Er denkt an jenen Mor­gen, an dem er auch in Fie­ber­stim­mung zum Astro­no­men kam – um der Tarub wil­len. Jetzt kommt er wie­der in fie­ber­haf­ter Auf­re­gung zum Astro­no­men – wie­der Tarubs wegen. Und wie damals – sitzt ihm auch jetzt – eigent­lich die Dschin­ne mehr auf den Fer­sen als die berühm­te Köchin. Er blickt über die Stadt hin, die nun in der hei­ßen Son­ne mit den hohen Pal­men und den wei­ßen Häu­sern, mit der hoch­ge­le­ge­nen bun­ten Kali­fen­burg, mit den bun­ten Moscheen und den schlan­ken Mina­retts wie ein zar­tes fei­nes Feen­land daliegt – wie eine wirk­li­che Stadt des Heils. Blau fließt der Tigris zur Lin­ken des Dich­ters – in der Tie­fe – und drü­ben wohnt Al Bat­ta­ny. Saf­ur ist bald wie­der in der alten Oli­ven­al­lee und dann im Bücher­ki­os­ke, den die bun­ten Tul­pen umblü­hen… Auf den kurz­ge­scho­re­nen Rasen kräch­zen die alten Papa­gei­en. Auf den oran­ge­far­bi­gen, nicht gemus­ter­ten Flie­sen­gän­gen kom­men dem Dich­ter zwei Inder ent­ge­gen, die gra­de im Bücher­ki­os­ke Schach gespielt haben. Die Inder kom­men dem Saf­ur noch stei­fer und stol­zer vor als die and­ren Men­schen. Der Bücher­ki­osk, der wie eine Kro­ne daliegt, wirkt den Indern gegen­über ganz ein­fach und beschei­den wie ein Fischer­häus­chen. Saf­ur wirft den Kopf in den Nacken zurück und mus­tert die Inder, sein braun und blau gestreif­tes Bedui­nen­ge­wand zieht er dabei geschickt in schwung­vol­le Fal­ten. Die Inder lächeln – ihre gold­ge­stick­ten Klei­der sind viel schöner.

Paul Scheer­b­art: Tarub, Bag­dads berühm­te Köchin. Ara­bi­scher Kul­tur­ro­man (1897)