Unsichtbar

Schach ist unsichtbar. Kein Zuschauer im Saal erblickt Gedankengänge, Gedankensprünge oder Gedankenfehler. Will sich das Auge satt sehen, muß es mit zwei Stubenhockern, ihren Pokergesichtern und plötzlich ausgestreckten Armen vorliebnehmen.

– Roswin Finkenzeller, FAZ, 04.10.2006

Schachbrett

Das Schachbrett ist exterritorial. Das kleine Brett bedeutet nicht, wie angeblich die Bretter des Theaters, die Welt. Die 64 Felder sind ein Mikrokosmos, geistig zu trennen vom Gewusel des Lebens wie ein französischer Park von Steppe und Urwald. Der klare, scharfe Rand des regelmäßig gescheckten Quadrates scheidet eine intelligente und sympathische Ordnung von den tausend löchrigen, im Widerstreit liegenden Ordnungen des Lebensernstes.

– Roswin Finkenzeller: Schach. Kleine Philosophie der Passionen (1999)