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Wir been­den unse­re klei­ne Serie zu den Zug­re­geln im Xiang­qi mit der am schwers­ten zu beherr­schen­den Figur für den west­li­chen Schach­spie­ler, der Kano­ne. Die Kano­ne ist die ein­zi­ge Figur, die anders zieht als sie schlägt. Sie zieht wie der Wagen, also eine unbe­grenz­te Anzahl von Fel­dern ver­ti­kal oder hori­zon­tal. In der­sel­ben Rich­tung schlägt sie, mit dem Unter­schied, dass zwi­schen der Kano­ne und der zu schla­gen­den Figur eine wei­te­re Figur (der „Schanz­stein“) ste­hen muss. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, wel­che Far­be der Schanz­stein hat. Die Kano­ne schießt also nur „über die Mauer“.

Was sich so ein­fach anhört, ist im Spiel schwie­rig anzu­wen­den. Ich habe schon unzäh­li­ge Figu­ren ein­ge­büßt, weil ich eine frem­de Kano­ne „hin­ter der Mau­er“ ver­ges­sen habe. Die Schlag­wei­se der Kano­nen führt tat­säch­lich dazu, dass Xiang­qi ein voll­kom­men ande­res Spiel als das west­li­che Schach wird. Vie­le Matt­bil­der beinhal­ten den Ein­satz der Kano­ne, allen vor­an das berühm­te „Dop­pel­ka­no­nen­matt“. Das Erfor­der­nis eines Schanz­stei­nes führt aller­dings zu einem wei­te­ren para­do­xen Ele­ment im Chi­ne­si­schen Schach – die Kraft der Kano­nen nimmt mit der Anzahl der geschla­ge­nen Figu­ren ab (Im Gegen­zug gewin­nen die Pfer­de mit der Zunah­me von Raum an Kraft). Zum End­spiel hin man­gelt es den Kano­nen zuneh­mend an Schanz­stei­nen. Sie füh­ren dann oft­mals ein küm­mer­li­ches Dasein als Blo­cka­de­figur. Feld­herr und Kano­ne kön­nen allein den geg­ne­ri­schen Feld­herrn nicht besie­gen, Feld­herr und Sol­dat dage­gen schon.

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Das Bei­spiel zeigt die rote Kano­ne auf ihrem Lieb­lings­platz. Die „Mit­tel­ka­no­ne“ auf e7 fes­selt den schwar­zen Ele­fan­ten auf e8 und den schwar­zen Bera­ter auf e7. Die schwar­zen Kano­nen ver­tei­di­gen sich gegen­sei­tig – wegen des Schanz­stei­nes auf e9. 1.Wxb9 wür­de des­halb an 1…Kxb9 schei­tern. Rot löst das Pro­blem durch das Wagen­op­fer 1.Wf9! Die­ser schö­ne Zug unter­bricht die Ver­bin­dung zwi­schen den schwar­zen Kano­nen. Die Annah­me des Opfers mit 1…Kxf9 schei­tert jetzt an 2.Wb10+ Wc10 (ein­zi­ger Zug, da Ele­fant und Bera­ter nicht dazwi­schen­zie­hen dür­fen) 3.Wxc10 matt. Die rote Kano­ne blo­ckiert die gesam­te schwar­ze Ver­tei­di­gung. Da aber gleich­zei­tig 2.Wxb9 droht und auf 1…Wc9 2.Wxg9 sowie auf 1…Kc9 2.Wb10+ Kc10 3.Wxg9 funk­tio­niert, gewinnt Rot eine schwar­ze Kano­ne und bleibt mit einem Pferd im Vorteil.