Schachblätter

Ein Kompromiss?

Zwi­schen­zeit­lich sind in unse­rer Doping-Dis­kus­si­on zwei wesent­li­che Din­ge pas­siert: Mir liegt eine Ver­ein­ba­rung vor zwi­schen der NADA und dem DSB vom Janu­ar 2009 und der Prä­si­dent des Lan­des­schach­ver­ban­des bzw. des­sen Prä­si­di­um (?) haben ihren Vor­schlag zur Sat­zungs­än­de­rung über­ar­bei­tet (geän­der­te Fas­sung hier als pdf). Kurz mei­ne Mei­nung zu bei­den Punkten:

1. Der Ver­trag vom Janu­ar 2009

Der Ver­trag ist nicht zur Ver­öf­fent­li­chung frei­ge­ge­ben. Das respek­tie­re ich natür­lich. Nach Lek­tü­re des Ver­tra­ges kann ich jedoch sagen, dass er
a) aus­drück­lich nur Ath­le­ten betrifft, die dem Regel­werk des DSB unter­lie­gen. Weil der DSB nur den Spiel­be­trieb regelt und regeln kann, der über den Rah­men der Lan­des­ver­bän­de hin­aus­geht (vgl. die Tur­nier­ord­nung des DSB (pdf) gleich am Anfang), hat er m.E. für den Wett­kampf­be­trieb des Lan­des­schach­ver­ban­des kei­ne Bedeutung.
b) kei­ne Begren­zung der Kon­trol­len auf bestimm­te Wett­kämp­fe ent­hält. Aller­dings nimmt der Ver­trag auf eine wei­te­re, frü­he­re Ver­ein­ba­rung Bezug, die ich nicht ken­ne. Ich will nicht aus­schlie­ßen, dass sich dar­in eine Beschrän­kung der Kon­trol­len auf bestimm­te Wett­kämp­fe fin­det. War­um die­se Ver­ein­ba­rung nicht gleich mit­ge­schickt wur­de? Ich weiß es nicht.

2. Der geän­der­te Sat­zungs­an­trag des Präsidiums

Das Prä­si­di­um will jetzt kei­ne eige­ne Anti-Doping-Ord­nung mehr ver­ab­schie­den, son­dern schlägt vor, die Sat­zung des Lan­des­schach­ver­ban­des um fol­gen­den Satz zu ergänzen:

Der LSV M‑V ver­pflich­tet sich, jede Form des Dopings zu bekämp­fen und in enger Zusam­men­ar­beit mit dem Deut­schen Schach­bund (DSB) für prä­ven­ti­ve und repres­si­ve Maß­nah­men ein­tritt (gemeint ist wohl „ein­zu­tre­ten“), die geeig­net sind, den Gebrauch ver­bo­te­ner leis­tungs­stei­gern­der Mit­tel und/oder Metho­den zu unter­bin­den. Nähe­res regelt die Anti-Doping-Ord­nung des DSB.

Mir ist erst­mal nicht ganz klar, was damit gere­gelt wer­den soll. Will das Prä­si­di­um fest­stel­len, dass die ADO des DSB gilt? Das ist ohne­hin klar. Die ADO des DSB gilt ja schon – für den Wett­kampf­be­trieb des DSB.

Oder will das Prä­si­di­um die ADO des DSB auf den Wett­kampf­be­trieb des Lan­des­schach­ver­bands erstre­cken, sie dar­auf für anwend­bar erklä­ren? Dann weiß ich nicht, wor­in der Kom­pro­miss bestehen soll. Ver­bots­lis­te, Erfor­der­nis von Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen bei Medi­ka­men­ten­ein­nah­me, die Mög­lich­keit von Doping­kon­trol­len – all das wür­de dann für sämt­li­che Spiel­klas­sen und Meis­ter­schaf­ten des Lan­des­schach­ver­bands gel­ten. Ich zitie­re aus der ADO des DSB:

Dem NADA-Code unter­wor­fen sind alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler, die an einem Tur­nier des DSB teil­neh­men, bei dem Doping­tests durch­ge­führt wer­den. Die Aner­ken­nung des NADA-Codes durch die­se Schach­spie­le­rin­nen oder Schach­spie­ler erfolgt grund­sätz­lich auf indi­vi­du­al­ver­trag­li­cher Grund­la­ge. Dar­über hin­aus haben aber auch alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler den NADA-Code zu beach­ten und unab­hän­gig davon, ob mit ihnen ver­trag­li­che Rege­lun­gen getrof­fen wer­den und unab­hän­gig davon, ob sie an Tur­nier­ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, bei denen es Doping­tests gibt.

