Elefantenhochzeit

RENÉ GRALLA
Die FIDE spricht für geschätzt 600 Millionen Fans. Hinzu kommen 500 Millionen Aktive im XiangQi, der chinesischen Version. Eine potenzielle Zielgruppe, die Sponsoren eigentlich begeistern müsste. Wäre es deswegen nicht an der Zeit, dass die FIDE einen Dialog eröffnet mit der World XiangQi Federation (WXF)?
BESSEL KOK
Ich kann nur für »Global Chess« sprechen. Aber ich weiß, dass der FIDE-Präsident offen für solche Gespräche ist.
RENÉ GRALLA
Könnte der erste Schritt dafür ein Treffen der Großen Drei im Weltschach sein: Iljumschinow, WXF-Präsident Timothy Fok und Sie als Chef von »Global Chess«?
BESSEL KOK
Das ist möglich. 

Das Gipfeltreffen wurde im Neuen Deutschland schon mal vorbereitet. Die Realisierung dieser Phantasien bleibt uns hoffentlich erspart.

(Chinesischer) Springer am Rande… (5)

Die Durkin-Eröffnung hat wirklich Charme. Es macht einfach Spaß, das Pferd einleitend an den Rand des Brettes traben zu lassen, um auf diese Weise den Mainstream-Spießern mit ihren küchenphilosophischen Fibelsprüchen („Springer am Rand bringt Schand‘!“) lässig den Mittelfinger zu zeigen. Zumal sich der schachkulturell Interessierte, wenn er das Match mit 1.Sa3 beginnt, dabei in guter und jahrtausendealter Weisheit durchdrungener Gesellschaft weiß. Im chinesischen Schach XiangQi, das die Mehrheit der Asiaten für die Mutter aller Schacharten hält und das Ähnlichkeiten aufweist mit der FIDE-amtlichen Version, ist es eine akzeptierte Vorgehensweise, aus der Ausgangsstellung einleitend des linke Pferd („horse“) von b1 unverzüglich zum Punkt a3 traben zu lassen. Nach diesem Zug ist auf dem Brett des XiangQi der Durkin-typische Krafthebel aus Pferd auf a3 und Fußsoldat auf c4 installiert, weil schon in der Startposition der Infanterist auf c4 steht. Dagegen muss im FIDE-Schach der weiße c‑Bauer erst noch ziehen, um den Hebel zu installieren.

René Gralla versucht im Kaissiber 27 den Randspinger interkulturell zu legitimieren – anlässlich einer Gewinnpartie gegen Durkins Patent.