Schachblätter

Nonverbale Kommunikation

Im 26. Zug beispielsweise biss er auf seinen Daumen und wackelte damit am rechten Mundwinkel hin und her; anschließend schlug Topalow mit seinem Läufer einen Springer auf dem Feld c5.

Martin Breutigam in der Süddeutschen Zeitung als moderner Verschwörungstheoretiker 

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13 Kommentare

  1. Wenn diese Beobachtungen stimmen, so besteht m.E. Erklärungsbedarf. Darüber hinaus freue ich mich, daß D&T mit demselben Scheiß konfrontiert werden (umso besser durch eine erstrangige deutsche Tageszeitung), den sie selber unablässig als schlechteste Verlierer der Welt gegen Kramnik verbreiten, seit sie die WM verloren haben. Bravo Martin Breutegam! Der Artikel fand übrigens auch seinen Weg auf die englische ChessBase-Seite chessbase.com, einer der meistgelesenen Schachnews-Seiten der Welt. Das haben die beiden nun davon. Das nennt man glaub‹ ich, »mit gleicher Münze« zurückbezahlt bekommen…

    P.S.: M.Breutigam kannte ich bisher vor allem von seinem kompakten, sehr schönen Werk »Meyers Schachturnier.« Ein kleines feines Schmuckstück für jede Schachbuchsammlung, oder auch ein ideales Geschenk für Hobbyspieler.

    http://www.amazon.de/Meyers-Schachturnier-Martin-Breutigam-Duden/dp/3411094117

  2. Es ist aber eher überraschend, dass auf den Seiten vor Ort, insbesondere chessvibes, von der Sache nichts zu lesen war. Dabei wird da doch inzwischen so gut wie alles gefilmt ;-).

    Schiedsrichter und Turnierorganisatoren haben sich zu der Sache auch noch nicht geäußert. Zwar gab es ein Interview mit dem Turnierchef und somit die 1A-Möglichkeit, mal nachzubohren – aber der Interviewer interessiert sich ja nur für zwölfjährige Mädchen.

  3. admin

    27. Januar 2007 — 17:17

    In den Kommentaren spielt es bereits eine Rolle.
    http://www.chessvibes.com/?p=526#comment-3979
    Bin auch gespannt, was die Kollegen vor Ort sagen werden.

  4. In den Kommentaren spielt aber eher der Artikel eine Rolle, nicht eigene Beobachtungen der Vorgänge. Die Schiedsrichter kommentieren das Ganze nicht.

    Mir wäre es jedenfalls lieber, wenn der Autor des SDZ – Artikels nicht in enger Geschäftsbeziehung mit einer Hamburger Firma stehen würde, die wiederum Kramnik in der Vergangenheit ausgesprochen nahestand.

    Leider wird es wohl kaum beweisbar sein, dass die englische Fassung schon vorher rechtzeitig fix und fertig bei chessbase lag und die wundersam schnelle Übersetzung ins Englische – rechtzeitig vor der heutigen Partie – gar kein so großes Wunder ist.

  5. Wo kommt der Gedanke her, daß eine englische Fassung schon »vorher« (wovor?) bei ChessBase lag?? CB. verfügt mit FF. über jemand der sowohl die deutsche als auch die englische Sprache nativ beherrscht, also so einen kleinen Artikel in Minutenfrist einwandfrei übersetzen kann. Das ist überhaupt kein Problem und nichts besonderes.

    Ich würde gerne erläutert haben, inwiefern M.Breutigam in »enger« Geschäftsbeziehung mit ChessBase stehen soll. Ich verfolge die Produktpalette von CB. seit jeher einigermaßen genau, aber ich kann mich seit Jahren an kein Produkt erinnern, wo dieser Name vorkam. Möglicherweise früher irgendendwann (?). Bei den Top-Schachprogrammen wie Fritz, ChessBase & Co spielt er garantiert NIE eine Rolle.

    Es ist m.E. nicht notwendig, eine ebenso notorische wie rätselhafte Abneigung gegen ChessBase in unsachliche Bemerkungen gegen einen zufälligen Schachautor zu kanalisieren.

  6. admin

    27. Januar 2007 — 20:46

    Wenn es keine Videoaufnahmen von Danailov im Zuschauerraum gibt, wovon ich mal ausgehe, sollte man die Sache abhaken. Wenn jemand einen Finger in den Mund steckt, hat das einen ähnlich hohen Erklärungswert wie der Besuch einer Toilette. Ich glaube nicht, dass Kramnik betrogen hat, ich glaube dasselbe bei Topalov. Der moralische Unterschied besteht für mich darin, dass die Anschuldigungen gegen Kramnik aus Topalovs Lager und von Topalov selbst kommen, wohingegen sich Kramnik nicht derart über seinen Gegner geäußert hat. Es ist traurig, dass wir mittlerweile soweit sind, dass sich zwei der weltbesten Schachspieler nicht mehr die Hand geben und den Mund sogar für ein Remisgebot nicht mehr aufbekommen.

