Kurz vor der letzten Runde fragte mich Axel nach einem Stift. Ich kenne die Situation. Eine Zeitlang hatte ich zu Punktspielen praktisch nie einen Schreiber dabei und mich immer beim Mannschaftsführer durchgeschlaucht. Irgendwas, irgendein Kugelschreiber. Ich machte damit ganz gute Erfahrungen. Eines Tages war ich aber soweit, dass ich nach einer Gewinnpartie überlegte, womit ich geschrieben hatte und diesen Stift in der nächsten Runde wieder zum Einsatz brachte. Ist das albern? Rational ist es wahrscheinlich nicht, aber immer noch besser, als vor der Partie neben dem Brett einen Berg aus Traubenzuckertabletten, Energy-Drinks und Plüschtieren aufzubauen, finde ich.

Jedenfalls gab ich Axel meinen Stift. Es ist ein guter Stift, sagte ich, er bringt Glück. Ich hatte damit, glaube ich, tatsächlich lange nicht verloren. Ganz sicher war ich mir aber nicht. Vielleicht hätte ich es nicht sagen sollen. Vielleicht hat es Axel zu sehr unter Druck gesetzt. Jetzt mache ich mir deswegen ein bisschen Vorwürfe.

Ich schrieb dann mit einem Bleistift. Nach ungefähr dreißig Zügen hatte ich eine verlorene Stellung. Wir waren beide in rasender Zeitnot. Mein Gegner machte noch Striche, ich legte den Bleistift zur Seite. Ralf schrieb mit und verzog keine Miene, als ich ihn zwischendurch ansah und herausfinden wollte, ob wir die Zeitkontrolle schon geschafft hatten. Wir hatten und als das Blättchen schließlich fiel, stand ein haltbares Endspiel auf dem Brett.

Ich weiß jetzt nicht, welchen Stift ich das nächste Mal nehmen soll.