Alter Wein in neu­en Schläu­chen also.

Kategorien: Local Heroes

Wir sind nicht allein! » « Vorfreude?

13 Kommentare

  1. @ Ste­fan: Not­wen­dig erscheint es mir, dass du die gesam­te Pas­sa­ge des Anwen­dungs­be­rei­ches der ADO des DSB zitierst, wie ich es am 25. April 2010 um 23:01 Uhr bereits ein­mal getan hat­te, denn die Aus­füh­run­gen für “alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler” wird spezifiziert:

    “[das von dir bereits Zitier­te] […] Der Deut­sche Schach­bund fühlt sich einem doping­frei­en Sport auf allen sei­nen Ebe­nen ver­pflich­tet. Er appel­liert an alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler, die­se Ver­pflich­tung für SICH [Her­vor­he­bung d. Verf.] eben­falls als ver­bind­lich anzu­se­hen und den Schach­s­port dopingfrei
    auszuüben.”

    Damit wären wir dann auch wie­der bei einem bereits pos­tu­lier­ten Modell des Brei­ten- und Frei­zeit­schach­spie­lers als Spie­ler und Kon­trol­leur und die Split­tung beim Spit­zen­sport mit­tels Dopingkontrollen.

    Mei­ner Mei­nung nach stellt die­se Vari­an­te also durch­aus einen Kom­pro­miss dar, der M‑V nicht die Kon­se­quen­zen der Doping­be­stim­mun­gen in allen sei­nen Facet­ten oktroyiert.
    Gleich­zei­tig bestehen durch die­sen Kom­pro­miss aber die Bau­stel­len, wie wir das Start­recht in M‑V von mög­li­chen Posi­tiv-Getes­te­ten regeln – aber das wird die neu­er­li­che Auf­ga­be des Prä­si­di­ums sein. Gleich­zei­tig ver­tre­te ich die Mei­nung, dass die Ver­ei­nen dabei stär­ker ein­ge­bun­den wer­den soll­ten – Nähe­res sicher am Sonntag.

  2. Stefan

    30. April 2010 — 19:24

    @Paul: Ich habe dei­nen Kom­men­tar mal unter die­sen Ein­trag ver­scho­ben, damit der Zusam­men­hang klar wird.

    Die von dir zitier­te Pas­sa­ge der ADO des DSB zeigt ledig­lich, dass die­se Ord­nung nur für Wett­kämp­fe auf DSB-Ebe­ne gilt. Für die ande­ren Ebe­nen appel­liert der DSB des­we­gen nur. Recht­li­che Rele­vanz hat ein Appell gera­de nicht, auch wenn du dar­aus ein Modell her­lei­ten willst. Das Modell vom Spie­ler als Kon­trol­leur gibt es nicht! Ent­we­der gilt der NADA-Code oder er gilt nicht! Und die Beschrän­kung der Doping­kon­trol­len auf den Spit­zen­sport konn­te ich dem Ver­trag, wie gesagt, nicht ent­neh­men, ganz im Gegenteil.

    Lei­der hast du mei­ne Fra­ge nicht beant­wor­tet. Die vor­schla­ge­ne Sat­zungs­än­de­rung fin­de ich vom Wort­laut her zwei­deu­tig. Also:

    Willst du, dass die Anti-Doping-Ord­nung des Deut­schen Schach­bunds für den Lan­des­schach­ver­band M‑V ent­spre­chend gilt oder willst du das nicht? Die­se Fra­ge muss zunächst beant­wor­tet wer­den und dann die Sat­zungs­än­de­rung ent­spre­chend formuliert.

