Out Of Dresden (3)

The Closet Grandmaster ist aus Australien nach Dresden gekommen und hat vielleicht deswegen eine etwas andere Berichterstattung.

Like a number of African countries, team Ethiopia faced serious problems on two main fronts – money and visa. At one point they were even handed an accommodation bill for €15,000 as a result, Kebadu admits, of their own late registration. Fifteen thousand euros would save thousands of people’s lives in Ethiopia.

Für die Unterkunft fand sich dankenswerterweise eine Lösung. Für die äthiopische Frauenmannschaft kamen die Visa zu spät, sie wurden nicht mehr zum Turnier zugelassen.

10 Gedanken zu „Out Of Dresden (3)“

  1. Australien hat lt. FIDE-Rangliste drei Großmeister, wovon Ian Rogers unter “inaktiv” läuft! Ich vermute, dass nur er es sein kann…Wenn the “Closet Grandmaster” denn auch “Grandmaster” ist!?

  2. Mir ist völlig unverständlich, dass man auch solche Mannschaften, die für Medaillenränge offensichtlich nicht in Frage kamen, von der Veranstaltung ausgeschlossen hat.

  3. Kinder, lest mal etwas genauer. Verfasser des Blogs ist Amiel Rosario, ein in Sidney lebender Filipino. Das “closet” besagt, dass er eben kein Großmeister, sondern nur ein “heimlicher”, “verkappter” Großmeister ist – eben im “stillen Kämmerlein”. (“Closet racist” für “heimlicher Rassist”, ist eine gängige Redewendung.)

    Die Verwendung im Blog ist natürlich ein selbstironischer Seitenhieb auf die Schachfanatiker, die glauben, eigentlich ja Genies des Spiels zu sein und nur durch Pech zu verlieren.

    Langjährige Leser von rank zero erinnern sich evtl. auch noch an den Weihnachtsbeitrag 2006, als wir auf Stanley Random Chess hinwiesen. In der Geschichte von SRC taucht u.a. mit merklich überdrehter Ironie folgende Passage auf:

    It is not yet common knowledge that Tolkien’s “Lord of the Rings” trilogy was originally a classic non-fiction primer on SR Chess entitled “Lord of the Kings”. Tolkien was a closet grandmaster who attended international SR Chess tournaments in disguise (usually as a French detective under the name Hercule Poirot).

  4. Ich habe noch einmal nachgelesen und finde die Äußerung von Kebadu inzwischen einfach nur dreist und peinlich:

    Er arbeitet als Netzwerkingenieur in den Vereinigten Staaten, dürfte also nicht schlecht verdienen. Vermutlich entstammt er der Oberschicht, die Äthiopien u.a. in absurde Stammeskämpfe und einen sinnlosen Krieg mit Eritrea verwickelt hat – – wofür man ausnahmsweise mal selbst beim besten Willen nicht den Westen verantwortlich machen kann.

    Um sich aber trotz des eigenen hohen Einkommens von der Stadt Dresden aushalten zu lassen, darf die einheimische hungernde Bevölkerung herhalten. Wir dürfen bezweifeln, dass das äthiopische Frauenteam, das nun an der Anreise verhindert ist, sich aus den zu rettenden Menschen rekrutiert hätte – eher wohl doch aus der korrupten Oberschicht, die sich nur insofern für die Not der Mitmenschen interessiert, als dass man sie prima für Hilfsansprüche instrumentalisieren kann, deren Mittel natürlich nie bei den Bedürftigen ankommen.

    Kebadu scheint jedenfalls kein Problem damit zu haben, auf Kosten anderer Leute die 15000 Euro in Dresden zu verkonsumieren – solange es jemand anderes zahlt, spielt die hungernde Bevölkerung zu Hause dann keine Rolle mehr.

  5. @Rank zero: Ich finde deine Reaktion doch reichlich übertrieben. Dein Urteil steht schon fest (“dreist und peinlich”), zur Begründung kommt dann vor allem der Konjunktiv zum Einsatz: dürfte nicht schlecht verdienen, entstammt vermutlich der Oberschicht, die für den Bürgerkrieg verantwortlich ist (offenbar als Kollektiv). Als nächstes geht dann der Konjunktiv über Bord: Kebadu hat also genug Geld, um die Olympiamannschaft zu finanzieren, dann soll er das gefälligst auch machen (niemand weiß, ob er es nicht schon teilweise macht) und die Frauenmannschaft wird dann gleich mit zur korrupten Oberschicht gezählt, Thema Entwicklungshilfe ist auch durch (kommt nicht bei den Armen an, also kontraproduktiv) und was macht Kebadu? Na klar, er hat 15.000 EUR gespart und verkonsumiert die jetzt in Dresden.

    Entschuldige bitte, aber das sind mir zu viele Vorurteile und Verallgemeinerungen.

  6. Schön zusammengefasst, was durchaus auch an Klischees darin steckt. Um es auf die Fakten zu reduzieren:

    Ein in den USA beschäftigter Netzwerkingenieur instrumentalisiert argumentativ seine hungernden Landsleute in Äthiopien, um eine Unterstützung seiner Olympiateilnahme aus deutschen Mitteln zu sichern.

    Korrekt ist der Hinweis, dass ich die Schichtenzugehörigkeit nicht nachweisen kann, sondern rein aus Bildungsstand und Möglichkeit zur Auslandsreise mutmaße.

  7. Man kann eine Menge im Netz dazu finden – es gibt z.B. einen recht detailliert recherchierten ZEIT-Artikel dazu, wie der Hunger in Äthiopien instrumentalisiert wird:

    http://www.zeit.de/2003/17/Aethiopien?page=all

    Dank der Rückerfassung kann man inzwischen sogar erstaunt feststellen, um was für historische Konstanten es sich dabei handelt – s. hier von 1987(!):

    http://www.zeit.de/1987/42/Aethiopien-Helfen-oder-nicht?page=all

    Aufs Thema “gestoßen” wurde ich allerdings schon als Kind von einem Reisekader der DDR, der sich in privatem Kreis darüber lustig machte, wie effektiv man die westlichen humanitären Dienste für die sozialistischen Kassen anzapfen kann.

    Man darf mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass äthiopische Reisekader (auch wenn es nur zur Schacholympiade geht) zum System dazugehören. Das ist z.T. noch von DDR-Beratern mitinstalliert worden.

  8. Passend dazu die aktuellen Nachrichten der BBC, dass die Live-Aid-Hilfsgelder größtenteils in Waffen umgesetzt wurden (und die reflexhafte “kann nicht sein, was nicht sein darf”-Reaktion des Hilfsbusiness-Multis Geldof).

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