Verwandlung

„kommen sie doch morgen wieder, junge frau. ich möchte diese partie noch gerne zu ende spielen“ sagt er, blickt von seinem schachspiel auf und lächelt mich an. blass sieht er aus, das braune haar ein bisschen angesilbert. er liegt in seinem bett, unbeweglich, wie ein auf den rücken gefallener käfer. mein vater.

andersneu

Protzen

– ich mag keine schachspieler. kaltes kalkulierspiel. bah.
– Wenn wenigstens noch was dabei herauskäme. Aber dieses Vorderhirn-Potenzgeprotze ödet mich auch an.
– sie stecken die köpfe zusammen. und sie wollen sich schlagen, ohne sich dabei in die augen zu schauen. bestimmt riechen sie nach schweiss dabei (nichts gegen schweiss, eigentlich). man spielt dann wohl mit vergnügen gegeneinander, egal, ob man sich dann denn auch riechen kann …egal. …kalt.
– Ich hatte bei den meisten großen Schachleuten zuverlässig den Eindruck, daß da eine unglaubliche, mühsam sublimierte Aggression am Werk ist. Gegen gemütliches Feierabendschach kann man ja kaum was haben. Aber dieses Großmeistergetue – elend.

andersneu diskutiert neuronale Prozesse