Schachblätter

Sozial

Und Schachkids können nicht nur gut mit Figuren umgehen. So stellt die Studie eine deutlich höhere Sozialkompetenz der jungen Spielerinnen und Spieler fest. Schach macht also nicht nur Spaß, sondern ist gut für mehr – und für die ganze Gesellschaft.

Jetzt ist es regierungsamtlich.

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8 Kommentare

  1. Da waren bestimmt ein paar Hacker auf dem Regierungsserver…

  2. Und unser Landesverband hat die Ironie gar nicht mitbekommen.

  3. admin

    15. Oktober 2007 — 09:40

    Der zitierte Artikel war ja auch vollkommen ironiefrei ;-) Hätte gern mal geguckt, wie die soziale Kompetenz gemessen worden ist, aber die »Studie« stellt sich bei näherer Betrachtung als nicht-veröffentlichte Diplomarbeit dar.
    Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die Schachschüler aus den besser situierten Elternhäusern kommen?

  4. Letzterer Effekt ist ja aus den berüchtigten Studien zu den angeblich positiven Auswirkungen von Musik/Instrumentalunterricht bekannt, wo man zuerst schlichtweg nicht einbezogen hatte, wer sich so alles ein Klavier in die Wohnung stellt ;-). 

    Aber in den zitierten Studien wird inzwischen dieser Effekt herausgerechnet, und ich wäre auch überrascht, wenn er beim Schach entscheidend wäre.

    Viel stärker werden solche Studien verzerrt durch inhärente Messfehler – bewusst oder unbewusst sind die »Tests« für »Sozialkompetenz« oder »math skills« etc. so angelegt, dass die mit z.B. Schach dauerbeschallten Schüler gar nicht anders können, als dabei besser abzuschneiden. Ich kenne den Unschärfeeffekt aus vielerlei inkompetenten Reformideen zum Mathematikunterricht. 

    Man erhält durch dergleichen Sonderprogramme Schüler, die beim Testen erstaunliche Ergebnisfortschritte bis hin zur Genialität aufweisen, aber seltsamerweise alternativ gestellte mathematische Aufgaben um nichts besser bewältigen. Leider ist daraus inzwischen eine ganze Test-Industrie geworden, nicht zuletzt durch die brilliante Vermarktung von »PISA«, mit der Milliarden umgesetzt werden und die ihre eigenen Erfolge produziert (und sich selbst bestätigt) – ohne dass sich substantiell und strukturell wirklich etwas verbessert.

  5. Nachgetragen sei eine besonders kompetente Stelle aus der Diplomarbeit zum Thema »English-German Skills«.

    Die Finanzierung von Schachaktivitäten wird im “Amerika ausbilden Gesetz” (Ziele 2000), allgemeines Gesetz 103–227, Abschnitt 308 b. 2 E geregelt. “Die Unterstützung innovativer und überprüfter Methoden wie z. B. Schach, die der Verbesserung der Fähigkeiten einer Lehrkraft dienen, die Lernbedürfnisse der Schüler festzustellen und die Schüler zu motivieren, ihre strukturierte Denkfähigkeit, die Disziplin sowie kreative Problemlösungsmethoden zu verbessern.« 

    Allerdings muss sich Anne K. hier das Verdienst für den zweiten tollen Satz mit der Administration teilen. Da aber beide offenbar am selben Strang einer gewissen Art von Bildungsverständnis ziehen, dürfte das kein Problem sein.

  6. admin

    15. Oktober 2007 — 13:29

    Wenn ich darüber nachdenke, was mich an diesem Artikel eigentlich stört, dann ist das neben der allgegenwärtigen Anbiederei des Schachverbandes an die Großpolitik dieser elitäre Anklang, wonach Schachspieler irgendetwas besonderes seien. Natürlich schadet es nicht, wenn es in der Schule eine Schach-AG gibt und natürlich gebührt all den ehrenamtlichen AG-Leitern und Kindertrainern allerhöchster Respekt. Natürlich ist Schach ein schönes Spiel – mehr aber auch nicht. Und wenn die Kinder stattdessen Fußball spielen, oder Tischtennis, oder ein Theaterstück einstudieren oder im Chor mitsingen oder oder… dann ist das auch in Ordnung. Und bestimmt auch gut für die Konzentrationsfähigkeit und Sozialkompetenz.

