Seit die­sem Som­mer erscheint Ste­fan Bückers Zeit­schrift Kais­si­ber end­lich wie­der regel­mä­ßig. In Kais­si­ber 21 beschäf­tigt sich Bücker mit der so von ihm bezeich­ne­ten „Sandsturm-Variante“ in der Phi­l­i­dor-Ver­tei­di­gung, die nach 1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.d4 exd4 4.Sxd4 d5?! ent­steht. Die Haupt­va­ri­an­te geht dann so: 5.exd5 Dxd5 6.De2+! Le7 7.Sb5 Sa6 8.S1c3 Dd8 (D)

Nach 4...d5

Man fragt sich ein biss­chen, was den Schwar­zen bewe­gen soll­te, frei­wil­lig eine sol­che Stel­lung anzu­stre­ben. Immer­hin wird dem­nächst ein wei­ßer Turm auf der d‑Linie auf­tau­chen. Der Autor ana­ly­siert jetzt 9.Lf4 als unge­fähr­lich und 9.Le3 als pro­ble­ma­tisch für Schwarz. Am bes­ten soll 9.Lg5 sein, was „bisher igno­riert wurde“. Immer­hin haben sich schon Jänisch (der Erfin­der des Abspiels), Paul­sen, Stei­nitz und Cor­del mit der Vari­an­te befasst. Ste­fan Bücker schließt mit einer sein Ver­ständ­nis vom Schach gut cha­rak­te­ri­sie­ren­den Bemerkung:

Es ist inter­es­sant, dass 4…d5?! mög­li­cher­wei­se aus den fal­schen Grün­den abge­lehnt wird, und das seit lan­ger Zeit. Man soll­te den alten Ana­ly­sen miss­trau­en. Wenn ein und die­sel­be ehr­wür­di­ge Vari­an­te in Dut­zen­den von Büchern wie­der­holt wird, ist das noch kein Korrektheitsbeweis.

Und sonst? Adri­an Har­vey schreibt einen schö­nen lan­gen Arti­kel über die Ent­wick­lung der moder­nen Schach­theo­rie von 1735 bis 1901. Dick van Geet berich­tet über sei­ne Erfah­run­gen mit 1.b3. Der unver­gleich­li­che Bent Lar­sen schreibt über „mystische Konstellationen“. Er meint damit Stel­lun­gen, in denen sich die bei­den Sprin­ger gegen­sei­tig ver­tei­di­gen. Wir hät­ten vor­läu­fig noch nicht ein­mal eine Ter­mi­no­lo­gie, über die­se Figu­ren­kon­stel­la­tio­nen zu beschrei­ben. Ste­fan Bücker refe­riert den aktu­el­len Stand der Theo­rie­dis­kus­si­on im Gei­er (1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 Se4). Chril­ly Don­nin­ger schließ­lich steu­ert einen sehr unter­halt­sa­men Arti­kel über das Match des von ihm ent­wi­ckel­ten HYDRA-Pro­gramms gegen Micha­el Adams bei. Er erklärt das Chril­ly­sche Gesetz:

Ein Mensch greift in einer kom­ple­xen Stel­lung nach maxi­mal zehn Zügen dane­ben. Dar­aus folgt: Wenn es Hydra gelingt, in eine kom­ple­xe Stel­lung zu kom­men und die Stel­lung für zehn Züge auf­recht­zu­er­hal­ten, haben wir schon gewon­nen. Bei der Vor­be­rei­tung für das Adams-Match wur­den daher die Bewer­tungs­kri­te­ri­en etwas aggres­si­ver ein­ge­stellt. Von der objek­tiv-schach­li­chen War­te waren die­se Para­me­ter nicht opti­mal, aber wir soll­ten ja nicht gegen den lie­ben Gott, son­dern gegen einen Men­schen gewinnen.

Was zu bewei­sen war.