  7. Was eine enge Geschäftsbeziehung ist, darüber kann man natürlich streiten. Ich zitiere den Aufdruck seiner CD »Königsindisch mit h3«:

    Der Autor: Martin Breutigam
    Der Bremer Fide-Meister zählt mit einer Elo-Zahl von 2407 Punkten zu den stärksten deutschen Spielern. Er schreibt als Schachjournalist für Tageszeitungen und Schachmagazine und ist regelmäßiger ChessBase Mitarbeiter. Er hat das System mit h3 in vielen seiner Partien erfolgreich angewandt. 

    Und dann bitte einmal den englischen Text neben den deutschen Tagesspiegel-Artikel (Druck Sa, online Fr erschienen) legen. Spaßenshalber mal selbst den Artikel ins Englische übersetzen. Jedem, der ein wenig Ahnung hat, sollte klar sein, dass das in dieser Form so schnell nicht möglich war, besonders wenn man die übliche Schlamperei der Chessbase-Seiten berücksichtigt (»Arkadi Naiditsch Deutscher Meeister«, lese ich gerade, aber das ist nur ein Zufallsblick; natürlich kommt so etwas vor, aber die Übersetzung ist offenbar ziemlich sorgfältig redigiert worden, gerade weil man das internationale Publikum im Blick hat und weiß, dass man hier native speakers überzeigen will). 

    Glaubst Du wirklich, dass der Artikel nicht schon vorher in Hamburg vorgelegen hat? Dass es keine konzertierte Aktion war? Und wie ist das mit dem Timing, gerade zufällig vor der Partie, obwohl doch die 2. und 3. Runde länger als eine Woche zurückliegen?

    Was soll man von einem Journalisten halten, der ellenlang die Gesten beschreibt und über Tage beobachtet, aber nicht ein einziges Foto schiesst (zumindest nicht veröffentlicht), das das belegen könnte?

  8. Aus dem Daily Dirt ‑Thread entnehme ich noch Folgendes:

    1) Breutigam hat auch das quasi-offizielle Buch zum Match Kramnik-Leko geschrieben (was freilich nicht direkt, wie im DD-Kommentar behauptet, beweist, dass Breutigam ein enger Hensel-Freund ist).

    2) Folgendes Foto zeigt Breutigam beim Bonn-Match mit Frederic Friedel, es strahlt m.E. doch eine gewisse Zusammengehörigkeit aus: 

    http://www.chessbase.de/2006/bonn/P1060801.jpg

    3) Auf http://www.cse.buffalo.edu/~regan/chess/fidelity/Corus2007.html hat jemand einen Vergleich der Karjakin-Partie mit Computern laufen lassen und kommt zum Ergebnis »The results of these runs do not confirm the accusations in the article«. Was natürlich auch noch nichts beweist.

    Zur Klarstellung: Ich habe bekanntlich mich auch deutlich gegen die Anschuldigungen aus dem Topalow-Lager gestellt mir Konsequenzen gewünscht. 

    Wenn es sich aber erhärten sollte, dass die andere Seite sich auf demselben Niveau bewegt (und das tut der Artikel, wenn er keine unterstützenden Beweise beifügt), dann gilt hier gleiches Recht für alle. Die Frage ist natürlich, ob man Breutigam direkt zum Kramnik-Lager zählen darf. Ich sehe da zumindest Indizien. Und wenn man so etwas über Umwege lanciert, macht es das m.E. nicht besser, sondern eher schlimmer.

    Ein ganz aufrichtiger Journalist hätte zu so einem Artikel einen »Disclaimer« hinzugefügt, der seine Verbindungen zu den Beteiligten und mögliche Interessenskollisionen aufdeckt. Leider steht davon nichts in der Süddeutschen.

  9. @Rank zero, danke, diese Eröffnungs-CD hatte ich vergessen oder übersehen. An eine Art Verschwörung glaube ich nicht. Aber der Zeitpunkt wird wohl schon so »treffend« gewählt worden sein – das wäre ja auch journalistisch sinnvoll. – Bezüglich fehlender Fotos hast Du natürlich recht. Ich denke, falls solche existieren, besteht eine Chance daß wir sie nachgereicht bekommen.