  3. Ja, natür­lich soll die ADO des DSB auch für Spie­ler aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern gel­ten. In Form von mög­li­chen Doping­kon­trol­len auf DSB-Ebe­ne und als sym­bo­li­sche Ord­nung für alle Brei­ten­sport­ler des LSV M‑V, die allein in unse­rem Bun­des­land dem Schach­s­port nachgehen.

    Als Nicht-Jurist kann ich lei­der nicht alle juris­ti­schen Fol­gen und For­mu­lie­run­gen ein­schät­zen, den­ke aber noch immer, dass die Her­ren vom DSB und LSB nicht auf den Kopf gefal­len sind was die recht­li­chen Fol­gen betrifft. Was die For­mu­lie­rung in der ADO des DSB betrifft, fin­de ich die­se auch nicht opti­mal, ken­ne aber nicht den Hin­ter­grund und sehe den zwei­ten Teil als Spe­zi­fi­zie­rung an.

    Wie müss­te denn die For­mu­lie­rung dei­ner Mei­nung nach aus­se­hen, denn das ist mir lei­der noch nicht ganz klar geworden.

  4. Stefan

    30. April 2010 — 22:23

    Es ist ja nicht schlimm, dass du kein Jurist bist, aber das was du schreibst, hat mit der (recht­li­chen) Wirk­lich­keit lei­der nichts zu tun. Wenn wir die Doping­ord­nung des DSB über­neh­men, haben wir die Kon­troll­mög­lich­keit auf allen Ebe­nen des Lan­des­schach­ver­ban­des, medi­zi­ni­sche Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen müs­sen ein­ge­holt wer­den, die kom­plet­te Ver­bots­lis­te gilt, das vol­le Pro­gramm. Dann wäre es aber auch ange­bracht, dass den Schach­spie­lern in Meck­len­burg-Vor­pom­mern auch zu sagen, anstatt hier Nebel­ker­zen zu zün­den. Von einer „sym­bo­li­schen“ Ord­nung kann kei­ne Rede sein, ich weiß auch gar nicht, was eine „sym­bo­li­sche“ Ord­nung sein soll.

  5. Es ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis, ob „die Her­ren vom DSB und LSB nicht auf den Kopf gefal­len sind“ oder sons­ti­ger Sprich­wor­te deut­scher Spra­che unter­lie­gen, war­um sich die Ety­mo­lo­gie (ety­mon, griech.=Wurzel,scil.Wortwurzel) durch das Set­zen blo­ßer Anfüh­rungs­zei­chern ändern soll­te (wie von PO ange­führt; gemeint scheint die Kon­no­ta­ti­on?!), war­um deut­sche Infi­ni­ti­ve in offi­zi­el­len Ver­laut­ba­run­gen nicht der kor­rek­ten Gram­ma­tik zu unter­lie­gen schei­nen, ich aber zum Trot­ze aller sprach­li­chen und iuris­ti­schen Män­gel die­sen Ver­laut­ba­run­gen fol­gen sol­le, war­um, obwohl der ekzes­si­ve Alkohol‑, Ziga­ret­ten- und Kaf­fee­kon­sum wäh­rend einer Schach­par­tie, wie er in man­chen Schach­ver­ei­nen ad nau­seam betrie­ben zu wer­den scheint (und den vor­geb­li­chen Beteue­run­gen des Prä­si­di­ums des LSVMV zu einer „gesun­den Lebens­füh­rung“ offen zuwi­der­läuft) wei­ter­hin tole­riert wird, es über­haupt zu sol­chen Ãœber­le­gun­gen des Spiel­be­triebs kom­men konn­te und der Can­na­bis­kon­sum offen (trotz des Rech­tes auf Eigen­be­darf) kri­mi­na­li­siert wird (ich will, falls die­se Rege­lung ver­ab­schie­det wird, dass auch Kon­su­men­ten von Alko­hol, Niko­tin und Kof­fe­in – also wohl mind. 95% der Bevöl­ke­rung – als Doping­sün­der gebrand­markt wer­den – Kon­se­quenz und v.a. Kon­sis­tenz!! sind wohl ganz zwin­gen­de Bedin­gun­gen, um in einen Bereich dif­fi­zi­ler Onto­lo­gie – also wenn es um die Fest­le­gung und Defi­ni­ti­on bestimm­ter Enti­tä­ten geht – ein­zu­grei­fen, sine iure sine poena,sic!, et cum iure, quae poenam non praebet…), war­um all‚ die­ses gesche­hen muss, gegen bes­se­ren Ver­ständ­nis­ses , gegen bes­se­ren Sin­nes, gegen jeden Idealismus‘…
    Dar­um mein Vor­schlag, von wel­chem ich frei­lich nicht weiß, ob er iuris­tisch mög­lich ist: die­je­ni­gen Ver­ei­ne, die sich der Doping­ord­nung wider­set­zen (sic!), tre­ten aus dem LSVMV aus und tre­ten einem Ver­band bei, dem es um die Erhal­tung des Schachs gele­gen ist: Z.B. (deo volen­te :-)) dem Baye­ri­schen Schach­ver­band (oder natürlch einem wahl­wei­se ande­ren Ver­band )- viel Glück dann dem Schach in McPom!

