Die 7. Run­de bescher­te uns in der Ober­li­ga Nord­ost ein Heim­spiel gegen die eben­falls vom Abstieg bedroh­te Mann­schaft von König Tegel II. Bei­den Mann­schaf­ten war der Ernst der Lage klar. Ein Sieg wür­de mit eini­ger Sicher­heit den Klas­sen­er­halt bedeu­ten, eine Nie­der­la­ge den Abstieg, ein Unent­schie­den den Schwe­be­zu­stand für bei­de Mann­schaf­ten ver­län­gern. Aus­ge­rech­net in die­sem Kampf kas­sier­te ich mei­ne ers­te Saisonniederlage.

Kal­horn – Plümer
Greifs­wald, 18.03.2007
D11 Sla­wi­sche Verteidigung

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 a6 5.Ld3 Lg4 6.Db3 Dc7 7.Se5 e6 8.Sc3 Sbd7 9.f4
Ich woll­te den Punkt e5 behaup­ten – das grund­sätz­li­che The­ma in die­ser Struk­tur. 9.Sxg4 Sxg4 10.h3 Sgf6 11.0–0 und das Läu­fer­paar gibt lang­fris­tig viel­leicht etwas Vorteil.
9…dxc4 10.Lxc4 Lf5= 11.0–0
Hier über­leg­te ich über 20 Minu­ten an 11.g4!? , die­se Zeit soll­te mir am Ende feh­len. 11…Sxg4 12.e4 (Von 12.Sxf7 nahm ich instink­tiv zurecht Abstand: 12…Kxf7 (12…Sxe3! 13.Lxe3 Kxf7 ist ein­fach ein Mehr­bau­er.) 13.e4 Dd8 (13…Kf6 mag man kaum spie­len – 14.exf5 exf5 15.h3 Sh6) 14.exf5 Dh4+ Das hielt ich für schlecht für Weiß, eine feh­ler­haf­te Ein­schät­zung: 15.Kd1 Sf2+ 16.Kc2 Sxh1 17.Lxe6+ und Weiß schlägt nach­ein­an­der auf d7, b7 und a8.) und lei­der ist nach 12…Sgxe5 13.fxe5 Lg6 alles in Ordnung.
11…Le7 12.Le2 Sxe5 13.fxe5
13.dxe5 Sd5 14.Lf3 Sxc3 15.bxc3 gefiel mir nicht, weil das End­spiel bestimmt mal ver­lo­ren geht. Tat­säch­lich hat Schwarz aber Pro­ble­me, sei­nen König sicher zu stel­len, weil die wei­ßen Bau­ern am Königs­flü­gel vor­rü­cken können.
13…Sd7 (D)

Mit Remis­ge­bot. Das war mei­ne sie­ben­te Ober­li­ga­par­tie in Fol­ge gegen einen stär­ke­ren Geg­ner, da war es ver­lo­ckend, das sie­ben­te Remis zu machen. Wegen der Situa­ti­on an den ande­ren Bret­tern nahm ich das Remis nicht an, obwohl mir klar war, dass mei­ne Bau­ern­struk­tur im Zen­trum nach c6-c5 sehr anfäl­lig wer­den würde.
14.Lf3
Hier steck­te ich gleich noch mal unnütz Zeit in das Qua­li­täts­op­fer 14.Txf5 exf5 15.e6 fxe6 16.Dxe6 Tf8 Das woll­te ich nicht riskieren.
14…0–0 15.Se4 Tab8 16.Ld2 c5
Natürlich.
17.Tac1 Tfc8
Hier fühl­te ich mich sehr unwohl und wand­te eini­ge Bedenk­zeit auf, um die nächs­ten drei Züge zu überprüfen.
18.Da3 Lf8 19.b4!
Tat­säch­lich ein star­ker Zug, vor allem über­ra­schend für den Schwar­zen. Er muss vor­bei­zie­hen und auf ein­mal ste­hen e3, d4 und e5 ganz fest.
19…c4 20.Sc5
Das kam schnell, viel­leicht zu schnell. 20.Dc3 b5 sah schlimm aus, aller­dings habe ich Mög­lich­kei­ten am Königs­flü­gel und auf der lan­gen Dia­go­na­len. Den gedeck­ten Frei­bau­ern kann ich noch bequem blockieren.
20…Sxc5 21.bxc5 Ld3
Ging hier leider.
22.Tf2 b6 23.Dc3!
In begin­nen­der Zeit­not, wir waren bei­de unter 20 Minu­ten Rest­be­denk­zeit, die rich­ti­ge Wahl. Zuvor hat­te ich nur an 23.Dxa6 bxc5 24.La5 Dd7 gedacht, da kom­me ich aber nicht weiter.
23…bxc5 24.d5
Das spielt man gern.
24…Db6
Sehr cool. Ich dach­te, er will nach b2, tat­säch­lich soll­te e6 über­deckt wer­den. 24…exd5 25.Lxd5
25.d6
Wie­der schnell gespielt.
25…f6!
Voll­kom­men uner­war­tet und wegen der Zeit­not der psy­cho­lo­gi­sche Wen­de­punkt der Par­tie für mich. Bis eben war ich sehr zuver­sicht­lich gewe­sen. Er kann doch nicht den Königs­flü­gel und die zwei­te lan­ge Dia­go­na­le auf­ma­chen? 25…Db2 26.Dxb2 Txb2 27.Lc3 Txf2 28.Kxf2 hat­te ich erhofft.
26.Lg4
Rich­ti­ger Zug.
26…Te8?!
Das warf mich um. Er hat­te doch wohl nicht die Dro­hung f6-f7+ über­se­hen? 26…f5 27.Le2
27.exf6
27.d7 Te7 28.exf6 Txd7 29.De5 war eine der letz­ten Vari­an­ten, die ich noch rech­nen konn­te. Das schien mir nicht klar, ist tat­säch­lich aber in Zeit­not ein­fa­cher zu spielen.
27…gxf6 28.Dxf6 Dxd6 (D)

