Vor der 6. Run­de lag ich mit 3/5 noch eini­ger­ma­ßen im Plan. In der ers­ten Run­de hat­te ich pro­gramm­ge­mäß gegen Bo Lind­berg ver­lo­ren, danach eine schö­ne Par­tie gegen den Dänen Jes Knud­sen gespielt. Die drit­te Par­tie ver­lor ich durch einen ein­zü­gi­gen Figu­ren­ein­stel­ler, über den ich zehn Minu­ten nach­ge­dacht hat­te. Die Run­den 4 und 5 brach­ten zwei Arbeits­sie­ge. Die Aus­lo­sung schien es danach gut mir zu mei­nen. Tord Lind­vall hat eine Wert­zahl von 1872. Jetzt ein Weiß­sieg und es konn­te noch ein gutes Tur­nier werden. 

Kal­horn – Lindvall
Mal­mö, 18.12.2005
E90 Königs­in­di­sche Verteidigung

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 Sbd7 6.Le2 c5 7.d5 a6 8.Le3 0–0 9.Sd2 b5

Die jetzt ent­ste­hen­den Wol­ga-Gam­bit-Struk­tu­ren mag ich gar nicht. Mir ist nie so rich­tig klar gewor­den, wie man gegen die­sen Auf­bau spie­len sollte. 

10.cxb5 axb5 11.Lxb5 Db6 12.0–0 La6 13.a4 Lxb5 14.Sxb5

Hier habe ich län­ger an 14.axb5 über­legt, mich dann aber doch für den sys­tem­ge­rech­ten Zug entschieden.

14…Se5 15.f3 Da5 16.b3 Tfc8 17.Tc1 c4 18.Sxc4 Sxc4 19.Txc4 Txc4 20.bxc4 Db4

Lei­der spiel­te er nicht 20…Dxa4 21.Dxa4 Txa4 22.c5 mit einem beque­men End­spiel für mich.

21.Sd4

Ich fand kei­nen kla­ren Weg, wenn ich den c4 behal­te und ent­schloss mich des­halb, die bei­den Bau­ern gegen den e7 einzutauschen.

21…Txa4 22.Sc6 Dxc4 23.Sxe7+ Kf8 24.Sc6 Sd7 25.Dc1 Lc3

Tord über­leg­te hier­an sehr lan­ge. Ich hat­te auf einen Damen­tausch oder auf 25…Da6 26.Lh6 gehofft. Dann wird die Stel­lung ein­fach genug, um den Mehr­bau­ern zur Gel­tung zu bringen.

26.Lh6+ Ke8 27.Dg5 f6 

28.Dg4??

Das hielt ich für fol­ge­rich­tig. Die Dame kann ja jetzt schließ­lich in die schwar­ze Stel­lung ein­drin­gen. Mir war völ­lig ent­gan­gen, dass der Schwar­ze ja auch Dro­hun­gen hat. 28.De3 wäre immer noch aus­rei­chend gewe­sen. Anschlie­ßend könn­te ich dann end­lich mal ein Luft­loch auf h2 schaffen.

28…Ld4+ 29.Sxd4 Dxd4+ 30.Kh1 Ta1

Das hat­te ich voll­kom­men übersehen.

31.Lc1 Dc4 32.Tg1 Txc1

32…Dxc1 hät­te auf der Stel­le mattgesetzt.

33.h3

33.De6+ Kd8 34.h3 gibt mehr Schwin­del­chan­cen. Vor Schreck hat­te ich ganz ver­ges­sen, was die Absicht von 28.Dg4 gewe­sen war.

33…Txg1+ 34.Kxg1 Dd4+ 35.Kh1 De5 36.Dh4 h5 37.g4 Df4 38.Df2 Se5 39.Kg2 hxg4 40.hxg4 g5 41.De2 Sg6 42.Db5+ Kf7 43.Dd7+ Kg8 44.De8+ Kh7 45.Df7+

Bei star­ker Zeit­not von Schwarz hät­te ich hier lie­ber pro­bie­ren sol­len, ob er nach 45.Kf2 Dd2+ 46.Kf1 schnell genug einen Gewinn fin­det, da der Wei­ße bei Sprin­ger­fort­zug gele­gent­lich Dau­er­schach dro­hen kann.

45…Kh6 46.Kf2 Dxf3+! 0–1

Tord erzähl­te mir, dass in sei­nem Ver­ein Marka­ryds SK auch Claus-Peter aus Deutsch­land ist. Gegen die­sen hat­te in die­ser Run­de zufäl­li­ger­wei­se Ralf gespielt – mit bes­se­rem Erfolg. Tord besieg­te in der 7. Run­de auch noch Amir Tad­je­r­ba­shi, beleg­te am Ende mit 5 aus 7 den 18. Platz und erhielt einen Ratingpreis.