Wie radi­kal ihre poli­ti­schen Ansich­ten waren und wie lei­den­schaft­lich sie mit jeder­mann dar­über dis­ku­tier­te. Wie sie sich der Sachen annahm, sie mit Klau­en und Zäh­nen ver­tei­dig­te, Demons­tra­tio­nen und Mee­tings orga­ni­sier­te, von denen sie erschöpft, aber ermu­tigt nach Hau­se kam, mit glän­zen­den Augen und einem hei­li­gen­schein zer­zaus­ter Locken um das Gesicht, wie eine Irre. Wie sie, bevor sie zu einem Date ging, ihren Fin­ger in ein paar Lip­pen­stift­röhr­chen steck­te und sich die Lip­pen anmal­te, wobei die Farb­kom­bi­na­ti­on immer das glei­che leuch­ten­de Rot ergab, das Strei­fen auf ihren Zäh­nen hin­ter­ließ. Wie gna­den­los sie beim Brett­spie­len war und was für eine Show sie abzog, wenn sie sei­ne Freun­de schach­matt setz­te, und wie sie beim Auto­fah­ren nicht auf die Stra­ße ach­te­te, son­dern statt­des­sen ihr Make-up im Spie­gel über­prüf­te oder unter dem Sitz nach einer Maut­mün­ze kram­te. Wie sel­ten sie sei­nen Vater erwähn­te, obwohl er sie ein- oder zwei­mal über­rasch­te hat­te, als sie auf dem Fuß­bo­den ein Päck­chen alter Brie­fe las.

Nico­le Krauss: Kommt ein Mann ins Zim­mer (2002)