Schachblätter

Kieseritzki

Er hol­te wie in alten Zei­ten das ver­schramm­te Wachs­tuch­schach­brett und die Figu­ren im abge­schun­de­nen Käst­chen, nahm einen wei­ßen Bau­ern in eine Hand, einen schwar­zen in die ande­re, über­kreuz­te dann die Fäus­te, Johan­nes schlug wie frü­her fast auto­ma­tisch drauf: — Stell auf. Zwei alte Freun­de beim Schach. Drei­ßig Jah­re alte Wit­ze wer­den geris­sen, Johan­nes wuß­te, daß Kon­rad die lan­ge Rocha­de bevor­zug­te und damit noch sel­ten zu Stuh­le gekom­men war, ande­rer­seits hat­te er das Kie­se­ritz­ki-Gam­bit nie rich­tig stu­diert: Also gewal­ti­ges Gewür­ge am Brett, sogar Lachen.

Wolf Klauß­ner: Lebens­läu­fe (2000)

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4 Kommentare

  1. admin

    2. September 2007 — 18:41

    Lan­ge Rocha­de und Kie­se­ritz­ky-Gam­bit – das ist eben die dich­te­ri­sche Freiheit.

  2. Aber war­um denn nicht, mein lie­ber Gam­bit­be­auf­trag­ter? Ich bin zwar noch dabei, dar­über nach­zu­den­ken, wer eigent­lich lang rochie­ren woll­te, aber …:

    [Event „get2net Cup GM, Aars DEN“]
    [Date „1999.??.??“]
    [Round „9“]
    [White „Fedo­rov, A“]
    [Black „Peder­sen, St“]
    [Result „1/2–1/2“]
    [WhiteE­lo „2655“]
    [Bla­ckElo „2425“]
    [ECO „C39“]

    1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 d6 6.Nxg4 Nf6 7.Nf2 Rg8 8.d4 Bh6 9.Nc3 Nc6 10.Nd5 Nxd5 11.exd5 Ne7 12.Qe2 Kf8 13.g4 Nxd5 14.g5 Bf5 15.Bd2 Qd7 16.O‑O-O Re8 17.Qf3 Qa4 18.Bd3 Qxa2 19.c3 Bg6 20.Ne4 Nb6 21.Rde1 Na4 22.Nf6 Qxb2+ 23.Kd1 Qb3+ 1/2–1/2

    [Event „FIDE WCh KO, Las Vegas USA (3.2)“]
    [Date „1999.??.??“]
    [White „Fedo­rov, A“]
    [Black „Timman, J“]
    [Result „1/2–1/2“]
    [WhiteE­lo „2655“]
    [Bla­ckElo „2650“]
    [ECO „C39“]

    1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 d6 6.Nxg4 Nf6 7.Nf2 Nc6 8.d4 Bh6 9.Nc3 Qe7 10.Be2 Bd7 11.Nd5 Nxd5 12.exd5 Nb4 13.c4 Bf5 14.O‑O Bc2 15.Qd2 O‑O-O 16.Bf3 Qxh4 17.Qxb4 1/2–1/2

  3. admin

    3. September 2007 — 10:15

    5…d6 ist ja nur so eine Art Kie­se­ritz­ky-Gam­bit. Aber wen Feder­ov lang rochi­ert hat, neh­me ich alles zurück.
    Naja, ein biss­chen unklar bleibt mir noch, wie man mit der lan­gen Rocha­de „nicht zu Stuh­le“ kom­men kann, so nach dem Mot­to „Gegen N.N. musst du lang rochie­ren, damit kommt der nicht zurecht.“

  4. In die­ser Vari­an­te ist das in der Tat nicht so sel­ten, ein wich­ti­ges Motiv im Königs­gam­bit ist ja schließ­lich auch das Manö­ver Dd1-e2/­f3-f2 mit Blick auf a7, um die geg­ne­ri­sche Rocha­de­stel­lung anzu­grei­fen. In der Tat hat­te ich ähn­li­che Vari­an­te schon in den tief­schür­fen­den Par­tien im Netz auf dem Brett. (natür­lich nur mit durch­wach­se­nen Erfolg, da ich eher N.N. als Feder­ov bin).

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