Nach der kata­stro­pha­len letz­ten Sai­son ging es für mich am Sonn­tag vor allem dar­um, die nächs­te Nie­der­la­ge mög­lichst zu ver­mei­den. Nach­dem ich zuletzt rei­hen­wei­se klar bes­se­re Stel­lun­gen ver­lo­ren hat­te, wähl­te ich des­halb eine neue Tak­tik und streb­te ziel­stre­big eine schlech­te­re an, mit Erfolg. 

Kal­horn 2189 – Jäh­nisch 2225
Ober­li­ga Nord­ost, Greifs­wald, 23.10.2011

Die Auf­stel­lung von Tegel II ist ähn­lich unvor­her­seh­bar wie unse­re, zumal sich vor der 2. Run­de noch nie­mand in der 1. Mann­schaft fest­ge­spielt hat­te. Es fiel mir des­halb leicht, auf eine Vor­be­rei­tung zu verzichten. 

1.d4 Sf6 2.c4
Er wird doch nicht etwa?
2…c5
Na?
3.d5 b5
Tat­säch­lich, Wol­ga­gam­bit. Eine von die­sen vie­len gräss­li­chen Eröff­nun­gen, die mal drin­gend von der FIDE unter­sagt wer­den müssten.
4.Sf3 Lb7

kalhornjaehnisch

Und aus dem Buch. Wäh­rend der Par­tie war ich der fes­ten Mei­nung, dass es die­sen Zug nicht gibt. Ande­rer­seits stellt er die unan­ge­neh­me Fra­ge, wie es mit dem Bau­ern auf d5 eigent­lich wei­ter­ge­hen soll. Ich ver­fiel nach eini­ger Zeit auf den Kinderzug
5.Db3
Stellt die tücki­sche Fal­le 5…bxc4? 6.Dxb7!
5…Db6
Oh… Natürlich…
6.Sc3
Zeit­ver­brauch: 25 Minu­ten. Ich rann­te zu Klaus und frag­te, ob ich Remis bie­ten dür­fe, was gnä­dig gestat­tet wur­de. Immer­hin hat­te ich end­lich gese­hen, dass nach 6.Sbd2 bxc4 7.Dxb6 (der Rech­ner behaup­tet wei­ße Kom­pen­sa­ti­on nach 7.Sxc4 Dxb3 8.axb3 Lxd5, viel­leicht ein Zei­chen dafür, wie frag­wür­dig das Wol­ga­gam­bit ist) 7… axb6 8.e4 der schwar­ze a‑Bauer die Linie gewech­selt hat und das coo­le 8…b5 mög­lich ist.
6…bxc4 7.Dxb6=
Der per­fek­te Zeit­punkt für ein Remis­ge­bot, Schwarz muss für einen erzwun­ge­nen Zug Zeit auf­wen­den. Nach etwa 25 Minuten:
7…axb6
Frank erzähl­te mir nach der Par­tie, dass das seit drei Jah­ren das ers­te Mal war, dass er ein Remis­ge­bot abge­lehnt hat. Mein schö­ner Plan war vor­läu­fig geschei­tert. Nach…
8.e4 e6 9.dxe6
Zu mei­nem gren­zen­lo­sen Erstau­nen gibt es eine Par­tie Kort­sch­noi-Borik (Baden-Baden 1981), in der es mit 9.Se5 wei­ter­ging. Des­halb lei­der kein N für mei­nen 5. Zug.
9…fxe6 10.e5 Sd5 11.Lxc4 Sxc3 12.bxc3 Lxf3 13.gxf3 Sc6 14.f4 Sa5 15.Ld3 Sb3
Natür­lich über­se­hen, aber 15.Ld3 war glück­li­cher­wei­se trotz­dem der bes­te Zug.
16.Tb1 Sxc1 17.Txc1 Txa2 18.Tb1

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4kb1r/3p2pp/1p2p3/2p1P3/5P2/2PB4/r4P1P/1R2K2R b Kk – 0 18

… lan­de­te ich in die­ser Rui­ne mit gleich fünf schwa­chen Bau­ern, die dann wie durch ein Wun­der doch nicht verlorenging.