  6. Ich hab‘ zwar Lati­num, aber das ist wegen Nicht­ge­brauchs ziem­lich ange­staubt… Gibt es auch hier­für einen google-translator?

  7. Ich habe das Gefühl, dass eine sym­bo­li­sche Ächtung von Doping, die ich im Ãœb­ri­gen begrü­ßen wür­de, mit einem Ver­weis auf die ADO des DSB nicht kom­pa­ti­bel ist.

  8. Paul Onasch

    1. Mai 2010 — 11:51

    Zum einen kann ich „opa­huhn“ (mit dem Genus dei­nes Namens tue ich mich lei­der etwas schwer) ver­si­chern, dass die Ortho­gra­fie der Sat­zungs­än­de­rung den Richt­li­ni­en der deut­schen Ortho­gra­fie ange­passt wer­den wird.

    Mibu, einen goog­le-Spracht­ool für Latein gibt es nicht, aber das blo­ße goo­geln soll­te genü­gen – ansons­ten hilft viel­leicht der Sto­was­ser weiter.

    Ich habe ein­mal eine Gegen­fra­ge an die­ser Stel­le: Was wider­spricht der Auf­fas­sung, dass die Pas­sa­ge – „[e]r appel­liert an alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler, die­se Ver­pflich­tung für sich eben­falls als ver­bind­lich anzu­se­hen und den Schach­s­port doping­frei aus­zu­üben“ – kei­ne Spe­zi­fi­zie­rung zur vor­he­ri­gen Pas­sa­ge „[d]arüber hin­aus haben aber auch alle Schach­spie­le­rin­nen und Schach­spie­ler den NADA-Code zu beach­ten und unab­hän­gig davon, ob mit ihnen ver­trag­li­che Rege­lun­gen getrof­fen wer­den und unab­hän­gig davon, ob sie an Tur­nier­ver­an­stal­tun­gen teil­neh­men, bei denen es Doping­tests gibt“, darstellt.
    Die­se Erklä­rung ver­mis­se ich juris­tisch gese­hen, denn dies ohne Aus­füh­run­gen als inkom­pa­ti­bel mit den Inter­es­sen des LSV M‑V zu bezeich­nen reicht mir ehr­lich gesagt nicht aus.

    Zum ande­ren noch ein­mal eine for­ma­le Sache, denn du, Ste­fan, hast ein­mal die Behaup­tung auf­ge­stellt, dass eine Doping­kon­trol­le gegen die Grund­rech­te eines ein­zel­nen ver­stößt. Span­nend wäre ja zum ers­ten zu wis­sen, gegen wel­ches denn – wahr­schein­lich muss wie­der der arme Art. 2 I GG her­hal­ten. Zum ande­ren glau­be ich mich dar­an erin­nern zu kön­nen, dass die Grund­rech­te Abwehr­rech­te des Ein­zel­nen gegen den Staat sind und ob die NADA eine staat­li­che Kör­per­schaft ist, ver­se­he ich ein­mal mit einem Fragezeichen. 

