Kieseritzki

Er holte wie in alten Zeiten das verschrammte Wachstuchschachbrett und die Figuren im abgeschundenen Kästchen, nahm einen weißen Bauern in eine Hand, einen schwarzen in die andere, überkreuzte dann die Fäuste, Johannes schlug wie früher fast automatisch drauf: — Stell auf. Zwei alte Freunde beim Schach. Dreißig Jahre alte Witze werden gerissen, Johannes wußte, daß Konrad die lange Rochade bevorzugte und damit noch selten zu Stuhle gekommen war, andererseits hatte er das Kieseritzki-Gambit nie richtig studiert: Also gewaltiges Gewürge am Brett, sogar Lachen.

Wolf Klaußner: Lebensläufe (2000)

4 Gedanken zu „Kieseritzki“

  1. Aber warum denn nicht, mein lieber Gambitbeauftragter? Ich bin zwar noch dabei, darüber nachzudenken, wer eigentlich lang rochieren wollte, aber …:

    [Event “get2net Cup GM, Aars DEN”]
    [Date “1999.??.??”]
    [Round “9”]
    [White “Fedorov, A”]
    [Black “Pedersen, St”]
    [Result “1/2-1/2”]
    [WhiteElo “2655”]
    [BlackElo “2425”]
    [ECO “C39”]

    1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 d6 6.Nxg4 Nf6 7.Nf2 Rg8 8.d4 Bh6 9.Nc3 Nc6 10.Nd5 Nxd5 11.exd5 Ne7 12.Qe2 Kf8 13.g4 Nxd5 14.g5 Bf5 15.Bd2 Qd7 16.O-O-O Re8 17.Qf3 Qa4 18.Bd3 Qxa2 19.c3 Bg6 20.Ne4 Nb6 21.Rde1 Na4 22.Nf6 Qxb2+ 23.Kd1 Qb3+ 1/2-1/2

    [Event “FIDE WCh KO, Las Vegas USA (3.2)”]
    [Date “1999.??.??”]
    [White “Fedorov, A”]
    [Black “Timman, J”]
    [Result “1/2-1/2”]
    [WhiteElo “2655”]
    [BlackElo “2650”]
    [ECO “C39”]

    1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Nf3 g5 4.h4 g4 5.Ne5 d6 6.Nxg4 Nf6 7.Nf2 Nc6 8.d4 Bh6 9.Nc3 Qe7 10.Be2 Bd7 11.Nd5 Nxd5 12.exd5 Nb4 13.c4 Bf5 14.O-O Bc2 15.Qd2 O-O-O 16.Bf3 Qxh4 17.Qxb4 1/2-1/2

  2. 5…d6 ist ja nur so eine Art Kieseritzky-Gambit. Aber wen Federov lang rochiert hat, nehme ich alles zurück.
    Naja, ein bisschen unklar bleibt mir noch, wie man mit der langen Rochade “nicht zu Stuhle” kommen kann, so nach dem Motto “Gegen N.N. musst du lang rochieren, damit kommt der nicht zurecht.”

  3. In dieser Variante ist das in der Tat nicht so selten, ein wichtiges Motiv im Königsgambit ist ja schließlich auch das Manöver Dd1-e2/f3-f2 mit Blick auf a7, um die gegnerische Rochadestellung anzugreifen. In der Tat hatte ich ähnliche Variante schon in den tiefschürfenden Partien im Netz auf dem Brett. (natürlich nur mit durchwachsenen Erfolg, da ich eher N.N. als Federov bin).

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