    ChessBase hat keine Pro-Kramnik-Mission. Während des Wettkampfes in Elista fungierten chessbase.com und ‑de sogar als starke Multiplikatoren der Danailov-Äußerungen gegen Kramnik. Das hat mir nicht gefallen.

    Wie ich gerade bemerke, hat chessbase.de direkt vor dem Eintrag zum Breutigam-Artikel von der zeitgerechten Veröffentlichung eines bulgarischen und vermutlich Topa-nahen »Toilettenkrieg-Buches« berichtet. Noch mehr Ausgewogenheit ist kaum vorstellbar :-)

    Aber ChessBase ist weder ein öffentlich-rechtlicher Sender noch eine Nachrichtenagentur. Somit dürfen sie sich aussuchen, wie und was sie überhaupt berichten, oder welchen Schach(?)-News sie höchstens den Rang einer Fußnote einräumen könn(t)en…

  10. Mittlerweile geht die Story weiter. Leonard Barden erwähnt im Guardian, es gäbe unveröffentlichtes Videomaterial:

    »However, there is believed to be as yet unpublished video footage of Danailov which has been shown to the all-time No1 Garry Kasparov, who thought that there were questions to answer.«

    http://tinyurl.com/2yuynn

    Eine Randbemerkung: Es gibt mittlerweile mehrere namhafte Schachprogramme für moderne Handys.

  11. admin

    29. Januar 2007 — 20:54

    Hmm, da wollte ich gerade die Süddeutsche Zeitung loben, die in der Online-Version des Artikels eine interessante Diskussion in Form von Kommentaren zulässt – da sind die Kommentare auch schon verschwunden.

  12. Vermutung: Die SZ war sich nicht im Klaren darüber, in welche Kontroverse sie sich da hineinbegibt. Hoffentlich hat die hitzige Reaktion – im Ausland war man nach der Lektüre des Artikels überrascht, dass die SZ hierzulande als Qualitäts- und nicht als Boulevardzeitung gilt – sich weit nach oben in die Redaktion durchgefressen. Das wäre dann nämlich Signal, auch den Schachjournalismus an üblichen Standards zu messen. Bisher hatte man eher den Eindruck, die Redaktionen sehen das als Spielwiese von Kreuzworträtselfetischisten, die sowieso nicht wichtig sind und machen können, was sie wollen – eigentlich ist nur so erklärlich, wie das Ding in die SZ gekommen ist.

    Was mir wirklich rätselhaft bleibt: Warum sollte die Existenz von Programmen für Mobiltelefone etwas ändern? 

    1. Sind die zwar »namhaft« (werden nämlich unter dem Markennamen der Standardprogramme vertrieben), aber deutlich schwächer und sollten weit unterhalb der 2650 spielen.

    2. Wenn man das Ding sowieso benutzt, kann man sich viel effizienter betrügen, indem man mit schnellen Rechner woanders kommuniziert. In Wijk gab es m.W. keine elektronischen Abschirmungen.

    Eine Randbemerkung für Martin Breutigam: Es gibt schon ziemlich lange eine Fotofunktion für (nicht mal ganz so moderne) Mobiltelefone – nur, falls er wieder mal zwei Tage jemandem hinterherläuft, fleißig alle Gesten notiert und dann in großes Schweigen versinkt, wenn nach Beweisen gefragt wird.

  13. Moinmoin,
    für Martin Breutigam lege ich meine Hand ins Feuer. Die Süddeutsche Zeitung hat das ebenfalls getan, sozusagen, als sie seinen Artikel veröffentlichte. Es ist lächerlich, dem Autor eine Nähe zu ChessBase zu unterstellen, und das mit seiner DVD zu Königsindisch mit h3 belegen zu wollen. Niemand wird sich auf dieser Grundlage zu einer Lügengeschichte hinreißen lassen, so verzweifelt sind unsere Journalisten zum Glück nicht. Im Gegenteil erstaunt es eher, wie in großer Breite die Schilderungen Breutigams niedergemacht wurden in »Schach« und »New in Chess«, und es erstaut umso mehr, dass die Schiedsrichter vor Ort nicht eingegriffen haben. Und wenn man es überprüfen will – natürlich haben die Züge Topalows eine enorm hohe Übereinstimmung gehabt mit entsprechenden Schachprogrammen – sowohl in Wijk als auch schon in San Luis 2005. Fragt mal Nigel Short, und andere Großmeister, die ebenfalls dort waren. Warum sonst wohl hat Kramnik beim WM-Kampf auf Schutzmaßnahmen gegen eDoping bestanden?

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