In diesem Falle führte das Weiterspielen immerhin schon zwanzig Züge später zum vollen Punkt und zum Unentschieden in der Gesamtwertung des Mannschaftskampfes. Ich weiß nicht, wie ich mich in einer solchen Lage bei einem Rückstand von 3-4 verhalten würde. Auch ohne Siegprämie.