Die fabu­lö­se Fach-Zeit­schrift Rand­sprin­ger brach­te in der Aus­ga­be 4/1987 zwei Par­tien des Stral­sun­der Meis­ter­an­wär­tes Sieg­fried Wie­zer, in der sich die­ser der Eröf­fung 1.c4 g5 bedien­te. Rai­ner Schlen­ker, wei­land und bis heu­te Redak­teur der Zei­tung, nann­te die­se Zug­fol­ge „Unternehmen Laubfrosch“. Die kor­rek­te wis­sen­schaft­li­che Bezeich­nung soll­te aber Myers Ope­ning nach dem ame­ri­ka­ni­schen Schach­spie­ler Hugh Myers sein. Myers ist der Pio­nier die­ser Eröff­nung. Aus mei­ner Sicht ein durch­aus ernst­zu­neh­men­der Ansatz, spä­ter sicher mehr dazu. Wir brin­gen hier die ers­te Par­tie mit den eige­nen Kom­men­ta­ren von Sieg­fried Wie­zer. Viel­leicht kann der­einst ja auch geklärt wer­den, auf wel­chem Wege dem Schwar­zen sei­ner­zeit eine Publi­ka­ti­on in einem gewiss nicht sys­tem­kon­for­men Blatt aus dem NSW mög­lich war.

Kahn – Wiezer
Gör­litz 1987
A10 Myers Opening

1.c4 g5!? Zu bemer­ken, daß es sich beim Füh­rer der Wei­ßen um den lang­jäh­ri­gen Trai­ner von GM Uhl­mann han­delt, des­sen wich­tigs­te Eröff­nungs­waf­fe bekannt­lich 1.c4 ist. Für den Ken­ner der Eng­li­schen Par­tie ist 1…g5 der­zeit noch mit Ãœber­ra­schun­gen ver­bun­den, aber wie lan­ge noch, denn objek­tiv ist dies gewiß schon güns­ti­ger als Vari­an­ten für Weiß nach 1.g4, in denen Schwarz die Mög­lich­keit c6! nut­zen kann. 2.d4 h6 3.Sc3 Lg7 4.e4 c5 5.Le3?! Weiß ent­schließt sich, mit einem Ent­wick­lungs­zug die Span­nung in der Mit­te auf­recht­zu­er­hal­ten. 5…Sc6! 6.Sge2 Da5 7.Dd2 d6 8.f3 Ld7 9.d5 Se5

Mit ein­fa­chen und posi­tio­nell gesun­den Zügen hat Schwarz schon die har­mo­ni­sche­re Stel­lung erreicht. 10.Sc1 Was sonst, c4 muß gedeckt wer­den und der Lf1 an die fri­sche Luft. 10…Sg6! 11.Sd3 Lxc3! 12.bxc3?! Der Abtausch der Damen bringt Weiß zwar auch kei­nen Vor­teil, jedoch hät­te auch Schwarz nicht viel. 12…Sf6 13.Le2 0–0–0 14.Db2 b6 15.Kd2? Wenn schon die kur­ze Rocha­de kei­ne Alter­na­ti­ve dar­stellt, so soll­te Weiß doch eher zu 0–0–0 grei­fen. 15…Se5! Die­ser star­ke Sprin­ger muss frü­her oder spä­ter getauscht wer­den, so daß ande­re Züge nur Tem­po­ver­lust bedeu­te­ten. 16.Sxe5 dxe5 17.Ld3 Tdg8! 18.Taf1 Se8 19.a3 Rat­lo­sig­eit, Weiß muß war­ten. 19…Sd6 20.Da2 e6 21.Tb1 Da6 22.Tb2 f5!

23.exf5 Prak­tisch erzwun­gen, denn es droh­te bereits exd5. 23…exf5 24.Te1 Te8 Schwarz hat schon meh­re­re Wege, den Punkt zu holen, Weiß ist völ­lig ohne Gegen­spiel. 25.Lg1 Te7 26.a4 Da5 27.Tb5 Lxb5 28.cxb5 The8 29.Dc2 e4 30.Lf1 Te5 31.g4 f4 32.fxe4 Sxe4+ 33.Txe4 Txe4 34.Ld3 Txa4 35.Lf5+ Kb8 36.Kd3 Dxb5+ 0–1

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