Einfach

Wir haben eine klare Vorstellung, dass Domino einfacher ist als Schach, der Flohwalzer einfacher als die Grande Valse brillante op. 34,3 von Chopin, eine Badehose einfacher als eine Abendrobe. Ebenso haben wir eine klare Vorstellung, dass das Pantoffeltierchen einfacher ist als ein Regenwurm, dieser einfacher als der Nacktmull, dieser einfacher als ein Zebra, dieses einfacher als der Mensch; bei letzterem Vergleich mag man eine Sekunde ins Stocken kommen, aber ein Hinweis auf die Komplexität des Gehirns bringt schnell die Entscheidung. Wir haben die Vorstellung, dass die Sprache Thomas Manns weniger einfach ist als Konsaliks oder Höbers (des meistgelesenen deutschen Autors überhaupt), die Prousts weniger einfach als die Simenons, die Joyces einfacher als die Bunyons. Wir haben die Vorstellung, dass Donald Duck leichter zu verstehen ist als Sein und Zeit dieses wiederum einfacher als die Bananenimportverordnung der EU. Und schließlich haben die meisten Franzosen, die dies beides je versucht haben, eine klare Vorstellung, dass Englisch leichter zu lernen ist als Deutsch. Heißt dies, dass Englisch einfacher ist als Deutsch?

Rita Franceschini und Wolfgang Klein über einfache Sprache

Kategorien: Marginalien

3 Kommentare

  1. „Und schließlich haben die meisten Franzosen, die dies beides je versucht haben, eine klare Vorstellung, dass Englisch leichter zu lernen ist als Deutsch. Heißt dies, dass Englisch einfacher ist als Deutsch?

    Ja.

    Ansonsten weiß ich nicht, ob T.Manns Sprache weniger einfach ist als Konsalik. Ich bin mir nur sicher, daß sie wesentlich langweiliger ist. Ich kann keine Bücher von Mann lesen. Es findet einfach hartnäckig und penetrant auf den ersten 10, 20, 30 Seiten keinerlei Handlung statt. Wie ein Film wo der Vorspann 20 Minuten dauert. Da schalte ich um oder verlang an der Kinokasse mein Geld zurück.

  2. admin

    17. Juli 2006 — 16:24

    Ich muss an dieser Stelle einräumen, dass ich von Thomas Mann bislang auch nur einige Erzählungen zu Ende gelesen habe, aber einige Romane schon angefangen. Vielleicht kommt das mit der nächsten Lebenshälfte. Von Konsalik noch nichts angefangen. Bleibt hoffentlich so.

  3. Da bist Du doch in guter Gesellschaft:
    „Seine Kurzgeschichten fand ich schon immer gut.“ (Ein vergiftetes Lob vom notorischen Mann-Feind Bertolt Brecht).

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