Tim Krab­bé ver­ar­bei­tet in sei­nem vor­züg­li­chen Open Chess Dia­ry (Num­mer 303) ein Kindheitserlebnis:

Vor 48 Jah­ren gab es eine Par­tie, für die ich mich undeut­lich schäm­te. Als ich sie neu­lich nach­spiel­te, stell­te sich her­aus, dass es noch viel schlim­mer war, als ich dachte.

Anfang 1958, ich war 14, spiel­te ich für mei­ne Schu­le gegen einen Jun­gen namens Teu­ling. Wir erreich­ten ein End­spiel, in dem ich drei Bau­ern für den Läu­fer hat­te und das totre­mis war. Doch weil mei­ne Mann­schaft einen Sieg brauch­te, mach­te ich einen radi­ka­len Gewinn­ver­such – der völ­lig schief ging.

Der ein­fachs­te Gewinn war 54.h3 oder 54.h4, aber Teu­ling wähl­te 54.e6 und nach 54…Kxe6 55.Kxg4 mach­te ich eine jäm­mer­li­che Sache, die fast ein hal­bes Jahr­hun­dert an mir nag­te – ich bat um Gna­de. Natür­lich hät­te ich gese­hen, dass es kei­nen Gewinn gab, sag­te ich, ich hät­te es für mei­ne Schu­le tun müs­sen, das wäre fehl­ge­schla­gen und ob er mir bit­te das Remis geben wür­de, das ich nach allem als unver­meid­lich gese­hen hät­te. Nach anfäng­li­chen Befürch­tun­gen war Teu­ling groß­zü­gig: Remis.

Als ich die­se Par­tie in mei­ne Daten­bank lud, ließ ich mei­nen elek­tro­ni­schen Ana­ly­se­part­ner kibit­zen, um zu sehen, wie schlecht wir gespielt hat­ten. Es war in der Tat schreck­lich. Als ich fer­tig war, ver­gaß ich ihn aus­zu­stel­len, als ich eini­ge Zeit spä­ter auf den Bild­schirm sah, der immer noch die Schluss­stel­lung nach 55.Kxg4 zeig­te, sah ich ihn einen Vor­teil von fast zehn Bau­ern anzei­gen. Mir stan­den die Haa­re zu Ber­ge, als ich bemerk­te, dass es Schwarz war, der Vor­teil hat­te. Nach 55…Kd5 ver­wan­delt sich einer sei­ner Bau­ern. Ich hat­te in Gewinn­stel­lung um Remis gebettelt.

© Tim Krabbé
Abdruck mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Autors