    Inso­fern wür­de ich bit­ten, an die­ser Stel­le der Dis­kus­si­on auch juris­tisch kon­kret zu blei­ben und nicht all­ge­mei­ne Flos­keln in den Raum zu wer­fen, die dann hier von allen auf­ge­grif­fen werden.

    Opa­huhn, dei­nem phä­no­me­na­len Vor­schlag scheint im Ãœb­ri­gen nur wenig ent­ge­gen­ste­hen zu kön­nen. Not­wen­dig ist es nur, dass sich bei der Ver­eins­grün­dung ein geeig­ne­ter Name über­legt wird – ich hal­te „1. Ein­ge­schapp­ten­schach­ver­ein 2010 e. V.“ für sehr ange­mes­sen. Viel­leicht wäre ja als Wap­pen ein Che-Bild mit einem Schach­kö­nig auf der Müt­ze eine Idee – aber nein, da wären wir ja schon wie­der bei der Altlinkendiskussion…

    Lei­der muss ich an die­ser Stel­le schon wie­der die Dis­kus­si­on abbre­chen, da das Prä­si­di­um bereits am heu­ti­gen Nach­mit­tag in Güs­trow tagt. Ich hof­fe also, mög­lichst vie­le von euch mor­gen bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung zu sehen – bis dahin arrivederci.

  9. Paul Onasch

    1. Mai 2010 — 12:01

    Kur­ze Ergän­zung: Völ­lig aus der Schuss­li­nie gera­ten ist inzwi­schen der Ver­trag zwi­schen NADA und DSB, der zusätz­lich zur ADO eine Spe­zi­fi­zie­rung dar­stellt. Inso­fern erscheint eine 1:1‑Ãœbertragung der ADO des DSB auf den Spiel­be­trieb des LSV M‑V mit allen sei­nen Kon­se­quen­zen aus­ge­schlos­sen, da Doping­kon­trol­len in die­sem Ver­trag auf die Ebe­ne des DSB beschränkt bleiben.
    Dem aktu­el­len Sta­tus quo nach steht also mei­ner Mei­nung nach nichts ent­ge­gen, die Sat­zungs­än­de­rung zu befür­wor­ten und die ADO für alle Brei­ten­spie­ler unse­res Lan­des als sym­bo­lisch anzu­se­hen – das war mit sym­bo­lisch gemeint, sym­bo­li­sche Ord­nung war etwas unglück­lich ausgedrückt.

  10. Stefan

    1. Mai 2010 — 14:12

    @Paul: Ich muss sagen, dass mich dei­ne Kom­men­ta­re hier mitt­ler­wei­le rich­tig wütend machen und das will bei mei­nem Gemüt schon etwas hei­ßen. Es wäre dei­ne Auf­ga­be als Anti-Doping-Beauf­trag­ter gewe­sen, dich mit der Mate­rie auch ein­mal recht­lich aus­ein­an­der­zu­set­zen. Statt­des­sen ver­brei­test du Halb­wahr­hei­ten, anstatt den Mit­glie­dern mal zu sagen, was eigent­lich Sache ist. Ich fin­de es ein star­kes Stück, dass gera­de du mir mir eine juris­tisch inkor­rek­te und flos­kel­haf­te Argu­men­ta­ti­on vor­wirfst. Im Einzelnen:

    1. Der Ver­trag ist nicht „aus der Schuss­li­nie gera­ten“. Ich habe oben geschrie­ben, was ich dem Ver­trag ent­neh­me: Er schließt Kon­trol­len gera­de nicht aus, nicht auf der DSB-Ebe­ne und erst recht nicht auf der LSV-Ebe­ne. Niklas (immer­hin LSV-Prä­si­dent) hat in die Dis­kus­si­on ein­ge­bracht, was der DSB mit der NADA ver­ein­bart haben soll. Woher er auch immer das wis­sen will, in dem Ver­trag, den der DSB uns über­sandt hat, steht das nicht, im Gegen­teil. Und münd­li­che Abre­den mit der NADA kön­nen nicht zäh­len, der Ver­trag hat eine Schrift­form­klau­sel. Kann sich ja jeder auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung angucken.

