Im zwei­ten Teil unse­rer klei­nen Serie über den Grob-Angriff soll es um ein prak­ti­sches Bei­spiel gehen, in der sich Edu­ar­das Rozenta­lis, einer mei­ner Lieb­lings­spie­ler und Autor des fabel­haf­ten Buches „40 kom­men­tier­te Par­tien“, mit 1.g4 aus­ein­an­der­set­zen muss­te. Inter­es­san­ter­wei­se gelang es dem Schwar­zen hier nicht, aus der Eröff­nung auch nur irgend­et­was her­aus­zu­ho­len – im Gegen­teil. Das Spiel kipp­te erst, nach­dem Reprint­s­ev wei­ter bedin­gungs­los auf Kom­pli­ka­tio­nen setz­te. Soll­te Grob doch spiel­bar sein?

Reprint­s­ev 2425 – Rozenta­lis 2650
New York, 1997
A00 Grob-Angriff

1.g4 d5 2.Lg2 c6 3.h3 3.g5 e5 4.d4 ist die ande­re wei­ße Opti­on. 3…h5 Kon­se­quen­te weiß­feld­ri­ge Sta­te­gie. 4.g5 Lf5 5.Sf3 Sd7 6.Sh4 e6 7.Sxf5 exf5 Danach kann man nicht mehr von schwar­zem Vor­teil spre­chen. 7…Dxg5 hät­te zu einer demo­lier­ten wei­ßen Bau­ern­struk­tur geführt: 8.Se3 (8.Sg3 h4 9.d4 Dg6) 8…d4 9.Tg1 dxe3 10.dxe3 8.d3 Se7 9.e4 Sc5 10.exd5 Sxd5 11.0–0 Le7 12.Te1 Kf8 13.Sc3 Sc7 14.d4 Se4 15.Sxe4 fxe4

16.g6 Weiß setzt wei­ter auf einen row­dy­haf­ten Stil. 16.h4 hät­te zu einem Mehr­bau­ern ohne Kom­pen­sa­ti­on für den Nach­zie­hen­den geführt. Weiß behält den g5 und gewinnt den e4 – und hat das Läu­fer­paar. 16…f5 17.f3 Lh4 18.Tf1 e3 Sehr fein. Schwarz hält die f‑Linie geschlos­sen. 19.Lxe3 De8 20.Lf4 Sd5 21.Ld6+ Kg8 22.c4 Se3 23.Db3 Dxg6 24.Dxe3 24.c5+ Sd5 25.Dxb7 Kh7 26.f4 Se3 27.Dxc6 Tac8 28.Df3 Sxf1 29.Kxf1 und lang­fris­tig dürf­ten die wei­ßen Frei­bau­ern ent­schei­den. 24…Dxd6 Jetzt hat Schwarz aus­ge­gli­chen. Bei den unglei­chen Läu­fern kom­pen­siert die unsi­che­re Königs­stel­lung von Weiß den Minu­bau­ern. 25.c5 Df6 26.f4 Kh7 27.Tad1 Tad8 28.d5 Dxb2 29.Tb1 Df6 30.Txb7 The8 31.Df3 Kh6

32.Td1? Wahr­schein­lich der ent­schei­den­de Feh­ler. Nach 32.Dd3 cxd5 33.Txa7 bleibt noch alles in Ord­nung. Jetzt dringt der Schwar­ze dage­gen ein. 32…Txd5 33.Txd5 cxd5 34.Dxd5 Da1+ 35.Lf1 Te3 36.Tb3 De1 37.Dg2 Txb3 38.axb3 De3+ 39.Kh1 Dxf4 40.Lc4 g6 41.Lf7 Lg3 42.c6? Weiß bricht end­gül­tig zusam­men. 42.Lc4 De3 43.c6 hät­te den c‑Bauern bewahrt. Mit zwei Minus­bau­ern wird das End­spiel hoff­nungs­los. 42…Dc1+ 43.Dg1 Dxc6+ 44.Dg2 Dc1+ 45.Dg1 Dxg1+ 46.Kxg1 g5 47.Le8 g4 48.Ld7 Kg5 49.Kg2 f4 50.Le8 Lh4 0–1

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