Schachsonett

Dem edlen Schach vergleich ich das Sonett.
Eröffnung, Aufbau, Mittel-, Endspiel – traun,
das alles ist so hier wie dort zu schaun,
und auch selbst hier sitzt oft ein – Paar am Brett.

Vier Züge schon vorbei! Gefährlich Baun!
Verwirrung trübt mich . . . Opfer und – Verlust!. . .
Doch dieser Zug jetzt macht den Fehler wett.
Und auch dein Endspiel darf ich noch vertraun.

Jetzt brenn ich erst; und spür mich Brust an Brust;
und greife nicht mehr fehl im strengen Kriege;
und lege meisternd Hand auf Brett und Blatt.

Noch einmal blitzt das feindliche Florett –
doch ich parier’s, – und nun auch schon: Schachmatt!
(Ich muß erst immer fallen, eh ich siege.)

Christian Morgenstern

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