Nur kurz ein biss­chen Luft ablas­sen über den Welt­meis­ter­schafts­kampf in Bonn. Das größ­te Ärgernis ist für mich die Kür­ze – nur zwölf Par­tien. Da ist eigent­lich kei­ne Zeit für ein Abtas­ten der Eröff­nungs­vor­be­rei­tung, ein paar Kurz­re­mi­sen, alles das, was ein Match ja eigent­lich aus­macht (bin mit Kar­pov vs. Kas­parov sozia­li­siert und erin­ne­re mich noch an den Auf­schrei über den Kul­tur­ver­lust, als der Modus auf 24 Par­tien ver­kürzt wur­de). Aber viel­leicht wird bei zwölf Par­tien ja nur noch abge­tas­tet, weil bei der Spiel­stär­ke von Anand und Kram­nik eine ein­zi­ge Nie­der­la­ge schon ent­schei­dend sein kann? Man stel­le sich bloß mal vor, das Match Spass­ky gegen Fischer 1972 wäre auf zwölf Par­tien ange­setzt worden.

Das ande­re Ärgernis ist natür­lich die unsäg­li­che Abspra­che, die Par­tien nur mit einer Ver­zö­ge­rung von 30 Minu­ten frei zugäng­lich zu machen. Ich weiß nicht, wie vie­le Leu­te neun Euro für eine Par­tie bezah­len, den Etat der Ver­an­stal­tung wird man mit die­ser Maß­nah­me nicht son­der­lich auf­bes­sern kön­nen. Und bekommt man sein Geld zurück, wenn noch­mal Abtausch-Sla­wisch aufs Brett kommt? Wegen Schlech­ter­fül­lung? Wäre es nicht eine wun­der­ba­re Vor­stel­lung, wenn die glo­ba­le Schach­ge­mein­de gleich­zei­tig vor den Rech­nern sit­zen könn­te, ein und die­sel­be Par­tie ver­fol­gend und dis­ku­tie­rend? Wäre das nicht der Sinn einer Schach­welt­meis­ter­schaft? Statt­des­sen wird man (ein klei­ner Witz der Schach­göt­tin) aus­ge­rech­net auf die Topal­ov-Sei­te chess­dom getrie­ben, die zuge­ge­be­ner­ma­ßen nach Abwar­ten einer Scham­frist eine ver­nünf­ti­ge jour­na­lis­ti­sche Arbeit macht.