Hier muss­te es doch einen Gewinn gegen! Ich inves­tier­te noch mal zwei, drei Minu­ten und fand nichts. Viel­leicht hät­te ich Remis bie­ten sol­len. Ich merk­te, dass mir die Par­tie entglitt.
29.Lh5?!
29.Df7+ Kh8 30.Lxe6 schlug Arvid nach der Par­tie vor. Ich glaub­te wäh­rend der Par­tie, dass er die Dia­go­na­le ver­stop­fen kann. 30…Txe6 (30…Lg7 ist die siche­re Vari­an­te 31.Lxc4) 31.Lc3+ Te5 32.Tf6! hat­te ich lei­der nicht gefun­den; 29.Lc3 e5 30.Df7+ Kh8 31.Tf6 Dd8 hält dage­gen alles zusam­men. 32.Dxe8 Dxe8 33.Txf8+ Dxf8 34.Lxe5+ Dg7 35.Lxg7+ Kxg7 sieht dann toll aus, ist aber schlech­ter für Weiß.
29…Lg7 30.Df7+?
30.Lf7+ Kh8 und dann habe ich 31.Lc3! auf die Schnel­le nicht gese­hen. 31…Tg8 32.Dxe6 Dxe6 33.Lxg7+ Txg7 34.Lxe6 Tgb7 bleibt aber schwie­rig für Weiß.
30…Kh8 31.Dxe8+ Txe8 32.Lxe8 Db8
32…Lb2! 33.Td1 c3 34.Lc1 Lxc1 35.Txc1 c2
33.Lf7
Jetzt hor­ren­de Zeit­not, längst weni­ger als fünf Minu­ten. Ich woll­te g8 angrei­fen, um even­tu­ell Honig aus dem Matt­mo­tiv Lc3 zu saugen.
33…Db2? (D)

34.Td1?
Und jetzt sehe ich es nicht! 34.Lxe6! ist min­des­tens Remis: 34…c3? Davor hat­te ich Angst. (34…Da3 Die Dame muss von der Dia­go­na­len run­ter. 35.Lxc4 Lb2 36.Tf8+ Kg7) 35.Tf8+! Lxf8 36.Lxc3+ Dxc3 37.Txc3 und Gewinn.
34…c3 35.Lc1
35.Lxe6 c2
35…c2 36.Te1 Db4 37.Ld2 Lc3 38.Lxc3+ Dxc3 39.Tc1 Db2
0–1

Zum Glück gewann danach Wil­fried sei­ne Par­tie, kipp­te Mal­te in der zwei­ten Zeit­not sei­ne Stel­lung und hielt Richard ein End­spiel mit Läu­fer gegen Turm Remis. Doch wer­den der eine Mann­schafts­punkt und die vier Brett­punk­te wohl­mög­lich nicht zum Klas­sen­er­halt reichen.

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