David Janowski

AN DEN HERAUSGEBER DES B.C.M.

Dear Sir,

— Ich war froh, Ihre Bemerkungen in der Februarausgabe des B.C.M. über Janowski zu sehen und hoffe, dass die englischen Leser für den Fonds in der erforderlichen großzügigen Weise spenden werden.

Vielleicht würden viele mehr über den Fall wissen wollen. Janowski hatte sich zu dem Schachturnier angemeldet, welches am 24. Januar in Hyeres beginnen sollte. Er kam am 19. Dezember an, schwerkrank mit quälenstem Husten. Nach ein paar Tagen in einer Pension wurde dessen Inhaber über den Zustand alarmiert, in dem er sich befand und schickte nach Mr. Maas und Dr. E. H. Smith. Letztgenannter erklärte ihm, dass er sich im Endstadium der Tuberkulose ohne jede Hoffnung auf Genesung befinde. Mr. Maas verhielt sich dann auf das freundlichste. Er ließ Kanowski in eine Privatklinik im besten Teil von Hyeres bringen und übernahm zugleich jede Verantwortung für die Kosten. Am Ende hatte er 3.371 Francs zu zahlen, darin eingeschlossen die Beerdigungskosten. Der größte Teil davon ist erledigt, eine sehr großzügige Spende ist aus Hastings geschickt worden, doch auf der letzten Berechnung, die ich sah, war noch eine Defizit von 1.000 Francs.

Welche Erleichterung muss dieser freundliche Akt von Mr. Maas für Janowski gewesen sein. Als er in Hyeres ankam, war er absolut mittellos und im Zustand des Sterbens. Ein einsamer Mann (er war nie verheiratet), keine Angehörigen seiner Nähe, keine Religion, kein Einkommen und offenbar keine Freunde, da er kein geselliger Mensch war, um welche zu bekommen. Was für ein trauriges Ende einer erfolgreichen Karriere, die fast vollständig dem Schach gewidmet war. Mr. Maas verdient gewiss den Dank aller Schachspieler für seine Freundlichkeit gegenüber Janowski in den letzten Tagen seines Lebens.

Janowski starb am 15. Januar und wurde auf dem Friedhof von Hyeres begraben. Sein Grab ist in der nord-westlichen Ecke des Friedhofes, hoch ober auf einem der Hügel im Norden von Hyeres. Hochwürden L. Winther Caws aus Edinburgh amtierte bei der Beerdigung und las die Lithurgie in Englisch. Er hatte Janowski einige Male vor dessen Tod im Krankenhaus besucht. Es war Janowskis spezieller Wunsch, dass er häufig gerufen wurde.

The British Chess Magazine (1926)

13 Kommentare

Permanent_Brain 8. Juni 2008

Janowski lernte ich durch diverse Nachdrucke alter Turnierbücher kennen. Seit langem habe ich folgende Stellung in meiner Sammlung von Kombinationen, von Janowski-Berger, Karlsbad 1907:

4rrqk/3Rnpp1/1p2p2p/pPb1N1N1/4P2R/PQ4P1/5PKP/8 w – – 0 32

(Es gibt zwei gleichwertige Lösungszüge.)

Stefan 9. Juni 2008

Ich spendiere mal ein Diagramm. Weiß am Zug gewinnt:

janovski.jpg

Elnino 9. Juni 2008

1. D:e6 fe, 2.T:e7 und dann scheint es dünn für Schwarz zu werden; oder!?

Permanent_Brain 9. Juni 2008

Gute Idee, aber gegen 1.Dxe6 fxe6 2.Txe7 kann sich Schwarz einfach mit 2…Tf6 verteidigen. Ebenfalls möglich ist 2…Txf2+ 3.Kh3 Df8 usw., das ist aber komplizerter.

Stefan 9. Juni 2008

Die schwarze Aufstellung auf der Grundreihe erinnert mich ein wenig an Fischer-Random-Chess.

Elnino 10. Juni 2008

1. Dc3 f6, 2. T:e7
(wobei ich ehrlich bin: das findet man sogar im Internet…)

Permanent_Brain 10. Juni 2008

Richtig; Dc3 (oder Db2) wirft einen entscheidenden Röntgenblick Richtung g7/h8.

Ich habe noch eine Janowski-Stellung in meiner Sammlung gefunden, aus der Partie gegen Schallop, Nürnberg 1896:

r3kbnr/p4ppp/2p1p3/8/Q1B3b1/2N1B3/PP3PqP/R3K2R w KQk – 0 12

Weiß am Zuge. Tarrasch’s Kommentar zum überraschenden Entscheidungszug: „Allerliebst!“

Elnino 11. Juni 2008

Schaffte es bei chessbase.de auf Platz 62 bei den besten Partien aller Zeiten…Nicht schlecht!
Aber jetzt dürfen die anderen auch mal knobeln!

Stefan 11. Juni 2008

Ich spendiere mal noch ein Diagramm. Den gesuchten Zug finde ich allerdings nicht besonders überraschend — wenn auch sehr schön.

janovski2.jpg

Permanent_Brain 11. Juni 2008

Nicht überraschend? Na dann müßte ja bald jemand die Lösung posten können.

Nachschauen gilt aber nicht! :-)

Permanent_Brain 11. Juni 2008

Nur ein Zug ist ein bißchen mager als Lösung. Schwarz könnte z.B. auf die Idee kommen, 1…Lf3 zu erwidern. Nach 2.Dxc6+ Ke7 wäre dann was richtig?

Alles nicht so einfach, deswegen denke ich, daß ChessBase Geschmack bewiesen hat wenn sie diese Partie unter die besten 100 gereiht hat. Ich glaube, ich hab sie in der Sammlung „100 Jahre Schach“ gefunden.

Ich habe mich in Computerschachforen schon sehr ärgern müssen wenn Spieler wie Marshall oder Rubinstein als „schwache Spieler“ beleidigt wurden. Dieser Unkultur muß dringend etwas entgegen gesetzt werden, und es freut mich wenn die Schachblätter und Rank Zero anhand Janowski hierzu einen Beitrag leisten.

MoC 11. Juni 2008

Janowski – Schallop
1.Ld5!

Stefan 12. Juni 2008

Notfalls mit 3.Lxf3 mit Mehrfigur?

Schlechter als Rybka waren Rubinstein und Marshall bestimmt — wenn das der Maßstab ist, mit dem in Computerschachforen gemessen wird. Mit Schach hat das dann aber nicht mehr viel zu tun.

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