  7. Nun, wie das häufig bei vielzitierten Studien der Fall ist, geben die Daten vielleicht nicht alles das her, was man aus ihnen herauszulesen wünscht.

    1. Problematisch ist, dass einer der Förderer der Studie (der DSB) wohl ein Interesse daran hat, positive Ergebnisse zu vermelden, insofern ist die Unabhängigkeit der Wissenschaft eventuell nicht ganz gewährleistet.

    2. Lautet der Titel in der Powerpointpräsentation zu der erwähnten Diplomarbeit »Schulschach contra Schulstress«. Merkwürdigerweise ist aber von Stress nirgendwo die Rede, insofern Thema verfehlt, setzen, sechs.

    3. Es handelt sich nicht um zwei Studien, sondern im Prinzip um eine einmalige Erhebung mit unterschiedlichen Erfolgsmaßen!

    4. Zur Konzentrationsfähigkeit: Offensichtlich ist Schach schlecht für die Konzentration. Dies sieht man an den Werten des zweiten Messpunktes. Also muss Schach aus der Schule verbannt werden. Es ist ein unseriöses wissenschaftliches Vorgehen, dass man sich nur die Meßwerte herauspickt, die einen in den Kram passen.

    5. Der Vergleich leistungsstark mit leistungsschwach ist von der Interpretation ebenfalls diskutabel. War es das Schach oder die Schulung in stringentem Denken?

    6. Bei der Intelligenz tat sich schlicht und einfach garnichts im Vergleich der beiden Schulen.

    7. Die besseren Leistungen im Vergleich zum Landesdurchschnitt scheinen in der Tat beeindruckend.

    Da mir die Ergebnisse viel zu plakativ und partiell beliebig erscheinen und methodische Mängel nicht auszuschließen sind, sollte man mit der Forderung, dass Schulschach reguläres Fach werden solle, sehr zurückhaltend sein. (Was wäre, wenn man statt Schach sog. Killerspiele unterrichtet hätte? Ich denke, dass sich einige der gefundenen Leistungssteigerungen ebenso niedergeschlagen hätten).

    Ich werde mal versuchen, die Dame anzuschreiben und an die Diplomarbeit bzw. eine Publikation heranzukommen, damit die Vor- und Urteile datenbasierter werden können.

  8. Als Schachspieler, aber wissenschaftlicher Laie kann ich solche Studien bzw. ihre Ergebnisse nur »per Hausverstand« versuchen zu beurteilen. Ich muß zugeben, daß ich hier skeptisch bin, es aber zur Kenntnis nehme daß offenbar eine Vielzahl verschiedenster Untersuchungen weltweit dieselben, oder ähnliche positive Effekte bescheinigt. – Es drängt sich die Frage auf, ob es nicht auch derartige Untersuchungen gab, die keinen solchen Nutzeffekte festellten (oder viele kleinere).

    Trotzdem ist mir schleierhaft, wie Schachspielen etwa die Rechtschreibfähigkeiten verbessert haben soll. Weiters kann ich nicht anders, als eine Auswirkung auf »Sozialkompetenz« (wie immer das definiert ist und gemessen wird) spontan anzuzweifeln, oder zumindest kann diese Wirkung kaum davon abhängen, worin die spielerische Beschäftigung bestand.

    Vermutlich verbessert sich die Sozialkompetenz auch, wenn die Kinder regelmäßig gemeinsam Töpfern oder Blumenbeete pflegen.

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