Am letz­ten Wochen­en­de spiel­te ich mei­ne aller­ers­ten Wett­kampf­par­tien im Xiang­qi. Ort der Hand­lung war die Viên Giác Pago­de in Han­no­ver. Wenn man Schach auch als ein kul­tu­rel­les Phä­no­men betrach­ten will, dann war das ein pas­sen­der Ort.

Das Chi­ne­si­sche Schach ist in Deutsch­land so wenig ver­brei­tet, dass die obers­te und die unters­te Liga iden­tisch sind. Um so grö­ßer ist die Leis­tung des Deut­schen Xiang­qi-Bun­des ein­zu­schät­zen, der seit vie­len Jah­ren einen regel­mä­ßi­gen Wett­kampf­be­trieb orga­ni­siert. So kam ich zu mei­nen ers­ten Bun­des­li­ga­par­tien im Schach. Bis zuletzt waren die Bahn­streiks ein Unsi­cher­heits­fak­tor bei der Anrei­se, aber schließ­lich gefiel es Herrn Meh­dorn, am Frei­tag­nach­mit­tag doch noch einen voll­ge­stopf­ten Regio­nal-Express nach Ber­lin fah­ren zu las­sen, die „Tran­sit­stre­cke“ Ber­lin-Köln wur­de natür­lich etwas aus­führ­li­cher bedient.

Vor der Pre­mie­re war die Auf­re­gung natür­lich groß. Aus ein paar Blitz­par­tien und Fern­par­tien im Inter­net konn­te ich schwer auf mei­ne Spiel­stär­ke am Brett Rück­schlüs­se zie­hen. Mei­ne Ziel­stel­lung 0/6 zu ver­mei­den, war glück­li­cher­wei­se nach der ers­ten Run­de erreicht. Gegen Alain Dek­ker aus Eng­land stand ich durch­weg etwas schlech­ter, als er zum Schluss über­zog und einen Wagen ein­ste­hen ließ. In der 2. Run­de spiel­te ich mit Rot gegen Andre­as Klein und hat­te durch­aus etwas Angriff. Ein Matt konn­te ich aber nicht fin­den und über­schritt einen Zug vor dem Dop­pel­ka­no­nen­matt die Zeit. Woll­te ich mir eigent­lich noch zei­gen las­sen. Die drit­te Run­de konn­te ich gegen den sehr müden Richard Git­ter gewin­nen. Am Sonn­tag­mor­gen gewann ich dann plötz­lich auch noch gegen Alfred Git­ter, Richards Vater, eine auf­re­gen­de Par­tie mit einer geg­ne­ri­schen Kano­ne auf mei­ner Grund­rei­he und saß auf ein­mal mit 3/4 am 2. Brett dem Deustchen Meis­ter Micha­el Näg­ler gegen­über. Die­ser brach­te mich mit 1.C2=6 (Cross-Palace Can­non) schon aus dem Buch. Es wur­de die erwar­te­te Kurz­par­tie und ich nach einem hüb­schen Wagen­op­fer matt­ge­setzt. Immer­hin kam ich danach zu einer kos­ten­lo­sen Trai­nings­ein­heit. In der Schluss­run­de hat­te ich gegen Lars Rip­ken wohl eini­ge Chan­cen, gab die Par­tie aber wie­der in der Zeit­not­pha­se ab. Sehr zu mei­ner Freu­de schaff­ten wir es in die­ser Par­tie, zwi­schen­durch die gesam­te Mit­tel­li­nie mit Figu­ren voll­zu­stel­len. Ein schö­ner Anblick!

So blieb am Ende ein 10. Platz mit 3/6 Punk­ten. Es hat Spaß gemacht und war bestimmt nicht mein letz­tes Xiang­qi-Tur­nier! Glück­wunsch an Duong Lai Hop, der beein­dru­cken­de 100% hol­te. Dan­ke an die Orga­ni­sa­to­ren und an alle für die freund­li­che Aufnahme.

Und was fiel auf?

1. Wenn man sei­nen Geg­ner kennt, setzt man sich ein­fach irgend­wo­hin. Die Brett­rei­hen­fol­ge ist nicht so wichtig.

2. Als Ges­te der Höf­lich­keit zeigt man manch­mal bei Rück­kehr des Mit­spie­lers den letz­ten eige­nen Zug an.

3. Die Nota­ti­on ist noch unge­wohnt und kos­tet etwas Zeit beim Mitschreiben.

4. Zum Glück gab es 10 Sekun­den Auf­schlag je Zug. Sonst wür­de ich auf­grund mei­ner schlech­ten Zeit immer untergehen.

5. Das Spiel ist anstren­gend, weil man fast von Beginn an unun­ter­bro­chen rech­nen muss.

6. Matt­bil­der üben!