    Um es ganz deut­lich zu sagen: Für die behaup­te­te Beschrän­kung der Doping­kon­trol­len gibt es bis jetzt kei­ner­lei Nach­weis. Ich fin­de die­sen Umgang mit den Mit­glie­dern unglaublich.

    2. Ich habe schon mehr­fach geschrie­ben, wie die ADO des DSB auf­ge­baut ist. Das kann jeder lesen.

    a) Sie gilt nur für Wett­kämp­fe unter der Regie des DSB.
    b) Der DSB schließt mit den Teil­neh­mern die­ser Wett­kämp­fe noch­mal extra eine ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung über die Gel­tung sei­ner ADO (Anmer­kung: Weil er offen­bar selbst Zwei­fel an deren Wirk­sam­keit hat, sonst könn­te man sich das sparen).
    c) An alle ande­ren Schach­spie­ler appel­liert der DSB, die Ord­nung als für sich ver­bind­lich anzu­er­ken­nen (hat soviel recht­li­che Bedeu­tung für eine Wunsch­lis­te für Weihnachten).

    Was pas­siert nun, wenn der Lan­des­schach­ver­band die ADO des DSB als für sich ver­bind­lich aner­kennt, sie also – wie in Sach­sen – ent­spre­chend (ent­spre­chend, weil sie ja nicht direkt anwend­bar ist) gel­ten lässt? (das soll ja mor­gen offen­bar als Dring­lich­keits­an­trag (!) in die Mit­glie­der­ver­samm­lung ein­ge­bracht wer­den – zu die­sem Ver­fah­ren sage ich jetzt mal lie­ber nichts).

    Die ADO des DSB gilt dann für uns. Sie setzt den NADA-Code weit­ge­hend um (mit Aus­nah­men bei Trai­ning und bei Mel­de­pflich­ten). Das heißt:

    a) Die Ver­bots­lis­te gilt für alle Schach­spie­ler in Mecklenburg-Vorpommern.
    b) Alle Schach­spie­ler in Meck­len­burg-Vor­pom­mern müs­sen sich eine medi­zi­ni­sche Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung bei der NADA holen, wenn ihr Medi­ka­ment auf der Doping­lis­te steht (wer Lust hat, kann sich ja mal den Daten­schutz dabei angu­cken: z.B. kei­ne Schwei­ge­pflicht des Arz­tes, kei­ne spä­te­re Löschung der Daten).
    c) Bei jeden Wett­kampf der LSV kann jeder kon­trol­liert wer­den (natür­lich auch Kin­der). Die angeb­li­che Ver­ein­ba­rung des DSB mit der NADA ändert dar­an nichts. Ers­tens habe ich Zwei­fel, ob es sie über­haupt gibt. Zwei­tes gilt der Ver­trag nur zwi­schen DSB und NADA. Er gilt nur für DSB-Wett­kämp­fe! Ver­trä­ge gel­ten grund­sätz­lich nur zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en! Der LSV hat mit der NADA kei­nen Ver­trag geschlossen.

    3. Zu dei­nen juris­ti­schen Fragen:

    a) Betrof­fe­ne Grund­rech­te sind die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit (ich darf nur noch Schach spie­len, wenn ich mich der Anti-Doping-Ord­nung unter­wer­fe) und die infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung (ich muss Aus­kunft über mei­ne Krank­hei­ten geben. Ich muss mei­nen Arzt von der Schwei­ge­pflicht befrei­en, er muss sagen, wel­che Krank­hei­ten ich habe und wel­che Medi­ka­men­te ich benö­ti­ge und ob die­se nicht ersetzt wer­den kön­nen). Natür­lich gel­ten Grund­rech­te erst­mal nur gegen den Staat, seit dem Lüth-Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist aber aner­kannt, dass sie mit­tel­bar auch im pri­va­ten Rechts­ver­kehr gel­ten (etwa bei der Bestim­mung von Treu und Glau­ben, Sit­ten­wid­rig­keit und der Ange­mes­sen­heit von all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen). Das nennt man Dritt­wir­kung. Und die­se Wir­kung ist hier um so stär­ker, weil es um das Han­deln eines dem Gemein­wohl ver­pflich­te­ten Ver­eins (des Lan­des­schach­ver­bands) geht, der zudem ein sog. Mono­pol­an­bie­ter ist – wer wett­kampf­mä­ßig Schach in Meck­len­burg-Vor­pom­mern spie­len will, kommt an einer Orga­ni­sa­ti­on im Lan­des­schach­ver­band nicht vor­bei, weil er einem Schach­ver­ein bei­tre­ten muss. Mono­pol­an­bie­ter dür­fen kei­ne dis­kri­mi­nie­ren­den Geschäfts­be­din­gun­gen haben.

