Oberlehrer

Schach genießt mittlerweile einen guten Ruf. Es braucht sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Es hat einen hohen gesellschaftlichen, pädagogischen und werbewirksamen Stellenwert. Es hat den Ruch einer künstlerischen, bohemehaften Außenseiter-Existenz, die noch Paul Morphys Schicksal im 19. Jahrhundert zum Teil erklärt, längst abgestreift, ist zu einer anerkannten Sportart mit Querverbindungen zu Kultur, Literatur und Kunst und Wissenschaft avanciert. Die weltbesten Schachspieler sind heutzutage Topmanager in eigener Sache. Dieses Bild muss von uns allen, der wir der Faszination des Spiels nach wie vor erliegen, der Gesellschaft vermittelt werden.

Wir wollen diese Seite nicht in ein Grammatik-Blog umwandeln. Trotzdem hier zwei Aufgaben neuer Art:
1. Wo ist der grammatikalische Fehler?
2. Wo ist das logische Problem?
Zusatzaufgabe: Woher stammt dieser Text?

Ein Kommentar

  1. Die Zusatzaufgabe ist vielleicht etwas zu leicht, da zum einen die Seite manchmal noch versehentlich besucht wird (wenn man nicht DWZ-Datenbank und Ligaergebnisse als direkte Bookmark hat) und das Zitat heute auch schon via Google erforschbar ist. Die Bots sind schon erstaunlich gut…

    Wer aber nach Stilblüten sucht, sollte da unbedingt nochmal nachschauen, man findet auch noch Sachen wie „als erster und einziger“ (von 2 Beteiligten), „Berliner Variante“ statt „Berliner Verteidigung“ im Spanier, oder selbstbewusste Selbstzitate einer DWZ – 1424 („Ich selbst schrieb anlässlich der…“), die weiß, dass es keine anderen Experten auf dem Gebiet gibt (gut, wenn man dauernd mit billigsten, immer wieder kopierten Lobhudeleien sich fett mit ins Olympia-Boot setzt, hält man wohl die dummen Beitragszahler im Schachbund irgendwann automatisch für Idioten).

    Also, zu den Aufgaben: 

    Ein dicker Grammatik-Fehler ist im letzten Satz „der wir“ statt „die wir“. Unangenehm ist daneben auch im Anfangsteil der Wechsel von der passiven zur aktiven Rolle des Substantivs „Schach“ (und zurück). 

    Von der Logik her ist es merkwürdig, dass ein Bild in der Öffentlichkeit vermittelt werden muss, das doch nach den ersten Sätzen längst besteht.

    Wenn man dann bei den inhaltlichen Fehlern anfängt, wird man gar nicht mehr fertig. Etwa, wenn man die heutigen schlecht gewaschenen und unrasierten Berufsschachspieler um die 2500–2600, die von Turnier zu Turnier tingeln, als Topmanager sehen soll, die keine „bohemehaften Außenseiter-Existenzen“ mehr sind. Dem Beispiel Morphy wäre entgegenzuhalten, dass im 19. Jh. die übergroße Mehrheit selbst der Spitzenspieler Amateure und Gentlemanschächer waren, die daneben auch noch andere Talente pflegten und einen Beruf ausübten. Mein Lieblingsbeispiel ist hier Igna(t)z (von) Kolisch, der nach chessmetrics-Berechnung sogar um 1868 die Nr. 1 war. 

    Kolisch ist übrigens mein Lieblingstest bei Unterhaltungen, ob sich jemand wenigstens ansatzweise in der Schachgeschichte auskennt. Nach meinen Stichproben haben mehr als 99% der aktiven Spieler noch nie etwas von ihm gehört. Bei Schachbund-Funktionären und Olympia-Ludern liegt die Quote bestimmt bei 100%.

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