Wir haben eine kla­re Vor­stel­lung, dass Domi­no ein­fa­cher ist als Schach, der Floh­wal­zer ein­fa­cher als die Gran­de Val­se bril­lan­te op. 34,3 von Cho­pin, eine Bade­ho­se ein­fa­cher als eine Abend­ro­be. Eben­so haben wir eine kla­re Vor­stel­lung, dass das Pan­tof­fel­tier­chen ein­fa­cher ist als ein Regen­wurm, die­ser ein­fa­cher als der Nackt­mull, die­ser ein­fa­cher als ein Zebra, die­ses ein­fa­cher als der Mensch; bei letz­te­rem Ver­gleich mag man eine Sekun­de ins Sto­cken kom­men, aber ein Hin­weis auf die Kom­ple­xi­tät des Gehirns bringt schnell die Ent­schei­dung. Wir haben die Vor­stel­lung, dass die Spra­che Tho­mas Manns weni­ger ein­fach ist als Kon­sa­liks oder Höbers (des meist­ge­le­se­nen deut­schen Autors über­haupt), die Prousts weni­ger ein­fach als die Sime­nons, die Joy­ces ein­fa­cher als die Bun­yons. Wir haben die Vor­stel­lung, dass Donald Duck leich­ter zu ver­ste­hen ist als Sein und Zeit die­ses wie­der­um ein­fa­cher als die Bana­nen­im­port­ver­ord­nung der EU. Und schließ­lich haben die meis­ten Fran­zo­sen, die dies bei­des je ver­sucht haben, eine kla­re Vor­stel­lung, dass Eng­lisch leich­ter zu ler­nen ist als Deutsch. Heißt dies, dass Eng­lisch ein­fa­cher ist als Deutsch?

Rita Fran­ce­schi­ni und Wolf­gang Klein über ein­fa­che Sprache