Wesen

Während Schach auf einen entscheidenden Sieg über den Gegner aus sei, im Grunde auf dessen schrittweise Beseitigung, komme es bei Weiqi bloß auf relative Vorteile an, die die Einkreisung leerer Räume gewähre. Doch der Identifizierung eines solchen Modells mit einem angeblichen chinesischen Wesen ist schon dadurch der Boden entzogen, dass China seit ältesten Zeiten ja auch eine Spielart des Schach kennt und liebt, das Xiangqi. Die real existierenden Chinesen sind der beste Gegenbeweis gegen Vorstellungen, die das Verhalten durch Abstraktionen wie »Kultur« determiniert sehen.

Mark Siemons zeigt in seiner Rezension zu Henry Kissingers »On China« ein weiteres Mal, dass Schach-Metaphern gefährlich sind.

Out Of Sofia (2)

Carlsen war einer meiner Sparringspartner im Vorfeld des Topalow-Matches. (…) Vor dem Wettkampf meldete sich Garry Kasparow und fragte, ob er ein bisschen helfen kann. (…) Während des Matches in Sofia rief mich dann außerdem Wladimir Kramnik an; auch er wollte mich unterstützen.

Viswanathan Anand in einem FAZ-Interview. Topalow scheint nicht besonders viele Freunde in der Weltspitze zu haben.

Walser vs. Unseld

Die F.A.Z. mit einem leidigen Ueding-Artikel. Am Samstag der „Dorle und Wolf“‑Verriss von Fuldt in der F.A.Z. Den müsse ich, sagt Siegfried, nicht lesen. Viel erzählt er von Thomas Bernhard, Peter Handke und von Hans Mayers 80. Geburtstag. Nachher noch zweimal Schach, er gewinnt. Je länger er da war, um so angenehmer war es.

Martin Walser verliert offenbar gern (FAZ, 10.03.2007).