    b) Was die Rechts­na­tur der NADA mit alle­dem zu tun hat, wird wohl dein Geheim­nis blei­ben. Es geht hier nicht um ein Han­deln der NADA, son­dern um ein Han­deln des Lan­des­schach­ver­ban­des gegen­über sei­nen Mitgliedern.

    Noch ein letz­tes, Paul: Ich habe in den ver­gan­ge­nen Tage eine Men­ge Leu­te getrof­fen, die ernst­haft bedrückt davon waren, was der Lan­des­schach­ver­band plant. Ich wür­de mich nicht wie du dar­über lus­tig machen, wenn Mit­glie­der des Lan­des­schach­ver­ban­des über­le­gen, wegen die­ser Fra­ge mit dem orga­ni­sier­ten Schach auf­zu­hö­ren. Wir soll­ten lie­ber über­le­gen, wie wir das Schach wie­der attrak­ti­ver machen könnten.

  11. @PO: Dan­ke für den Hin­weis. Ich wer­de künf­tig einen iro­ni­schen Kom­men­tar mit dem Hin­weis „Vor­sicht, Iro­nie“ kenn­zeich­nen, sonst neh­men ihn noch mehr Leu­te ernst. Immer­hin hat opa­huhn umfas­sen­de huma­nis­ti­sche Bil­dung bewie­sen, den­noch macht „iuris­tisch“ mit i statt j auf mich einen anti­quier­ten Eindruck.
    Gele­gent­lich habe ich mit sei­nem Text Pro­ble­me, so war mir „sine iura sine poe­na“ nur als „nul­la poe­na sine legi“ bekannt, aber das kann auch an mir liegen.
    Zu der hier pro­pa­gier­ten „sym­bo­li­schen Aner­ken­nung“ ver­knei­fe ich mir jeden Kom­men­tar, sonst wer­de ich wie­der mas­siv per­sön­lich, und das habe ich mir selbst verboten.

    @Stefan: Bekannt­lich ver­langt der DSB ja von den Teil­neh­mern an der DEM, dass sie sich per ein­zel­ver­trag­li­cher Rege­lung Doping­kon­trol­len etc. unter­zie­hen. Das ist in der Tat eigen­ar­tig, denn bei wirk­sa­men Bestim­mun­gen dies­be­züg­lich in Sat­zung, Tur­nier- und Spiel­ord­nung müss­te das ja obso­let sein. Was pas­siert eigent­lich, wenn ein sport­lich qua­li­fi­zier­ter Spie­ler sich wei­gert, den ein­schlä­gi­gen Ver­trag zu unter­zeich­nen? Ich neh­me an, Herr Alt wird ihm dar­le­gen, dass er nicht spie­len darf. Und wenn der betrof­fe­ne Spie­ler dann eine EV bean­tragt mit der Begrün­dung, die ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen des DSB ver­stie­ßen vor allem gegen das GG? [Ich weiß schon, vor Gericht und auf hoher See…]

  12. Werner Berger

    1. Mai 2010 — 23:40

    … dann dürf­te die­sem Antrag kei­ne Aus­sicht auf Erfolg beschie­den sein, wenn man bedenkt, dass bei ande­ren Sport­ar­ten ordent­li­che Gerich­te an der Ver­pflich­tung zu Doping­kon­trol­len nichts zu bean­stan­den hatten.

  13. Stefan

    2. Mai 2010 — 06:09

    .. dann soll­te er sich einen Rechts­an­walt besor­gen, der nicht Wer­ner Ber­ger heißt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2021 Schachblätter

Theme von Anders Norén↑ ↑