Die 4. Run­de der dies­jäh­ri­gen Ober­li­ga­sai­son führ­te uns zum Schach­club Frie­sen Lich­ten­berg. Wir waren über­ra­schend mit 4–2 Punk­ten gestar­tet, wäh­rend sich die Lich­ten­ber­ger genau­so über­ra­schend mit 0–6 Punk­ten am Tabel­len­en­de beweg­ten. Natür­lich hoff­ten wir dar­auf, mit einem Sieg im Abstiegs­kampf wei­ter Boden gut­zu­ma­chen. Lich­ten­berg war ohne das nomi­nel­le 1. Brett ange­tre­ten – unse­re Vor­be­rei­tung des­we­gen weit­ge­hend für die Katz. Aber immer­hin kam ich so zu einem Ein­satz gegen den frü­he­ren Fern­schach­welt­meis­ter Dr. Baum­bach. Als Kind hat­te ich ehr­fürch­tig sei­ne Berich­te in der Schach-Zei­tung ver­folgt – jetzt saß ich ihm gegenüber!

Nach 17.Se5 ver­pass­te ich irgend­wie den Anschluss, 18…Tc8 war schon sehr ver­krampft und im 21. Zug tausch­te ich, viel­leicht vom Neben­brett inspi­riert, die Dame gegen Turm und Läu­fer. Ich hoff­te, eine Fes­tung errich­ten zu kön­nen. Danach hat­te ich noch 20 Minu­ten auf der Uhr und schaff­te gera­de noch die Zeit­kon­trol­le. Ich ver­säum­te es, mit 42…Ta7 mei­nen Turm zu akti­vie­ren, statt­des­sen begab ich mich gera­de­wegs wie­der in eine ver­lo­re­ne Stel­lung. Der Mann­schafts­kampf stand 3–3, es war nicht klar, ob Arvid sei­nen Mehr­bau­ern im Tur­m­end­spiel wür­de ver­wer­ten kön­nen (lei­der nicht). Nach dem 45. Zug stand die­se Stel­lung auf dem Brett:

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46.De7
Er tat mir selbst­ver­ständ­lich nicht den Gefal­len 46.f5 Lg5.
46…Tc8
Der Turm muss­te natür­lich end­lich aktiv gestellt wer­den, die c‑Linie gefiel mir am besten.
47.h4
Nach län­ge­rem Nach­den­ken. Auf 47.f5 woll­te ich 47…Sg5+ spie­len und hoff­te auf Schwin­del­chan­cen. Offen­bar war die ent­ste­hen­de Stel­lung unüber­sicht­lich genug, um den Wei­ßen zunächst das Feld g5 über­de­cken zu las­sen. Tat­säch­lich muss­te er die Ver­wick­lun­gen aber nicht fürch­ten: 48.Kg3 (48.Kg2 Tc2+ 49.Kf1 gxf5 50.gxf5 Txh2 bleibt unklar) 48…Se4+ 49.Kh3 Sg5+ 50.Kh4 läuft aus den Sprin­ger­schachs, ohne dass der schwar­ze Turm mit Schach ein­drin­gen kann.
47…Tc3 48.Ke4
Gibt den Gewinn aus der Hand. Der Sprin­ger kann ruhig einen Moment lang ein­ste­hen. Nach 48.f5 Txd3 49.Ke4 hän­gen genug schwar­ze Figu­ren und der schwar­ze König ist ohne­hin fast matt. 49..Sc5+ ist noch am bes­ten, aber auch hoff­nungs­los. 50.Dxc5 Tc3 51.De7 Tc8 52.e6 Tf8 53.Dd7 und der e‑Bauer gewinnt.
48…Lxf4
Ich ver­such­te, alles bis zum Schluss aus­zu­rech­nen. 48…Txd3 hät­te nach 49.f5 in die obi­ge Vari­an­te geführt. 49.Kxd3 Sxf4+ 50.Ke4 Se6 war mei­ne Idee bei 46…Tc8 – die Fes­tung scheint unein­nehm­bar zu sein.
49.Sxf4 Te3+ 50.Kd5 Sxf4+ 51.Kxd4 Tb3
Das hat­te ich erst spät gese­hen, als ich am 48. Zug über­leg­te. Der Sprin­ger auf f4 wird indi­rekt verteidigt.
52.Dd8+
Mit Remis­ge­bot, das ich sofort annahm. Nach 52…Kg7 konn­te Weiß noch etwas wei­ter­spie­len, aber nach 53.Kc4 Ta3 54.Kb4 Tf3 (54…Ta6 reicht auch) 55.Df6+ Kg8 56.Ka4 h5 57.gxh5 gxh5 kommt er nicht weiter.

Nach der Par­tie wech­sel­ten wir noch ein paar freund­li­che Wor­te. Bemer­kens­wert, weil die Ent­täu­schung ob des ver­ge­be­nen vol­len Punk­tes doch erheb­lich gewe­sen sein muss­te. Sehr sou­ve­rän von Dr. Baum­bach. Dan­ke für die Partie!

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