Kieseritzki

Er holte wie in alten Zeiten das verschrammte Wachstuchschachbrett und die Figuren im abgeschundenen Kästchen, nahm einen weißen Bauern in eine Hand, einen schwarzen in die andere, überkreuzte dann die Fäuste, Johannes schlug wie früher fast automatisch drauf: – Stell auf. Zwei alte Freunde beim Schach. Dreißig Jahre alte Witze werden gerissen, Johannes wußte, daß Konrad die lange Rochade bevorzugte und damit noch selten zu Stuhle gekommen war, andererseits hatte er das Kieseritzki-Gambit nie richtig studiert: Also gewaltiges Gewürge am Brett, sogar Lachen.

– Wolf Klaußner: Lebensläufe (2000)

Die unsterbliche Partie

– Sie produzieren Dokumentationen, Serien und Industriereportagen. Wie haben Sie das Thema Schach entdeckt?
– Beim Schachspiel mit einem Freund. Wir hörten Rimski-Korsakoff, und plötzlich schien es mir, als würden die Züge der Dame mit der Solo-Violine aus der klassischen Komposition harmonieren. Die Idee für das Projekt war geboren: die Verbindung zwischen Musik und einer schönen Partie.

Das Neue Deutschland bringt ein Interview mit Michael Mertineit über dessen Verfilmung der „Unsterblichen Partie“ zwischen Adolf Anderssen und Lionel Kieseritzky aus dem Jahr 1851