Unser loka­ler Regel-Papst schick­te mir nach nach­fol­gen­den Fall zur geis­ti­gen Erbau­ung der Leser­schaft. The­ma ist natür­lich Zif­fer 10.2 der FIDE-Regeln: 

In einem Open mit ins­ge­samt fünf Stun­den Bedenk­zeit hält Weiß am Zug mit nur noch 53 Sekun­den auf der elek­tro­ni­schen Uhr sel­bi­ge an, um Remis nach Zif­fer 10.2. zu rekla­mie­ren. Das Brett ist noch vol­ler Figu­ren und Bau­ern. Schwarz mit noch gut einer Stun­de Bedenk­zeit hat in etwa Turm und Läu­fer mehr, sein König tanzt aber irgend­wo auf der 6. Rei­he rum und Weiß hat Dame und Turm auf der 7. Rei­he. Er erklärt dem Schieds­rich­ter, dass er Dau­er­schach geben wol­le, dem kön­ne sich Schwarz nicht entziehen.

Der Schi­ri schaut kurz auf die Stel­lung und lässt wei­ter­spie­len. Weiß über­legt jetzt ca. 20 Sekun­den an sei­nem Zug und gibt – logi­scher­wei­se – Schach, Schwarz zieht sofort gegen (und notiert dabei kor­rekt), um Weiß kei­ne Gele­gen­heit zum Nach­den­ken zu geben. Der Plan von Schwarz ist offen­sicht­lich, in Rich­tung der Ecke h1 zu ren­nen, um dem Dau­er­schach zu ent­ge­hen, er hat auch noch einen Bau­ern auf der 3. Rei­he (g3 oder f3). Weiß über­legt erneut ca. 20 Sekun­den und Schwarz zieht wider sofort dage­gen. Weiß mit noch 12 Sekun­den auf der Uhr über­legt erneut – bis das Blätt­chen fällt. ABER: Es steht ein Matt in zwei Zügen auf dem Brett!

Argu­ment Schwarz: Ich habe wegen Zeit­über­schrei­tung gewonnen.
Argu­ment Weiß: Das ist Remis, Schwarz kann nicht mehr gewin­nen, da er in zwei Zügen Matt ist.

Wie wür­den Sie entscheiden?