Was fas­zi­niert so an die­sem demo­kra­ti­schen Spiel, das Men­schen zusam­men­bringt, die sonst nie ein Wort mit­ein­an­der reden wür­den? Alles, weiß der Lieb­ha­ber. In einem typi­schen Schach­ver­ein kämpft der Gärt­ner gegen den Rönt­gen­arzt, der Fami­li­en­va­ter gegen ein zwölf­jäh­ri­ges Nach­wuchs­ta­lent, der spiel­süch­ti­ge Jung­ge­sel­le gegen den Rechts­an­walt, der Ein­sa­me gegen den Schwät­zer, der Emi­grant gegen den Woh­nungs­lo­sen. Ver­kapp­te Genies geben Kar­rie­ren auf, für ande­re ist der Schach­ver­ein die letz­te sozia­le Hei­mat. Einer pad­delt mit dem Kanu übers Mit­tel­meer, stu­diert bei Son­nen­auf­gang die neu­es­ten Eröff­nungs­theo­rien, ein ande­rer reist mit dem Fahr­rad zum Nord­kap, die Taschen­lam­pe erleuch­tet nachts im Zelt das Steckschach.

– Chris­toph D. Brum­me im Frei­tag 18/2006