Juristen und Schach – ein eigenes Kapitel. Es gibt Schachspieler, die auch Juristen sind. Das dürfte die Minderheit sein. Es gibt aber auch Juristen, die keine Schachspieler sind. Das dürfte die Mehrheit sein. Vor dem Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße traf vor einiger Zeit der berüchtigte Juristen-Humor auf den berüchtigten Schachspieler-Humor. Und das ist dabei herausgekommen (Beschluss vom 02.12.2003, Aktenzeichen: 4 L 3161/03.NW):

Soweit der Antragsteller ferner geltend macht, ihm sei die geforderte gemeinnützige Tätigkeit deshalb nicht zumutbar, weil er Fernschach spiele und bei entsprechendem Erfolg Preisgelder erzielen könne, überzeugt dies die Kammer ebenfalls nicht. Hierzu führt er aus, Fernschach sei eine wissenschaftliche Form des Schachspiels mit langen Bedenkzeiten, die über das Internet stattfinde. Da er auf hohem Niveau spiele und zur Weltspitze gehöre, sei sehr viel Analysearbeit mit mindestens fünf Stunden täglich notwendig. Neben dem Besuch des Abendgymnasiums stehe ihm daher keine weitere Zeit zur Verfügung. Unabhängig davon, ob der Antragsteller – wie er behauptet – zur Weltspitze im Fernschach zählt, handelt es sich hierbei nicht um einen im Rahmen des § 18 Abs. 3 BSHG berücksichtigungsfähigen Ausbildungs- oder Studiengang, sondern allein um eine Freizeitbeschäftigung. Sie ist solange zurückzustellen, bis es dem Betreffenden gelungen ist, unabhängig von Sozialhilfe und damit nicht länger auf Kosten der Allgemeinheit zu leben. Andernfalls könnte ein Sozialhilfeempfänger gemeinnützige Arbeiten auch mit der Begründung als unzumutbar ablehnen, er müsse sich gerade intensiv auf die Sendung „Wer wird Millionär“ vorbereiten, um einen möglichst hohen Betrag zu gewinnen und damit im Ergebnis den Steuerzahler zu entlasten.

Klar, wer am längeren Hebel sitzt.