Zwischenzeitlich sind in unserer Doping-Diskussion zwei wesentliche Dinge passiert: Mir liegt eine Vereinbarung vor zwischen der NADA und dem DSB vom Januar 2009 und der Präsident des Landesschachverbandes bzw. dessen Präsidium (?) haben ihren Vorschlag zur Satzungsänderung überarbeitet (geänderte Fassung hier als pdf). Kurz meine Meinung zu beiden Punkten:

1. Der Vertrag vom Januar 2009

Der Vertrag ist nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Das respektiere ich natürlich. Nach Lektüre des Vertrages kann ich jedoch sagen, dass er
a) ausdrücklich nur Athleten betrifft, die dem Regelwerk des DSB unterliegen. Weil der DSB nur den Spielbetrieb regelt und regeln kann, der über den Rahmen der Landesverbände hinausgeht (vgl. die Turnierordnung des DSB (pdf) gleich am Anfang), hat er m.E. für den Wettkampfbetrieb des Landesschachverbandes keine Bedeutung.
b) keine Begrenzung der Kontrollen auf bestimmte Wettkämpfe enthält. Allerdings nimmt der Vertrag auf eine weitere, frühere Vereinbarung Bezug, die ich nicht kenne. Ich will nicht ausschließen, dass sich darin eine Beschränkung der Kontrollen auf bestimmte Wettkämpfe findet. Warum diese Vereinbarung nicht gleich mitgeschickt wurde? Ich weiß es nicht.

2. Der geänderte Satzungsantrag des Präsidiums

Das Präsidium will jetzt keine eigene Anti-Doping-Ordnung mehr verabschieden, sondern schlägt vor, die Satzung des Landesschachverbandes um folgenden Satz zu ergänzen:

Der LSV M‑V verpflichtet sich, jede Form des Dopings zu bekämpfen und in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schachbund (DSB) für präventive und repressive Maßnahmen eintritt (gemeint ist wohl »einzutreten«), die geeignet sind, den Gebrauch verbotener leistungssteigernder Mittel und/oder Methoden zu unterbinden. Näheres regelt die Anti-Doping-Ordnung des DSB.

Mir ist erstmal nicht ganz klar, was damit geregelt werden soll. Will das Präsidium feststellen, dass die ADO des DSB gilt? Das ist ohnehin klar. Die ADO des DSB gilt ja schon – für den Wettkampfbetrieb des DSB.

Oder will das Präsidium die ADO des DSB auf den Wettkampfbetrieb des Landesschachverbands erstrecken, sie darauf für anwendbar erklären? Dann weiß ich nicht, worin der Kompromiss bestehen soll. Verbotsliste, Erfordernis von Ausnahmegenehmigungen bei Medikamenteneinnahme, die Möglichkeit von Dopingkontrollen – all das würde dann für sämtliche Spielklassen und Meisterschaften des Landesschachverbands gelten. Ich zitiere aus der ADO des DSB:

Dem NADA-Code unterworfen sind alle Schachspielerinnen und Schachspieler, die an einem Turnier des DSB teilnehmen, bei dem Dopingtests durchgeführt werden. Die Anerkennung des NADA-Codes durch diese Schachspielerinnen oder Schachspieler erfolgt grundsätzlich auf individualvertraglicher Grundlage. Darüber hinaus haben aber auch alle Schachspielerinnen und Schachspieler den NADA-Code zu beachten und unabhängig davon, ob mit ihnen vertragliche Regelungen getroffen werden und unabhängig davon, ob sie an Turnierveranstaltungen teilnehmen, bei denen es Dopingtests gibt.

Alter Wein in neuen Schläuchen also.